Bundestrainer

Seit dem 12. Juli 2006 ist Joachim Löw Bundestrainer. Löw ist der zehnte Chefcoach beim DFB. Gemeinsam haben die Bundestrainer die Geschichte der Nationalmannschaft zu einer Erfolgsgeschichte gestaltet. Die Fluktuation ist niedrig, die Anzahl der Titel hoch. Viermal wurde Deutschland Weltmeister, dreimal Europameister, insgesamt standen deutsche Bundestrainer mit ihren Mannschaften in 13 Endspielen bei den großen Turnieren. Ob Reichstrainer, Bundestrainer oder DFB-Teamchef: Sie alle haben Erfolge gefeiert und Spuren hinterlassen.

Im Jahr 1908 bestritt die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel. Doch es dauerte fast zwei Jahrzehnte, ehe im Jahr 1927 an ihrer Spitze erstmals ein hauptverantwortlicher Trainer stand: Otto Nerz, ein studierter Pädagoge und Doktor der Medizin. Unter dem ehemaligen Außenläufer des VfR Mannheim hatten Disziplin und Organisation höchste Priorität. Das straffe Regiment führte die Nationalmannschaft zu beachtlichen Erfolgen. 1934 erreichte das DFB-Team unter Nerz bei der WM in Italien einen überraschenden dritten Platz.

Vier Jahre später trat mit Sepp Herberger ein anderer Mannheimer an die Seite von Nerz. Zunächst war Herberger „nur“ das Training übertragen worden, 1938 wurde er alleinverantwortlicher Reichstrainer. Bei der WM in Frankreich schied Deutschland zwar in der ersten Runde gegen die Schweiz aus, doch nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte Herberger als Bundestrainer zum Wegbereiter des „Wunders von Bern“. Herberger war ein gewiefter Taktierer und meisterhafter Psychologe, der es verstand, für jeden Spieler die richtige Ansprache zu finden. Am 4. Juli 1954 manifestierte sich mit dem 3:2-Sieg über Ungarn im Finale der WM in der Schweiz der Mythos des „Weisen von der Bergstraße“.

"Schön(e) Zeit" gekrönt vom WM-Titel 1974

Der Jahrhundert-Triumph von Bern überstrahlt bis heute die sportlich weniger glorreiche Dekade, die auf den Titelgewinn 1954 folgen sollte. Erst nach dem Amtsantritt von Helmut Schön im November 1964 kehrte der Erfolg zurück. Schön profitierte davon, dass sich die Rahmenbedingungen für den Bundestrainer durch die Einführung der Bundesliga verbessert hatten. Zwischen 1966 und 1976 erlebte die Nationalmannschaft unter Schön ihre Blütezeit. Dem Bundestrainer standen Spieler wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller sowie die Italien-Profis Helmut Haller und Karl-Heinz Schnellinger zur Verfügung. Mit Schön prägten diese ein „Goldenes Jahrzehnt“, das durch den Einzug in zwei WM- sowie zwei EM-Endspiele glanzvolle Höhepunkte hatte. Der EM-Gewinn 1972 beendete die titellosen Jahre, gekrönt wurde die „Schön(e)-Zeit“ durch den Triumph bei der Heim-WM 1974 mit dem 2:1-Sieg gegen die Niederlande im Finale von München.

Nach dem Ende der 14-jährigen Schön-Ära stieg Jupp Derwall im Oktober 1978 vom Assistenten zum Bundestrainer auf. Derwall lebte einen liberalen Führungsstil, er erzog die Spieler zu Eigenverantwortung und förderte mündige Spieler – mit Erfolg. Seine Startserie ist atemberaubend: 23 Länderspiele ohne Niederlage gipfelten im Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1980 in Italien. Bei der WM 1982 in Spanien führte Derwall sein Team zudem ins WM-Finale von Madrid, das gegen Italien mit 1:3 verloren wurde. Es war der Beginn eines schleichenden Abschieds. Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 1984 in Frankreich trat Derwall vom Posten des Bundestrainers zurück.

Die Zeit war reif für die zweite „Kaiser“-Zeit. Franz Beckenbauer kehrte im September 1984 an die Spitze der DFB-Auswahl zurück, diesmal leitete er die Geschicke nicht auf, sondern neben dem Rasen. Mangels Lizenz nicht als Bundestrainer, Beckenbauer firmierte als „Teamchef“. Und stellte kurz nach seiner Amtsübernahme fest: „Der deutsche Fußball steckt in einer tiefen Krise und benötigt zehn Jahre zur Regeneration.“ Beckenbauer irrte. Bereits zwei Jahre später spielte die Nationalmannschaft wieder erfolgreich Fußball, bei der WM 1986 in Mexiko stand nur Argentinien dem Titelgewinn im Weg. Bei der WM vier Jahre später war es dann so weit: In Italien gelang Deutschland die Revanche. Andreas Brehme machte Deutschland mit seinem Elfmeter gegen Argentinien zum dritten Mal zum Weltmeister.