Cacau, der DFB-Integrationsbeauftragte

Früher sollte er oft die Führung erzielen, heute ist er für den Ausgleich zuständig. Ex-Nationalspieler Cacau ist der neue Integrationsbeauftragte des DFB. Der gebürtige Brasilianer bringt Authentizität und Persönlichkeit mit in seine Aufgabe. Und jede Menge Energie.

Cacau hat nach seiner einmaligen fußballerischen Laufbahn, die ihn aus ärmsten Verhältnissen in Brasilien über einen Münchner Landesligaklub bis zur Weltmeisterschaft nach Südafrika führte, eine Kernaufgabe beim DFB übernommen. Der 23-malige Nationalspieler ist Integrationsbeauftragter beim weltgrößten Sportfachverband. "Ich will nicht nur das Gesicht sein, ich möchte in das Thema eintauchen", sagt Claudemir Jeronimo Barreto, den alle Welt "Cacau" nennt.

Bereits seit 2006 hat der organisierte Fußball die gezielte Förderung des Miteinanders durch den Fußball intensiviert. Cacau betritt also kein Neuland und muss auch keine Pionierarbeit leisten. Doch ist Integration für alle ein großes Thema und für manche ein Reizwort. Der Zulauf bei Pegida oder Ergebnisse in der Einstellungsforschung ließen Ende 2016 erahnen, wie viel Gespür und gleichzeitig Haltung Cacau in seiner neuen Rolle beweisen muss.

Cacau: "Fußballer haben Vorbildfunktion"

Auf seiner neuen Position legte er los, wie man es von ihm kennt. Cacau gelang ein Blitzstart. Beim WM-Gruppenspiel gegen Australien 2010 hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw eingewechselt, und der Sekundenzeiger war gerade 110-mal vorangeruckt, schon klingelte es: bis heute das zweitschnellste WM-Tor nach einer Einwechslung. Zug zum Tor, Klarheit im Abschluss – genauso wie jetzt bei seinem Amtsantritt. An einem Dienstag im November stellte er sich den Medien vor, am Donnerstag und Freitag diskutierte er buchstäblich bis in die Nacht auf einer DFB-Konferenz in Kaiserau, am Sonntagabend war er Studiogast beim SWR-"Flutlicht", und am Montag sprach er wieder über Integration, diesmal als Interviewgast bei der Übertragung des Zweitligaspiels Stuttgart gegen Nürnberg.

Und erntete überall Zustimmung. "Man kann keinen Profi zwingen, sich zu gesellschaftlichen Themen zu äußern. Aber natürlich haben wir Fußballer eine Verantwortung und eine Vorbildfunktion", sagte er etwa in der Sportschule Kamen-Kaiserau. "Ich freue mich auf diese Aufgabe. Es ist nicht die eine tolle Idee, die alles löst. Aber wenn man versteht, dass Integration bei einem selbst anfängt, ist schon viel gewonnen", sagte er beim Pressetermin in Frankfurt. Mit Juniorenmannschaften aus dem Elitefußball will er bald Sozialprojekte besuchen: "Es ist keine vertane Zeit, wenn gerade junge Spieler erleben, dass die Fußballwelt nicht alles ist." Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er in der Gemeinde Korb bei Stuttgart. Dass er 2008 die Einbürgerung beantragte, hatte nichts mit seinen sportlichen Ambitionen und alles mit seiner Liebe für Deutschland zu tun. Im Oktober 2016 setzte er dann den Schlusspunkt unter seine Fußballerkarriere. Seitdem hat er ein Sportmanagement-Studium an der ESM-Academy in Nürnberg begonnen. Irgendwann will er als Sportdirektor in den bezahlten Fußball zurückkehren.

"Man darf sich nicht zu sehr ängstigen lassen"

In seiner Heimat Brasilien war sein Weg in den Profifußball ins Stocken geraten. Der brasilianische Teenager wollte es in Deutschland versuchen – und landete 1999 beim bayerischen Landesligisten Türk Gücü München. Wenn Cacau davon berichtet, wie der Trainer  eine Ansprache auf Türkisch hielt, ein Mitspieler die Rede ins Deutsche übersetzte und er kein Wort verstand, dass sein erstes Deutsch-Buch "Moment mal" hieß und wie sehr er in seinem ersten deutschen Winter fror, ist das alles seine ganz eigene Integrations-Erfahrung. Er weiß, wovon er spricht. Und sagt: "Viele Menschen haben mir damals uneigennützig und sehr herzlich weitergeholfen. Ich glaube, ich kann Einwanderern glaubwürdig vermitteln, welche Chancen einem offenstehen. Und wie viel man dafür leisten muss."

Mit Sorge verfolgt er die Nachrichten über die steigende Anzahl rechtsextremer Straftaten: "Das ist nicht das Deutschland, das ich kenne. Aber man darf sich auch nicht zu sehr ängstigen lassen. Das ist nicht die Mehrheit, es sind radikale Einzeltäter oder radikale Gruppen, von denen die Gefahr ausgeht. Solche Übergriffe schaden auch dem Ansehen Deutschlands in der Welt." Er sagt: "Gerade bei Flüchtlingen ist es wichtig, dass wir einheimischen Deutschen auf die Menschen zugehen, denn wer neu irgendwo ankommt, hat meist Hemmungen." Und er sagt auch: "Dieses Land gibt einem eine riesige Chance. Es ist dann okay, dankbar zu sein und diese Dankbarkeit auch zu vermitteln."

Ob in 263 Pflichtspielen für den VfB Stuttgart oder in drei Jahren bei der Nationalmannschaft, im Grunde war er immer ein Mittelstürmer. Die Rolle als Mann in der Mitte soll er nun noch einmal für den DFB spielen. Nur ist nicht mehr der Führungstreffer sein Job. Die Aufgabe ist schwerer geworden. Es geht um den Ausgleich.

Kontakt über integration@dfb.de.