Saisonauftakt 2020/21: Start ins Ungewisse!

Der Start in die Saison 2020/21 steht unmittelbar bevor. Dabei stehen alle Fußballerinnen und Fußballer in diesem Jahr vor einem ungewissen Spieljahr: Können die Spiele in Zeiten von Corona überhaupt reibungslos über die Bühne gehen? Was passiert, wenn in einem Team ein Coronafall auftritt? Wie lassen sich die Hygieneregeln umsetzen? Kreativität ist gefragt – und trotzdem besteht ein Restrisiko, dass die Saison bei steigenden Infektionszahlen vor allen Dingen im Herbst und Winter schneller wieder zu einem Ende kommt, als allen lieb ist.


Die jüngsten Ereignisse im Berliner Fußball-Verband zeigen, wie zerbrechlich das Gebilde doch ist. Am vergangenen Wochenende sollten hier die Spiele beginnen. Nach einer Verschärfung der Hygieneregeln durch die Behörden musste der Saisonstart jedoch zunächst einmal sehr kurzfristig verschoben werden. Nun startet die Saison zwar mit nur einwöchiger Verspätung doch am kommenden Wochenende, aber die Rückrunde entfällt in weiten Teilen. Gegebenenfalls soll es in einzelnen Spielklassen dafür Playoff- und Playdown-Spiele geben. Alles offen!

So streng wie in Berlin sind die Auflagen an anderen Orten nicht. Aber auch ihre Verschiedenheit trägt nicht zu großer Selbstsicherheit bei allen Beteiligten vor dem Saisonstart bei. Je nach den in dem jeweiligen Landesverband bestehenden Richtlinien haben die Vereine zwar einen groben Überblick darüber, was erlaubt ist und was nicht. Aber die genauen Abläufe am Spieltag: Wer weiß das schon?

Kabinennutzung: ja oder nein?

Zunächst einmal wird der Ablauf des Spieltages in allen Bereichen stark von den regionalen Bestimmungen abhängen. Stehen beispielsweise noch gar keine Umkleiden oder Duschmöglichkeiten zur Verfügung, wird sich die zeitliche Gestaltung des Tages sicher anders darstellen, als wenn dies wieder der Fall ist. Sollten Kabinen vorhanden sein, kommt es natürlich vor allem in den Innenbereichen auf die Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands von 1,5 Metern an. Wenn sich hier nicht gerade ein Kinderteam in einer großen Kabine umzieht, so ist dies mit einer Fußballmannschaft in einer Kabine kaum umsetzbar.

Entsprechend sollten einer Mannschaft möglichst zwei Kabinen zur Verfügung stehen. Für ein einziges Spiel wären so vier Kabinen erforderlich. Vereine, die sonst schon während der Saison in Bezug auf die Kabinennutzung an ihre Grenzen stoßen, müssen hier umdenken. Möglich wäre auch, jeweils eine Kabine in Etappen zu benutzen: Die Mannschaft teilen und nacheinander umziehen, erfordert aber mehr Zeit. Gemäß den Vorgaben sollen zwischen den Spielen zwar ausreichende Zeitfenster eingeplant werden, doch auch diese Lösung beinhaltet zumindest die Gefahr, dass man sich trotzdem mit anderen Teams begegnet.

Eine gute Planung ist das A und O!

Die coronaadäquate Belegung von Plätzen und Kabinen ist schon eine Herausforderung, der sich die Vereine bereits deutlich im Voraus der ersten Spiele stellen müssen. Beschilderungen und klare zeitliche Einteilungen geben nicht nur Orientierung, sondern sind für eine möglichst sichere Durchführung des Spielbetriebs unerlässlich. Auch die Zuschauerlisten, sofern diese zugelassen sind, müssen geführt werden. Möchte sich der Trainer neben seinen Teamaufgaben hierum nicht auch noch selbst kümmern, ist Unterstützung aus dem Verein gefragt, oder es müssen Zuständigkeiten im Teamumfeld (z. B. Eltern) festgelegt werden, die in dieser Hinsicht Zuverlässigkeit garantieren.

Die Hände zu desinfizieren ist für alle Besucher von Fußballspielen eine wichtige Hygienemaßnahme. © 2020 Getty Images / Cathrin Mueller
Die Hände zu desinfizieren ist für alle Besucher von Fußballspielen eine wichtige Hygienemaßnahme.

Nur wer rechtzeitig plant, wird am Wochenende den Kopf auch für sportliche Dinge frei haben können! Manchmal gilt es dabei, auch über den Tellerrand zu schauen: Welche Möglichkeiten gibt es, um zum Beispiel unübersichtlichen Kabinensituationen aus dem Weg zu gehen? Manchmal – falls dies in dem entsprechenden Bundesland zulässig ist – ist die Lösung dabei einfacher als gedacht: Wird der Mindestabstand von 1,5 Metern in geschlossenen Räumen unterschritten, gilt Maskenpflicht. So ließen sich sogar kurze Teambesprechungen regelkonform durchführen. Den Mund-Nasen-Schutz währenddessen für wenige Minuten zu tragen, wird keinen wirklich beeinträchtigen!

Ausweichmöglichkeiten ins Auge fassen

Noch besser ist es natürlich, die Mannschaftsbesprechung an besser belüfteten Orten durchzuführen. Bestmöglich trifft man das Team kurz draußen, solange die Witterung dies zulässt. Ansonsten muss man gegebenenfalls kreativ werden. Mit etwas Vorbereitungszeit lässt sich auch ein Konferenz- oder Besprechungsraum für eine Teambesprechung nutzen. Oder der Verein verfügt sogar über einen Kursraum, der mit Sitzgelegenheiten versorgt werden kann. Solche Räume sind zumeist größer als Kabinen. Auch wenn sie in ihrer eigentlichen Bestimmung nicht als Umkleidekabinen gedacht sind – ehe die Räumlichkeiten am Wochenende ungenutzt bleiben, könnten sie auch kurzzeitig zu einer Kabine umfunktioniert werden.

Doch auch hierum muss sich der Trainer im Vorfeld kümmern: Ohne frühzeitige Absprache und Reservierung läuft hier sicher nichts! Stehen die Räume jedoch zur Verfügung, sollte von Vereinsseite gegen solche Ideen auch nichts einzuwenden sein. Denn in Zeiten von Corona, in denen Social Distancing großgeschrieben wird, sollte man zumindest im übertragenen Sinne zusammenrücken, um diese schwierige Situation gemeinsam zu bewältigen.

Mehrere Auswechselbänke

Kommen wir final zum Spiel auf dem Platz! Auch hier gibt es coronabedingte Einschränkungen. Die Möglichkeit, unbegrenzt wechseln zu können, mögen einige Teams vor allem in der Saisonvorbereitung vermisst haben. Nur 15 Spielerinnen und Spieler durften hier pro Spiel jeweils zum Einsatz kommen, um nicht die in den meisten Verbänden geltende Kontaktzahl von maximal 30 Personen zu überschreiten.

Während der Saison gelten diese Zahlen jedoch unabhängig von Corona ohnehin. Allerdings bringen die Details dieser Regelung noch Nachfragen mit sich: In manchen Kreisen und Verbänden dürfen die Vereine pro Elfer-Team bereits vor Anpfiff auch nur jene 15 Akteure in den Spielbericht eintragen. Dies bedeutet, dass der Trainer bereits vor dem Spiel festlegen muss, wen er einwechseln möchte.

Mehr Spielraum bietet da die Regelung in anderen Kreisen und Verbänden: Hier dürfen bis zu 18 Spielerinnen und Spieler auf den Spielberichtsbogen geschrieben werden. Verbunden wird diese Möglichkeit mit der klaren Empfehlung, dass nach Spielbeginn jene Spielerinnen und Spieler, die am Ende nicht zum Einsatz kommen werden, nicht mehr mit anderen Teammitgliedern (z. B. nach Auswechslungen) in Kontakt kommen.

Möglich würde dies zum Beispiel mit dem Einsatz von zwei getrennten Ersatzbänken – zwei entfernt aufgestellte Bierbänke können hier bereits ausreichen. Die ausgewechselten Spielerinnen und Spieler nehmen einfach auf der zweiten Bank Platz und verzichten lediglich auf das Abklatschen mit den anderen. Theoretisch, so ein Staffelleiter, sei es so sogar möglich, ein anderes als die im Spielbericht verzeichneten Teammitglieder einzuwechseln – schließlich könne man diese nach dem Spiel durch den Schiedsrichter auch noch nachträglich anstelle eines anderen aufnehmen lassen. Es müsse jedoch in jedem Fall dafür Sorge getragen werden, dass sich alle Teammitglieder, die am Ende nicht mehr im Spielbericht auftauchen, in die bereitliegenden Zuschauerlisten eintragen – mit allen Kontaktinformationen, um eine Nachverfolgbarkeit im Falle einer Coronainfektion im Teamumfeld zu gewährleisten.


Die örtlichen Vorschriften gelten!

Die Inhalte unseres Beitrags haben wir aus verschiedenen Verbänden und Kreisen zusammengestellt. Sie bilden jedoch nicht die bundesweiten Vorschriften ab. Für alle Vereine, Mannschaften und Spiele gilt: Rechtlich bindend sind lediglich die Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes, Landkreises und der Stadt sowie des jeweiligen Fußballverbandes bzw. -kreises! Der Beitrag soll lediglich bestehende Aufgabenfelder und mögliche Lösungen im Rahmen der jeweils gültigen Bestimmungen aufzeigen und dazu anregen, kreativ darüber nachzudenken, wie die bestehende Lage bestmöglich überwunden werden kann, ohne dass der Spielbetrieb aus Gründen einer fehlenden Hygienedisziplin oder zu stark ansteigenden Infektionszahlen wieder eingestellt werden muss. Vor diesem Hintergrund wünschen wir allen Teams eine erfolgreiche Saison 2020/21 – und vor allem Gesundheit!