Rückblick: Trends der Fußball-Saison 2021/22

Traditionell schließt das Fußballjahr für die meisten Europäer mit dem Champions League Finale. Nach drei Jahren ohne Henkelpott sicherte sich in dieser Spielzeit Real Madrid die begehrte Trophäe – zum insgesamt 14. Mal in der Geschichte des Klubs. Wir werfen einen Blick auf die abgelaufene Saison und zeigen, was sich im deutschen und internationalen Fußball so getan hat.

Das Ende des Jugendwahns?

In der jüngsten Vergangenheit war auf dem Transfermarkt kaum ein Thema so heiß wie die Suche nach dem nächsten Top-Talent. Allen voran waren es die Borussen aus Dortmund, die immer wieder mit Verpflichtungen junger Spieler auf sich aufmerksam machten. Dabei handelte es sich oftmals nicht um bloße Wetten auf die Zukunft, sondern um Sofortverstärkungen, die ihren Marktwert quasi mit dem ersten Schritt auf den Rasen vervielfachen konnten. Das ist zwar sicherlich nicht schlecht für die Vereinskasse, aber die Titelträume der Schwarz-Gelben konnten auch Jude Bellingham und Erling Haaland nicht erfüllen.

Die Meisterschaft in der Bundesliga holten schließlich einmal mehr die Bayern, die mit einem Altersdurchschnitt von 25,8 einen Kader im "besten Fußballer-Alter" hatten. Dieser Schnitt kam vor allem durch eine Achse aus gestandenen Nationalspielern wie Niklas Süle, Lucas Hernández, Benjamin Pavard, Joshua Kimmich, Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman zustande. Doch der Weg zum Erfolg wurde letztendlich vor allem erneut durch die beiden "Alt-Stars" Thomas Müller (32 Jahre, 8 Tore, 21 Vorlagen in 32 Bundesliga-Einsätzen) und Robert Lewandowski (33 Jahre, 35 Tore, 3 Vorlagen in 34 Bundesliga-Einsätzen) geprägt. Natürlich boten die Bayern auch ihren Talenten – allen voran Jamal Musiala – immer wieder eine Bühne, aber so viel Verantwortung wie die jungen Spieler in Dortmund mussten diese nicht schultern.

Ein ähnliches, wenn nicht sogar noch extremeres Bild zeichneten die "Galaktischen" aus Madrid: Mit einem Durchschnittsalter von 27,5 Jahren standen Carlo Ancelotti sogar noch erfahrenere Spieler zur Verfügung als Julian Nagelsmann als Trainer der Bayern. Die fast schon als "Alt-Herren-Mannschaft" abgestempelten Madrilenen spielten eine nahezu perfekte Saison, in der sie nicht nur mit 13 Punkten Vorsprung souverän die spanische Meisterschaft, sondern mit riesigen Comeback-Qualitäten ausgestattet auch noch die Champions League gewannen. Zwar trugen große Talente wie Vinicius Junior und Eduardo Camavinga durchaus ihren Teil dazu bei, doch das prägende Gesicht der Mannschaft war eindeutig Karim Benzema, der mit seinen 34 Jahren wettbewerbsübergreifend auf die sagenhafte Quote von 44 Toren und 15 Vorlagen in 45 Einsätzen kommt.

Bundesliga (Deutschland): Robert Lewandowski (33 Jahre, 35 Tore)

2. Bundesliga (Deutschland): Simon Terodde (34 Jahre, 30 Tore)

Ligue 1 (Frankreich): Kylian Mbappé (23 Jahre, 28 Tore)

LaLiga (Spanien): Karim Benzema (34 Jahre, 27 Tore)

Serie A (Italien): Ciro Immobile (32 Jahre, 27 Tore)

Premier League (England): Mohamed Salah (29 Jahre, 23 Tore)


Die Bedeutung "realtaktischer" Formationen

Seit geraumer Zeit können die Expert*innen in ihren Vorberichten zum Spiel nur noch mutmaßen, mit welcher Formation die Teams nun tatsächlich antreten. Sätze wie: "Wir erwarten eine Grundordnung mit Viererkette, aber wenn Spieler X sich fallen lässt, könnte das auch zu einer Dreier- bzw. Fünferkette werden", sind keine Seltenheit mehr. Der Fußball wird immer dynamischer und vielschichtiger und bewegt sich dabei stetig weg von starren Grundordnungen, hin zu prinzipien- und rollenbasiertem Denken. Eine kleine Reihe solcher Prinzipien haben wir in den vergangenen Wochen im Bereich "Training & Service" für euch aufbereitet:

Überzahl schaffen im Spielaufbau

Einrücken und den Flügel Überladen

Verteidigen aus und mit Prinzip: Strafraumverteidigung

Locken und Verlagern

Vorwärtsverteidigen nach Vertikalpass

"Sichtbarkeit" der Frauen

Auch der Frauenfußball hat in dieser Spielzeit einige Meilensteine erreicht. Nachdem kritische Stimmen zum Thema "Sichtbarkeit" in der Vergangenheit immer lauter wurden, sorgte vor allem die mediale Präsenz der UEFA Women's Champions League für spürbare Veränderungen. So zogen die Heimspiele der Barca-Frauen gegen Real Madrid und den VfL Wolfsburg beispielsweise jeweils über 90.000 Fans ins Camp Nou. Knapp die Hälfte sahen sich das Halbfinalrückspiel zwischen PSG und Olympique Lyon live im Stadion an. Der alte Zuschauerrekord in der Women's Champions League lag bei gerade einmal 22.911 Zuschauer*innen, die sich das Halbfinale 2019 zwischen Lyon und Chelsea im Stadion anschauten. Weltweit sahen rund 3,6 Millionen Live-Zuschauer das diesjährige Finale zwischen Lyon und Barcelona im Stream.

Flyeralarm Frauen-Bundesliga (Deutschland): VfL Wolfsburg

DFB-Pokal (Deutschland): VfL Wolfsburg

Champions League (Europa): Olympique Lyon

Division 1 (Frankreich): Olympique Lyon

Serie A (Italien): Juventus Turin

Super League (England): FC Chelsea

Liga Iberdrola (Spanien): FC Barcelona