Metzelder über den Eckstoß: "Der Erfolg ist vom Schützen abhängig!"

Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder ist neben seiner Tätigkeit als TV-Experte U19-Trainer des TuS Haltern. Er erklärt, warum derzeit so viele Tore nach Standards fallen und was die entscheidenden Faktoren beim Ausführen einer Standardsituation sind. Zusätzlich skizziert er die Probleme, die auf dem Trainingsplatz entstehen und es zu einem vernachlässigtem Schwerpunkt machen.


"Es gibt hier mehrere Probleme! Zuallererst der Faktor Zeit: Ich muss alle Schwerpunkte in zwei oder drei Einheiten pro Woche unterbringen. Jeder Amateurtrainer weiß, dass er nie alle Spieler an allen Tagen zur Verfügung hat. Die Herausforderung ist also eine Periodisierung, die alle Spieler am Wochenende in dieselbe Verfassung bringt. Da bleibt schlichtweg kaum Zeit für Standards. Ein weiteres Problem ist die Trainingsbeteiligung. Sind der Schütze und/oder die Zielspieler nicht da, wird das Training von Standards schwierig. Häufig kommt es nur im Abschlusstraining in Frage. Außerdem machen Standards aufgrund der langen Standzeiten gerade im Herbst und Winter wenig Spaß! Hinzu kommt mangelnde Aufmerksamkeit: Besonders das Sparring-Team oder die nicht direkt beteiligten Spieler nicht schalten schnell ab."

"Wir befassen uns im Trainingslager intensiv mit Varianten, die wir dann für die gesamte Saison mitnehmen. Trainer und Co-Trainer studieren mit jeweils einer Mannschaft Varianten ein und spielen sie dann in einem abschließenden 11 gegen 11 aus. Ausgangspunkt ist immer eine Standardsituation. Anschließend hat die verteidigende Mannschaft eine Kontermöglichkeit."

"Im Trainingslager bekommen die jeweiligen Teams die Möglichkeit, selber Vorschläge zu machen. Nach dem internen Trainingsspiel zum Abschluss werden dann die ‘Best-of-Varianten’ für die gesamte Saison visualisiert. Diese haben wir bei den Spielen immer dabei, um sie in Erinnerung zu rufen."

"Wir trainieren die Offensive gegen ein Sparringsteam. Grundsätzlich haben wir bei Eckstößen beide Pfosten und den Rückraum immer doppelt besetzt, ansonsten gehen wir in eine direkte Zuordnung. Sollten uns beim Gegner Varianten bekannt sein, gehen wir in der Spielvorbereitung darauf ein."


Eckballvarianten der U 19 des TuS Haltern:

Variante 1

Variante 2

Variante 3


Kommentar zu Eckstößen

"Aus meiner Sicht ist eine kurze und eine geschlagene Variante (ob vom Tor weg oder zum Tor hin) mit definierten Laufwegen und der Besetzung von Rückraum und vor dem Torwart notwendig. Die Variante, die gespielt werden soll, ist maßgeblich davon abhängig, ob der Gegner im Raum oder in Manndeckung verteidigt. Außerdem ist der Torhüter ein wichtiger Faktor: Seine Größe und wie stark er in der Raumverteidigung ist.

Spielt der Gegner in Manndeckung, müssen Räume für unsere Zielspieler durch Laufwege oder ‘Freiblocken’ freigezogen werden. Verteidigt der Gegner hingegen in Raumdeckung, so kann eine kurz ausgespielte Variante, die den Gegner in Bewegung bringt, helfen. Ob wir den Ball dann zum Tor hin oder vom Tor wegschlagen, mache ich von unserem Schützen abhängig. Derzeit haben wir nur Rechtsfüßer, sodass die Ecken je nach Seite zum Tor hin und vom Tor weg geschlagen werden.

Beim Verteidigen von Ecken bin ich grundsätzlich immer ein Freund der Manndeckung, weil sie klare Zuordnungen schafft. Manchmal kombiniere ich das mit einem oder zwei freien kopfballstarken Spielern, die die Zielzonen des Gegners besetzen. Wir besetzen beide Pfosten, weil ich der Meinung bin, dass es in erster Linie um die Verteidigung des Tores geht. Gerade im Profibereich sehen wir Woche für Woche Gegentore, die durch eine Besetzung des Pfostens hätten verhindert werden können. Wichtig für die Spieler am Pfosten ist, dass sie bei vom Tor weg geschlagenen Ecken aktiv mitspielen und nach vorne verteidigen, da sie sonst bei verlängerten Bällen auf der Linie das Abseits aufheben!"


Weitere Tipps und Informationen zu Standards sind unter 'Themenverwandte Links' zusammengestellt.