Die Spieler 'packen'

Spieltag für Spieltag gilt es nicht nur, die Mannschaft taktisch vorzubereiten, sondern sie auch so zu ‘packen’, dass alle Spieler von der ersten Minute an hochmotiviert sind. Doch selbst der beste Spruch wiederholt sich irgendwann, sodass sie nach einer gewissen Zeit schon vorher wissen, was kommt – und folglich nicht mehr an den Lippen ihres Trainers hängen. Frank Ewert ist Amateurtrainer. Er schlägt aus Tagesaktualitäten bzw. aus Zitaten bekannter Sportler Brücken zu der jeweiligen Situation und erzielt damit von Anfang an die gewünscht hohe Aufmerksamkeit seiner Spieler.


Die ‘Motivationskiste’

Egal ob in Zeitungen, im Radio oder im Fernsehen: Immer wieder stoße ich durchaus zufällig auf Aussagen prominenter Sportler oder Trainer, die mir einfach gefallen. Ich notiere sie oder schneide sie aus, um sie bei Gelegenheit in einer Spielvorbesprechung anwenden zu können. So habe ich mir im Lauf der Jahre eine ‘Motivationskiste’ zugelegt, in die ich jederzeit hineingreifen kann. Wichtig ist, dass die Spieler von der ersten Sekunde an aufmerksamer sind, als wenn ich sofort die Aufstellung an die Tafel schreibe. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, dass das Zitat wie die berühmte Faust aufs Auge passt, sondern dass es auf die jeweilige Situation vor dem Spiel heruntergebrochen werden kann. Ich greife aber auch Themen auf, die nicht unmittelbar mit dem Fußball zusammenhängen müssen.

Positionen

Spieler A ist mit Ball sehr schnell und stark im 1 gegen 1. Er sieht sich selbst als reiner Stürmer oder Offensiver, weil er Tore erzielen will. Das hat er auch schon häufig geschafft, doch hat der Trainer festgestellt, dass A diese Stärken nur zeigen kann, wenn er frontal zum Tor und Gegner agiert – nicht aber, wenn er mit dem Rücken zum Tor steht, vom Gegner unter Druck gesetzt und der Raum klein gemacht wird. Dann nämlich findet A keine Lösungen mehr und versucht sich die Bälle vorher abzuholen. Eine denkbare Lösung wäre, ihn nicht im Sturm aufzustellen (wo er sich zwar selber eigentlich sieht), sondern als äußeren Mittelfeldspieler, damit er das Spiel vor sich hat und seine Stärken häufiger einsetzen kann.

Bezug zur Spielvorbereitung

Der Trainer will einen Spieler auf einer für ihn neuen Position einsetzen und weiß, dass dies für die Mannschaft überraschend sein wird. Dem Betreffenden hat er seine Maßnahme bereits erklärt, und nun gilt es, das Team zu überzeugen – schließlich sollen alle diese Entscheidung mittragen. Er erläutert, welchen Wert der Spieler damit für sein Team auf der neuen Position haben kann, wenn er von seinen Mitspielern entsprechend eingesetzt wird. Es kann sehr hilfreich sein, dabei auf Thomas Müllers Kommentar anlässlich der Verpflichtung von James Rodriguez zu verweisen.

Nach Rückschlägen aufstehen

Ja: Man muss sich vor dem Spiel bewusst sein, dass auch mal etwas schiefgehen und man sogar verlieren kann. Der Spieler kann den Ball verstolpern, das leere Tor verfehlen, über den Ball treten, ein Eigentor erzielen usw. Doch sollte man immer weitermachen, den Glauben an sich selbst nicht verlieren, solange das Spiel nicht abgepfiffen ist.

Bezug zur Spielvorbereitung

Die Anspannung in der Kabine ist vor besonders wichtigen Spielen oder gegen übermächtig erscheinende Gegner meist geradezu greifbar. Die Füße mancher Spieler tippeln auf dem Boden, die Oberschenkel zittern usw. A ermahnt seinen Sitznachbarn B gerade, bloß nicht dieses oder jenes zu tun – dann droht der berühmte »Denk-nicht-an-die-gelbe-Zitrone«- Effekt. Der Trainer kann dies verhindern, indem er darauf hinweist, dass es solche Momente immer geben kann, es aber entscheidend ist, sich sofort danach wieder aufzurappeln, sich dabei gegenseitig zu helfen und stets an den Punktgewinn zu glauben. Selbst bei einem 0:2-Rückstand in der 86. Minute sind immerhin noch vier Minuten plus Nachspielzeit zu spielen!

Getty Images 2018/ TF-Images

Vermeintliche Überraschungen in der Aufstellung

Den Satz von Horst Hrubesch mag man auch auf eine mittel- oder langfristig angelegte Mannschaftsfindung bzw. Stammformation beziehen können. Und er gilt sicher eher für den Spitzen- als für den Amateurfußball. Denn normalerweise stehen im unteren Leistungsbereich die besten Spieler immer in der Startelf. Selbst wenn sie mal in einer Formkrise sind, verzichtet der Trainer nur ungern auf sie, machen sie doch selbst an einem schlechten Tag oft immer noch den Unterschied aus. Zudem haben wir angesichts der meist relativ kleinen Kader nur selten wirkliche Alternativen. Entscheiden wir uns aber doch einmal dazu, einen solchen Spieler draußen zu lassen, muss dies klar kommuniziert werden.

Bezug zur Spielvorbereitung

Ein Leistungsträger hat am Vorsonntag sehr schwach gespielt – geringe Laufbereitschaft, mangelnder Einsatzwille, nachlässige Körpersprache. Der Trainer spricht das in seiner Spielanalyse offen an. Schließlich sind die anderen Spieler nicht blind und haben dieses Verhalten sehr wohl registriert. Der Spieler hat nun die gesamte Trainingswoche Zeit, sich zu zeigen, an besagten Punkten zu arbeiten und auf sich aufmerksam zu machen. Macht er das aber nicht und zeigt weiterhin seine lasche Einstellung, sollte der Trainer mit einem Wechsel reagieren, weil eben nicht immer die Besten auch die momentan Richtigen sind, wenn sie es an Einstellung, Motivation oder Mentalität fehlen lassen. Wichtig ist allerdings, dem Betreffenden die Tür weiter offenzuhalten und ihm wie auch der Mannschaft klarzumachen, dass es eine nur für dieses eine Spiel geltende Maßnahme ist – siehe „Sie haben immer die Möglichkeit ihren Trainer zu zwingen, sie aufzustellen“.


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