Auf den Spuren von Shinji Kagawa

Was haben die Japaner den Belgiern im Achtelfinale der Fußball-WM 2018 in Russland einen beherzten Kampf geliefert. Bis zur 94. Minute hatten sie den haushohen Favoriten am Rande der Niederlage, ehe die Belgier mit einem blitzsauberen Konter ins Herz der Japaner stießen. Doch die Asiaten haben mit ihrem offensiv geprägten Spielstil viele Freunde gewonnen. Dem zugrunde liegt eine fleißige Nachwuchsarbeit bei nicht immer optimalen Bedingungen im Land, die wir mit diesem Beitrag am Beispiel der Funroots Academy näher beleuchten. Auf den Spuren von Shinji Kagawa...!

Der Dortmunder Mittelfeldspieler ist in Japan für Kinder das Idol schlechthin. Im Großraum der Weltmetropole Tokio mit seinen 35 Millionen Einwohnern eifern ihm in 150 Fußballschulen zahlreiche Kids nach. Eine der größten ist 'Funroots' mit dem angeschlossenen Verein FC Toreros.

Der Kinderfußball in Japan

In den Leistungszentren der professionellen J-League-Vereine ist der Kinder- und Jugendfußball durchaus angekommen. Auf Breitensportebene findet das Training dagegen vor allem in der Schule und in privaten Fußballschulen statt. Es existiert kaum ein organisierter Spielbetrieb. Vielmehr verabreden sich Teams am Wochenende zu Freundschaftsspielen, treten dann aufgrund großer Spielerkader mit jeweils zwei Teams an und vereinbaren Spielzeiten über vier Viertel, wobei sich die Teams abwechseln. Die Kapazität an regulären Fußballfeldern ist aufgrund des generellen Platzmangels in Japan begrenzt. Meistens spielen die Mannschaften daher auf Kleinfeldern oder nutzen Asche- und Sandplätze von Schulen.

So 'ticken' die Kinder

Die japanische Kultur ist von Respekt, Disziplin, Ordnung, Höflichkeit und Genügsamkeit geprägt. Japanische Fußballspieler zeichnet eine hohe Gewandtheit, gute Technik und Eifer aus. Dagegen mangelt es an Spielverständnis, Effektivität und Siegeswillen. Ähnlich wie in den Niederlanden ist das 'schöne Spiel' wichtiger als das Ergebnis. So kennen die Spieler am Ende eines Trainingsspiels oftmals nicht das Resultat. Vielmehr wird mit Hingabe und Spaß gespielt. Ähnliches verkörpern auch die Trainer, die zumeist selbst sehr gute Fußballspieler sind, viel vormachen, oft aktiv am Training teilnehmen und grundsätzlich immer mit Ball trainieren.

Eingeforderte Inhalte setzen die Spieler schnell um, da sie es aus ihrer Kultur gewohnt sind, einem älteren oder vorgesetzten Menschen zuhören zu müssen. Auch Ehrlichkeit ist für sie selbstverständlich, sodass Wettkämpfe im Training immer fair ablaufen, da sich die Spieler niemals einen Vorteil erschleichen würden.

'Funroots' bzw. der FC Toreros im Überblick

Die Funroots Academy besteht aus fünf Abteilungen mit verschiedenen Aufgaben und Zielen. Mit der Teilnahme an den Fußballschulen der Soccer Academy sollen die Kinder durch den Fußball lernen, zu kommunizieren und gemeinsam Ziele zu erreichen. Eher sozial geprägt sind die Programme der Funroots Academy und der Puma Soccer School mit ihren Kursprogrammen.

Club Support unterstützt derweil Amateurvereine, Universitäten, Schulen und sogar Profiklubs inhaltlich-konzeptionell, aber auch bei Auslandsreisen. Der FC Toreros ist ein eigener Fußballverein mit Teams von der U6 bis zur U15. Caravan bietet Trainer- und Elternschulungen sowie mobile Trainings (Kids Clinics).

Besondere Projekte der Akademie

Zusätzlich zum Kursprogramm und zum Spielbetrieb des FC Toreros bietet Funroots spezielle Aktionen im Bereich ‚Event/Camp‘ an.

Copa Toreros

Die Copa Toreros sind Turniere für U9-, U10-, U11- und U12-Mannschaften, die seit 2010 und zumeist während der Osterzeit in Tokio stattfinden. Nach dem verheerenden Erdbeben im Jahre 2011 trägt das Turnier das Motto „Football connects the world“. Dieser Slogan versinnbildlicht die Philosophie der Akademie.

Neben der sportlichen Ausbildung geht es nämlich vor allem um die Persönlichkeitsschulung mittels Fußball. Dabei wird der Austausch mit fremden Ländern und anderen Kulturen als sehr förderlich betrachtet. Deshalb laden die Japaner verstärkt ausländische Vereine zu ihren Turnieren ein. Aus Deutschland nahmen bereits Nachwuchsmannschaften von Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin sowie zwei Talent-Teams der 1. Jugend-Fußball-Schule Köln an der Copa teil.

Der aktuelle Sieger bei den U12-Junioren kommt mit Atlético Madrid aus Spanien. Die Unterbringung der Kinder erfolgt in den Familien der japanischen Spieler, um den sozialen Austausch auch abseits des Fußballplatzes zu fördern.

Eine Besonderheit des 8-gegen-8-Turniers (7 Feldspieler plus 1 Torhüter) ist die Abseitsregel. So kann ein Spieler nur im gegnerischen Strafraum im Abseits stehen, zwischen den Strafräumen gibt es dagegen kein Abseits. Ziel dieser Regel ist, das Spielgeschehen in Tornähe zu verlagern, sodass die Teams offensiver agieren.

King of 1 vs. 1

Japaner lieben das Dribbeln und Tricksen. Genau dieses Bedürfnis bedient das beliebte Zweikampf-Turnier King of 1 vs. 1, das jeden Herbst für die U7 bis U12 sowie die U16 bis U18 stattfindet. Gespielt wird auf einem 20 x 10 Meter großen Spielfeld mit Minitoren und aufblasbaren Banden aus mehreren Hartgummischläuchen. Mit Hütchen ist vor jedem Tor ein fünf Meter großer Strafraum markiert.

Die Spielzeit beträgt zwei Minuten. Nach einem Foul oder Handspiel wird das Spiel mit einem Freistoß fortgesetzt, wobei der Spieler einfach losdribbeln kann. Begeht ein Kind in einem Spiel drei Fouls, erhält der Gegner einen Strafstoß von einem Strafstoßpunkt auf das leere Tor. Gelbe und Rote Karten werden nicht vergeben. Ein brutales Foulspiel bedeutet allerdings eine sofortige Niederlage für den foulenden Spieler. Bei Ausball dribbelt das Kind in Ballbesitz von einem vorgegebenen Punkt wieder ein. Erzielte Treffer innerhalb des Strafraums zählen doppelt, ansonsten einfach.

Der Turniermodus besteht aus einer Gruppenphase, in der die Spieler gegeneinander antreten und sich schließlich für eine K.o.-Runde qualifizieren, ehe die letzten beiden verbleibenden Spieler in einem Finale den King of 1 vs. 1 bestimmen. Einen kleinen Einblick ins 'King of 1 vs. 1' vermittelt außerdem das Youtube-Video, das wir unter 'Themenverwandte Links' für Sie bereitstellen.