FAQ zum Video-Assistenten ("Video Assistant Referee")

Grundsätzliche Informationen zum Video-Assistenten (Stand: 08/2017)

Warum ist der Testlauf mit dem "Video-Assistenten" notwendig?

Der Fußball soll noch fairer werden, noch transparenter und gerechter. Eine Fehlentscheidung, die womöglich über Auf- oder Abstieg entscheidet, soll nahezu ausgeschlossen werden. Daher ist eine zusätzliche Hilfestellung für den Schiedsrichter, der in Sekundenbruchteilen teils kniffligste Entscheidungen auf dem Spielfeld vor tausenden Zuschauern in den Stadien und Millionen Fans an den TV-Bildschirmen fällen muss, notwendig. Der Video-Assistent ist eine Unterstützung für den Schiedsrichter.

Wie arbeitet der Video-Assistent?

Der Video-Assistent wird das Spiel in Echtzeit auf mehreren Bildschirmen verfolgen und erhält über zwei "Operatoren" den Zugang zu allen Kameraperspektiven, die rund um das jeweilige Spiel verfügbar sind. Wenn er den Schiedsrichter bei einer Entscheidung unterstützen muss, wird er den Ausschnitt der jeweiligen Spielszene von den Operatoren umgehend vorgelegt bekommen und kann die Entscheidung anhand diverser TV-Bilder überprüfen. Schiedsrichter und Video-Assistent sind per Funk miteinander verbunden.

Wann greift der Video-Assistent konkret ein?

Der Video-Assistent greift nur dann ein, wenn der Schiedsrichter auf dem Spielfeld eine klare Fehlentscheidung getroffen oder eine entscheidende Szene übersehen hat. In diesem Zusammenhang existieren vier konkrete Auslösungsmomente:

·         Torerzielung (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten)

·         Strafstoß / Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen)

·         Rote Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen)

·         Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte)

Somit wird bei Weitem nicht jedes Foul hinterfragt, sondern es kommt nur dann zu einer konkreten Überprüfung, wenn einer der oben genannten vier Auslösungsmomente vorliegt.

Wann wird der Testlauf in der Bundesliga gestartet?

Mit Beginn der Saison 2017/2018. FIFA, IFAB, DFB und DFL arbeiten dabei sehr eng zusammen. Bereits in der vergangenen Saison fanden an den Spieltags-Wochenenden in einem zentralen Standort in Köln, an dem sämtliche Bilder der TV-Produktion zur Verfügung stehen, "offline"-Testphasen statt – ohne Eingriff des Video-Assistenten in das Spielgeschehen. Diese Phase diente der Schulung und des Probelaufs. Ab der Spielzeit 2017/2018 sind bei allen Bundesligaspielen "Live-Tests" geplant, die unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertung von Situationen haben können – wobei der Schiedsrichter weiterhin die letzte Entscheidung trifft. Der deutsche Fußball übernimmt mit seiner höchsten Spielklasse somit eine weltweite Vorreiterrolle.

Wer wird in Deutschland zunächst als Video-Assistent eingesetzt?

Es ist vorgesehen, dass aus der Gruppe der Bundesliga-Schiedsrichter auch die jeweiligen Video-Assistenten gestellt werden (ausgenommen sind hierbei jene Schiedsrichter, die erst zu Beginn der Saison 2017/2018 in die Bundesliga aufgerückt sind). Darüber hinaus können auch deutsche Schiedsrichter, die jahrelang auf internationalem Top-Niveau gepfiffen und kürzlich ihre aktive Karriere beendet haben, als Video-Assistenten eingesetzt werden (dies trifft auf Dr. Jochen Drees, Günter Perl und Wolfgang Stark zu). Voraussetzung ist in jedem Fall, dass sie die notwendige Anzahl an Schulungen zuvor erfolgreich absolviert haben.

Wo verfolgen die Video-Assistenten die Spiele?

Wie schon bei den bisherigen Tests, werden die Video-Assistenten zentral in Köln im Video-Assist-Center eingesetzt. Parallel können bis zu sechs Spiele von je einem Video-Assistenten verfolgt werden. In Ausnahmefällen kann an den beiden abschließenden Spieltagen, wenn alle neun Bundesliga-Begegnungen parallel ausgetragen werden, eventuell zusätzlich aus einem Van am Stadion gearbeitet werden.

Welche Bilder aus dem Stadion kann der Video-Assistent nutzen?

Alle Kameraperspektiven, die für die Übertragung der Spiele von der Sportcast GmbH angeboten werden. Die Tochtergesellschaft der DFL produziert das weltweite Fernsehbild von allen Spielen der Bundesliga. In der Regel werden dem Video-Assistenten Aufnahmen von 17 Kameras zur Verfügung stehen.

Wie viel Zeit darf die Klärung einer Situation in Anspruch nehmen?

Eine maximale Dauer wird nicht benannt. Das Ziel ist die möglichst schnelle Klärung. Während der Schulungsphase 2016/2017 wurde diese Zeitspanne im Vergleich zur Anfangsphase deutlich auf eine Spanne zwischen zehn und 40 Sekunden reduziert. Höchste Priorität hat jedoch selbstverständlich die Richtigkeit der Entscheidung.

Wann wird entschieden, ob der Video-Assistent dauerhaft zum Einsatz kommt?

Die FIFA hat eine Entscheidung, ob sich der sogenannte "Video Assistant Referee" bewährt hat, für die zweite Hälfte des Jahres 2018 angekündigt. In diese Entscheidung fließen natürlich auch die Testerkenntnisse aus der Bundesliga ein, weshalb dem deutschen Fußball eine Vorreiterrolle zukommt. Neben Deutschland finden die Probeläufe auch bei ausgewählten Länderspielen sowie in den Ligen Australiens, Brasiliens, Portugals, der Niederlande und der USA statt.

Wann wurde überhaupt bei einem Spiel mit deutscher Beteiligung erstmals der Video-Assistent eingesetzt?

Am 15. November 2016. Beim Länderspiel zwischen Italien und Deutschland (0:0) im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand wurde der Schiedsrichter von einem Video-Assistenten unterstützt. Bei insgesamt drei Entscheidungen gab er dem Unparteiischen eine Rückmeldung: Zweimal sei die Frage gewesen, "Elfmeter oder nicht", einmal handelte es sich um ein vermeintliches Abseitstor. "Und in allen drei Fällen hat der Video-Schiedsrichter die Entscheidungen sofort bestätigt", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino.


Kurz-Anleitung zum Video-Assistenten