Trend für Trainer: Kreativer bei Standards

Toni Kroos hat sich den Ball zurechtgelegt. Gleich wird der Nationalspieler einen Freistoß aus dem Halbfeld schießen. Er nimmt drei Schritte Anlauf, schlägt den Ball präzise in Richtung Elfmeterpunkt. Genau dorthin sprintet Mats Hummels, köpft - Tor. 1:0 für Deutschland, so geschehen im WM-Viertelfinale 2014 gegen Frankreich. Das DFB-Team gewinnt - dank einer Standardsituation. Und diese werden im Fußball immer wichtiger.

Beim Internationalen Trainer-Kongress in Wolfsburg, der vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BFFL) organisiert worden war, nahmen Freistöße, Ecken und Co. einen Schwerpunkt ein. In einem Vortrag referierte Dr. Stephan Nopp zum Thema "Standardsituationen - Chancen und Risiken". Sie seien "ein sehr interessantes Mittel, um schnell zum Torerfolg zu gelangen", sagte der auch für die Nationalmannschaft tätige Sportwissenschaftler. "Andererseits enthalten sie aber auch das Risiko, den Ball zu verlieren und anschließend durch schnelles Umschaltspiel des Gegners ausgekontert zu werden."

"Etwas umsetzen, was vordergründig nicht gespielt wird"

Was bedeutet das für die Profivereine und ihr Training? Standardsituationen nehmen nicht nur einen immer größer werdenden Stellenwert in der alltäglichen Trainingsarbeit ein. Sie werden immer kreativer ausgeführt. Täuschen und tricksen, ablenken und verwirren - all das gehört bei modernen Standardsituationen mittlerweile dazu. "Die große Kunst ist es - und da orientiere ich mich an den Worten Frank Wormuths (Leiter der Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB; Anm. d. Red), etwas umzusetzen, was vordergründig nicht gespielt wird", sagte Nopp.

Im Klartext heißt dies, bei Standardsituationen die Aufmerksamkeit des Gegners ganz bewusst abzulenken. Es wird versucht, den Gegner zu täuschen; ihn in seinem Handeln zu blockieren, ihn bewusst in die Irre zu führen. Anschließend wird der Ball in einen Raum gespielt, der sich durch die vorherigen Manöver geöffnet hat.

"Die Mannschaften werden dabei immer kreativer", sagte Nopp, gleichzeitig auch als DFB-Scout aktiv. Ein Beispiel dafür? Thomas Müller und sein beabsichtigter "Stolperer" im WM-Achtelfinale gegen Algerien. Der Nationalspieler täuschte bei einem Freistoß an, dass er beim Anlauf hinfällt, um dadurch den Gegner für einen kurzen Moment zu irritieren. Ein Sekundenbruchteil, der entscheidend sein kann. Der Trick misslang, weil der Pass nicht ankam - wenn auch nur knapp.

Vier Merkmale von erfolgreichen Standards

Im Training studieren die Profiteams solche Szenarien ganz bewusst ein. Auch die Nationalmannschaft hat das in Brasilien getan, der damalige Assistenztrainer Hansi Flick zeichnete in diesem Bereich verantwortlich. Nopp hat nun versucht, das Verhalten bei Standardsituationen zu charakterisieren. In seinem Vortrag fasste er vier Bereiche zusammen:

  • Initiative: Wie eigeninitiativ und kreativ agieren die Spieler?
  • Variabilität: Wie vielfältig ist das Repertoire an Standardvarianten?
  • Stabilität: Wie stabil ist die Variante auf engem Raum sowie unter Zeit- und Gegnerdruck?
  • Effektivität: Wie erfolgreich ist die Variante überhaupt?

Diese vier Punkte hängen eng mit der Spielintelligenz der Profis zusammen. Für Stephan Nopp ist das ein entscheidender Faktor, damit die Mannschaft auch in Stresssituationen ein Tor erzielt. Nur ein erfolgreicher Abschluss der kreativsten und spielintelligentesten Ausführung macht eine Standardsituation automatisch zu einer effektiven.

"Angewandte Forschung soll Fragen untersuchen, die Praktiker stellen"

Den Fußball optimieren. Als Mannschaft noch effektiver und besser werden. Der Internationale Trainer-Kongress bot viele Impulse, um ein erfolgreiches Team zu formen. Diverse Themen wurden aus Expertensicht vertieft. Neben Stephan Nopp referierten DFB-Wissenschaftskoordinator Dr. Thomas Hauser und Prof. Dr. Tim Meyer, Teamarzt der Nationalmannschaft, auf der Tagung.

Hauser sprach über fußballspezifisches Ausdauertraining. Seine Kernfrage: Inwiefern unterscheiden sich die hochintensive Intervallmethode und die klassische Dauermethode zur Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit? Dabei ging er vor allem auf Struktur und Funktion des menschlichen Muskels sowie auf Stoffwechselvorgänge ein. Meyer präsentierte konstruktiv-kritische Perspektiven auf sportwissenschaftliche Erkenntnisse für den Trainingsprozess. Seine Quintessenz: Offenheit und Innovation ja, aber stets mit einem kritischen Blick. Im Idealfall soll "angewandte Forschung exakt die Fragen untersuchen, die Praktiker stellen", sagte Meyer.

[rz]

Toni Kroos hat sich den Ball zurechtgelegt. Gleich wird der Nationalspieler einen Freistoß aus dem Halbfeld schießen. Er nimmt drei Schritte Anlauf, schlägt den Ball präzise in Richtung Elfmeterpunkt. Genau dorthin sprintet Mats Hummels, köpft - Tor. 1:0 für Deutschland, so geschehen im WM-Viertelfinale 2014 gegen Frankreich. Das DFB-Team gewinnt - dank einer Standardsituation. Und diese werden im Fußball immer wichtiger.

Beim Internationalen Trainer-Kongress in Wolfsburg, der vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BFFL) organisiert worden war, nahmen Freistöße, Ecken und Co. einen Schwerpunkt ein. In einem Vortrag referierte Dr. Stephan Nopp zum Thema "Standardsituationen - Chancen und Risiken". Sie seien "ein sehr interessantes Mittel, um schnell zum Torerfolg zu gelangen", sagte der auch für die Nationalmannschaft tätige Sportwissenschaftler. "Andererseits enthalten sie aber auch das Risiko, den Ball zu verlieren und anschließend durch schnelles Umschaltspiel des Gegners ausgekontert zu werden."

"Etwas umsetzen, was vordergründig nicht gespielt wird"

Was bedeutet das für die Profivereine und ihr Training? Standardsituationen nehmen nicht nur einen immer größer werdenden Stellenwert in der alltäglichen Trainingsarbeit ein. Sie werden immer kreativer ausgeführt. Täuschen und tricksen, ablenken und verwirren - all das gehört bei modernen Standardsituationen mittlerweile dazu. "Die große Kunst ist es - und da orientiere ich mich an den Worten Frank Wormuths (Leiter der Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB; Anm. d. Red), etwas umzusetzen, was vordergründig nicht gespielt wird", sagte Nopp.

Im Klartext heißt dies, bei Standardsituationen die Aufmerksamkeit des Gegners ganz bewusst abzulenken. Es wird versucht, den Gegner zu täuschen; ihn in seinem Handeln zu blockieren, ihn bewusst in die Irre zu führen. Anschließend wird der Ball in einen Raum gespielt, der sich durch die vorherigen Manöver geöffnet hat.

"Die Mannschaften werden dabei immer kreativer", sagte Nopp, gleichzeitig auch als DFB-Scout aktiv. Ein Beispiel dafür? Thomas Müller und sein beabsichtigter "Stolperer" im WM-Achtelfinale gegen Algerien. Der Nationalspieler täuschte bei einem Freistoß an, dass er beim Anlauf hinfällt, um dadurch den Gegner für einen kurzen Moment zu irritieren. Ein Sekundenbruchteil, der entscheidend sein kann. Der Trick misslang, weil der Pass nicht ankam - wenn auch nur knapp.

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Vier Merkmale von erfolgreichen Standards

Im Training studieren die Profiteams solche Szenarien ganz bewusst ein. Auch die Nationalmannschaft hat das in Brasilien getan, der damalige Assistenztrainer Hansi Flick zeichnete in diesem Bereich verantwortlich. Nopp hat nun versucht, das Verhalten bei Standardsituationen zu charakterisieren. In seinem Vortrag fasste er vier Bereiche zusammen:

  • Initiative: Wie eigeninitiativ und kreativ agieren die Spieler?
  • Variabilität: Wie vielfältig ist das Repertoire an Standardvarianten?
  • Stabilität: Wie stabil ist die Variante auf engem Raum sowie unter Zeit- und Gegnerdruck?
  • Effektivität: Wie erfolgreich ist die Variante überhaupt?

Diese vier Punkte hängen eng mit der Spielintelligenz der Profis zusammen. Für Stephan Nopp ist das ein entscheidender Faktor, damit die Mannschaft auch in Stresssituationen ein Tor erzielt. Nur ein erfolgreicher Abschluss der kreativsten und spielintelligentesten Ausführung macht eine Standardsituation automatisch zu einer effektiven.

"Angewandte Forschung soll Fragen untersuchen, die Praktiker stellen"

Den Fußball optimieren. Als Mannschaft noch effektiver und besser werden. Der Internationale Trainer-Kongress bot viele Impulse, um ein erfolgreiches Team zu formen. Diverse Themen wurden aus Expertensicht vertieft. Neben Stephan Nopp referierten DFB-Wissenschaftskoordinator Dr. Thomas Hauser und Prof. Dr. Tim Meyer, Teamarzt der Nationalmannschaft, auf der Tagung.

Hauser sprach über fußballspezifisches Ausdauertraining. Seine Kernfrage: Inwiefern unterscheiden sich die hochintensive Intervallmethode und die klassische Dauermethode zur Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit? Dabei ging er vor allem auf Struktur und Funktion des menschlichen Muskels sowie auf Stoffwechselvorgänge ein. Meyer präsentierte konstruktiv-kritische Perspektiven auf sportwissenschaftliche Erkenntnisse für den Trainingsprozess. Seine Quintessenz: Offenheit und Innovation ja, aber stets mit einem kritischen Blick. Im Idealfall soll "angewandte Forschung exakt die Fragen untersuchen, die Praktiker stellen", sagte Meyer.