Video: War das eine Schwalbe von Hosiner, Herr Krug?

Berechtigter Elfmeter oder doch eine Fehlentscheidung? Abseits oder nicht? War der Platzverweis angemessen, oder hätte es auch eine Verwarnung getan? Handspiel oder nicht? Über diese und andere Fragen diskutiert Fußball-Deutschland nach jedem Bundesliga-Spieltag.

Ab dieser Saison beteiligen sich auch Vertreter der DFB-Schiedsrichter-Kommission an dieser Diskussion. Beziehungsweise: Sie bringen Licht in so manch dunkle Regelfrage. Und zwar durch einen Videoblog auf DFB-TV. Heute im Fokus: Drei Szenen vom 15. sowie eine vom 14. Spieltag in der Bundesliga. Sie zeigen, wann ein Haltevergehen tatsächlich strafstoßwürdig ist oder eben nicht. Zudem analysiert Hellmut Krug, Schiedsrichtermanager bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL), für DFB.de die Situation, die zum Platzverweis für Leverkusens Sebastian Boenisch führte.

Schalkes Klaas-Jan Huntelaar wird im Strafraum von Hannovers Marcelo zu Boden gerissen: Stürmer Huntelaar wird im Strafraum angespielt. Mit dem Rücken zum Tor schirmt Huntelaar den Ball ab, Marcelo bedrängt Huntelaar und reißt ihn schließlich um. Ein klarer Strafstoß, wie Krug analysiert. "Niemand wird bestreiten, dass es sich hier um ein klares Foul handelt, für das Marcelo zudem berechtigt die Gelbe Karte erhält", so Krug.

Der Wolfsburger André Schürrle dringt in den Strafraum ein und wird von Dortmunds Lukasz Piszczek gefoult: Hierzu sagt Krug: "Anders als in der letzten Situation, die fast statisch war, dringt Schürrle hier dynamisch in den Strafraum ein, wird dabei von zwei Gegenspielern verfolgt. Piszczek greift Schürrle schon vor dem Strafraum mit links an die rechte Schulter und reißt ihn schließlich im Strafraum zu Boden." Die Konsequenz ist ein Strafstoß und eine Gelbe Karte für Piszczek. Krug sagt: "Besser kann ein Schiedsrichter nicht stehen. Eine spontane und richtige Entscheidung. Gelb zudem, weil durch das Haltevergehen ein aussichtsreicher Angriff zunichte gemacht wurde."

Augsburgs Ja-Cheol Koo geht nach einem Kontakt im Strafraum zu Boden und fordert einen Elfmeter: Der Augsburger Stürmer wird von Wolfsburgs Naldo leicht berührt, aber keineswegs elfmeterwürdig gefoult, wie Krug feststellt: "Die Analyse der Fernsehbilder beweist, dass hier ein Spieler versuchte, einen Strafstoß zu schinden. Zwar fasst Naldo Koo kurz mit beiden Händen an der Schulter, aber das ist kein Reißen, sondern fast nur ein Handauflegen. Der Sturz von Koo, der theatralisch abhebt, als die Hände von Naldo längst nicht mehr an seiner Schulter sind, hat mit dem Haltevergehen rein gar nichts mehr zu tun", sagt Krug und betont: "Einige Spieler scheinen mittlerweile so konditioniert zu sein, dass sie bei der geringsten wahrgenommenen Berührung nichts anderes mehr im Sinn haben, als zu fallen, und einen Strafstoß zu schinden."

Der Kölner Philipp Hosiner geht nach einem leichten Kontakt zu Boden und bekommt einen Strafstoß zugesprochen: Diese Entscheidung nennt Krug nach Studie der Fernsehbilder "falsch. Noch deutlicher als beim Spiel in Augsburg nimmt ein Angreifer den minimalen Armeinsatz seines Gegenspielers zum Anlass, zu Boden zu gehen. Das ist link und unsportlich", sagt er und führt aus: "Der Spieler hätte anstatt des Strafstoßes eine Gelbe Karte verdient, weil hier einmal mehr der Fairplaygedanke mit Füßen getreten wurde. Dass der Spieler zudem auf die Frage des Schiedsrichters, ob er tatsächlich gefoult wurde, nicht wahrheitsgemäß antwortete, wundert in dem Zusammenhang kaum noch."

Platzverweis gegen Leverkusens Sebastian Boenisch: Bevor Krug die Rote Karte gegen den Leverkusener analysiert, legt er grundlegende Kriterien fest, welche der Schiedsrichter bei der Beurteilung der Bestrafung von Fouls berücksichtigen muss. In diesem Zusammenhang nennt er Tempo und Dynamik sowie die Fußhaltung als ausschlaggebende Punkte. In Boenischs Fall spricht Krug von einer "unerhörten Dynamik, mit der Boenisch in den Zweikampf geht. Angesichts dieser Dynamik ist nur allzu verständlich, dass sein Gegenspieler nach dem Kontakt spektakulär fällt. Tempo und Dynamik sprechen eindeutig für die Höchststrafe Rot." Gleichwohl betont er: "Das gestreckte Bein von Boenisch geht an seinem Gegenspieler vorbei. Der Kontakt mit dem Gegner findet mit dem Nachziehbein statt. Das Foul ist auch so schon sehr heftig, und die Entscheidung des Schiedsrichters in Normalgeschwindigkeit nachvollziehbar. Nichts desto trotz wäre nach Sichtung der Fernsehbilder unter Berücksichtigung gültiger Kriterien Gelb ausreichend und auch richtig gewesen."