Krug: Foul an Lewandowski - Elfmeter und Rot gegen Wiedwald

Berechtigter Elfmeter oder doch eine Fehlentscheidung? Abseits oder nicht? War der Platzverweis angemessen, oder hätte es auch eine Verwarnung getan? Handspiel oder nicht? Über diese und andere Fragen diskutiert Fußball-Deutschland nach jedem Bundesliga-Spieltag.

Ab dieser Saison beteiligen sich auch Vertreter der DFB-Schiedsrichter-Kommission an dieser Diskussion. Beziehungsweise: Sie bringen Licht in so manch dunkle Regelfrage. Und zwar durch einen neuen Videoblog auf DFB-TV. Heute im Fokus: zwei Spielszenen vom 9. Spieltag der Bundesliga, die für DFB.de der DFL-Schiedsrichtermanager Hellmut Krug analysiert.

Foul und Elfmeter oder kein Foul von Felix Wiedwald (Werder Bremen) im Spiel gegen Bayern München: Nach einem langen Ball auf Robert Lewandowski geht Werder-Torwart Felix Wiedwald mit offener Sohle voraus gegen den Bayern-Angreifer und trifft dabei erst den Mann, bevor er zum Ball geht. Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle) gibt keinen Elfmeter und lässt das Spiel laufen. Krug hat dazu eine klare Meinung: "Der Schiedsrichter bleibt in der Verlängerung des Geschehens stehen und kann so sehr schwer wahrnehmen, was die Fernsehbilder deutlich machen. Die zeigen, dass der Torhüter sehr rustikal in den Mann ging - eine Situation, die schon allein einen Feldverweis gerechtfertigt hätte. Zudem wäre es noch eine Notbremse gewesen. Der Schiedsrichter hat es versäumt, in die Seitenansicht zu kommen, das hätte er tun müssen."

Irreguläres Tor von Leon Andreasen (Hannover 96) im Spiel beim 1. FC Köln: Nach einem Eckball nimmt Hannovers Leon Andreasen den Arm zur Hilfe, um den Ball aus der Luft über die Linie ins Tor zu schlagen. Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) gestand bereits kurz nach Abpfiff ein, dass er den Treffer nicht hätte geben dürfen. In der Zeitlupe wird deutlich, dass Dankert die Sicht durch zwei Kölner Spieler verdeckt ist. Krug dazu: "Sicher eine ganz schwierige Situation für den Schiedsrichter und sein Team. Dennoch hätte er sie lösen können. Was sich der Schiedsrichter vorwerfen muss, ist die Tatsache, dass er aufgrund der heftigen Kölner Proteste nicht die Option ergriffen hat, den Spieler Andreasen zu fragen, ob er den Ball mit der Hand gespielt hat oder nicht."

 

 

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Gelbe oder Rote Karte gegen Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach) im Spiel bei Eintracht Frankfurt: Nach einer missglückten Gladbacher Rückgabe läuft der Frankfurter Angreifer Luc Castaignos allein auf Yann Sommer zu. Der Torwart möchte den Ball wegschlagen, trifft dabei aber nur seinen Gegenspieler, der dadurch im Strafraum zu Fall kommt. Zweifelsfrei ein Elfmeter - Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) zückt zudem Gelb. Oder hätte es Rot geben müssen? Krug sagt dazu: "Meyer hat sich nachvollziehbarerweise für Gelb entschieden, weil er nicht der hundertprozentigen Überzeugung war, dass eine hundertprozentige Torchance vorliegt, da der Stürmer den Ball nach außen legte. Wenn geringe Restzweifel bestehen, soll sich der Schiedsrichter für die geringere Strafe entscheiden."

Abseits oder nicht beim Führungstor von Max Kruse (VfL Wolfsburg) im Spiel gegen 1899 Hoffenheim: Ein Hoffenheimer Spieler köpft einen langen Ball von VfL-Abwehrspieler Dante unfreiwillig in den Lauf des eigentlich im Abseits stehenden Wolfsburgers Julian Draxler. Dessen Querpass verwertet Max Kruse zur Führung. Das Schiedsrichtergespann um Dr. Felix Brych (München) gibt den Treffer. Irregulär oder regulär? Krug klärt auf: "Eine Abseitsposition ist strafbar, wenn ein Spieler aus seiner Position einen Vorteil zieht. In diesem Zusammenhang wird unterschieden zwischen einen abprallenden Ball und einem absichtlich gespielten Ball. Prallt der Ball ab, bleibt es bei der strafbaren Abseitsposition. Ist es aber so, dass der Verteidiger den Ball absichtlich spielt, wird die Situation neu bewertet, und es liegt keine Abseitsposition vor. Das Spiel läuft weiter. Die Situation wurde demnach vollkommen regelgerecht gelöst."