Frauen-Nationalmannschaft
Kössler: "Ich fühle mich sehr wohl im Kreis der Nationalmannschaft"

Die Pause war lang, jetzt geht es wieder los: Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation stehen für die DFB-Frauen nun die beiden Testspiele in Karlsruhe gegen Australien am Freitag (ab 20.30 Uhr, live im ZDF) und am Dienstag in Bremen gegen Japan (ab 17.45 Uhr, live in der ARD) auf dem Programm. Dabei sein wird auch wieder Melissa Kössler. Die 26 Jahre alte Angreiferin spielt seit Anfang des Jahres für den Denver Summit FC. Im DFB.de-Interview spricht Kössler über ihre Zeit in den USA, die beiden anstehenden Begegnungen mit dem DFB-Team und ihren Traum von der WM im kommenden Jahr.
DFB.de: Melissa Kössler, die Qualifikation für die WM im kommenden Jahr ist geschafft. Nun stehen zwei Vorbereitungsspiele auf dem Programm. Was erwarten Sie von den Duellen gegen Australien und Japan?
Melissa Kössler: Ich finde es sehr reizvoll, dass wir jetzt auf Mannschaften treffen, die nicht aus Europa kommen. Ich gehe davon aus, dass wir uns auf zwei Gegner mit völlig unterschiedlichen Spielstilen einstellen müssen. Aber das ist ja auch genau das Ziel dieser Maßnahme.
DFB.de: Inwiefern unterschiedlich?
Kössler: Die Australierinnen werden sicherlich intensiv und körperbetont auftreten. Bei den Japanerinnen erwarte ich eher das genaue Gegenteil – einen technisch starken und taktisch versierten Gegner. Das sind zwei sehr unterschiedliche Herausforderungen, die wir gerne annehmen.
DFB.de: Wie geht es Ihnen nach der Anreise? Was macht der Jetlag?
Kössler: Ja, der war schon da. Aber ich komme mit wenig Schlaf relativ gut klar. Deshalb ist das für mich nicht das ganz große Problem. Es ist alles in Ordnung und ich bin glücklich, hier zu sein.
DFB.de: Sie waren vor der Sommerpause nach einer längeren Unterbrechung erstmals wieder dabei. Wie haben Sie Ihr Comeback erlebt?
Kössler: Es war sehr schön, nach dieser Pause wieder in dem Kreis dabei sein zu dürfen und direkt relativ viel Spielzeit zu bekommen. Ehrlicherweise hatte ich damit gar nicht unbedingt gerechnet. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut. Dass wir uns mit dem Sieg gegen Norwegen für die WM im kommenden Jahr qualifizieren konnten, hat den Druck vor dem Duell mit Slowenien etwas rausgenommen. Aber natürlich wollten wir auch dieses Spiel gewinnen und haben das ja auch geschafft. Grundsätzlich fühle ich mich einfach sehr wohl im Kreis der Nationalmannschaft. Viele Spielerinnen kenne ich ja aus meiner Zeit in Deutschland oder den unterschiedlichen Nachwuchs-Nationalmannschaften, für die ich gespielt habe.
DFB.de: Was bedeutet es Ihnen, für Deutschland zu spielen?
Kössler: Wirklich sehr viel. Es ist immer etwas ganz Besonderes, die Einladung zu bekommen. Es macht mich stolz, das deutsche Trikot zu tragen und die Nationalhymne zu singen. Gleichzeitig weckt es den Hunger auf mehr. Ich bin noch lange nicht satt und möchte jetzt regelmäßig dabei sein.
DFB.de: Vor ziemlich genau zehn Jahren – im Mai 2016 – haben Sie als U 16-Nationalspielerin erstmals das DFB-Trikot getragen. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Premiere?
Kössler: Puh, das ist wirklich schon lange her. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr so genau an alle Details erinnern. Ich weiß noch, dass wir in Österreich gespielt haben und meine ganze Familie da war. Es war sehr besonders, erstmals das Nationaltrikot zu tragen.
DFB.de: Seitdem sind zehn Jahre vergangenen. Wie haben Sie die Zeit erlebt?
Kössler: Es ist unglaublich viel passiert. Jede meiner Stationen während meiner Karriere war wichtig und prägend und hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Es gab Höhen, aber es gab auch Tiefen. Leider hatte ich auch das eine oder andere Mal etwas Verletzungspech. Aber ich bin der Meinung, dass ich immer stärker zurückgekommen bin, vor allem mental. Ich bin sehr dankbar dafür, wie das alles gelaufen ist.
DFB.de: Sie waren lange in Potsdam und Hoffenheim. Jetzt spielen Sie bei Denver Summit FC in den USA. Wieso der Wechsel Anfang dieses Jahres?
Kössler: Ich wollte raus aus meiner Komfortzone und etwas Neues ausprobieren. Es ist beeindruckend, welchen Stellenwert der Frauenfußball dort hat. Bei unserem ersten Saisonspiel waren 63.000 Fans im Stadion. Unsere Heimspiele sind fast immer ausverkauft. Insgesamt ist es einfach eine tolle Herausforderung, die ich gesucht habe. Zudem ist der Verein neu entstanden. Ich habe also die Möglichkeit, etwas mitaufzubauen.
DFB.de: Wie war die Zeit dort für Sie bis jetzt?
Kössler: Sehr außergewöhnlich. Wir sind extrem viel unterwegs – zu jedem Auswärtsspiel müssen wir fliegen. Aber auch das ganze Drumherum ist völlig anders als in Deutschland. Ich finde es sehr spannend und genieße das. Ich merke, dass mir die Zeit guttut und mich als Persönlichkeit weiterbringt.
DFB.de: Wie läuft es sportlich?
Kössler: Ich hatte einen super Start. Auch jetzt ist alles gut. Ich bekomme viel Spielzeit und bin gut drauf. Das möchte ich jetzt auch bei der Nationalmannschaft einbringen und mich zeigen.
DFB.de: Im kommenden Jahr steht als einer der sportlichen Höhepunkte die WM in Brasilien auf dem Programm. Wie groß ist die Vorfreude auf das Turnier?
Kössler: Sehr groß. Ich versuche alles, dabei zu sein. Für mich würde damit ein Traum in Erfüllung gehen. Aber das ist noch weit weg. Ich bin grundsätzlich eine Person, die den Fokus immer nur auf die nächste Aufgabe legt. Das ist jetzt erstmal Australien und Japan. Alles Weitere kommt dann irgendwann.
Kategorien: Frauen-Nationalmannschaft
Autor: dfb

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