Zehnkampf-Olympionike Dauth steht immer noch im Tor

Der kleine Fußball ist in Deutschland riesengroß. In fast 26.000 Vereinen wird unter dem Dach des DFB Fußball gespielt. Das Rampenlicht gehört normalerweise den Stars aus der Bundesliga und der Nationalmannschaft. Die heimlichen Helden aber spielen und engagieren sich woanders, in der Verbands-, Bezirks- oder Kreisliga, auf kleinen Sportplätzen.

Ihnen widmet sich DFB.de jeden Dienstag in seiner Serie. Sie zeigt, wie besonders der deutsche Fußballalltag ist. Heute: Thorsten Dauth, 1992 Olympia-Teilnehmer im Zehnkampf, später Deutscher Meister im Bob und immer noch Torwart in der Gruppenliga.

Er kann es einfach nicht lassen. Eigentlich hatte Thorsten Dauth seine erfolgreiche Sportlerkarriere im Sommer 2011 beendet. Eigentlich. Mitte September bekam er den Anruf der SG Ober-Erlenbach. Der Klub aus der Gruppenliga Frankfurt West hatte ein akutes Problem im Tor – und fragte bei seinem ehemaligen Schlussmann Dauth an. So schnell geht das - schon war der Fußballer Dauth, der 1992 als Zehnkämpfer an den Olympischen Spielen teilnahm und später Erfolge im Bobfahren feierte, wieder aktiver Sportler. Mit 44 Jahren.

"In Ober-Erlenbach gab es eine Notsituation, da helfe ich gerne aus", sagt Dauth, gesteht aber: "Ich wusste gar nicht genau, ob es noch funktioniert." Mittlerweile weiß er: Es funktioniert noch. Die Ober-Erlenbacher stehen mit dem 2,02 Meter großen Modellathleten im Tor auf dem zweiten Tabellenplatz und kämpfen um den Aufstieg in die Verbandsliga.

Angebot des 1. FC Köln abgelehnt

Fußball, immer wieder Fußball. Dabei kann sich der gebürtige Bad Nauheimer gar nicht mehr genau erinnern, welcher Sport seine erste große Liebe war. "Wahrscheinlich Fußball. Aber ich habe auch Tennis gespielt und war Leichtathlet", erinnert sich "Toto". Er spielte auch im Feld, das meiste Talent bewies er aber als Torwart. Seine Position war damit fix - auch wegen seiner körperlichen Voraussetzungen.

Irgendwann habe er sich allein vom Kicken nicht mehr ausgelastet gefühlt, erzählt Dauth. Dabei hatte er 1988 die Chance gehabt, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Der 1. FC Köln unter dem damaligen Coach Christoph Daum wollte ihn verpflichten, als zweiten Mann hinter Bodo Illgner. Dauth lehnte das Angebot ab, er wollte nicht in die zweite Mannschaft der Kölner. "Und es gab persönliche Gründe", ergänzt er, ohne ins Detail gehen zu wollen.

Olympia als Zehnkämpfer, Deutscher Meister im Bob

Stattdessen konzentrierte sich der Hesse auf die Leichtathletik und nahm eine Auszeit vom Fußball. Jürgen Hingsen war der Impulsgeber. Der Zehnkämpfer leistete sich bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul über 100 Meter drei Fehlstarts. Disqualifikation. Der Medaillentraum war geplatzt. Das Debakel des Kollegen spornte Dauth an. Er trainierte härter, schaffte 1989 erstmals über 7000 Punkte im Zehnkampf (persönliche Bestmarke: 8164 Punkte) und qualifizierte sich schließlich für die Sommerspiele 1992. "In Barcelona dabei zu sein, war mein großes Ziel", sagt Dauth, der in der katalanischen Weltstadt auf Rang 17 landete. Vier Jahre später verpasste er die Qualifikation für Atlanta.

Die Rückkehr auf den Fußballplatz war damit für den außergewöhnlichen "Mehrkämpfer" besiegelt. "Studium, Familie, Sport – das musste alles passen und war nicht einfach zu koordinieren", sagt Dauth. Zumal er sich auch als Anschieber beim Bobfahren ("Das hat Laune gemacht") profilierte und Deutscher Meister wurde. Ein Bekannter hatte den Kontakt zur Wintersportart hergestellt.

Sohn Yannik spielt für den FSV Mainz – natürlich im Tor

Im Vordergrund stand nun aber wieder das runde Leder. Für Kickers Offenbach spielte Dauth in der Ober- und Regionalliga. Die längste Zeit verbrachte er bei seinen Heimatverein KSV Klein-Karben in der Oberliga Hessen. "Ich habe es nicht gezählt, aber es dürften weit über 100 Spiele gewesen sein", sagt Dauth, dessen Sohn Yannik in der U 23 des FSV Mainz 05 spielt. Als Torwart, selbstverständlich.

Erfahrung hat der 44 Jahre alte Dauth reichlich gesammelt. An ihr lässt er andere gerne teilhaben. Etwa den Nachwuchs bei den Offenbacher Kickers, für die er als Athletiktrainer arbeitet. "Die Jungs brauchen ein bisschen Abwechslung", sagt er. Außerdem könnten die Fußballer von den Leichtathleten lernen. "Sicher sind die Fußballer athletischer geworden. Aber es gibt zum Beispiel noch Verbesserungspotenzial bei der Bewegung. Viele könnten deutlich schneller sein", erklärt er.

Wie lange wird Dauth noch im Tor stehen? Jahrzehntelanger Leistungssport hat seine Spuren hinterlassen. "Irgendwann macht der Körper nicht mehr so mehr mit, wie man will“, verdeutlicht der Routinier: "Daher reicht es jetzt mal.“ In der Winterpause, wenn sich bei der SG Ober-Erlenbach die Torwartnot gelegt haben dürfte, wird Schluss sein. Mal abwarten.

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Der kleine Fußball ist in Deutschland riesengroß. In fast 26.000 Vereinen wird unter dem Dach des DFB Fußball gespielt. Das Rampenlicht gehört normalerweise den Stars aus der Bundesliga und der Nationalmannschaft. Die heimlichen Helden aber spielen und engagieren sich woanders, in der Verbands-, Bezirks- oder Kreisliga, auf kleinen Sportplätzen.

Ihnen widmet sich DFB.de jeden Dienstag in seiner Serie. Sie zeigt, wie besonders der deutsche Fußballalltag ist. Heute: Thorsten Dauth, 1992 Olympia-Teilnehmer im Zehnkampf, später Deutscher Meister im Bob und immer noch Torwart in der Gruppenliga.

Er kann es einfach nicht lassen. Eigentlich hatte Thorsten Dauth seine erfolgreiche Sportlerkarriere im Sommer 2011 beendet. Eigentlich. Mitte September bekam er den Anruf der SG Ober-Erlenbach. Der Klub aus der Gruppenliga Frankfurt West hatte ein akutes Problem im Tor – und fragte bei seinem ehemaligen Schlussmann Dauth an. So schnell geht das - schon war der Fußballer Dauth, der 1992 als Zehnkämpfer an den Olympischen Spielen teilnahm und später Erfolge im Bobfahren feierte, wieder aktiver Sportler. Mit 44 Jahren.

"In Ober-Erlenbach gab es eine Notsituation, da helfe ich gerne aus", sagt Dauth, gesteht aber: "Ich wusste gar nicht genau, ob es noch funktioniert." Mittlerweile weiß er: Es funktioniert noch. Die Ober-Erlenbacher stehen mit dem 2,02 Meter großen Modellathleten im Tor auf dem zweiten Tabellenplatz und kämpfen um den Aufstieg in die Verbandsliga.

Angebot des 1. FC Köln abgelehnt

Fußball, immer wieder Fußball. Dabei kann sich der gebürtige Bad Nauheimer gar nicht mehr genau erinnern, welcher Sport seine erste große Liebe war. "Wahrscheinlich Fußball. Aber ich habe auch Tennis gespielt und war Leichtathlet", erinnert sich "Toto". Er spielte auch im Feld, das meiste Talent bewies er aber als Torwart. Seine Position war damit fix - auch wegen seiner körperlichen Voraussetzungen.

Irgendwann habe er sich allein vom Kicken nicht mehr ausgelastet gefühlt, erzählt Dauth. Dabei hatte er 1988 die Chance gehabt, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Der 1. FC Köln unter dem damaligen Coach Christoph Daum wollte ihn verpflichten, als zweiten Mann hinter Bodo Illgner. Dauth lehnte das Angebot ab, er wollte nicht in die zweite Mannschaft der Kölner. "Und es gab persönliche Gründe", ergänzt er, ohne ins Detail gehen zu wollen.

Olympia als Zehnkämpfer, Deutscher Meister im Bob

Stattdessen konzentrierte sich der Hesse auf die Leichtathletik und nahm eine Auszeit vom Fußball. Jürgen Hingsen war der Impulsgeber. Der Zehnkämpfer leistete sich bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul über 100 Meter drei Fehlstarts. Disqualifikation. Der Medaillentraum war geplatzt. Das Debakel des Kollegen spornte Dauth an. Er trainierte härter, schaffte 1989 erstmals über 7000 Punkte im Zehnkampf (persönliche Bestmarke: 8164 Punkte) und qualifizierte sich schließlich für die Sommerspiele 1992. "In Barcelona dabei zu sein, war mein großes Ziel", sagt Dauth, der in der katalanischen Weltstadt auf Rang 17 landete. Vier Jahre später verpasste er die Qualifikation für Atlanta.

Die Rückkehr auf den Fußballplatz war damit für den außergewöhnlichen "Mehrkämpfer" besiegelt. "Studium, Familie, Sport – das musste alles passen und war nicht einfach zu koordinieren", sagt Dauth. Zumal er sich auch als Anschieber beim Bobfahren ("Das hat Laune gemacht") profilierte und Deutscher Meister wurde. Ein Bekannter hatte den Kontakt zur Wintersportart hergestellt.

Sohn Yannik spielt für den FSV Mainz – natürlich im Tor

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Im Vordergrund stand nun aber wieder das runde Leder. Für Kickers Offenbach spielte Dauth in der Ober- und Regionalliga. Die längste Zeit verbrachte er bei seinen Heimatverein KSV Klein-Karben in der Oberliga Hessen. "Ich habe es nicht gezählt, aber es dürften weit über 100 Spiele gewesen sein", sagt Dauth, dessen Sohn Yannik in der U 23 des FSV Mainz 05 spielt. Als Torwart, selbstverständlich.

Erfahrung hat der 44 Jahre alte Dauth reichlich gesammelt. An ihr lässt er andere gerne teilhaben. Etwa den Nachwuchs bei den Offenbacher Kickers, für die er als Athletiktrainer arbeitet. "Die Jungs brauchen ein bisschen Abwechslung", sagt er. Außerdem könnten die Fußballer von den Leichtathleten lernen. "Sicher sind die Fußballer athletischer geworden. Aber es gibt zum Beispiel noch Verbesserungspotenzial bei der Bewegung. Viele könnten deutlich schneller sein", erklärt er.

Wie lange wird Dauth noch im Tor stehen? Jahrzehntelanger Leistungssport hat seine Spuren hinterlassen. "Irgendwann macht der Körper nicht mehr so mehr mit, wie man will“, verdeutlicht der Routinier: "Daher reicht es jetzt mal.“ In der Winterpause, wenn sich bei der SG Ober-Erlenbach die Torwartnot gelegt haben dürfte, wird Schluss sein. Mal abwarten.