WM-Qualifikation 1969: Erster deutscher Sieg gegen Schottland

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Zwei Spiele, zwei Punkte. Mitte Oktober kann die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien geschafft haben, aus den Spielen am 11. Oktober (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) in Köln gegen Irland und am 15. Oktober (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) in Stockholm gegen Schweden genügen zwei Zähler. Im Angesicht des Qualifikationsendspurts bringt DFB.de eine Serie zu vergangenen Qualifikationsdramen und besonderen Spielen gegen Irland und Schweden. Heute: "High Noon" 1969 in Hamburg gegen Schottland.

Der Herbst 1969 kam früher, als es den Deutschen lieb war. Nach einem ereignisreichen und welthistorisch bedeutsamen Sommer kehrte allmählich Alltag ein. In den Schaufenstern der Buchhandlungen lagen die ersten Bücher von der Mondlandung aus, der Mond selbst war in jenen Tagen von der Erde aus aber nur schwer zu erkennen. Schon am 4. Oktober legte sich eine dichte Nebelwand über Norddeutschland und machte keinerlei Anstalten zu verschwinden. 18 unendlich lange Tage gingen die Hamburger morgens im Nebel zur Arbeit und kamen abends im Nebel zurück.

Die Vorfreude auf das sportliche Großereignis des Herbstes konnte das nur unwesentlich trüben. Das entscheidende Länderspiel in der Qualifikation zur WM 1970 in Mexiko sollte am 22. Oktober 1969 in ihrer Stadt stattfinden, gegen die bis dahin unbesiegbaren Schotten. Rund 500.000 Kartenwünsche gingen beim DFB ein, doch kein Stadion der Welt ist groß genug dafür. Am 10. September 1969 gingen die Tickets in den Vorverkauf - und am 10. September 1969 waren sie auch schon weg. Alle 71.925. Der billigste Stehplatz für sechs Mark, der teuerste Tribünensitz für 30 Mark. Ein Trost für jene, die leer ausgegangen waren: Das ZDF übertrug live.

Tage zählen bis zum Anpfif

Die Menschen zählten die Tage bis zum Anpfiff, und reihenweise wurden Veranstaltungen angesetzt, die mit diesem Termin lieber nicht konkurrieren wollten. "Man muss in der Erinnerung schon weit zurückgehen, um ein Beispiel ähnlich magischer Anziehungskraft für ein Länderspiel auf deutschem Boden zu finden", schrieb der Kicker.

Noch nie hatte eine deutsche Mannschaft ein WM-Qualifikationsspiel verloren, nun gab es den 22. Anlauf. Die Ausgangslage war kompliziert: Die Deutschen hatten zwei Punkte Vorsprung, nach damaliger Wertung also einen Sieg - aber auch ein Spiel mehr. Würden sie nicht gewinnen, wären sie im letzten Gruppenspiel auf die Schützenhilfe der Österreicher angewiesen, die mit einer Heimniederlage gegen die Schotten den ungeliebten deutschen Nachbarn aus dem Rennen hätten werfen können.

Es gab nun allerlei theoretische Konstellationen, aber nur einen optimalen Lösungsweg: einen eigenen Sieg. Im Hinspiel fehlten nur fünf Minuten dazu, dann glichen die Schotten Gerd Müllers Führungstor in Glasgow noch aus. Und ihr Trainer Bobby Brown posaunte: "Wir haben noch nie gegen die Deutschen verloren. Weshalb eigentlich zum ersten Mal in Hamburg?" In sein Büro hatte er sich Porträts von den deutschen Spielern an die Wand gehängt, und immer, wenn einer seiner Schützlinge hineinkam, deutete er auf eines und sagte: "Schau hin, das ist dein Mann für Hamburg." Spielvorbereitung in Zeiten ohne Videorekorder oder DVD-Player...

Für sechs Tage zur Vorbereitung nach Malente

Kollege Helmut Schön zog den 18er-Kader zum siebten Mal in der DFB-Geschichte - stets vor wichtigen Spielen - in Malente zusammen. "Dort sind wir wie zu Hause", sagte der Bundestrainer und quartierte die Stars der jungen Bundesliga in Vier-Bett-Zimmern ein. Sechs Tage lang. Eine gute Gelegenheit, angebliche Dissonanzen zu bereinigen, die zwischen Hamburgern und Münchnern aufgekommen sein sollten. Franz Beckenbauer und Willi Schulz rivalisierten teils öffentlich um den Liberoposten, Gerd Müller und Uwe Seeler um den Platz im Sturmzentrum.

Denn Schön hatte den 31-jährigen Seeler, der 1968 bereits zurückgetreten war, zum Comeback überredet, während Müller schon an dessen Stelle getreten war. Und wie: Am 4. Oktober hatte der Bayern-Bomber bereits sein 100. Bundesligator erzielt, mit 23 Jahren.

Nebel lichtet sich rechtzeitig

Schön hatte noch ganz andere Sorgen, und die hingen mit dem Nebel zusammen. Der verhinderte, dass er seinen Italien-Legionär Helmut Haller in Turin beobachten konnte, das Flugzeug durfte nicht starten. In den Zeitungen wurden derweil unscharfe Fotos gedruckt von deutschen und schottischen Nationalspielern, die in Malente respektive im Volksparkstadion trainierten und weder Ball noch Mitspieler erkennen konnten.

DFB und FIFA machten sich am Tag vor dem Anstoß ernste Sorgen ob der Austragung. So wurde ein "Worst-Case-Szenario" entworfen und als Ausweichtermin der Donnerstagnachmittag gewählt. Um 15 Uhr, glaubte man, sei der Nebel wohl nicht so dicht wie am Abend. Doch dann ging alles planmäßig am Mittwoch ab 19.30 Uhr über die Bühne, weil sich der Nebel etwas lichtete. Vor den Bildschirmen saßen 32 Millionen Deutsche.

Libuda spielt, Held und Dörfel nicht

Dennoch glaubte mancher Zuschauer, nicht richtig zu sehen. Wer stand denn dort auf Rechtsaußen? Nicht der Dortmunder Siggi Held? Und auch nicht der Neu-Braunschweiger Bernd Dörfel? Nein, Schön interessierten die Prognosen der Presse wenig. Er nominierte den formstarken Schalker Reinhard Libuda, den alle nur "Stan" nannten, weil er dribbeln konnte wie der legendäre Engländer Stan Matthews. Schön sollte diese Entscheidung nicht bereuen.

Ebenso wenig, dass er Günter Netzer auf die Tribüne setzte. Er wäre in diesem Kampfspiel "voll unerbittlicher Härte" (Kicker) vielleicht der falsche Mann gewesen. Schon nach drei Minuten gingen die Schotten durch Johnstone in Führung, und Schöns Auswahl brauchte eine halbe Stunde, um das zu verdauen. Sepp Maier verhinderte mehrmals das 0:2, dann traf der Schalker Klaus Fichtel zum ersten und einzigen Mal im Nationaldress. Nach einer Ecke zog er aus 16 Metern ab und sorgte für den 1:1-Pausenstand (38.).

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Gilzean trifft - nicht nur ins Tor

Die Schotten zeigten keine Nerven, kamen entschlossen aufs Feld zurück und trafen binnen vier Minuten zweimal die Latte. Dann kam nach einer Stunde das obligatorische Gerd-Müller-Tor, ausgerechnet nach Vorarbeit von Uwe Seeler, und Helmut Schön sah sich bestätigt. Aber im Gegenzug schaffte Gilzean von Tottenham, einer von vier England-Profis, per Kopf den Ausgleich.

Nun kam Hektik ins Spiel, Berti Vogts und Willi Schulz wurden böse gefoult, auch Gerd Müller teilte aus. Willi Schulz erinnert sich an seine Zweikämpfe mit 1,90-Meter-Hüne Gilzean: "Der Ball war ganz woanders, da gab es einen Faustschlag auf die Leber, dass mir die Luft wegblieb. An diesem Tag habe ich gelernt: nie näher als einen Meter an den Mann rangehen." Im Spiegel las sich das so: "Fußball-Germanen und Kicker-Kelten bekämpften sich wie in frühgeschichtlicher Zeit vorwiegend Mann gegen Mann mit Fäusten und Füßen."

Libuda: "Als ich losknallte, wusste ich, das Ding sitzt"

Zum Glück wusste Stan Libuda auch in dieser Phase mit den Füßen noch etwas Besseres anzufangen. In der 78. Minute zog er nach einem Pass von Helmut Haller von der Mittellinie los, schüttelte seinen Gegenspieler ab und erzielte mit links ein ebenso herrliches wie wichtiges Tor. "Ich spürte den Atem von Gemmel im Nacken", berichtete der 1996 verstorbene Libuda über seinen größten Moment im DFB-Trikot. "'Der foult', dachte ich noch und sprang hoch. Gemmel trat ins Leere. Ich lief noch ein paar Meter. Irgendwie bekam ich den Ball an ihm vorbei. Als ich mit dem linken Fuß losknallte, wusste ich genau: Das Ding sitzt."

Dem Höhepunkt des Abends folgte noch ein trauriger Tiefpunkt: Gemmel stieß Haller brutal um und wurde vom Schweizer Schiedsrichter Droz vom Platz gestellt. Dann tat der Unparteiische, was alle ersehnten: Er pfiff ab, Deutschland war für die WM 1970 qualifiziert.

Die kollektive Erleichterung sprang am nächsten Morgen aus der Schlagzeile von Bild: "Mexiko, wir kooommen!" Das Hamburger Abendblatt bilanzierte sachlicher: "Schön war es nicht, gut war es auch nicht. Aber dramatisch, faszinierend. Eine Sache für harte Männer." Und einen großen Künstler namens Stan Libuda. Auch ihn ließen sie am Abend im Hotel Atlantic hochleben.

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Zwei Spiele, zwei Punkte. Mitte Oktober kann die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien geschafft haben, aus den Spielen am 11. Oktober (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) in Köln gegen Irland und am 15. Oktober (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) in Stockholm gegen Schweden genügen zwei Zähler. Im Angesicht des Qualifikationsendspurts bringt DFB.de eine Serie zu vergangenen Qualifikationsdramen und besonderen Spielen gegen Irland und Schweden. Heute: "High Noon" 1969 in Hamburg gegen Schottland.

Der Herbst 1969 kam früher, als es den Deutschen lieb war. Nach einem ereignisreichen und welthistorisch bedeutsamen Sommer kehrte allmählich Alltag ein. In den Schaufenstern der Buchhandlungen lagen die ersten Bücher von der Mondlandung aus, der Mond selbst war in jenen Tagen von der Erde aus aber nur schwer zu erkennen. Schon am 4. Oktober legte sich eine dichte Nebelwand über Norddeutschland und machte keinerlei Anstalten zu verschwinden. 18 unendlich lange Tage gingen die Hamburger morgens im Nebel zur Arbeit und kamen abends im Nebel zurück.

Die Vorfreude auf das sportliche Großereignis des Herbstes konnte das nur unwesentlich trüben. Das entscheidende Länderspiel in der Qualifikation zur WM 1970 in Mexiko sollte am 22. Oktober 1969 in ihrer Stadt stattfinden, gegen die bis dahin unbesiegbaren Schotten. Rund 500.000 Kartenwünsche gingen beim DFB ein, doch kein Stadion der Welt ist groß genug dafür. Am 10. September 1969 gingen die Tickets in den Vorverkauf - und am 10. September 1969 waren sie auch schon weg. Alle 71.925. Der billigste Stehplatz für sechs Mark, der teuerste Tribünensitz für 30 Mark. Ein Trost für jene, die leer ausgegangen waren: Das ZDF übertrug live.

Tage zählen bis zum Anpfif

Die Menschen zählten die Tage bis zum Anpfiff, und reihenweise wurden Veranstaltungen angesetzt, die mit diesem Termin lieber nicht konkurrieren wollten. "Man muss in der Erinnerung schon weit zurückgehen, um ein Beispiel ähnlich magischer Anziehungskraft für ein Länderspiel auf deutschem Boden zu finden", schrieb der Kicker.

Noch nie hatte eine deutsche Mannschaft ein WM-Qualifikationsspiel verloren, nun gab es den 22. Anlauf. Die Ausgangslage war kompliziert: Die Deutschen hatten zwei Punkte Vorsprung, nach damaliger Wertung also einen Sieg - aber auch ein Spiel mehr. Würden sie nicht gewinnen, wären sie im letzten Gruppenspiel auf die Schützenhilfe der Österreicher angewiesen, die mit einer Heimniederlage gegen die Schotten den ungeliebten deutschen Nachbarn aus dem Rennen hätten werfen können.

Es gab nun allerlei theoretische Konstellationen, aber nur einen optimalen Lösungsweg: einen eigenen Sieg. Im Hinspiel fehlten nur fünf Minuten dazu, dann glichen die Schotten Gerd Müllers Führungstor in Glasgow noch aus. Und ihr Trainer Bobby Brown posaunte: "Wir haben noch nie gegen die Deutschen verloren. Weshalb eigentlich zum ersten Mal in Hamburg?" In sein Büro hatte er sich Porträts von den deutschen Spielern an die Wand gehängt, und immer, wenn einer seiner Schützlinge hineinkam, deutete er auf eines und sagte: "Schau hin, das ist dein Mann für Hamburg." Spielvorbereitung in Zeiten ohne Videorekorder oder DVD-Player...

Für sechs Tage zur Vorbereitung nach Malente

Kollege Helmut Schön zog den 18er-Kader zum siebten Mal in der DFB-Geschichte - stets vor wichtigen Spielen - in Malente zusammen. "Dort sind wir wie zu Hause", sagte der Bundestrainer und quartierte die Stars der jungen Bundesliga in Vier-Bett-Zimmern ein. Sechs Tage lang. Eine gute Gelegenheit, angebliche Dissonanzen zu bereinigen, die zwischen Hamburgern und Münchnern aufgekommen sein sollten. Franz Beckenbauer und Willi Schulz rivalisierten teils öffentlich um den Liberoposten, Gerd Müller und Uwe Seeler um den Platz im Sturmzentrum.

Denn Schön hatte den 31-jährigen Seeler, der 1968 bereits zurückgetreten war, zum Comeback überredet, während Müller schon an dessen Stelle getreten war. Und wie: Am 4. Oktober hatte der Bayern-Bomber bereits sein 100. Bundesligator erzielt, mit 23 Jahren.

Nebel lichtet sich rechtzeitig

Schön hatte noch ganz andere Sorgen, und die hingen mit dem Nebel zusammen. Der verhinderte, dass er seinen Italien-Legionär Helmut Haller in Turin beobachten konnte, das Flugzeug durfte nicht starten. In den Zeitungen wurden derweil unscharfe Fotos gedruckt von deutschen und schottischen Nationalspielern, die in Malente respektive im Volksparkstadion trainierten und weder Ball noch Mitspieler erkennen konnten.

DFB und FIFA machten sich am Tag vor dem Anstoß ernste Sorgen ob der Austragung. So wurde ein "Worst-Case-Szenario" entworfen und als Ausweichtermin der Donnerstagnachmittag gewählt. Um 15 Uhr, glaubte man, sei der Nebel wohl nicht so dicht wie am Abend. Doch dann ging alles planmäßig am Mittwoch ab 19.30 Uhr über die Bühne, weil sich der Nebel etwas lichtete. Vor den Bildschirmen saßen 32 Millionen Deutsche.

Libuda spielt, Held und Dörfel nicht

Dennoch glaubte mancher Zuschauer, nicht richtig zu sehen. Wer stand denn dort auf Rechtsaußen? Nicht der Dortmunder Siggi Held? Und auch nicht der Neu-Braunschweiger Bernd Dörfel? Nein, Schön interessierten die Prognosen der Presse wenig. Er nominierte den formstarken Schalker Reinhard Libuda, den alle nur "Stan" nannten, weil er dribbeln konnte wie der legendäre Engländer Stan Matthews. Schön sollte diese Entscheidung nicht bereuen.

Ebenso wenig, dass er Günter Netzer auf die Tribüne setzte. Er wäre in diesem Kampfspiel "voll unerbittlicher Härte" (Kicker) vielleicht der falsche Mann gewesen. Schon nach drei Minuten gingen die Schotten durch Johnstone in Führung, und Schöns Auswahl brauchte eine halbe Stunde, um das zu verdauen. Sepp Maier verhinderte mehrmals das 0:2, dann traf der Schalker Klaus Fichtel zum ersten und einzigen Mal im Nationaldress. Nach einer Ecke zog er aus 16 Metern ab und sorgte für den 1:1-Pausenstand (38.).

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Gilzean trifft - nicht nur ins Tor

Die Schotten zeigten keine Nerven, kamen entschlossen aufs Feld zurück und trafen binnen vier Minuten zweimal die Latte. Dann kam nach einer Stunde das obligatorische Gerd-Müller-Tor, ausgerechnet nach Vorarbeit von Uwe Seeler, und Helmut Schön sah sich bestätigt. Aber im Gegenzug schaffte Gilzean von Tottenham, einer von vier England-Profis, per Kopf den Ausgleich.

Nun kam Hektik ins Spiel, Berti Vogts und Willi Schulz wurden böse gefoult, auch Gerd Müller teilte aus. Willi Schulz erinnert sich an seine Zweikämpfe mit 1,90-Meter-Hüne Gilzean: "Der Ball war ganz woanders, da gab es einen Faustschlag auf die Leber, dass mir die Luft wegblieb. An diesem Tag habe ich gelernt: nie näher als einen Meter an den Mann rangehen." Im Spiegel las sich das so: "Fußball-Germanen und Kicker-Kelten bekämpften sich wie in frühgeschichtlicher Zeit vorwiegend Mann gegen Mann mit Fäusten und Füßen."

Libuda: "Als ich losknallte, wusste ich, das Ding sitzt"

Zum Glück wusste Stan Libuda auch in dieser Phase mit den Füßen noch etwas Besseres anzufangen. In der 78. Minute zog er nach einem Pass von Helmut Haller von der Mittellinie los, schüttelte seinen Gegenspieler ab und erzielte mit links ein ebenso herrliches wie wichtiges Tor. "Ich spürte den Atem von Gemmel im Nacken", berichtete der 1996 verstorbene Libuda über seinen größten Moment im DFB-Trikot. "'Der foult', dachte ich noch und sprang hoch. Gemmel trat ins Leere. Ich lief noch ein paar Meter. Irgendwie bekam ich den Ball an ihm vorbei. Als ich mit dem linken Fuß losknallte, wusste ich genau: Das Ding sitzt."

Dem Höhepunkt des Abends folgte noch ein trauriger Tiefpunkt: Gemmel stieß Haller brutal um und wurde vom Schweizer Schiedsrichter Droz vom Platz gestellt. Dann tat der Unparteiische, was alle ersehnten: Er pfiff ab, Deutschland war für die WM 1970 qualifiziert.

Die kollektive Erleichterung sprang am nächsten Morgen aus der Schlagzeile von Bild: "Mexiko, wir kooommen!" Das Hamburger Abendblatt bilanzierte sachlicher: "Schön war es nicht, gut war es auch nicht. Aber dramatisch, faszinierend. Eine Sache für harte Männer." Und einen großen Künstler namens Stan Libuda. Auch ihn ließen sie am Abend im Hotel Atlantic hochleben.