TuS Wörrstadt: "Pioniere" des Frauenfußballs in Deutschland

Am 13. und 14. September wird beim TuS Wörrstadt groß gefeiert. Dem offiziellen Fest am Samstag, unter anderem mit einer großen Tombola für einen guten Zweck, folgt am zweiten Tag der sportliche Teil mit einem Turnier. Der Anlass ist geradezu historischer Natur: Wenige Tage zuvor jährt sich der Gewinn der ersten Deutschen Frauenfußball-Meisterschaft durch die Rheinhessinnen bereits zum 40. Mal.

Am 8. September 1974 hatte sich der Turn- und Sportverein Wörrstadt im Mainzer Bruchwegstadion vor 3.800 Zuschauern im Finale gegen die DJK Eintracht Erle aus Gelsenkirchen 4:0 (1:0) durchgesetzt und durfte sich als erster Deutscher Frauen-Meister feiern lassen.

Mit dabei war auch Bärbel Petzold geb. Jung, die sich heute als Mitglied des DFB-Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball sowie als Vorsitzende des Gremiums im Regionalverband Südwest ehrenamtlich engagiert und in den vergangenen Wochen die erfolgreiche deutsche U 20-Nationalmannschaft bei der WM in Kanada unterstützt hat."Wir waren damals echte Pioniere und wussten schon, dass uns mit dem Titelgewinn etwas ganz Besonderes gelungen war", sagt Bärbel Petzold im Gespräch mit DFB.de. Es sollte bis heute der einzige Titel für Wörrstadt bleiben, vor wenigen Monaten stiegen die heutigen TuS-Frauen ohne einen einzigen Saisonsieg aus der 2. Bundesliga ab.

Europameisterin im Kunstradfahren gehört zum Aufgebot

In den frühen 70er Jahren, kurz nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf seinem Bundestag in Travemünde „grünes Licht“ für den organisierten Frauenfußball gegeben hatte, spielte der Verein aus der Kleinstadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Alzey-Worms (knapp 8000 Einwohner) sofort in Deutschlands Spitze mit.

Das war alles andere als Zufall, wie sich Bärbel Petzold erinnert. "Wir waren schon damals keine typischen Freizeitsportler, sondern durch andere Sportarten wie vor allem Handball und Leichtathletik schon gut durchtrainiert. Einige Spielerinnen studierten Sport an der nahen Uni in Mainz", so die Meisterspielerin, deren Schwester Carla ebenfalls beim TuS dem Ball hinterherjagte. Mit Gerhild Binder gehörte sogar eine dreimalige Europameisterin im Kunstradfahren (1963, 1964 und 1966) zum Wörrstädter Aufgebot.

Manager Scheidt und Trainer Hartmann als Vorreiter

Hinzu kamen im Vergleich zu anderen Frauenfußballmannschaften bereits gut funktionierende Vereinsstrukturen. So kümmerte sich mit "Fips" Scheidt bereits eine Art Manager um sämtliche administrativen Aufgaben, Trainer Erwin Hartmann war ebenfalls schon sehr gut ausgebildet und ließ seine Spielerinnen bereits dreimal pro Woche trainieren. Das hatte in der damaligen Zeit Seltenheitswert - und sollte sich schnell auszahlen. Die Wörrstädterinnen legten eine eindrucksvolle Siegesserie hin, selbst an ein 29:0 kann sich Linksverteidigerin Bärbel Petzold noch gut erinnern.



Am 13. und 14. September wird beim TuS Wörrstadt groß gefeiert. Dem offiziellen Fest am Samstag, unter anderem mit einer großen Tombola für einen guten Zweck, folgt am zweiten Tag der sportliche Teil mit einem Turnier. Der Anlass ist geradezu historischer Natur: Wenige Tage zuvor jährt sich der Gewinn der ersten Deutschen Frauenfußball-Meisterschaft durch die Rheinhessinnen bereits zum 40. Mal.

Am 8. September 1974 hatte sich der Turn- und Sportverein Wörrstadt im Mainzer Bruchwegstadion vor 3.800 Zuschauern im Finale gegen die DJK Eintracht Erle aus Gelsenkirchen 4:0 (1:0) durchgesetzt und durfte sich als erster Deutscher Frauen-Meister feiern lassen.

Mit dabei war auch Bärbel Petzold geb. Jung, die sich heute als Mitglied des DFB-Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball sowie als Vorsitzende des Gremiums im Regionalverband Südwest ehrenamtlich engagiert und in den vergangenen Wochen die erfolgreiche deutsche U 20-Nationalmannschaft bei der WM in Kanada unterstützt hat."Wir waren damals echte Pioniere und wussten schon, dass uns mit dem Titelgewinn etwas ganz Besonderes gelungen war", sagt Bärbel Petzold im Gespräch mit DFB.de. Es sollte bis heute der einzige Titel für Wörrstadt bleiben, vor wenigen Monaten stiegen die heutigen TuS-Frauen ohne einen einzigen Saisonsieg aus der 2. Bundesliga ab.

Europameisterin im Kunstradfahren gehört zum Aufgebot

In den frühen 70er Jahren, kurz nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf seinem Bundestag in Travemünde „grünes Licht“ für den organisierten Frauenfußball gegeben hatte, spielte der Verein aus der Kleinstadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Alzey-Worms (knapp 8000 Einwohner) sofort in Deutschlands Spitze mit.

Das war alles andere als Zufall, wie sich Bärbel Petzold erinnert. "Wir waren schon damals keine typischen Freizeitsportler, sondern durch andere Sportarten wie vor allem Handball und Leichtathletik schon gut durchtrainiert. Einige Spielerinnen studierten Sport an der nahen Uni in Mainz", so die Meisterspielerin, deren Schwester Carla ebenfalls beim TuS dem Ball hinterherjagte. Mit Gerhild Binder gehörte sogar eine dreimalige Europameisterin im Kunstradfahren (1963, 1964 und 1966) zum Wörrstädter Aufgebot.

Manager Scheidt und Trainer Hartmann als Vorreiter

Hinzu kamen im Vergleich zu anderen Frauenfußballmannschaften bereits gut funktionierende Vereinsstrukturen. So kümmerte sich mit "Fips" Scheidt bereits eine Art Manager um sämtliche administrativen Aufgaben, Trainer Erwin Hartmann war ebenfalls schon sehr gut ausgebildet und ließ seine Spielerinnen bereits dreimal pro Woche trainieren. Das hatte in der damaligen Zeit Seltenheitswert - und sollte sich schnell auszahlen. Die Wörrstädterinnen legten eine eindrucksvolle Siegesserie hin, selbst an ein 29:0 kann sich Linksverteidigerin Bärbel Petzold noch gut erinnern.

Als"Macher" Scheidt im Jahr 1973 - damals noch ohne offizielle Legitimation durch den DFB - zusammen mit einigen Mitstreitern der weiteren Vorreitervereine wie dem SC 07 Bad Neuenahr oder der damaligen NSG Oberst Schiel Frankfurt alle Verbandsmeister zu einem Turnier um den "Goldpokal" einlud, entschieden prompt die Wörrstädter Frauen das Finale um die erste inoffizielle deutsche Meisterschaft für sich. Der FC Bayern München wurde in Rüsselsheim 3:1 besiegt.

Zum TuS-Team gehörte dabei auch Spielmacherin und Sportstudentin Anne Trabant-Haarbach, die später als erste Spielführerin einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft (1982 in Koblenz gegen die Schweiz/5:1) und als legendäre Meistermacherin des neunmaligen Titelträgers SSG 09 Bergisch Gladbach in die DFB-Geschichte eingehen wird.

Bärbel Wohlleben erzielt als erste Frau das"Tor des Monats"

Ein Jahr nach dem "Goldpokal" gelingt dann auch offiziell der große Wurf. Die erste Endrunde um die Deutsche Frauenfußball-Meisterschaft, an der insgesamt 16 Mannschaften teilnehmen, findet im ungefährdeten Wörrstädter Endspieltriumph über Gelsenkirchen-Erle ihren Höhepunkt.

Zwar war mit Uschi Demler die Torjägerin vom Dienst angeschlagen und musste bereits kurz nach der Halbzeitpause ausgewechselt werden, doch für sie sprang die damals erst 15-jährige Regine Israel in die Bresche. Mit drei Treffern avancierte sie zur Matchwinnerin.

Als historisches Ereignis bleibt allerdings neben dem Titelgewinn vor allem der Treffer von Bärbel Wohlleben ("Der weibliche Beckenbauer") in Erinnerung. Ihr fulminanter Fernschuss zum 3:0-Zwischenstand wurde später von der ARD-Sportschau zum ersten"Tor des Monats" durch eine Fußballerin gekürt. Wohllebens Auftritt im Fernsehstudio kam einer Sensation gleich.

Böllerschüsse, Fackelzug und Freibier in Wörrstadt

Die deutlich überlegenen Wörrstädterinnen konnten sich im Endspiel sogar den Luxus erlauben, dass Anne Trabant-Haarbach einen Foulelfmeter über den Kasten schoss. Das tat der Jubelstimmung und der Freude jedoch keinen Abbruch.

Erst gab es ein offizielles Bankett im Hilton-Hotel, dann fuhr die erfolgreiche Mannschaft mit dem Bus nach Wörrstadt - und wurde dort von Raketen, Böllerschüssen und mehr als 1000 begeisterten Bürgern empfangen. Die Sulzheimer Blaskapelle spielte auf, die Jugend des Orts begleitete die Mannschaft mit einem Fackelzug zum Festplatz und Bürgermeister Franz Zimmermann hielt eine Rede. Den Höhepunkt erreichten die Feierlichkeiten, als der TuS-Vorsitzende Ferdinand Manewal zum kostenlosen Umtrunk in die Turnhalle einlud. „400 Leute haben gebechert bis zum frühen Morgen“, sagte "Fips"Scheidt vor einem Jahr gegenüber der "Rhein-Zeitung".

Meistermannschaft verliert viele Leistungsträgerinnen

Allzu lange hielt die Dominanz des TuS Wörrstadt jedoch nicht an, denn die erfolgreiche Mannschaft verlor nach und nach wichtige Leistungsträgerinnen. Ein Jahr nach dem Titelgewinn gelang zwar noch einmal der Sprung ins Halbfinale, dort war aber der spätere Deutsche Meister Bonner SC (unter anderem mit den beiden Ex-Wörrstädterinnen Anne Trabant-Haarbach und Karin Pätzold sowie der jamaikanischen Stürmerin Beverley Ranger) Endstation.

Der TuS Wörrstadt verlor auch seine Vormachtstellung im Südwestfußball an den TuS Niederkirchen. Trotzdem gelang 1981 ein weiterer Coup: Die Rheinhessinnen erreichten das erste DFB-Pokalendspiel der Frauen. Beim Finale in Stuttgart standen mit Regine Israel, Uschi Demler und Bärbel Petzold immerhin noch drei Spielerinnen im Team, die 1974 Deutsche Meisterinnen wurden. Doch gegen die SSG 09 Bergisch Gladbach, bei der mit Anne Trabant-Haarbach ebenfalls eine Spielerin aus dem Wörrstädter Meisterteam die Fäden zog, war der TuS beim 0:5 ohne Chance."Bergisch Gladbach war zu dieser Zeit eine Übermannschaft und für uns eine Nummer zu groß", erinnert sich Bärbel Petzold.

Zwei Jahre in der zweigeteilten Frauen-Bundesliga

1993 schaffte die TuS Wörrstadt noch einmal den Sprung ins Rampenlicht, stieg in die zweigeteilte Frauen-Bundesliga auf und hielt sich dort immerhin zwei Jahre. Doch die Zeiten, in denen ein Dorfverein eine führende Rolle spielen konnte, sind auch im Frauenfußball längst vorbei. "Talentierte Spielerinnen verlassen den Verein heute viel früher in Richtung finanzkräftigerer Klubs wie 1899 Hoffenheim, Schott Mainz, Karlsruhe, Saarbrücken oder Frankfurt, weil sie schon im Nachwuchsbereich höherklassig spielen wollen, am besten in der B-Juniorinnen-Bundesliga. Da kann ein kleiner Verein wie der TuS Wörrstadt nicht mehr mithalten", stellt Bärbel Petzold fest.

Zu Beginn der vergangenen Saison meldete sich der TuS zwar zumindest in der 2. Frauen-Bundesliga zurück, stieg aber am Ende wieder ab, ohne auch nur ein einziges Spiel gewonnen zu haben. Jetzt heißt der Alltag wieder Regionalliga Südwest. Dort ist Meisterspielerin Bärbel Petzold heute übrigens als Staffelleiterin aktiv.

In dieser Funktion muss sie zwar"neutral" sein, unterstützt ihren langjährigen Verein, für den sie bis 1987 selbst am Ball war, aber noch heute, wo es geht. So auch bei der Vorbereitung des Meisterjubiläums. "Bei der Planung helfen meine Kontakte", sagt Petzold, die sich schon auf ein Wiedersehen mit zahlreichen Weggefährtinnen freut.