Trabant-Haarbach: Topstar der Anfangszeit

Der 31. Oktober 1970 markiert einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs - er wurde an diesem Tag vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell in seine Satzung aufgenommen. Seitdem sind bald 50 Jahre vergangen. Fünf Jahrzehnte, in denen viele Persönlichkeiten den Weg bereitet haben. Sie haben gestaltet, motiviert und inspiriert - damals wie heute. 50 Jahre, 50 Gesichter: In der großen Serie zum Jubiläum rückt DFB.de prägende Persönlichkeiten aus dem Frauenfußbal in den Fokus. Heute: Anne Trabant-Haarbach (71), die mit der SSG 09 Bergisch Gladbach riesige Erfolge gefeiert und die deutsche Nationalmannschaft beim ersten Länderspiel der Geschichte als Kapitänin auf den Platz geführt hat.

Wer in die Historie des Frauenfußballs eintauchen will, sollte dies mit Anne Trabant-Haarbach machen. Die heute 71-Jährige gilt als eine derjenigen, die dafür gesorgt haben, dass der deutsche Frauenfußball seit Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze gehört. Trabant-Haarbach gewann als Spielerin und Trainerin unter anderem elf Mal die deutsche Meisterschaft und siegte mit der SSG 09 Bergisch Gladbach 1981 bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft in Taiwan, als der DFB noch keine Nationalmannschaft gegründet hatte. Zudem führte sie die deutsche Auswahl als Kapitänin beim ersten offiziellen Länderspiel 1982 in Koblenz aufs Feld. Die DFB-Auswahl gewann bei ihrer Premiere mit 5:1 gegen die Schweiz. Auf der Tribüne saßen Bundestrainer Jupp Derwall und DFB-Präsident Hermann Neuberger.

Trabant-Haarbach war der Kopf der Mannschaft. Sie zog die Fäden im Mittelfeld. Sie leitete die eigenen Angriffe ein, sie stoppte die gegnerischen Versuche. "An diesem Tag ist bei mir persönlich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", sagt Trabant-Haarbach. "Ich hatte die Spiele der Nationalmannschaft der Männer natürlich immer im Fernsehen verfolgt. Mein Idol war Uwe Seeler. Und an diesem 10. November 1982 stand ich plötzlich selbst mit dem Nationaltrikot auf dem Platz. Als die Hymne lief, hatte ich Tränen in den Augen, so hat mich dieser Moment bewegt. Nachdem wir Frauen über viele Jahre große Steine aus dem Weg räumen mussten, hatten wir es endlich geschafft." Es war auch ein Kampf um Anerkennung – und gegen vielen dumme Sprüche und Vorurteile.

Spielende Co-Trainerin

Im Vorfeld dieses ersten Länderspiels hatte Trabant-Haarbach zusammen mit Nationaltrainer Gero Bisanz den Kader für die Partie zusammengestellt. Acht Spielerinnen aus Bergisch Gladbach, der damals überragenden Mannschaft weltweit, standen an jenem Tag in der Startelf. Trabant-Haarbach zählte auch dazu, sie war spielende Co-Trainerin – obwohl sie eigentlich kurz zuvor ihre aktive Karriere auch wegen der Folgen einer Meniskusoperation beendet hatte. Sie war schließlich schon 33 Jahre alt an jenem kühlen Abend in Koblenz: "Das erste Länderspiel der Geschichte wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Gemeinsam mit vielen Wegbegleiterinnen hatten wir schließlich dafür gekämpft." Trabant-Haarbach bestritt letztlich acht Länderspiele, ein 1:1 gegen Belgien am 22. Oktober 1983 war in letztes.

Anne Trabant-Haarbach musste viele Umwege gehen, um so weit zu kommen. Als sie in den 1950er und 1960er Jahren erwachsen wurde, war es schwierig für sie, ihrem geliebten Hobby nachzugehen. Frauen- und Mädchenfußball war zu dieser Zeit noch verboten. Aber Trabant-Haarbach ließ sich davon nicht stoppen, der Fußball war einfach ihre Leidenschaft. Sie kickte oft mit den Jungs aus der Nachbarschaft auf einem Bolzplatz. Sie war oft sogar die Beste von allen, ihre Technik war herausragend. An manchen Tagen, wenn sie Glück hatte, durfte sie sogar am Vereinstraining teilnehmen. Da sie aber am Wochenende bei den Spielen nicht auf dem Platz stehen, sondern nur vom Rand aus zusehen durfte, verlor sie zunächst das Interesse. Als Jugendliche spielte sie deshalb Tennis und Handball und machte Leichtathletik. Das war in Ordnung, das bereitete ihr auch Spaß, aber es war eben nicht das, was sie unbedingt machen wollte – sie wollte Fußball spielen.

Trabant-Haarbachs eigener Mauerfall

Als Trabant-Haarbach im Oktober 1970 davon hörte, dass der DFB auf seinem Bundestag das Verbot des Frauenfußballs aufheben würde, fühlte sich das für sie wie eine Befreiung an. 20 Jahre hatte sie auf diesen Moment gewartet, 20 Jahre hatte sie jede versteckte Möglichkeit genutzt, um kicken zu können, 20 Jahre hatte sie nicht verstanden, warum es ihr nicht auch offiziell erlaubt war. An jenem 31. Oktober 1970 fiel im Leben von Trabant-Haarbach eine Mauer, die sie vorher immer blockiert hatte. Ab diesem Tag war alles anders.

Trabant-Haarbach spielte erst für den TuS Wörrstadt und wurde mit dem Verein 1974 erster offizieller deutscher Meister im Frauenfußball. In der darauffolgenden Saison war sie als Spielertrainerin für den Bonner SC aktiv und konnte mit ihrem neuen Klub den Titel verteidigen. Der Fußball war für sie trotzdem nur ein Hobby, Geld zu verdienen mit dem Sport war für sie damals noch nicht möglich. Deshalb arbeitete sie als Lehrerin an einem Gymnasium in Ratingen bei Düsseldorf.

Weltmeister mit Bergisch Gladbach

Ihre große Zeit begann dann wenig später in Bergisch Gladbach. Sie war auch dort Spielertrainerin und kümmerte sich um das Training und alles, was auf dem Platz passierte. Hans Gronewold war der Manager, der die besten Spielerinnen in Deutschland zur SSG 09 holte. Unter ihrer gemeinsamen Führung entwickelte sich Bergisch Gladbach zum Kompetenzzentrum des Frauenfußballs in Deutschland. Es gab keinen Titel, den sie nicht gewannen – bis hin zur inoffiziellen Weltmeisterschaft 1981 in Taiwan. Bis heute ist sie enttäuscht darüber, dass es zu dieser Zeit noch keine Unterstützung durch den DFB gab.

"Dieses Turnier und die gesamten Begleiterscheinungen waren unglaubliche Erfahrungen für uns alle. Wir waren 24 Stunden unterwegs und als wir dort aus dem Flugzeug gestiegen sind, waren die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit so hoch, das wir beinahe umgefallen wären", sagt Trabant-Haarbach. "Aber wir haben es durchgezogen und den Titel nach Deutschland geholt. In zwölf Tagen mussten wir bei diesen Bedingungen neunmal spielen. Heute ist solch ein Pensum unvorstellbar." Die Euphorie danach in Bergisch Gladbach war riesig. Bei wichtigen Spielen war das Stadion ausverkauft. Einige Zuschauer, die kein Ticket bekommen hatten, kletterten auf die an das Stadion angrenzenden Bäume, um die Begegnungen verfolgen zu können.

"Den Weg unbedingt weitergehen"

1992 beendete Trabant-Haarbach aus persönlichen Gründen ihr Engagement in Bergisch Gladbach. Es wurde zeitlich alles zu viel. Sie wollte sich auf ihren Job als Lehrerin konzentrieren. Für den Verein endete damit eine Ära. 1996 wechselte die gesamte Frauenfußballabteilung des SSG 09 Bergisch Gladbach zum TuS Köln rrh. 1874. Inzwischen versuchen die Verantwortlichen des Klubs diese Tradition wieder aufleben zu lassen und wollen eine Frauenabteilung im Verein etablieren.

Auch heute noch verfolgt Trabant-Haarbach den Frauenfußball in Deutschland sehr interessiert. Es ist in gewisser Weise schließlich ihr Baby, das längst erwachsen geworden ist. Und obwohl sie stets eine kritische Beobachterin geblieben ist, findet sie auch positive Worte für die Entwicklung. "Damals bildeten wir das Dach, aber uns fehlten die tragenden Mauern", sagt sie vor einigen Zeit bildlich in der Welt. "Es waren hauptsächlich ältere Sportlerinnen, die ab 1970 aus anderen Sportarten zum Fußball kamen." Heute sei das anders, weil bei vielen Vereinen und auch beim DFB unter anderem großer Wert auf die Jugendarbeit gelegt werde: "Das ist der Weg, den wir unbedingt weitergehen müssen, wenn wir uns auch zukünftig im Frauenfußball gegen aufstrebende Nationen wie England, Frankreich oder die Niederlande durchsetzen wollen."

[sw]

Der 31. Oktober 1970 markiert einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs - er wurde an diesem Tag vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell in seine Satzung aufgenommen. Seitdem sind bald 50 Jahre vergangen. Fünf Jahrzehnte, in denen viele Persönlichkeiten den Weg bereitet haben. Sie haben gestaltet, motiviert und inspiriert - damals wie heute. 50 Jahre, 50 Gesichter: In der großen Serie zum Jubiläum rückt DFB.de prägende Persönlichkeiten aus dem Frauenfußbal in den Fokus. Heute: Anne Trabant-Haarbach (71), die mit der SSG 09 Bergisch Gladbach riesige Erfolge gefeiert und die deutsche Nationalmannschaft beim ersten Länderspiel der Geschichte als Kapitänin auf den Platz geführt hat.

Wer in die Historie des Frauenfußballs eintauchen will, sollte dies mit Anne Trabant-Haarbach machen. Die heute 71-Jährige gilt als eine derjenigen, die dafür gesorgt haben, dass der deutsche Frauenfußball seit Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze gehört. Trabant-Haarbach gewann als Spielerin und Trainerin unter anderem elf Mal die deutsche Meisterschaft und siegte mit der SSG 09 Bergisch Gladbach 1981 bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft in Taiwan, als der DFB noch keine Nationalmannschaft gegründet hatte. Zudem führte sie die deutsche Auswahl als Kapitänin beim ersten offiziellen Länderspiel 1982 in Koblenz aufs Feld. Die DFB-Auswahl gewann bei ihrer Premiere mit 5:1 gegen die Schweiz. Auf der Tribüne saßen Bundestrainer Jupp Derwall und DFB-Präsident Hermann Neuberger.

Trabant-Haarbach war der Kopf der Mannschaft. Sie zog die Fäden im Mittelfeld. Sie leitete die eigenen Angriffe ein, sie stoppte die gegnerischen Versuche. "An diesem Tag ist bei mir persönlich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", sagt Trabant-Haarbach. "Ich hatte die Spiele der Nationalmannschaft der Männer natürlich immer im Fernsehen verfolgt. Mein Idol war Uwe Seeler. Und an diesem 10. November 1982 stand ich plötzlich selbst mit dem Nationaltrikot auf dem Platz. Als die Hymne lief, hatte ich Tränen in den Augen, so hat mich dieser Moment bewegt. Nachdem wir Frauen über viele Jahre große Steine aus dem Weg räumen mussten, hatten wir es endlich geschafft." Es war auch ein Kampf um Anerkennung – und gegen vielen dumme Sprüche und Vorurteile.

Spielende Co-Trainerin

Im Vorfeld dieses ersten Länderspiels hatte Trabant-Haarbach zusammen mit Nationaltrainer Gero Bisanz den Kader für die Partie zusammengestellt. Acht Spielerinnen aus Bergisch Gladbach, der damals überragenden Mannschaft weltweit, standen an jenem Tag in der Startelf. Trabant-Haarbach zählte auch dazu, sie war spielende Co-Trainerin – obwohl sie eigentlich kurz zuvor ihre aktive Karriere auch wegen der Folgen einer Meniskusoperation beendet hatte. Sie war schließlich schon 33 Jahre alt an jenem kühlen Abend in Koblenz: "Das erste Länderspiel der Geschichte wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Gemeinsam mit vielen Wegbegleiterinnen hatten wir schließlich dafür gekämpft." Trabant-Haarbach bestritt letztlich acht Länderspiele, ein 1:1 gegen Belgien am 22. Oktober 1983 war in letztes.

Anne Trabant-Haarbach musste viele Umwege gehen, um so weit zu kommen. Als sie in den 1950er und 1960er Jahren erwachsen wurde, war es schwierig für sie, ihrem geliebten Hobby nachzugehen. Frauen- und Mädchenfußball war zu dieser Zeit noch verboten. Aber Trabant-Haarbach ließ sich davon nicht stoppen, der Fußball war einfach ihre Leidenschaft. Sie kickte oft mit den Jungs aus der Nachbarschaft auf einem Bolzplatz. Sie war oft sogar die Beste von allen, ihre Technik war herausragend. An manchen Tagen, wenn sie Glück hatte, durfte sie sogar am Vereinstraining teilnehmen. Da sie aber am Wochenende bei den Spielen nicht auf dem Platz stehen, sondern nur vom Rand aus zusehen durfte, verlor sie zunächst das Interesse. Als Jugendliche spielte sie deshalb Tennis und Handball und machte Leichtathletik. Das war in Ordnung, das bereitete ihr auch Spaß, aber es war eben nicht das, was sie unbedingt machen wollte – sie wollte Fußball spielen.

Trabant-Haarbachs eigener Mauerfall

Als Trabant-Haarbach im Oktober 1970 davon hörte, dass der DFB auf seinem Bundestag das Verbot des Frauenfußballs aufheben würde, fühlte sich das für sie wie eine Befreiung an. 20 Jahre hatte sie auf diesen Moment gewartet, 20 Jahre hatte sie jede versteckte Möglichkeit genutzt, um kicken zu können, 20 Jahre hatte sie nicht verstanden, warum es ihr nicht auch offiziell erlaubt war. An jenem 31. Oktober 1970 fiel im Leben von Trabant-Haarbach eine Mauer, die sie vorher immer blockiert hatte. Ab diesem Tag war alles anders.

Trabant-Haarbach spielte erst für den TuS Wörrstadt und wurde mit dem Verein 1974 erster offizieller deutscher Meister im Frauenfußball. In der darauffolgenden Saison war sie als Spielertrainerin für den Bonner SC aktiv und konnte mit ihrem neuen Klub den Titel verteidigen. Der Fußball war für sie trotzdem nur ein Hobby, Geld zu verdienen mit dem Sport war für sie damals noch nicht möglich. Deshalb arbeitete sie als Lehrerin an einem Gymnasium in Ratingen bei Düsseldorf.

Weltmeister mit Bergisch Gladbach

Ihre große Zeit begann dann wenig später in Bergisch Gladbach. Sie war auch dort Spielertrainerin und kümmerte sich um das Training und alles, was auf dem Platz passierte. Hans Gronewold war der Manager, der die besten Spielerinnen in Deutschland zur SSG 09 holte. Unter ihrer gemeinsamen Führung entwickelte sich Bergisch Gladbach zum Kompetenzzentrum des Frauenfußballs in Deutschland. Es gab keinen Titel, den sie nicht gewannen – bis hin zur inoffiziellen Weltmeisterschaft 1981 in Taiwan. Bis heute ist sie enttäuscht darüber, dass es zu dieser Zeit noch keine Unterstützung durch den DFB gab.

"Dieses Turnier und die gesamten Begleiterscheinungen waren unglaubliche Erfahrungen für uns alle. Wir waren 24 Stunden unterwegs und als wir dort aus dem Flugzeug gestiegen sind, waren die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit so hoch, das wir beinahe umgefallen wären", sagt Trabant-Haarbach. "Aber wir haben es durchgezogen und den Titel nach Deutschland geholt. In zwölf Tagen mussten wir bei diesen Bedingungen neunmal spielen. Heute ist solch ein Pensum unvorstellbar." Die Euphorie danach in Bergisch Gladbach war riesig. Bei wichtigen Spielen war das Stadion ausverkauft. Einige Zuschauer, die kein Ticket bekommen hatten, kletterten auf die an das Stadion angrenzenden Bäume, um die Begegnungen verfolgen zu können.

"Den Weg unbedingt weitergehen"

1992 beendete Trabant-Haarbach aus persönlichen Gründen ihr Engagement in Bergisch Gladbach. Es wurde zeitlich alles zu viel. Sie wollte sich auf ihren Job als Lehrerin konzentrieren. Für den Verein endete damit eine Ära. 1996 wechselte die gesamte Frauenfußballabteilung des SSG 09 Bergisch Gladbach zum TuS Köln rrh. 1874. Inzwischen versuchen die Verantwortlichen des Klubs diese Tradition wieder aufleben zu lassen und wollen eine Frauenabteilung im Verein etablieren.

Auch heute noch verfolgt Trabant-Haarbach den Frauenfußball in Deutschland sehr interessiert. Es ist in gewisser Weise schließlich ihr Baby, das längst erwachsen geworden ist. Und obwohl sie stets eine kritische Beobachterin geblieben ist, findet sie auch positive Worte für die Entwicklung. "Damals bildeten wir das Dach, aber uns fehlten die tragenden Mauern", sagt sie vor einigen Zeit bildlich in der Welt. "Es waren hauptsächlich ältere Sportlerinnen, die ab 1970 aus anderen Sportarten zum Fußball kamen." Heute sei das anders, weil bei vielen Vereinen und auch beim DFB unter anderem großer Wert auf die Jugendarbeit gelegt werde: "Das ist der Weg, den wir unbedingt weitergehen müssen, wenn wir uns auch zukünftig im Frauenfußball gegen aufstrebende Nationen wie England, Frankreich oder die Niederlande durchsetzen wollen."

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