Seitz: "Schon mit 16 war Can ein Leader"

DFB.de: Sie waren vor Ihrem Engagement beim FC Bayern auch schon für den Bayerischen Fußballverband und den DFB tätig. Mal Hand aufs Herz: Wer war bislang das größte Talent, das Sie während Ihrer Karriere trainiert haben?

Seitz: Da waren schon jede Menge grandiose Fußballer dabei. Der wohl kompletteste Spieler war allerdings der heutige Nationalspieler Emre Can vom FC Liverpool. Schon mit 16 Jahren war er ein echter Leadertyp. Es war beeindruckend, wie weit er schon in diesem jungen Alter war. Auf und außerhalb des Platzes.

DFB.de: Haben aus Ihrem aktuellen Kader einige Spieler ebenfalls das Zeug, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Was müssen Sie vor allem mitbringen?

Seitz: Grundsätzlich haben alle die Chance, es zu schaffen. Wäre diese Möglichkeit nicht da, dann würden sie nicht einem Bundesliga-Leistungszentrum angehören. Von daher haben sie sich schon von anderen Nachwuchsspielern abgehoben und einiges erreicht. Was die absolute Spitze angeht, wird die Luft allerdings naturgemäß sehr dünn. Dabei bin ich allerdings der Meinung, dass Glück oder Pech - wie es häufig formuliert wird - hier allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen, wenn überhaupt. Vielmehr setzen sich Qualität und Mentalität am Ende immer durch.

DFB.de: Haben Sie als Trainer ein Vorbild? Wer hat Sie besonders beeinflusst?

Seitz: Ich würde nicht sagen, dass ich einem bestimmten Trainer nacheifere, wenn Sie das meinen. Viele Trainer haben brutale Stärken, die mich begeistern. Beim FC Bayern hatte ich die Chance, unter anderem Pep Guardiola und Jupp Heynckes beobachten zu können. Wer da beim Training genau hinschaut und zuhört, kann sehr viel mitnehmen. Die Zusammenarbeit mit Steffen Freund und dem damaligen Sportdirektor Matthias Sammer beim DFB war für mich sehr lehrreich. Als Typen finde ich auch Jürgen Klopp beeindruckend.

DFB.de: Bis zum 8. Januar ist noch trainingsfrei. Können Sie sich während der kurzen Pause ein wenig entspannen und abschalten? Oder kommt auch im Urlaub immer wieder der Trainer durch, der sich bereits mit den nächsten Aufgaben beschäftigt?

Seitz: Es ist - für Spieler und Trainer - wichtig, in dieser Zeit herunterzufahren und zu regenerieren. Wir dürfen das bisherige Abschneiden jetzt auch ein wenig genießen. Aber ich freue mich schon jetzt auch wieder auf den Trainingsstart. Dann wollen wir die Grundlagen für eine erfolgreiche zweite Halbserie legen.

DFB.de: Worauf werden Sie während der Wintervorbereitung besonderen Wert legen?

Seitz: Zum einen werden wir daran arbeiten, unsere Stärken wie die defensive Stabilität oder die Effektivität vor dem gegnerischen Tor, noch weiter zu verbessern. Zum anderen wird selbstverständlich an den Schwächen gearbeitet. Dazu gehört beispielsweise ein schnelleres Umschaltverhalten nach Ballverlusten, um die Gegner noch mehr zu stressen. Jeder muss wissen: Es gibt noch genug zu tun.

DFB.de: Ihr größter sportlicher Wunsch für das neue Jahr 2018?

Seitz: Dass sich die Jungs so weiterentwickeln wie bisher. Wenn es uns als Trainerteam gelingt, jeden einzelnen Spieler besser zu machen, dann haben wir gute Arbeit geleistet. Und zwar unabhängig davon, ob am Saisonende die Deutsche Meisterschaft herausspringt oder nicht.

[mspw]


Jahreswechsel. Auch für Holger Seitz (43), U 17-Trainer beim FC Bayern München, die Chance, 2017 Revue passieren zu lassen und einen Ausblick auf 2018 zu wagen. War der Fußballlehrer im vergangenen Frühjahr noch mit der U 19 des deutschen Rekordmeisters hauchdünn am Gewinn der Deutschen A-Junioren-Meisterschaft vorbeigeschrammt, könnte es zwölf Monate später mit der U 17 klappen. Als Titelverteidiger sind die Münchner ungeschlagener Spitzenreiter in der Staffel Süd/Südwest der B-Junioren-Bundesliga.

Im aktuellen DFB.de-Interview spricht Holger Seitz mit Mitarbeiter Ralf Debat über sein emotionalstes Erlebnis 2017, die Titelchancen im neuen Jahr, die besonderen Schwerpunkte seiner Arbeit und den besten Fußballer, den er bislang trainiert hat.

DFB.de: Ein intensives Jahr mit einer Reihe von sportlichen Höhepunkten liegt hinter Ihnen. Was war Ihr persönliches Highlight, Herr Seitz?

Holger Seitz: Das emotionalste Erlebnis war ohne Zweifel das Endspiel um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft vor fast 34.000 Zuschauern in Dortmund.

DFB.de: Erst im Elfmeterschießen musste sich der FC Bayern 7:8 geschlagen geben. Wie schwierig war es für Sie persönlich, die Enttäuschung wegzustecken?

Seitz: Keine Frage: Auch ich war enttäuscht. In erster Linie tat es mir jedoch für meine Spieler leid, die vor einer atemberaubenden Kulisse ein großartiges Spiel abgeliefert hatten und dafür nicht belohnt wurden. In der Verlängerung wurde ein Tor für uns nicht anerkannt, auch im Elfmeterschießen haben es die Jungs vor der Südtribüne klasse gemacht.

DFB.de: Hat dieses Erlebnis Ihren Ehrgeiz noch zusätzlich angestachelt?

Seitz: Ehrgeizig bin ich immer - ob im Training oder in einem Endspiel um die Meisterschaft. Es war aber wichtig, aus dem verlorenen Finale das Positive herauszuziehen. Den Spielern wird diese Erfahrung auf ihrem weiteren Weg somit ganz sicher helfen.

DFB.de: Was der U 19 versagt blieb, schaffte die U 17. Ihr heutiges Team holte im Sommer erstmals seit vielen Jahren wieder einen Meistertitel im Juniorenbereich nach München. Ist die mögliche Titelverteidigung für Ihre Spieler jetzt noch ein zusätzlicher Ansporn oder eher eine Belastung wegen der gestiegenen Erwartungshaltung?

Seitz: Der FC Bayern hat immer den Anspruch, attraktiven und erfolgreichen Fußball zu spielen. Das hat sich durch den Titelgewinn nicht geändert. Fest steht: Der 2000-er Jahrgang hat das großartig gemacht und ist verdient Meister geworden. Diesen Weg würden wir gerne weitergehen. Aber es ist ein neues Team und eine neue Aufgabe.

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DFB.de: Bisher funktioniert es allerdings ausgezeichnet. Nach 15 Spielen stehen zwölf Siege und drei Remis zu Buche. Von der Konkurrenz hat sich der FC Bayern schon ein wenig abgesetzt. Wie bewerten Sie die Ausbeute und die gezeigten Leistungen?

Seitz: Wichtig ist für mich, dass in der Tat nicht nur die Ergebnisse stimmen. Auch das Auftreten der Mannschaft passt. Wir wollen mit Freude und Begeisterung Fußball spielen und den Zuschauern Spaß bereiten. Das ist uns bislang gut gelungen.

DFB.de: Was zeichnet Ihre Mannschaft in erster Linie aus?

Seitz: Die Jungs spielen diszipliniert und gut geordnet, vor allem aber mutig. Darauf legen wir auch im Training großen Wert. Nur wer am Limit trainiert, kann sich entscheidend verbessern und positiv entwickeln.

DFB.de: U 17-Nationalspieler Oliver Batista Meier traf in dieser Saison 16-mal für die U 17, wurde zuletzt aber bereits verstärkt in der U 19 eingesetzt. Wie haben Sie das aufgefangen?

Seitz: Zunächst spricht es für Olivers Leistungen und ein wenig auch für unsere Arbeit, dass wir ihn schon nach oben abgeben durften. Oliver ist zweifellos ein sehr großes Talent, was er ja auch schon bei seinen Einsätzen in der U 19 bewiesen hat. Dennoch war bei uns kein großer Qualitätsverlust zu spüren, weil es die Jungs, die zuvor nicht immer erste Wahl waren, sehr gut gemacht und ihre Chance eindrucksvoll genutzt haben.

DFB.de: Welche Teams können dem FC Bayern auf dem Weg zur Süd/Südwest-Meisterschaft noch gefährlich werden?

Seitz: Da gibt es einige Mannschaften. Der FSV Mainz 05, die TSG 1899 Hoffenheim und der VfB Stuttgart verfügen allesamt über die notwendige Qualität, um nach der Winterpause eine Siegesserie hinzulegen. Trotz unseres Vorsprungs dürfen wir uns deshalb keine große Schwächephase erlauben, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Das wissen die Jungs.

DFB.de: Mussten Sie sich und Ihre Arbeitsweise nach dem Wechsel von der U 19 zur U 17 umstellen? Wo sehen Sie die größten Unterschiede?

Seitz: Was die tägliche Trainingsarbeit angeht, ist es sehr ähnlich. Alle Teams verfolgen beim FC Bayern auch die gleiche Spielphilosophie. Unterschiedlich ist vor allem die Belastung und zeitliche Beanspruchung der Spieler, die im U 19-Bereich ja auch meistens noch im Abiturstress stecken, mehr internationale Partien bestreiten und den Sprung in den Seniorenbereich schaffen wollen. Das ist schon ein größerer Druck. Bei der U 17 geht es auch unter Anderem darum, die Talente genau auf diese Anforderungen vorzubereiten. Da sind wir Trainer dann auch schon mal mehr als Pädagogen gefragt. Ich lege beispielsweise viel Wert darauf, den Spielern in wöchentlichen Analysegesprächen Rückmeldungen über ihren Leistungsstand zu geben, sie zu unterstützen und ihnen vor allem aufzuzeigen, wo ihre Stärken liegen, damit sie Selbstvertrauen aufbauen können. Die Schwächen dürfen nicht im Vordergrund stehen. Selbstvertrauen hat etwas mit dem Vertrauen in sich selbst zu tun. Dies erreicht man nur, wenn die Jungs in erster Linie wissen, was sie können, und nicht permanent vom Trainer hören, was sie alles nicht können. Wir versuchen das zu vermitteln.

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DFB.de: Sie waren vor Ihrem Engagement beim FC Bayern auch schon für den Bayerischen Fußballverband und den DFB tätig. Mal Hand aufs Herz: Wer war bislang das größte Talent, das Sie während Ihrer Karriere trainiert haben?

Seitz: Da waren schon jede Menge grandiose Fußballer dabei. Der wohl kompletteste Spieler war allerdings der heutige Nationalspieler Emre Can vom FC Liverpool. Schon mit 16 Jahren war er ein echter Leadertyp. Es war beeindruckend, wie weit er schon in diesem jungen Alter war. Auf und außerhalb des Platzes.

DFB.de: Haben aus Ihrem aktuellen Kader einige Spieler ebenfalls das Zeug, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Was müssen Sie vor allem mitbringen?

Seitz: Grundsätzlich haben alle die Chance, es zu schaffen. Wäre diese Möglichkeit nicht da, dann würden sie nicht einem Bundesliga-Leistungszentrum angehören. Von daher haben sie sich schon von anderen Nachwuchsspielern abgehoben und einiges erreicht. Was die absolute Spitze angeht, wird die Luft allerdings naturgemäß sehr dünn. Dabei bin ich allerdings der Meinung, dass Glück oder Pech - wie es häufig formuliert wird - hier allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen, wenn überhaupt. Vielmehr setzen sich Qualität und Mentalität am Ende immer durch.

DFB.de: Haben Sie als Trainer ein Vorbild? Wer hat Sie besonders beeinflusst?

Seitz: Ich würde nicht sagen, dass ich einem bestimmten Trainer nacheifere, wenn Sie das meinen. Viele Trainer haben brutale Stärken, die mich begeistern. Beim FC Bayern hatte ich die Chance, unter anderem Pep Guardiola und Jupp Heynckes beobachten zu können. Wer da beim Training genau hinschaut und zuhört, kann sehr viel mitnehmen. Die Zusammenarbeit mit Steffen Freund und dem damaligen Sportdirektor Matthias Sammer beim DFB war für mich sehr lehrreich. Als Typen finde ich auch Jürgen Klopp beeindruckend.

DFB.de: Bis zum 8. Januar ist noch trainingsfrei. Können Sie sich während der kurzen Pause ein wenig entspannen und abschalten? Oder kommt auch im Urlaub immer wieder der Trainer durch, der sich bereits mit den nächsten Aufgaben beschäftigt?

Seitz: Es ist - für Spieler und Trainer - wichtig, in dieser Zeit herunterzufahren und zu regenerieren. Wir dürfen das bisherige Abschneiden jetzt auch ein wenig genießen. Aber ich freue mich schon jetzt auch wieder auf den Trainingsstart. Dann wollen wir die Grundlagen für eine erfolgreiche zweite Halbserie legen.

DFB.de: Worauf werden Sie während der Wintervorbereitung besonderen Wert legen?

Seitz: Zum einen werden wir daran arbeiten, unsere Stärken wie die defensive Stabilität oder die Effektivität vor dem gegnerischen Tor, noch weiter zu verbessern. Zum anderen wird selbstverständlich an den Schwächen gearbeitet. Dazu gehört beispielsweise ein schnelleres Umschaltverhalten nach Ballverlusten, um die Gegner noch mehr zu stressen. Jeder muss wissen: Es gibt noch genug zu tun.

DFB.de: Ihr größter sportlicher Wunsch für das neue Jahr 2018?

Seitz: Dass sich die Jungs so weiterentwickeln wie bisher. Wenn es uns als Trainerteam gelingt, jeden einzelnen Spieler besser zu machen, dann haben wir gute Arbeit geleistet. Und zwar unabhängig davon, ob am Saisonende die Deutsche Meisterschaft herausspringt oder nicht.

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