"Mut zur Entscheidung bleibt Qualitätsmerkmal des Referees"

Am Freitag (ab 20.30 Uhr, live im ZDF und Eurosport Player) startet die Rückrunde der Bundesliga mit der Partie Bayer Leverkusen gegen Tabellenführer Bayern München. Nicht nur die Teams der deutschen Eliteliga haben sich auf die restlichen Partien der Saison 2017/2018 vorbereitet, auch die Bundesliga-Schiedsrichter waren vom 4. bis 9. Januar im Trainingslager auf Mallorca, um sich bei einem Lehrgang auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten.

Auf der Pressekonferenz im Linder Hotel & Sports Academy in Frankfurt am Main berichten Lutz Michael Fröhlich, der Sportliche Leiter der Elite-Schiedsrichter, der für die Referees zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, Ansgar Schwenken, DFL-Direktor Fußballangelegenheiten und Fans, sowie Video-Assistent Dr. Jochen Drees über den Lehrgang und den aktuellen Stand in Sachen Video-Schiedsrichter. DFB.de hat die wichtigsten Aussagen protokolliert.

Lutz Michael Fröhlich über...

... das Trainingslager auf Mallorca: Wir haben sehr, sehr intensiv gearbeitet - auch mit den Schiedsrichter-Assistenten, für die wir ein spezielles Programm mit Abseitstests hatten. Wir hatten auf Mallorca etwa ein Drittel Trainingsinhalte, ein Drittel Teamarbeit/Kommunikation und ein Drittel mit Szenenbearbeitungen zum Video-Assistenten. Alle waren motiviert und sind mit einem positiven Gefühl nach Hause gegangen. Die Ansicht der Schiedsrichter ist nun einheitlicher, da wir einen großen Berg an Situationen aus der Hinrunde hatten. Nach Mallorca ist der Eindruck von wesentlich größerer Sicherheit entstanden.

... die Aufarbeitung der Hinrunde mit Blick auf den Video-Assistenten: Wir haben uns sehr intensiv mit dem Video-Assistenten befasst. Es wurde von vornherein festgelegt, dass die Grundlage allen Handelns das Protokoll "Handbook for Competitions" ist. Dieses Protokoll wird zum März hin noch mal überarbeitet. Dazu können die Nationalverbände Vorschläge machen - das werden wir auch tun.

... die Rolle des Video-Assistenten: Wir wollen keine Video-Assistenten haben, die detektivisch arbeiten. Der Leitsatz heißt: Ein klarer und offensichtlicher Fehler ist auf dem Replay-Material leicht zu identifizieren. Wenn der Video-Assistent leiseste Zweifel hat, darf er nicht mit dem "Videobeweis" agieren. Es ist zudem nicht notwendig, eine ständige Kommunikation zwischen dem Video-Assistenten und Schiedsrichter zu halten. Es geht einzig um die Frage, ob eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung vorliegt. Der Video-Assistent muss den Fokus auf die Offensichtlichkeit legen und nicht bei Situationen eingreifen, bei denen es Fehler gegeben haben könnte.

... die Rolle des Schiedsrichters auf dem Platz: Wir sind und mit allen Schiedsrichtern einig, dass die Schiedsrichter auf dem Platz die Entscheidungen treffen. Der Mut zur Entscheidung bleibt ein Qualitätsmerkmal des Schiedsrichters. Die Verantwortung bleibt beim Schiedsrichter auf dem Platz. Um die Transparenz zu erhöhen, sollen die Schiedsrichter die Review-Area nutzen. Es ist nicht hinehmbar, wenn ein Schiedsrichter früh im Spiel beispielsweise einen Feldverweis ausspricht und diesen das gesamte Spiel nicht vor Augen hat.

... die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent: Wir wollen Spielverzögerungen vermeiden. Die Kommunikation zwischen Video-Assistent und Schiedsrichter soll sachverhaltsbezogen sein. Der Schiedsrichter soll unverzüglich in die Review-Area gehen, dort hat er die Option, bei Entscheidungen zu bleiben. Diese Reviews erfordern eine konsequente Nachspielzeit. Auch die Umlagerung der Schiedsrichter durch Spieler ist nicht nötig. Wir weisen die Klubs informativ daraufhin. Greift das nicht, muss man in Zukunft über etwaige Bestrafungen nachdenken.

... die Leistungen der Schiedsrichter in der Hinrunde: Insgesamt wurde, wenn man die Hinrunde betrachtet, weniger über einzelne Schiedsrichter gesprochen. Die Leistungen waren gut. Am Ende haben wir nicht allzu viele Fehlentscheidungen erlebt, das stimmt uns zuversichtlich. Wir sind stolz darauf, dass Bibiana Steinhaus und Dr. Felix Brych zu Weltschiedsrichtern des Jahres gewählt worden sind. Das ist ein Indiz für ein starkes deutsches Schiedsrichterwesen.

... den neuen Bewertungs-/Entwicklungsbogen zur Überprüfung der Schiedsrichterleistungen: Das Coachingsystem ist spielklassenspezifisch. Der neue Bogen bringt den Vorteil, dass es nicht nur die Bewertung des Schiedsrichters auf Grundlage der Beobachtung auf dem Spielfeld gibt, sondern jedes Spiel per Video nachgearbeitet wird. Durch dieses differenzierte System kann viel intensiver an Stärken und Schwächen gearbeitet werden. Jeder Schiedsrichter arbeitet an seinem eigenen Profil. Die Coachinggruppe und die Sportliche Leitung treffen sich zum regelmäßigen Austausch. Daraus ergibt sich ein Bild der Leistung der Schiedsrichter.



Am Freitag (ab 20.30 Uhr, live im ZDF und Eurosport Player) startet die Rückrunde der Bundesliga mit der Partie Bayer Leverkusen gegen Tabellenführer Bayern München. Nicht nur die Teams der deutschen Eliteliga haben sich auf die restlichen Partien der Saison 2017/2018 vorbereitet, auch die Bundesliga-Schiedsrichter waren vom 4. bis 9. Januar im Trainingslager auf Mallorca, um sich bei einem Lehrgang auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten.

Auf der Pressekonferenz im Linder Hotel & Sports Academy in Frankfurt am Main berichten Lutz Michael Fröhlich, der Sportliche Leiter der Elite-Schiedsrichter, der für die Referees zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, Ansgar Schwenken, DFL-Direktor Fußballangelegenheiten und Fans, sowie Video-Assistent Dr. Jochen Drees über den Lehrgang und den aktuellen Stand in Sachen Video-Schiedsrichter. DFB.de hat die wichtigsten Aussagen protokolliert.

Lutz Michael Fröhlich über...

... das Trainingslager auf Mallorca: Wir haben sehr, sehr intensiv gearbeitet - auch mit den Schiedsrichter-Assistenten, für die wir ein spezielles Programm mit Abseitstests hatten. Wir hatten auf Mallorca etwa ein Drittel Trainingsinhalte, ein Drittel Teamarbeit/Kommunikation und ein Drittel mit Szenenbearbeitungen zum Video-Assistenten. Alle waren motiviert und sind mit einem positiven Gefühl nach Hause gegangen. Die Ansicht der Schiedsrichter ist nun einheitlicher, da wir einen großen Berg an Situationen aus der Hinrunde hatten. Nach Mallorca ist der Eindruck von wesentlich größerer Sicherheit entstanden.

... die Aufarbeitung der Hinrunde mit Blick auf den Video-Assistenten: Wir haben uns sehr intensiv mit dem Video-Assistenten befasst. Es wurde von vornherein festgelegt, dass die Grundlage allen Handelns das Protokoll "Handbook for Competitions" ist. Dieses Protokoll wird zum März hin noch mal überarbeitet. Dazu können die Nationalverbände Vorschläge machen - das werden wir auch tun.

... die Rolle des Video-Assistenten: Wir wollen keine Video-Assistenten haben, die detektivisch arbeiten. Der Leitsatz heißt: Ein klarer und offensichtlicher Fehler ist auf dem Replay-Material leicht zu identifizieren. Wenn der Video-Assistent leiseste Zweifel hat, darf er nicht mit dem "Videobeweis" agieren. Es ist zudem nicht notwendig, eine ständige Kommunikation zwischen dem Video-Assistenten und Schiedsrichter zu halten. Es geht einzig um die Frage, ob eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung vorliegt. Der Video-Assistent muss den Fokus auf die Offensichtlichkeit legen und nicht bei Situationen eingreifen, bei denen es Fehler gegeben haben könnte.

... die Rolle des Schiedsrichters auf dem Platz: Wir sind und mit allen Schiedsrichtern einig, dass die Schiedsrichter auf dem Platz die Entscheidungen treffen. Der Mut zur Entscheidung bleibt ein Qualitätsmerkmal des Schiedsrichters. Die Verantwortung bleibt beim Schiedsrichter auf dem Platz. Um die Transparenz zu erhöhen, sollen die Schiedsrichter die Review-Area nutzen. Es ist nicht hinehmbar, wenn ein Schiedsrichter früh im Spiel beispielsweise einen Feldverweis ausspricht und diesen das gesamte Spiel nicht vor Augen hat.

... die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent: Wir wollen Spielverzögerungen vermeiden. Die Kommunikation zwischen Video-Assistent und Schiedsrichter soll sachverhaltsbezogen sein. Der Schiedsrichter soll unverzüglich in die Review-Area gehen, dort hat er die Option, bei Entscheidungen zu bleiben. Diese Reviews erfordern eine konsequente Nachspielzeit. Auch die Umlagerung der Schiedsrichter durch Spieler ist nicht nötig. Wir weisen die Klubs informativ daraufhin. Greift das nicht, muss man in Zukunft über etwaige Bestrafungen nachdenken.

... die Leistungen der Schiedsrichter in der Hinrunde: Insgesamt wurde, wenn man die Hinrunde betrachtet, weniger über einzelne Schiedsrichter gesprochen. Die Leistungen waren gut. Am Ende haben wir nicht allzu viele Fehlentscheidungen erlebt, das stimmt uns zuversichtlich. Wir sind stolz darauf, dass Bibiana Steinhaus und Dr. Felix Brych zu Weltschiedsrichtern des Jahres gewählt worden sind. Das ist ein Indiz für ein starkes deutsches Schiedsrichterwesen.

... den neuen Bewertungs-/Entwicklungsbogen zur Überprüfung der Schiedsrichterleistungen: Das Coachingsystem ist spielklassenspezifisch. Der neue Bogen bringt den Vorteil, dass es nicht nur die Bewertung des Schiedsrichters auf Grundlage der Beobachtung auf dem Spielfeld gibt, sondern jedes Spiel per Video nachgearbeitet wird. Durch dieses differenzierte System kann viel intensiver an Stärken und Schwächen gearbeitet werden. Jeder Schiedsrichter arbeitet an seinem eigenen Profil. Die Coachinggruppe und die Sportliche Leitung treffen sich zum regelmäßigen Austausch. Daraus ergibt sich ein Bild der Leistung der Schiedsrichter.

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Ronny Zimmermann über...

... das Trainingslager auf Mallorca: Ich war jetzt das vierte Mal dabei, und es war diesmal so intensiv wie nie zuvor - sowohl vom inhaltlichen als auch zeitlichen Aufwand. Wir haben die sportlichen Dinge gemacht, die zu einem Trainingslager dazugehören, und es gab inhaltliche Leistungsfeedbacks, in denen über die Vorrunde gesprochen wurde. Der Video-Assistent war natürlich ein Schwerpunkt des Trainingslagers, das eine runde Sache war, bei dem alle Themenbereiche abgearbeitet wurden. Mein Fazit: Wir sind bereit für die Rückrunde.

... die Betreuung der Schiedsrichter auf psychologischer Ebene: Wir haben zwei Sportpsychologen dabei gehabt. Diese haben Dinge aus der Vorrunde in mehrtägigen Workshops offen und neutral aufgearbeitet. Wir haben durchweg positive Signale aus der Gruppe erhalten, wobei wir keine Details an die Öffentlichkeit geben können und wollen, weil wir selbst nicht dabei waren. Es wurde ein positiver Prozess in Gang gesetzt.

... die Erwartungen an den Video-Assistenten: Wir sind vielleicht zu deutsch gewesen. Wir haben versucht darauf hinzuweisen, dass es schwer ist, in der Testphase auf 100 Prozent zu kommen. Da waren falsche Erwartungen in der Welt. Die Testphase stand unter dem Brennglas der Öffentlichkeit - auch wir sind nicht hunterprozentig zufrieden. Aber die letzten drei, vier Spieltage vor der Winterpause waren sehr gut.

... das Thema Strukturreform: Diese Reform steht bei uns auf der Agenda, aber wir bearbeiten eins nach dem anderen. Ich hoffe, dass wir im Sommer so weit sind. Unser Ziel ist, besser zu werden - und in diesem Prozess sind wir noch nicht am Ende.

Ansgar Schwenken über...

... den Video-Assistenten: Der DFB und die DFL sind absolut überzeugt, dass der Video-Assistent das Spiel gerechter macht. An den Schwächen arbeiten wir mit dem Schiedsrichterwesen intensiv.

... die konkreten Zahlen aus der Hinrunde: In 153 Spielen gab es 1041 überprüfte Situationen. Darunter waren 750 sogenannten "Silent Checks", bei denen es keinen Kommunikation zwischen Köln und den Schiedsrichtern in den Stadien gab, und 241 Checks mit Kommunikation und Bestätigung der Entscheidung. Es gab 50 Empfehlungen zur Entscheidungsumkehr, im Schnitt in jedem dritten Spiel, darunter 48 Empfehlungen zur Änderung der Entscheidungen. Davon waren 37 korrekt, zwei Entscheiungen wurden nicht übernommen und korrekterweise beibehalten. Elf Entscheidungen waren nicht korrekt - dabei muss unser Maßstab sein, dass diese gegen Null gehen. Aber die Video-Assistenten haben 37 Fehlentscheidungen verhindert, die zu einem gerechteren Spiel geführt haben. In den vergangenen Spielzeiten gab es jeweils rund 100 Fehlentscheidungen - mit dem Einsatz des Video-Assistenten werden davon drei Viertel verhindert. Wir sind absolut überzeugt, dass wir mit dem richtigen Mittel zu gerechteren Entscheidungen kommen.

... die zeitlichen Verzögerungen beim Einsatz des Video-Assistenten: 241 Checks haben im Durchschnitt 30 Sekunden ausgemacht, die rund 50 Empfehlungen zur Entscheidungsumkehr rund eine Minute gedauert. Im Vergleich zu den vergangenen drei Spielzeiten haben wir in der Hinrunde netto eine Minute mehr Spielzeit gehabt.

... den Einsatz der Videoleinwand beim Video-Assistenten: Wir sind mehrheitlich, das impliziert auch die Klubs, der Ansicht, dass die Stadionleinwand aus Qualitätsgründen, regietechnischen Gründen und nicht zuletzt aufgrund von unterschiedlichen Aufassungen zur Auslegung nicht der richtige Ort ist, Entscheidungen öffentlich zu trasnportieren.

Dr. Jochen Drees über...

... seinen Eindruck vom Trainingslager: Die Arbeit auf Mallorca war eine sehr ziel- und ergebnisfördernde Analyse. Die Hinrunde ist nicht so schlecht gelaufen, wie sie von manchen gemacht wurde. Wir hatten etwas aus dem Auge verloren, dass die Video-Assistenten den Schiedsrichter auf dem Platz nur unterstützen sollen. Ganz klar: Der Schiedsrichter steht im Fokus, er trifft die Entscheidung. Der Video-Assistent gibt Input und Hilfestellung. Daran haben wir im Trainingslager gearbeitet und eine Sensibilisierung geschaffen.

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