Lars Stindl: "Es wird unangenehm"

Rein statistisch gesehen steht eines im Grunde bereits vor dem Achtelfinalspiel im DFB-Pokal fest: Lars Stindl wird ein Tor schießen. Denn der Kapitän von Borussia Mönchengladbach hat in seinen bislang vier Pokalspielen für die Borussia immer mindestens einen Treffer erzielt.

Und Stindl hätte natürlich nichts dagegen, wenn er diese Serie auch am kommenden Dienstag (ab 20.45 Uhr, live auf Sky) beim Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth fortsetzen könnte. Schließlich würde das die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Stindl mit der Borussia den nächsten Schritt in Richtung Pokalfinale machen kann.

Im Interview spricht der 28-Jährige mit DFB.de-Mitarbeiter Andreas Reiners über den Traum von Berlin, Auslosungen nach Mitternacht, seine Rolle als Kapitän, das Innenleben der Gladbacher Mannschaft, Millionen-Offerten aus China und seine Liebe zum Fußball.

DFB.de: Herr Stindl, Sie sind aktuell als Kapitän noch mehr gefragt, vor allem auch in Zeiten, in denen es nicht läuft. Wie sehr hat das in den vergangenen Wochen genervt?

Stindl: Ich habe das in meiner Karriere leider schon öfter machen müssen (lacht). Ich denke, dass wir in der Mannschaft eine gesunde Mischung haben. Das Amt ist dafür da, um eine Art Sprecher zu haben. Aber es verpflichtet nicht. Es gibt auch Tage, an denen ich keinen Grund sehe, mich zu äußern. Außerdem haben wir viele Spieler, die eine starke Meinung haben und diese nach außen auch kundtun.

DFB.de: Mussten Sie denn lange überlegen, ob Sie das Amt übernehmen?

Stindl: Ich weiß, dass das Amt eine Herausforderung ist und was alles damit zusammenhängt. Wir hatten uns darauf verständigt, dass auch ich mir meine Gedanken mache. Aber mir war schnell klar, dass es eine Ehre und etwas Sensationelles ist, dass ich dieses Amt bei diesem Traditionsklub ausüben darf.

DFB.de: Sie waren vor Ihrem Wechsel auch in Hannover Kapitän. Wie unterscheidet sich die Ausführung des Amtes in beiden Klubs?

Stindl: Es gibt ein paar Dinge, die sind überall gleich. Man hat Verantwortung und es gibt Dinge, die man regeln muss und angehen sollte. Ich versuche immer, meine eigene Note einzubringen. Es geht aber gar nicht so groß um dieses einzelne Amt. Es war bei all meinen Stationen bislang so, dass wir immer eine starke Gruppe und einen guten Mannschaftsrat hatten. Dadurch ist immer ein Austausch vorhanden und es wird immer gemeinsam entschieden. Das sind die Dinge, die das Amt ausmachen und weshalb ich es auch machen wollte.

DFB.de: Jeder interpretiert die Rolle des Kapitäns anders. Wie macht das Lars Stindl im Einzelnen?

Stindl: Ich versuche, in der Gruppe mit zu entscheiden und Dinge mit voranzutreiben. Ich sage immer meine Meinung und versuche, ein Gefühl für die Gruppe zu haben. Ich habe einen guten Draht zu meinen Mitspielern. Das ist mir wichtig: Dass man sich gut versteht, aber auch Dinge ansprechen kann, die nicht so rund laufen. Dabei sollte man aber immer sachlich bleiben und das große Ganze im Blick behalten.

DFB.de: Was macht eine Krise mit dem Innenleben einer Mannschaft?

Stindl: Es versucht jeder, ein Stück weit dagegen zu steuern. Dennoch spielen die Ergebnisse und die Tabelle im Hinterkopf eine Rolle. Man versucht, das Ganze auszublenden und das Positive immer wieder mitzunehmen. Man muss dann vielleicht ein Stück härter daran arbeiten, um wieder ein Erfolgserlebnis zu haben.

DFB.de: Was hat der Trainerwechsel innerhalb des Teams bewirkt?

Stindl: Unabhängig vom Trainerwechsel haben uns die zwei Wochen Pause gut getan. Im neuen Jahr hat man sowieso neue Ansprüche und neue Ansätze. Hinzu kam dann auch der Trainerwechsel. Das hat alles zusammengespielt, um eine andere Stimmung zu entfachen. Dieter Hecking hat eine neue Ansprache, neue Ideen, neue Reize, wie jeder Trainer sie hat. Er hat von Anfang an versucht, uns diese Dinge näherzubringen.

DFB.de: Wie ist Dieter Hecking seit seinem Amtsantritt vorgegangen?

Stindl: Er ist sehr lange in dem Geschäft und kennt deshalb viele Situationen. Er hat seine Erfahrung von Anfang an eingebracht. Er hat gewusst, dass eine gewisse Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft geherrscht hat. Er hat deshalb versucht, uns den Mut und den Glauben an unsere Stärken zurückzubringen. Wir wissen aber alle, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und es noch ein langer und schwieriger Weg wird, dort wieder herauszukommen.



Rein statistisch gesehen steht eines im Grunde bereits vor dem Achtelfinalspiel im DFB-Pokal fest: Lars Stindl wird ein Tor schießen. Denn der Kapitän von Borussia Mönchengladbach hat in seinen bislang vier Pokalspielen für die Borussia immer mindestens einen Treffer erzielt.

Und Stindl hätte natürlich nichts dagegen, wenn er diese Serie auch am kommenden Dienstag (ab 20.45 Uhr, live auf Sky) beim Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth fortsetzen könnte. Schließlich würde das die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Stindl mit der Borussia den nächsten Schritt in Richtung Pokalfinale machen kann.

Im Interview spricht der 28-Jährige mit DFB.de-Mitarbeiter Andreas Reiners über den Traum von Berlin, Auslosungen nach Mitternacht, seine Rolle als Kapitän, das Innenleben der Gladbacher Mannschaft, Millionen-Offerten aus China und seine Liebe zum Fußball.

DFB.de: Herr Stindl, Sie sind aktuell als Kapitän noch mehr gefragt, vor allem auch in Zeiten, in denen es nicht läuft. Wie sehr hat das in den vergangenen Wochen genervt?

Stindl: Ich habe das in meiner Karriere leider schon öfter machen müssen (lacht). Ich denke, dass wir in der Mannschaft eine gesunde Mischung haben. Das Amt ist dafür da, um eine Art Sprecher zu haben. Aber es verpflichtet nicht. Es gibt auch Tage, an denen ich keinen Grund sehe, mich zu äußern. Außerdem haben wir viele Spieler, die eine starke Meinung haben und diese nach außen auch kundtun.

DFB.de: Mussten Sie denn lange überlegen, ob Sie das Amt übernehmen?

Stindl: Ich weiß, dass das Amt eine Herausforderung ist und was alles damit zusammenhängt. Wir hatten uns darauf verständigt, dass auch ich mir meine Gedanken mache. Aber mir war schnell klar, dass es eine Ehre und etwas Sensationelles ist, dass ich dieses Amt bei diesem Traditionsklub ausüben darf.

DFB.de: Sie waren vor Ihrem Wechsel auch in Hannover Kapitän. Wie unterscheidet sich die Ausführung des Amtes in beiden Klubs?

Stindl: Es gibt ein paar Dinge, die sind überall gleich. Man hat Verantwortung und es gibt Dinge, die man regeln muss und angehen sollte. Ich versuche immer, meine eigene Note einzubringen. Es geht aber gar nicht so groß um dieses einzelne Amt. Es war bei all meinen Stationen bislang so, dass wir immer eine starke Gruppe und einen guten Mannschaftsrat hatten. Dadurch ist immer ein Austausch vorhanden und es wird immer gemeinsam entschieden. Das sind die Dinge, die das Amt ausmachen und weshalb ich es auch machen wollte.

DFB.de: Jeder interpretiert die Rolle des Kapitäns anders. Wie macht das Lars Stindl im Einzelnen?

Stindl: Ich versuche, in der Gruppe mit zu entscheiden und Dinge mit voranzutreiben. Ich sage immer meine Meinung und versuche, ein Gefühl für die Gruppe zu haben. Ich habe einen guten Draht zu meinen Mitspielern. Das ist mir wichtig: Dass man sich gut versteht, aber auch Dinge ansprechen kann, die nicht so rund laufen. Dabei sollte man aber immer sachlich bleiben und das große Ganze im Blick behalten.

DFB.de: Was macht eine Krise mit dem Innenleben einer Mannschaft?

Stindl: Es versucht jeder, ein Stück weit dagegen zu steuern. Dennoch spielen die Ergebnisse und die Tabelle im Hinterkopf eine Rolle. Man versucht, das Ganze auszublenden und das Positive immer wieder mitzunehmen. Man muss dann vielleicht ein Stück härter daran arbeiten, um wieder ein Erfolgserlebnis zu haben.

DFB.de: Was hat der Trainerwechsel innerhalb des Teams bewirkt?

Stindl: Unabhängig vom Trainerwechsel haben uns die zwei Wochen Pause gut getan. Im neuen Jahr hat man sowieso neue Ansprüche und neue Ansätze. Hinzu kam dann auch der Trainerwechsel. Das hat alles zusammengespielt, um eine andere Stimmung zu entfachen. Dieter Hecking hat eine neue Ansprache, neue Ideen, neue Reize, wie jeder Trainer sie hat. Er hat von Anfang an versucht, uns diese Dinge näherzubringen.

DFB.de: Wie ist Dieter Hecking seit seinem Amtsantritt vorgegangen?

Stindl: Er ist sehr lange in dem Geschäft und kennt deshalb viele Situationen. Er hat seine Erfahrung von Anfang an eingebracht. Er hat gewusst, dass eine gewisse Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft geherrscht hat. Er hat deshalb versucht, uns den Mut und den Glauben an unsere Stärken zurückzubringen. Wir wissen aber alle, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und es noch ein langer und schwieriger Weg wird, dort wieder herauszukommen.

###more###

DFB.de: Im Pokal geht es zum Zweitligisten Fürth. Die Favoritenrolle dürfte klar vergeben sein.

Stindl: Wir wissen, dass wir der Favorit sein werden. Aber es wird unangenehm: Es ist Pokal, es ist ein Flutlichtspiel, die Fürther sind heiß und sie wollen etwas Besonderes schaffen. Wir haben aber die Möglichkeit, im Pokal mal wieder eine Runde weiterzukommen. Mit ein wenig Glück, einer guten Tagesform und auch Losglück kann man im Pokal ganz schnell ganz weit kommen. Es klingt banal, aber der Pokal ist ein besonderer Wettbewerb. Man hat in der Vergangenheit gesehen, was alles möglich ist, was alles passiert ist. Wir sollten deshalb aber auch gewarnt sein.

DFB.de: Ist die mentale Vorbereitung auf einen Zweitligisten anders als bei einem Bundesligisten?

Stindl: In der ersten Runde, wenn man bei einem unterklassigen Verein antritt, ist das immer etwas Spezielles. Man versucht, keine Zweifel aufkommen zu lassen. Es ist das erste Pflichtspiel, nach der Vorbereitung weiß man nicht genau, wo man steht und der Trainer mahnt zur Vorsicht. Aber in einem Achtelfinale, wo es in Richtung entscheidende Spiele geht, ist jeder fokussiert und konzentriert. Dass man sich dort keine Fehler mehr erlauben darf, hat man in der Vergangenheit gesehen.

DFB.de: Gibt es ein paar Pokal-Erlebnisse, die bei Ihnen hängengeblieben sind?

Stindl: Leider fast nur negative (lacht). Ich bin in meiner Karriere im Pokal noch nicht so weit gekommen. Trotzdem macht der DFB-Pokal immer Spaß. Er hat einen gewissen Reiz und Charme.

DFB.de: Ab wann fängt man an, von Berlin zu träumen?

Stindl: Ich glaube, dass jede Mannschaft aus der Bundesliga von Beginn an davon träumt, nach Berlin zu kommen. Wenn man sieht, welche Vereine es schon geschafft haben: Arminia Bielefeld ist zum Beispiel vor ein paar Jahren durch sensationelle Erfolge ins Halbfinale eingezogen.

DFB.de: Unter anderem durch einen Sieg gegen die Borussia...

Stindl: Das wollte ich jetzt nicht erwähnen (lacht). Aber das zeigt, dass so etwas möglich ist. Dieser Traum ist bei Borussia nach drei Pokalsiegen natürlich sowieso fest verankert. Berlin ist etwas Besonderes, das man mit ein paar Faktoren wie Tagesform und Losglück schaffen kann. Daran glauben wir auch. Noch drei Siege, dann können wir etwas Großes erreichen.

DFB.de: Fiebert man als Profi bei Auslosungen mit?

Stindl: Das ist unterschiedlich. Ich schaue mir die Auslosung normalerweise an. Es sei denn, sie kommt wieder gefühlt um 0.30 Uhr (lacht). Das ist etwas unglücklich. Früher war das kein Problem, aber heute ist das mit Nachwuchs nicht mehr so einfach.

DFB.de: Hat Ihre Rolle als Vater Ihren Blick auf den Fußball verändert?

Stindl: Ich versuche, meinen Job und mein Privatleben so gut es geht zu trennen, den Misserfolg nicht mit nach Hause zu bringen. Das war ein Punkt, den ich lernen musste. Ich kann das inzwischen gut differenzieren, ich will dann vor allem Familienmensch mit anderen Themen und Gedanken sein.

DFB.de: Wären Sie heute gerne nochmal Jungprofi?

Stindl: Ich glaube nicht. Ich bin froh, dass ich damals Profi geworden bin. Das war zu einer Zeit, die noch ein bisschen anders war, in der es ein Stück weit rauer zuging. Damals wurde gerade der Wechsel vollzogen, hin zu mehr jungen Spielern und veränderten Hierarchien. Damals musste man als junger Spieler noch mehr tun als die jungen Spieler heute. Ich finde es aber vollkommen in Ordnung, wie es heute ist. Wir haben viel Anstand in der Mannschaft, es ist sehr klar geregelt, wer die Bälle trägt. Früher gab es aber gerne auf die Knochen, wenn du das nicht gemacht hast.

###more###

DFB.de: Sie haben zuletzt Ihr 200. Bundesligaspiel absolviert. Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Stindl: Nicht viel. Ich bin unglaublich stolz, dass ich das erreichen durfte. 200 Spiele ist fast schon eine absurde Zahl. Es war kein einfacher Weg, es ging immer stetig bergauf, ohne den ganz großen Schritt. Stück für Stück habe ich mir das erarbeitet und auch das notwendige Glück gehabt. Ich bin froh, dass ich alle Stationen so absolviert habe.

DFB.de: Fehlt als i-Tüpfelchen jetzt noch ein Länderspiel?

Stindl: Nicht mehr. Von dem Gedanken habe ich mich ein Stück weit befreit. Man hat zu Beginn und auch während seiner Karriere den Traum, einmal für sein Land aufzulaufen. Aber ich kann es realistisch einschätzen, dass wir in Deutschland qualitativ und quantitativ sehr gut aufgestellt sind. Und dann kann ich es auch ein Stück weit nachvollziehen, dass mir das bislang verwehrt geblieben ist.

DFB.de: Wie planen Sie grundsätzlich Ihre Karriere?

Stindl: Ich habe in Gladbach noch Vertrag bis 2020. Darüber hinaus habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Dennoch wollen meine Familie und ich irgendwann wieder nach Hause, in die Nähe von Karlsruhe. Wenn man selbst Kinder bekommt, merkt man erst, dass man die Nähe zur Familie in der Heimat noch intensiver vermisst. In den nächsten Jahren ist es aber erst einmal so geplant, dass ich bei der Borussia bleibe. Vielleicht darf ich sogar noch länger bleiben. Oder vielleicht werde ich ja irgendwann vom Hof gejagt, weil ich zu alt bin (lacht).

DFB.de: Wäre denn eine Auslandserfahrung etwas für Sie?

Stindl: Schwierig. Abgeneigt wäre ich grundsätzlich nicht. Akut mache ich mir aber gar keine Gedanken, ich fühle mich sehr wohl in Deutschland. Die Strukturen der Vereine und der Liga haben mir immer schon zugesagt. Deshalb sehe ich momentan keinen Grund, etwas zu verändern. Aber vielleicht gibt es irgendwann eine Möglichkeit, die ich interessant finde und mitnehmen möchte.

DFB.de: China ist aktuell sehr beliebt. Sie sind nicht nur Profi, sondern auch Fußball-Fan. Bereitet Ihnen die aktuelle Entwicklung Sorge?

Stindl: Schwierig. Das ist momentan ein großes Thema. Viele Spieler gehen für viel Geld nach China, und ich kann das auch ein Stück weit nachvollziehen. Wenn man mit so einer Offerte und so viel Geld konfrontiert wird, ist es ganz normal, dass man sich Gedanken macht. Aber über das Geld hinaus ist es vielleicht auch kulturell und von der Lebensart her interessant. Das sind Dinge, die man dann auch mitnehmen kann. Welche Ausmaße das noch annehmen wird, kann ich nicht beurteilen. Aber man kann an jedem Wochenende sehen, wie viel Spaß die Bundesliga macht. Sie ist im Fußball unser höchstes Gut, das man zu schätzen wissen sollte.

DFB.de: Von Ihnen stammt der Satz: "Fußball ist Samstag, 15.30 Uhr". Würden Sie heute noch Fan werden?

Stindl: Wenn man unser Spiel in Leverkusen (3:2 nach 0:2 zur Halbzeit, Anm.d.Red.) gesehen hat, absolut. Was da los war nach dem Spiel. Wenn man die Freude in unseren Augen, aber auch die Freude auf den Rängen gesehen hat. Wie das Spiel die Menschen gepackt hat, was für eine Stimmung geherrscht hat: Das ist der Grund, warum wir den Fußball so lieben und warum er so viel Spaß macht. Das ist geil, das packt auch uns Spieler. Und das sind die Momente, warum man früher als Kind Fan geworden ist. Und deshalb würde ich immer wieder Fan werden.