Köppel zum 70.: "Vorher geht's in die Sauna"

Als Spieler gehörte er zum Kader des legendären Europameisterteams von 1972, gewann alle fünf Meisterschaften mit Borussia Mönchengladbach und zweimal den UEFA-Pokal, als Trainer mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal. In Mexiko 1986 wurde er als Assistent von Franz Beckenbauer Vizeweltmeister, ebenso mit der deutschen U 16-Auswahl - und von der Welt hat er auch einiges gesehen. Heute wird Horst Köppel 70 Jahre alt. Über sein Fußballerleben und das als Rentner hat er im DFB.de-Interview mit Udo Muras gesprochen.

DFB.de: Wie geht es Ihnen, Herr Köppel?

Horst Köppel: Ich bin an sich zufrieden und kann nicht klagen. Ich mache noch relativ viel Sport, gehe Joggen, spiele Golf und jeden Donnerstag Beachvolleyball.

DFB.de: Also auch an Ihrem runden Geburtstag?

Köppel: Ja sicher, das lassen wir nicht ausfallen. Vielleicht sitzen wir hinterher nur etwas länger zusammen. Vorher geht's gewöhnlich noch in die Sauna.

DFB.de: Und die Feier?

Köppel: Steigt in einem Lokal im engsten Familienkreis. Wissen Sie, meine Frau hat fünf Tage vor mir ihren 70. gefeiert, da waren wir schon im Elsaß. Im September kommt noch die Goldene Hochzeit - es wird dann alles ein bisschen viel.

DFB.de: Nach einer langen Karriere haben viele Fußballer körperliche Beschwerden. Sie nicht?

Köppel: Eigentlich nicht. Ich gehe nur zur Wirbelsäulengymnastik, der Nacken ist manchmal etwas steif.

DFB.de: Gehen Sie denn noch zum Fußball, zu Ihrer Borussia, bei der Sie auch als Trainer Kultstatus erlangten?

Köppel: Ja schon, aber auch zum 1. FC Köln und Borussia Dortmund, wo ich ja als Co-Trainer beziehungsweise als Cheftrainer gearbeitet habe. Aber auch in Stuttgart, wo meine Profikarriere begann, war ich neulich. Da haben wir uns mit den A-Jugendmeistern des VfB von 1965 getroffen - alle leben ja leider nicht mehr. Da sieht man dann, wie schnell es gehen kann.

DFB.de: Sie spielten 308-mal in der Bundesliga - nur für den VfB und die Borussia, für beide zweimal. Man darf annehmen, dass die Gladbacher Zeit die schönste war!?

Köppel: Sicherlich. Wir sind fünfmal Meister geworden, ich war bei allen Titeln dabei, auch den beiden UEFA-Cup-Siegen 1975 und 1979. Wir hatten einen guten Zusammenhalt, da sind Freundschaften entstanden, wir treffen uns immer noch und jedes Mal werden die Siege und Tore schöner. (lacht)

DFB.de: Zu wem halten Sie Kontakt?

Köppel: Ach, das sind einige. Ich habe gerade erst wieder mit Jupp Heynckes telefoniert, mit Berti Vogts spiele ich Golf, mit Herbert Laumen und seiner Frau fahren wir demnächst in Urlaub.

DFB.de: Nicht mehr viele wissen, dass Sie auch zu den Nationalspielern im Fohlen-Team gehörten. Elf Einsätze zwischen 1968 und 1973 - sind Sie damit im Rückblick zufrieden?

Köppel: Es hätten schon ein paar mehr Spiele sein können. Ich saß noch mindestens 20-mal auf der Bank, aber der Helmut Schön hat nicht gern ausgewechselt. Immerhin kann ich sagen, dass ich in allen Schüler- und Jugendnationalmannschaften gespielt habe, auch in der Amateurnationalelf.

DFB.de: Zu einer WM sind sie dann ja auch noch gekommen: 1986 als Co-Trainer von Franz Beckenbauer in Mexiko.

Köppel: Ja, da könnte ich ein Buch schreiben. Der Franz war damals noch etwas unerfahren in der Rolle, und ich habe versucht, ihm zu helfen. Es war ein steiniger Weg, aber er endete im Finale - und das war doch sehr beachtlich. Im Rückblick war es eine schöne Zeit.

DFB.de: Ihr Anteil daran war nicht so gering. Es heißt, das Viertelfinale gegen Mexiko haben ja quasi Sie gewonnen…

Köppel: Wegen des Elfmeterschießens? Na ja, da war der Franz auch dabei. Wir haben nächtelang Videos geguckt und hatten uns auch darauf vorbereitet, wie die Mexikaner schießen würden. Das habe ich dem Toni Schumacher dann signalisiert. Ob einer ein Klopper oder ein Techniker ist und mit welchem Bein er schießt. Zweimal lag ich trotzdem daneben, aber zwei hat der Toni gehalten.

DFB.de: Nach vier Jahren haben Sie den DFB, für den Sie auch als Trainer der U 15 und U 16 aktiv gewesen waren, dann wieder verlassen und mit Bayer Uerdingen Ihre zweite Bundesligamannschaft nach Arminia Bielefeld übernommen. Warum?

Köppel: Ich wollte halt lieber wieder jeden Tag mit einer Mannschaft arbeiten. Ich war einfach lieber Vereinstrainer. Außerdem waren die Uerdinger 1987 Deutscher A- und B-Jugendmeister geworden. Ich dachte, mit dem Potenzial hätte ich was aufbauen können. Das war leider ein Irrtum.

DFB.de: Es endete nach 19 Spielen. Mehr Erfolg hatten Sie anschließend in Dortmund. Ihre schönste Station?

Köppel: Ja, kann man schon sagen. Der Pokalsiegsieg 1989 (4:1 gegen Werder Bremen; Anm. d. Red.) war die Krönung. Ich war ja sogar zweimal da, coachte noch drei Jahre die U 23, das hat auch viel Spaß gemacht.

DFB.de: Sie haben auch viel Auslandserfahrung gesammelt. Als Spieler in Vancouver, als Trainer in Österreich, den Arabischen Emiraten und Japan. Wo war es am schönsten?

Köppel: Bei Urawa Red Diamonds in Japan. Da wäre ich gern länger geblieben als zwei Jahre.

DFB.de: Aber?

Köppel: Ich war ein Jahr da, als sie mich fragten, ob ich verlängern wollte. Ich hatte gerade erst meine Frau und meinen Sohn nachgeholt und wollte noch abwarten, ob die sich dort denn eingewöhnen konnten. Das haben die Japaner nicht verstanden. Bei ihnen ginge der Beruf vor, ließen sie mich später wissen, als ich verlängern wollte. Das war bedauerlich, es war ein wirklich interessantes Leben in Japan.

DFB.de: Und wo war es nicht so toll?

Köppel: In Abu Dhabi. Das hatte wenig mit Fußball zu tun, die hatten da zu vielem eine andere Einstellung, und schon nach drei Wochen wusste ich: Das war ein Fehler. Geblieben bin ich fünf Monate.

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Als Spieler gehörte er zum Kader des legendären Europameisterteams von 1972, gewann alle fünf Meisterschaften mit Borussia Mönchengladbach und zweimal den UEFA-Pokal, als Trainer mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal. In Mexiko 1986 wurde er als Assistent von Franz Beckenbauer Vizeweltmeister, ebenso mit der deutschen U 16-Auswahl - und von der Welt hat er auch einiges gesehen. Heute wird Horst Köppel 70 Jahre alt. Über sein Fußballerleben und das als Rentner hat er im DFB.de-Interview mit Udo Muras gesprochen.

DFB.de: Wie geht es Ihnen, Herr Köppel?

Horst Köppel: Ich bin an sich zufrieden und kann nicht klagen. Ich mache noch relativ viel Sport, gehe Joggen, spiele Golf und jeden Donnerstag Beachvolleyball.

DFB.de: Also auch an Ihrem runden Geburtstag?

Köppel: Ja sicher, das lassen wir nicht ausfallen. Vielleicht sitzen wir hinterher nur etwas länger zusammen. Vorher geht's gewöhnlich noch in die Sauna.

DFB.de: Und die Feier?

Köppel: Steigt in einem Lokal im engsten Familienkreis. Wissen Sie, meine Frau hat fünf Tage vor mir ihren 70. gefeiert, da waren wir schon im Elsaß. Im September kommt noch die Goldene Hochzeit - es wird dann alles ein bisschen viel.

DFB.de: Nach einer langen Karriere haben viele Fußballer körperliche Beschwerden. Sie nicht?

Köppel: Eigentlich nicht. Ich gehe nur zur Wirbelsäulengymnastik, der Nacken ist manchmal etwas steif.

DFB.de: Gehen Sie denn noch zum Fußball, zu Ihrer Borussia, bei der Sie auch als Trainer Kultstatus erlangten?

Köppel: Ja schon, aber auch zum 1. FC Köln und Borussia Dortmund, wo ich ja als Co-Trainer beziehungsweise als Cheftrainer gearbeitet habe. Aber auch in Stuttgart, wo meine Profikarriere begann, war ich neulich. Da haben wir uns mit den A-Jugendmeistern des VfB von 1965 getroffen - alle leben ja leider nicht mehr. Da sieht man dann, wie schnell es gehen kann.

DFB.de: Sie spielten 308-mal in der Bundesliga - nur für den VfB und die Borussia, für beide zweimal. Man darf annehmen, dass die Gladbacher Zeit die schönste war!?

Köppel: Sicherlich. Wir sind fünfmal Meister geworden, ich war bei allen Titeln dabei, auch den beiden UEFA-Cup-Siegen 1975 und 1979. Wir hatten einen guten Zusammenhalt, da sind Freundschaften entstanden, wir treffen uns immer noch und jedes Mal werden die Siege und Tore schöner. (lacht)

DFB.de: Zu wem halten Sie Kontakt?

Köppel: Ach, das sind einige. Ich habe gerade erst wieder mit Jupp Heynckes telefoniert, mit Berti Vogts spiele ich Golf, mit Herbert Laumen und seiner Frau fahren wir demnächst in Urlaub.

DFB.de: Nicht mehr viele wissen, dass Sie auch zu den Nationalspielern im Fohlen-Team gehörten. Elf Einsätze zwischen 1968 und 1973 - sind Sie damit im Rückblick zufrieden?

Köppel: Es hätten schon ein paar mehr Spiele sein können. Ich saß noch mindestens 20-mal auf der Bank, aber der Helmut Schön hat nicht gern ausgewechselt. Immerhin kann ich sagen, dass ich in allen Schüler- und Jugendnationalmannschaften gespielt habe, auch in der Amateurnationalelf.

DFB.de: Zu einer WM sind sie dann ja auch noch gekommen: 1986 als Co-Trainer von Franz Beckenbauer in Mexiko.

Köppel: Ja, da könnte ich ein Buch schreiben. Der Franz war damals noch etwas unerfahren in der Rolle, und ich habe versucht, ihm zu helfen. Es war ein steiniger Weg, aber er endete im Finale - und das war doch sehr beachtlich. Im Rückblick war es eine schöne Zeit.

DFB.de: Ihr Anteil daran war nicht so gering. Es heißt, das Viertelfinale gegen Mexiko haben ja quasi Sie gewonnen…

Köppel: Wegen des Elfmeterschießens? Na ja, da war der Franz auch dabei. Wir haben nächtelang Videos geguckt und hatten uns auch darauf vorbereitet, wie die Mexikaner schießen würden. Das habe ich dem Toni Schumacher dann signalisiert. Ob einer ein Klopper oder ein Techniker ist und mit welchem Bein er schießt. Zweimal lag ich trotzdem daneben, aber zwei hat der Toni gehalten.

DFB.de: Nach vier Jahren haben Sie den DFB, für den Sie auch als Trainer der U 15 und U 16 aktiv gewesen waren, dann wieder verlassen und mit Bayer Uerdingen Ihre zweite Bundesligamannschaft nach Arminia Bielefeld übernommen. Warum?

Köppel: Ich wollte halt lieber wieder jeden Tag mit einer Mannschaft arbeiten. Ich war einfach lieber Vereinstrainer. Außerdem waren die Uerdinger 1987 Deutscher A- und B-Jugendmeister geworden. Ich dachte, mit dem Potenzial hätte ich was aufbauen können. Das war leider ein Irrtum.

DFB.de: Es endete nach 19 Spielen. Mehr Erfolg hatten Sie anschließend in Dortmund. Ihre schönste Station?

Köppel: Ja, kann man schon sagen. Der Pokalsiegsieg 1989 (4:1 gegen Werder Bremen; Anm. d. Red.) war die Krönung. Ich war ja sogar zweimal da, coachte noch drei Jahre die U 23, das hat auch viel Spaß gemacht.

DFB.de: Sie haben auch viel Auslandserfahrung gesammelt. Als Spieler in Vancouver, als Trainer in Österreich, den Arabischen Emiraten und Japan. Wo war es am schönsten?

Köppel: Bei Urawa Red Diamonds in Japan. Da wäre ich gern länger geblieben als zwei Jahre.

DFB.de: Aber?

Köppel: Ich war ein Jahr da, als sie mich fragten, ob ich verlängern wollte. Ich hatte gerade erst meine Frau und meinen Sohn nachgeholt und wollte noch abwarten, ob die sich dort denn eingewöhnen konnten. Das haben die Japaner nicht verstanden. Bei ihnen ginge der Beruf vor, ließen sie mich später wissen, als ich verlängern wollte. Das war bedauerlich, es war ein wirklich interessantes Leben in Japan.

DFB.de: Und wo war es nicht so toll?

Köppel: In Abu Dhabi. Das hatte wenig mit Fußball zu tun, die hatten da zu vielem eine andere Einstellung, und schon nach drei Wochen wusste ich: Das war ein Fehler. Geblieben bin ich fünf Monate.

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