Familie Max: "Jeder muss seinen Weg finden"

Martin Max war viele Jahre einer der besten deutschen Stürmer. Zweimal war der heute 45-Jährige bester Torjäger der Bundesliga. Mit dem FC Schalke 04 hat er 1997 den UEFA-Cup gewonnen, mit Borussia Mönchengladbach 1995 den DFB-Pokal. Einmal kam er für die deutsche Nationalmannschaft zum Einsatz. Inzwischen ist Philipp Max auf dem Weg, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Der 20-Jährige steht ebenfalls beim FC Schalke 04 unter Vertrag. Bei der U 23 des Klubs ist er in der Regionalliga West Stammkraft als linker Verteidiger.

Im DFB.de-Doppelinterview mit Mitarbeiter Sven Winterschladen sprechen Martin und Philipp Max auch über die Schwierigkeiten des Sohnes, wenn der Vater auf eine große Karriere zurückblicken kann. "Philipp steht unter besonderer Beobachtung", sagt Martin Max. Philipp Max hingegen sieht die Vergangenheit seines Vaters eher als Ansporn: "Ich eifere meinem Vater nach, ganz klar. Aber ich vergleiche mich nicht ständig mit ihm."

DFB.de: Philipp Max, Ihr Vater war ein sehr erfolgreicher Fußballer. Mit Schalke 04 hat er den UEFA-Cup gewonnen. Sie spielen dort inzwischen in der U 23 in der Regionalliga. Ist diese Konstellation ein Vorteil auf Ihrem Weg?

Philipp Max: Weder noch. Das ist kein Vorteil, aber das ist auch kein Nachteil. Ehrlich gesagt, ist das innerhalb des Vereins gar nicht das große Thema. Natürlich werde ich immer mal wieder darauf angesprochen. Aber da ich bislang noch keinen Einsatz bei den Profis hatte, stehe ich nicht so im Fokus der Öffentlichkeit.

DFB.de: Wie erleben Sie bislang Ihre Zeit bei Schalke 04?

Philipp Max: Durch die Vergangenheit meines Vaters fand ich Schalke schon immer super. Das ist einfach ein toller Klub. Deshalb war es für mich ein besonderer Moment, als ich in die Nachwuchsabteilung dieses Vereins wechseln konnte. Im zweiten Jahr sind wir direkt Deutscher Meister der A-Junioren geworden. Das war auch für mich persönlich ein riesiger Erfolg. Ich denke, so habe ich hier mein eigenes Kapitel eröffnet. Seitdem bin ich nicht mehr nur der Sohn von Martin Max.

DFB.de: Martin Max, wie fühlt sich das an, wenn der eigene Sohn auf dem Platz steht und Sie als Zuschauer auf der Tribüne sitzen?

Martin Max: Anspannung und Nervosität sind dann da, ganz klar. Das ist nicht immer einfach. Mein Fokus richtet sich sehr auf meinen Sohn. Man achtet auf jede Aktion.

DFB.de: Wie macht sich Ihr Sohn bei Schalke 04?

Martin Max: Gut, ich bin sehr zufrieden. Ich begleite seine Entwicklung als Fußballer ja seit einigen Jahren inzwischen. Eigentlich ging es immer stetig bergauf. Im Sommer ist der Zeitpunkt für den nächsten Schritt gekommen, das ist zumindest meine Meinung.

DFB.de: Also 3. Liga oder noch weiter nach oben?

Martin Max: Auf jeden Fall in den Profibereich. Ich bin davon überzeugt, dass er das Potenzial, den Willen und die richtige Einstellung dafür hat.

DFB.de: Was sind seine Stärken?

Martin Max: Zunächst bin ich froh, dass er kein Stürmer geworden ist. Als mein Sohn hat er es sowieso schon schwer. Ich bin davon überzeugt, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Wenn er auch noch meine Position hätte, wäre es doppelt schwer. Als linker Verteidiger bringt er alles mit, was man dafür braucht. Gutes Stellungsspiel, gutes Defensivzweikampfverhalten, gutes Offensivspiel. Er tritt im Moment alle Standards. Er hat Talent, ich sehe eine gute Perspektive.

DFB.de: Gauben Sie wirklich, dass es Söhne von bekannten Fußballer schwerer haben, den gleichen Weg zu gehen?

Martin Max: Es gibt ja nicht so viele. Das sagt schon einiges aus. Wer fällt Ihnen spontan ein?

DFB.de: Ulf Kirsten und Benjamin Kirsten.

Martin Max: Genau, an die muss ich ebenfalls spontan denken. Ulf Kirsten war Stürmer, Benjamin Kirsten ist Torhüter.

DFB.de: Woran liegt es, dass es nicht mehr Beispiele gibt?

Martin Max: Der Druck ist schon höher. Ich versuche, da entsprechend gegenzusteuern und das Thema gar nicht erst so hochkochen zu lassen. Sie werden von mir nicht viele Interviews wie dieses finden. Das ist eine Ausnahme. Ich versuche, mich rar zu machen. Der Junge soll seine Ruhe haben, um seinen eigenen Weg zu gehen.

DFB.de: Philipp Max, wie sehen Sie die Situation? Sind die großen Fußstapfen Ihres Vaters eher Druck oder Ansporn?

Philipp Max: Druck würde ich nicht sagen. Den hat man immer, den mache ich mir wahrscheinlich selbst am meisten. Das würde ich auch machen, wenn mein Vater nicht Nationalspieler gewesen wäre. Ich will es einfach für mich selbst erreichen. Ich gehe jeden Tag zum Training, um mich zu verbessern. Am Ende muss man dann einen Strich darunter ziehen und sehen, ob es gereicht hat. Ich eifere meinem Vater nach, ganz klar. Aber ich vergleiche mich nicht ständig mit ihm. Das würde mich nicht weiterbringen. Jeder muss für sich selbst den Weg finden.

DFB.de: Ihr Vater hat ein Spiel für die A-Nationalmannschaft bestritten. Träumen Sie ebenfalls davon, mal ein Trikot der DFB-Auswahl zu tragen?

Philipp Max: Das ist natürlich für jeden Fußballer ein großer Traum, aber damit beschäftige ich mich nicht. Mein Ziel ist es, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bei der U 20-Nationalmannschaft war ich mal auf Abruf. Leider hat es mit einer Nominierung nicht geklappt.

DFB.de: Ist Ihr Vater denn Ihr Vorbild auf dem Platz?

Philipp Max: Von der Einstellung und der Mentalität schon. Er hat immer alles gegeben, so halte ich es auch. Vom Spielerischen und der Position her passt es nicht hundertprozentig. Da gibt es andere, die mich beeindrucken.

DFB.de: Zum Beispiel?

Philipp Max: Philipp Lahm zum Beispiel. Er kann ebenfalls verschiedene Positionen spielen - und das ohne Qualitätsverlust. Er ist immer einer der Besten auf dem Platz, macht fast nie einen Fehler. Ich bewundere seine Konstanz. Philipp Lahm spielt immer gut.

DFB.de: Können Sie sich eigentlich an die Karriere Ihres Vaters bewusst erinnern?

Philipp Max: An die ersten Jahre nicht, da war ich noch zu jung. Als er hier den UEFA-Cup gewonnen hat, war ich gerade drei Jahre alt. Da habe ich noch nicht mal selbst Fußball gespielt. Ich habe erst mit sechs oder sieben Jahren begonnen, also relativ spät. Als er dann sehr erfolgreich bei 1860 München gespielt hat und unter anderem zweimal Torschützenkönig geworden ist, setzt bei mir das Bewusstsein langsam ein. Und an das Jahr zum Abschluss in Rostock kann ich mich gut erinnern. Da ist einiges hängen geblieben. Deshalb hege ich auch für diese beiden Vereine heute noch Sympathien.

DFB.de: Haben Sie sich die früheren Erfolge Ihres Vaters mal irgendwo angeschaut?

Philipp Max: Das auf jeden Fall. Wir haben zu Hause tatsächlich noch eine Videokassette und sogar einen Rekorder, auf dem man die abspielen kann. Da ist das komplette Finale gegen Inter Mailand drauf.

Martin Max: Er ist sehr interessiert an diesen Geschichten, das freut mich. Manchmal schauen wir uns die alten Begegnungen noch mal gemeinsam an. Es gibt viel Material von mir.

DFB.de: An welche Ereignisse Ihrer Karriere denken Sie besonders gerne zurück?

Martin Max: Es war schön, zweimal Torschützenkönig der Bundesliga zu werden. Das ist ein toller persönlicher Erfolg. Aber die beste Zeit war sicher hier bei Schalke. Wir haben 1997 völlig überraschend einen sehr wichtigen internationalen Wettbewerb gewonnen. Außerdem war der Zusammenhalt damals grandios, dazu die außergewöhnlichen Fans. Insgesamt war das fantastisch.

DFB.de: Wann haben Sie zum ersten Mal realisiert, dass Ihr Sohn einen ähnlichen Weg einschlagen könnte?

Martin Max: Am Anfang gar nicht. Als Kind hat er viel lieber mit Pokemons gespielt als mit dem Ball. Das kam erst mit der Zeit. Mit sechs oder sieben Jahren kam das Interesse. Das blieb nicht aus, weil er dann auch auf der Tribüne gesessen hat und meine Begegnungen live im Stadion verfolgen konnte. So etwas prägt sicher einen so jungen Menschen in seiner Entwicklung und seinen Interessen. Da muss ich ihn mit diesem Virus angesteckt haben. Seitdem ist er fixiert auf den Fußball. Er nimmt das sehr ernst. Das freut mich sehr.

DFB.de: Wie eng ist Ihr Verhältnis zueinander?

Philipp Max: Soweit mein Vater es mit seinem Terminplan vereinbaren kann, ist er immer dabei. Er möchte möglichst jedes Spiel sehen, egal ob auswärts oder zu Hause. Das war schon immer so, und das ist sicher eine tolle Unterstützung für mich. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Martin Max: Wir haben wirklich ein sehr enges Verhältnis. Ich bin stolz darauf, wie er sich als Persönlichkeit und als Sportler entwickelt hat.

DFB.de: Ist er Ihr größter Fan oder eher Ihr größter Kritiker?

Philipp Max: Beides wahrscheinlich. Meine komplette Familie steht total hinter mir. Das ist einfach großartig. Ich glaube, meine Oma und mein Opa haben nahezu jedes meiner Spiele gesehen. Das ist schon unglaublich. Mit meinem Vater spreche ich natürlich hinterher über seine Eindrücke. Er lobt und kritisiert. Er gibt mir Ratschläge, mehr aber auch nicht.

Martin Max: Eines ist mir in diesem Zusammenhang ganz wichtig: Wir tauschen uns nur aus. Ich mische mich nie in die Arbeit der Trainer ein. Natürlich bin ich beides - Kritiker und Fan zugleich. Mit dem einen Auge schaue ich das ganze Spiel, mit dem anderen genau, wie Philipp sich macht. Wenn die ersten Emotionen sich etwas beruhigt haben, tauschen wir uns abends auf dem Sofa aus. Was war gut? Was war nicht so gut? Das ist bei uns nicht anders als in anderen Familien, in denen der Vater nicht Bundesligaspieler war.

DFB.de: Philipp Max, Sie waren erst Verteidiger, dann Stürmer, jetzt wieder Verteidiger. Wie ist das zu erklären?

Philipp Max: Es gab verschiedene Gründe, die meine jeweiligen Trainer aufgrund der jeweiligen Situation hatten. Beides hat mir großen Spaß gemacht. Aber ich glaube, dass mir eher die Position des linken Verteidigers liegt. Dort sehe ich mich am stärksten.

Martin Max: Ich bin ziemlich froh, dass er jetzt wieder hinten spielt. Denn wenn mein Sohn Stürmer geworden wäre - genauso wie ich -, dann wäre der Vergleich ja immer zwangsläufig gekommen. Zum Glück ist ihm das erspart geblieben.

DFB.de: Kann Ihr Vater als ehemaliger Stürmer auch Tipps geben, wie sich ein Abwehrspieler verhalten sollte, um dem Angreifer große Probleme zu bereiten? Oder ist der Fußball heute anders als zu seiner Zeit?

Philipp Max: Auf jeden Fall kann er das. Er kennt sich aus, er hat es selbst Woche für Woche erlebt. Ich bin froh, dass ich auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Das hilft mir sehr.

DFB.de: Mit Sead Kolasinac und Max Meyer haben es kürzlich zwei Spieler aus dem Schalker Nachwuchs zu den Profis geschafft. Träumen Sie auch von diesem Weg?

Philipp Max: Selbstverständlich. Profi zu werden ist ein großer Traum. Das möchte ich auch schaffen. Man muss sehen, wie es weitergeht. Zunächst ist es wichtig, die Saison mit der U 23 in der Regionalliga vernünftig zu beenden. Alles Weitere werden wir dann sehen.

Martin Max: Die Gespräche mit den Schalker Verantwortlichen stehen bald an. Wir lassen zunächst mal alles auf uns zukommen. Es ist noch offen, was im Sommer passiert.

DFB.de: Wie ist das eigentlich in der Familie Max, gerade bei anstehenden Vertragsgesprächen: Gibt es neben dem Fußball noch andere Themen?

Philipp Max: Ja, ganz sicher. Mit dem Fußball haben wir alle genug um die Ohren.

Martin Max: Wir reden über alles. Es ist auch schön, wenn man mal nicht über Fußball zu sprechen braucht.

[sw]

Martin Max war viele Jahre einer der besten deutschen Stürmer. Zweimal war der heute 45-Jährige bester Torjäger der Bundesliga. Mit dem FC Schalke 04 hat er 1997 den UEFA-Cup gewonnen, mit Borussia Mönchengladbach 1995 den DFB-Pokal. Einmal kam er für die deutsche Nationalmannschaft zum Einsatz. Inzwischen ist Philipp Max auf dem Weg, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Der 20-Jährige steht ebenfalls beim FC Schalke 04 unter Vertrag. Bei der U 23 des Klubs ist er in der Regionalliga West Stammkraft als linker Verteidiger.

Im DFB.de-Doppelinterview mit Mitarbeiter Sven Winterschladen sprechen Martin und Philipp Max auch über die Schwierigkeiten des Sohnes, wenn der Vater auf eine große Karriere zurückblicken kann. "Philipp steht unter besonderer Beobachtung", sagt Martin Max. Philipp Max hingegen sieht die Vergangenheit seines Vaters eher als Ansporn: "Ich eifere meinem Vater nach, ganz klar. Aber ich vergleiche mich nicht ständig mit ihm."

DFB.de: Philipp Max, Ihr Vater war ein sehr erfolgreicher Fußballer. Mit Schalke 04 hat er den UEFA-Cup gewonnen. Sie spielen dort inzwischen in der U 23 in der Regionalliga. Ist diese Konstellation ein Vorteil auf Ihrem Weg?

Philipp Max: Weder noch. Das ist kein Vorteil, aber das ist auch kein Nachteil. Ehrlich gesagt, ist das innerhalb des Vereins gar nicht das große Thema. Natürlich werde ich immer mal wieder darauf angesprochen. Aber da ich bislang noch keinen Einsatz bei den Profis hatte, stehe ich nicht so im Fokus der Öffentlichkeit.

DFB.de: Wie erleben Sie bislang Ihre Zeit bei Schalke 04?

Philipp Max: Durch die Vergangenheit meines Vaters fand ich Schalke schon immer super. Das ist einfach ein toller Klub. Deshalb war es für mich ein besonderer Moment, als ich in die Nachwuchsabteilung dieses Vereins wechseln konnte. Im zweiten Jahr sind wir direkt Deutscher Meister der A-Junioren geworden. Das war auch für mich persönlich ein riesiger Erfolg. Ich denke, so habe ich hier mein eigenes Kapitel eröffnet. Seitdem bin ich nicht mehr nur der Sohn von Martin Max.

DFB.de: Martin Max, wie fühlt sich das an, wenn der eigene Sohn auf dem Platz steht und Sie als Zuschauer auf der Tribüne sitzen?

Martin Max: Anspannung und Nervosität sind dann da, ganz klar. Das ist nicht immer einfach. Mein Fokus richtet sich sehr auf meinen Sohn. Man achtet auf jede Aktion.

DFB.de: Wie macht sich Ihr Sohn bei Schalke 04?

Martin Max: Gut, ich bin sehr zufrieden. Ich begleite seine Entwicklung als Fußballer ja seit einigen Jahren inzwischen. Eigentlich ging es immer stetig bergauf. Im Sommer ist der Zeitpunkt für den nächsten Schritt gekommen, das ist zumindest meine Meinung.

DFB.de: Also 3. Liga oder noch weiter nach oben?

Martin Max: Auf jeden Fall in den Profibereich. Ich bin davon überzeugt, dass er das Potenzial, den Willen und die richtige Einstellung dafür hat.

DFB.de: Was sind seine Stärken?

Martin Max: Zunächst bin ich froh, dass er kein Stürmer geworden ist. Als mein Sohn hat er es sowieso schon schwer. Ich bin davon überzeugt, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Wenn er auch noch meine Position hätte, wäre es doppelt schwer. Als linker Verteidiger bringt er alles mit, was man dafür braucht. Gutes Stellungsspiel, gutes Defensivzweikampfverhalten, gutes Offensivspiel. Er tritt im Moment alle Standards. Er hat Talent, ich sehe eine gute Perspektive.

DFB.de: Gauben Sie wirklich, dass es Söhne von bekannten Fußballer schwerer haben, den gleichen Weg zu gehen?

Martin Max: Es gibt ja nicht so viele. Das sagt schon einiges aus. Wer fällt Ihnen spontan ein?

DFB.de: Ulf Kirsten und Benjamin Kirsten.

Martin Max: Genau, an die muss ich ebenfalls spontan denken. Ulf Kirsten war Stürmer, Benjamin Kirsten ist Torhüter.

DFB.de: Woran liegt es, dass es nicht mehr Beispiele gibt?

Martin Max: Der Druck ist schon höher. Ich versuche, da entsprechend gegenzusteuern und das Thema gar nicht erst so hochkochen zu lassen. Sie werden von mir nicht viele Interviews wie dieses finden. Das ist eine Ausnahme. Ich versuche, mich rar zu machen. Der Junge soll seine Ruhe haben, um seinen eigenen Weg zu gehen.

DFB.de: Philipp Max, wie sehen Sie die Situation? Sind die großen Fußstapfen Ihres Vaters eher Druck oder Ansporn?

Philipp Max: Druck würde ich nicht sagen. Den hat man immer, den mache ich mir wahrscheinlich selbst am meisten. Das würde ich auch machen, wenn mein Vater nicht Nationalspieler gewesen wäre. Ich will es einfach für mich selbst erreichen. Ich gehe jeden Tag zum Training, um mich zu verbessern. Am Ende muss man dann einen Strich darunter ziehen und sehen, ob es gereicht hat. Ich eifere meinem Vater nach, ganz klar. Aber ich vergleiche mich nicht ständig mit ihm. Das würde mich nicht weiterbringen. Jeder muss für sich selbst den Weg finden.

DFB.de: Ihr Vater hat ein Spiel für die A-Nationalmannschaft bestritten. Träumen Sie ebenfalls davon, mal ein Trikot der DFB-Auswahl zu tragen?

Philipp Max: Das ist natürlich für jeden Fußballer ein großer Traum, aber damit beschäftige ich mich nicht. Mein Ziel ist es, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bei der U 20-Nationalmannschaft war ich mal auf Abruf. Leider hat es mit einer Nominierung nicht geklappt.

DFB.de: Ist Ihr Vater denn Ihr Vorbild auf dem Platz?

Philipp Max: Von der Einstellung und der Mentalität schon. Er hat immer alles gegeben, so halte ich es auch. Vom Spielerischen und der Position her passt es nicht hundertprozentig. Da gibt es andere, die mich beeindrucken.

DFB.de: Zum Beispiel?

Philipp Max: Philipp Lahm zum Beispiel. Er kann ebenfalls verschiedene Positionen spielen - und das ohne Qualitätsverlust. Er ist immer einer der Besten auf dem Platz, macht fast nie einen Fehler. Ich bewundere seine Konstanz. Philipp Lahm spielt immer gut.

DFB.de: Können Sie sich eigentlich an die Karriere Ihres Vaters bewusst erinnern?

Philipp Max: An die ersten Jahre nicht, da war ich noch zu jung. Als er hier den UEFA-Cup gewonnen hat, war ich gerade drei Jahre alt. Da habe ich noch nicht mal selbst Fußball gespielt. Ich habe erst mit sechs oder sieben Jahren begonnen, also relativ spät. Als er dann sehr erfolgreich bei 1860 München gespielt hat und unter anderem zweimal Torschützenkönig geworden ist, setzt bei mir das Bewusstsein langsam ein. Und an das Jahr zum Abschluss in Rostock kann ich mich gut erinnern. Da ist einiges hängen geblieben. Deshalb hege ich auch für diese beiden Vereine heute noch Sympathien.

DFB.de: Haben Sie sich die früheren Erfolge Ihres Vaters mal irgendwo angeschaut?

Philipp Max: Das auf jeden Fall. Wir haben zu Hause tatsächlich noch eine Videokassette und sogar einen Rekorder, auf dem man die abspielen kann. Da ist das komplette Finale gegen Inter Mailand drauf.

Martin Max: Er ist sehr interessiert an diesen Geschichten, das freut mich. Manchmal schauen wir uns die alten Begegnungen noch mal gemeinsam an. Es gibt viel Material von mir.

DFB.de: An welche Ereignisse Ihrer Karriere denken Sie besonders gerne zurück?

Martin Max: Es war schön, zweimal Torschützenkönig der Bundesliga zu werden. Das ist ein toller persönlicher Erfolg. Aber die beste Zeit war sicher hier bei Schalke. Wir haben 1997 völlig überraschend einen sehr wichtigen internationalen Wettbewerb gewonnen. Außerdem war der Zusammenhalt damals grandios, dazu die außergewöhnlichen Fans. Insgesamt war das fantastisch.

DFB.de: Wann haben Sie zum ersten Mal realisiert, dass Ihr Sohn einen ähnlichen Weg einschlagen könnte?

Martin Max: Am Anfang gar nicht. Als Kind hat er viel lieber mit Pokemons gespielt als mit dem Ball. Das kam erst mit der Zeit. Mit sechs oder sieben Jahren kam das Interesse. Das blieb nicht aus, weil er dann auch auf der Tribüne gesessen hat und meine Begegnungen live im Stadion verfolgen konnte. So etwas prägt sicher einen so jungen Menschen in seiner Entwicklung und seinen Interessen. Da muss ich ihn mit diesem Virus angesteckt haben. Seitdem ist er fixiert auf den Fußball. Er nimmt das sehr ernst. Das freut mich sehr.

DFB.de: Wie eng ist Ihr Verhältnis zueinander?

Philipp Max: Soweit mein Vater es mit seinem Terminplan vereinbaren kann, ist er immer dabei. Er möchte möglichst jedes Spiel sehen, egal ob auswärts oder zu Hause. Das war schon immer so, und das ist sicher eine tolle Unterstützung für mich. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Martin Max: Wir haben wirklich ein sehr enges Verhältnis. Ich bin stolz darauf, wie er sich als Persönlichkeit und als Sportler entwickelt hat.

DFB.de: Ist er Ihr größter Fan oder eher Ihr größter Kritiker?

Philipp Max: Beides wahrscheinlich. Meine komplette Familie steht total hinter mir. Das ist einfach großartig. Ich glaube, meine Oma und mein Opa haben nahezu jedes meiner Spiele gesehen. Das ist schon unglaublich. Mit meinem Vater spreche ich natürlich hinterher über seine Eindrücke. Er lobt und kritisiert. Er gibt mir Ratschläge, mehr aber auch nicht.

Martin Max: Eines ist mir in diesem Zusammenhang ganz wichtig: Wir tauschen uns nur aus. Ich mische mich nie in die Arbeit der Trainer ein. Natürlich bin ich beides - Kritiker und Fan zugleich. Mit dem einen Auge schaue ich das ganze Spiel, mit dem anderen genau, wie Philipp sich macht. Wenn die ersten Emotionen sich etwas beruhigt haben, tauschen wir uns abends auf dem Sofa aus. Was war gut? Was war nicht so gut? Das ist bei uns nicht anders als in anderen Familien, in denen der Vater nicht Bundesligaspieler war.

DFB.de: Philipp Max, Sie waren erst Verteidiger, dann Stürmer, jetzt wieder Verteidiger. Wie ist das zu erklären?

Philipp Max: Es gab verschiedene Gründe, die meine jeweiligen Trainer aufgrund der jeweiligen Situation hatten. Beides hat mir großen Spaß gemacht. Aber ich glaube, dass mir eher die Position des linken Verteidigers liegt. Dort sehe ich mich am stärksten.

Martin Max: Ich bin ziemlich froh, dass er jetzt wieder hinten spielt. Denn wenn mein Sohn Stürmer geworden wäre - genauso wie ich -, dann wäre der Vergleich ja immer zwangsläufig gekommen. Zum Glück ist ihm das erspart geblieben.

DFB.de: Kann Ihr Vater als ehemaliger Stürmer auch Tipps geben, wie sich ein Abwehrspieler verhalten sollte, um dem Angreifer große Probleme zu bereiten? Oder ist der Fußball heute anders als zu seiner Zeit?

Philipp Max: Auf jeden Fall kann er das. Er kennt sich aus, er hat es selbst Woche für Woche erlebt. Ich bin froh, dass ich auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Das hilft mir sehr.

DFB.de: Mit Sead Kolasinac und Max Meyer haben es kürzlich zwei Spieler aus dem Schalker Nachwuchs zu den Profis geschafft. Träumen Sie auch von diesem Weg?

Philipp Max: Selbstverständlich. Profi zu werden ist ein großer Traum. Das möchte ich auch schaffen. Man muss sehen, wie es weitergeht. Zunächst ist es wichtig, die Saison mit der U 23 in der Regionalliga vernünftig zu beenden. Alles Weitere werden wir dann sehen.

Martin Max: Die Gespräche mit den Schalker Verantwortlichen stehen bald an. Wir lassen zunächst mal alles auf uns zukommen. Es ist noch offen, was im Sommer passiert.

DFB.de: Wie ist das eigentlich in der Familie Max, gerade bei anstehenden Vertragsgesprächen: Gibt es neben dem Fußball noch andere Themen?

Philipp Max: Ja, ganz sicher. Mit dem Fußball haben wir alle genug um die Ohren.

Martin Max: Wir reden über alles. Es ist auch schön, wenn man mal nicht über Fußball zu sprechen braucht.