Doppel-Tribünen-Weltmeister Hurkuck

Kein WM-Finale gab es öfter. Deutschland und Argentinien standen sich bereits drei Mal im Endspiel um die Weltmeisterschaft gegenüber. 1986 mit dem besseren Ende für die Südamerikaner, 1990 und 2014 krönte sich die deutsche Mannschaft zum Weltmeister. Fan Club-Mitglied Karl-Heinrich "Hacky" Hurkuck war bei beiden deutschen WM-Triumphen in Rom und Rio de Janeiro live dabei.

Was haben Franz Beckenbauer und Deutschland-Fan Karl-Heinrich Hurkuck, besser als Hacky bekannt, gemeinsam? Beide dürfen sich Doppelweltmeister nennen. Beckenbauer 1974 als Kapitän und 1990 als Bundestrainer, Hacky 1990 und 2014 als Fan auf der Tribüne. "Man kann dieses Gefühl einfach nicht beschreiben, wenn man Weltmeister wird", erklärt das Fan Club-Mitglied. "Das ist einfach der Hammer, der Burner!"

Beide Titel "einzigartig"

Obwohl es bei den Endspielen 1990 in Rom und 2014 in Rio de Janeiro jeweils gegen die Albiceleste ging und die deutsche Mannschaft beide Begegnungen 1:0 gewonnen hat, möchte der 60-Jährige die WM-Titel nicht miteinander vergleichen. Für ihn sind beide Titel "einzigartig", die Umstände rund um die Finals komplett unterschiedlich. Während der WM in Brasilien war er viereinhalb Wochen vor Ort, sah alle deutschen Spiele, alles war perfekt geplant und organisiert. 24 Jahre zuvor hatte Hacky bei der Abfahrt nach Rom noch nicht mal Tickets für das Endspiel.

Nach dem Finaleinzug gegen England im Juli 1990 bucht der damals 31-Jährige für sich und ein paar Kumpels Zugtickets von Hannover in die ewige Stadt. Von Station zu Station füllt sich die Bahn mit immer mehr Fans in schwarz-rot-goldenen Outfits. Je näher sie der italienischen Hauptstadt kommen, desto stimmungsvoller wird die Zugfahrt. Bereits in München ist die Hälfte der Mitreisenden heiser vom Singen.

Hotel Argentina als gutes Omen

Um die Mittagszeit am Tag vor dem großen Finale erreichen Hacky und seine Freunde Rom. Vom Bahnhof geht es zu ihrer Unterkunft: in das "Hotel Argentina". An den Namen erinnert sich Hacky heute besser als an das Interieur. "Das Hotel habe ich genau zweimal gesehen", sagt er, "und zwar nur zum Duschen. Der Rest war Party." Das Problem mit den fehlenden Tickets erledigt sich schnell. Viele enttäuschte Italiener, die mit ihrer Mannschaft im Finale gerechnet hatten, geben ihre Eintrittskarten an Deutsche vor Ort weiter.

Am Finaltag steht Hacky bei 40 Grad schon über vier Stunden vor Stadionöffnung am Olympiastadion in Rom. "Ich wollte einmal der Erste im Stadion sein", begründet er seine Ungeduld und fügt hinzu: "Das hätte ich zwar fast mit einem Hitzeschlag bezahlt, aber es hat sich gelohnt." Die Atmosphäre sei von der ersten Sekunde an gigantisch gewesen. Die deutschen Fans waren eindeutig in der Überzahl.

"Ab Brehmes Elfmetertor in der 85. Minute bis zu dem Zeitpunkt als Matthäus den Pokal in den Händen hält, bin ich vor Freude gehüpft und gewippt", erzählt Hacky, der nie am deutschen Erfolg gezweifelt hat. Nach einer durchzechten Partynacht geht es mit Bekannten zurück nach Hannover, die er zufällig in Rom getroffen hat. Auf dem Rückweg kommt der Niedersachse erstmals zur Ruhe. In den vergangenen drei Tagen konnte man seine Schlafstunden an einer Hand abzählen. "Ich war so voller Adrenalin. Da war an Schlaf nicht zu denken. Beim Fußball geht's mit mir durch. Ich liebe und lebe das", sagt Hacky.

"Da schreist du, als wärst du noch mal 20"

Wesentlich entspannter geht es 2014 in Rio vor sich. Abgesehen von der gleichen Finalpaarung diesmal mit komplett umgekehrten Voraussetzungen: kein Europa, sondern Südamerika, keine deutsche Überzahl, sondern ein Stadion in himmelblau. Auch Hackys Gefühl ist dieses Mal ein anderes: "Ich war mir total unsicher. Die Chancen habe ich genau bei 50:50 gesehen."

Entsprechend groß war die Erleichterung nach dem Abpfiff. "Da schreist du mit 55 noch mal so, als wärst du 20", sagt er. Beim Tor sei der ganze Block übereinander hergefallen. "Das war völlige Ekstase. Als endlich der Schlusspfiff ertönte, lagen mir wildfremde Menschen in den Armen." Gehüpft und gewippt bis Philipp Lahm den WM-Pokal in den Nachthimmel von Rio streckte, ist Hacky dieses Mal aber nicht. "Da macht sich das Alter dann doch bemerkbar", sagt er und lacht.

Doch eine Konstante gibt es bei Hacky noch – und die erstrahlt bei Länderspielen der deutschen Mannschaft in seinem Garten. Denn dann hisst er seit 1988 eine 5 Meter auf 2,40 Meter große Deutschland-Fahne, die ihm seine Tante eigenhändig genäht hat. Auch beim Länderspiel in Dortmund gegen Argentinien am Mittwoch (ab 20.45 Uhr, live bei RTL) wird sie für seine Nachbarschaft wieder gut zu sehen sein. Und während der Europameisterschaft im kommenden Jahr hoffentlich auch. "Am liebsten bis zum Finale", so Hacky. Ein EM-Titel live im Stadion fehlt ihm noch.

[jh]

Kein WM-Finale gab es öfter. Deutschland und Argentinien standen sich bereits drei Mal im Endspiel um die Weltmeisterschaft gegenüber. 1986 mit dem besseren Ende für die Südamerikaner, 1990 und 2014 krönte sich die deutsche Mannschaft zum Weltmeister. Fan Club-Mitglied Karl-Heinrich "Hacky" Hurkuck war bei beiden deutschen WM-Triumphen in Rom und Rio de Janeiro live dabei.

Was haben Franz Beckenbauer und Deutschland-Fan Karl-Heinrich Hurkuck, besser als Hacky bekannt, gemeinsam? Beide dürfen sich Doppelweltmeister nennen. Beckenbauer 1974 als Kapitän und 1990 als Bundestrainer, Hacky 1990 und 2014 als Fan auf der Tribüne. "Man kann dieses Gefühl einfach nicht beschreiben, wenn man Weltmeister wird", erklärt das Fan Club-Mitglied. "Das ist einfach der Hammer, der Burner!"

Beide Titel "einzigartig"

Obwohl es bei den Endspielen 1990 in Rom und 2014 in Rio de Janeiro jeweils gegen die Albiceleste ging und die deutsche Mannschaft beide Begegnungen 1:0 gewonnen hat, möchte der 60-Jährige die WM-Titel nicht miteinander vergleichen. Für ihn sind beide Titel "einzigartig", die Umstände rund um die Finals komplett unterschiedlich. Während der WM in Brasilien war er viereinhalb Wochen vor Ort, sah alle deutschen Spiele, alles war perfekt geplant und organisiert. 24 Jahre zuvor hatte Hacky bei der Abfahrt nach Rom noch nicht mal Tickets für das Endspiel.

Nach dem Finaleinzug gegen England im Juli 1990 bucht der damals 31-Jährige für sich und ein paar Kumpels Zugtickets von Hannover in die ewige Stadt. Von Station zu Station füllt sich die Bahn mit immer mehr Fans in schwarz-rot-goldenen Outfits. Je näher sie der italienischen Hauptstadt kommen, desto stimmungsvoller wird die Zugfahrt. Bereits in München ist die Hälfte der Mitreisenden heiser vom Singen.

Hotel Argentina als gutes Omen

Um die Mittagszeit am Tag vor dem großen Finale erreichen Hacky und seine Freunde Rom. Vom Bahnhof geht es zu ihrer Unterkunft: in das "Hotel Argentina". An den Namen erinnert sich Hacky heute besser als an das Interieur. "Das Hotel habe ich genau zweimal gesehen", sagt er, "und zwar nur zum Duschen. Der Rest war Party." Das Problem mit den fehlenden Tickets erledigt sich schnell. Viele enttäuschte Italiener, die mit ihrer Mannschaft im Finale gerechnet hatten, geben ihre Eintrittskarten an Deutsche vor Ort weiter.

Am Finaltag steht Hacky bei 40 Grad schon über vier Stunden vor Stadionöffnung am Olympiastadion in Rom. "Ich wollte einmal der Erste im Stadion sein", begründet er seine Ungeduld und fügt hinzu: "Das hätte ich zwar fast mit einem Hitzeschlag bezahlt, aber es hat sich gelohnt." Die Atmosphäre sei von der ersten Sekunde an gigantisch gewesen. Die deutschen Fans waren eindeutig in der Überzahl.

"Ab Brehmes Elfmetertor in der 85. Minute bis zu dem Zeitpunkt als Matthäus den Pokal in den Händen hält, bin ich vor Freude gehüpft und gewippt", erzählt Hacky, der nie am deutschen Erfolg gezweifelt hat. Nach einer durchzechten Partynacht geht es mit Bekannten zurück nach Hannover, die er zufällig in Rom getroffen hat. Auf dem Rückweg kommt der Niedersachse erstmals zur Ruhe. In den vergangenen drei Tagen konnte man seine Schlafstunden an einer Hand abzählen. "Ich war so voller Adrenalin. Da war an Schlaf nicht zu denken. Beim Fußball geht's mit mir durch. Ich liebe und lebe das", sagt Hacky.

"Da schreist du, als wärst du noch mal 20"

Wesentlich entspannter geht es 2014 in Rio vor sich. Abgesehen von der gleichen Finalpaarung diesmal mit komplett umgekehrten Voraussetzungen: kein Europa, sondern Südamerika, keine deutsche Überzahl, sondern ein Stadion in himmelblau. Auch Hackys Gefühl ist dieses Mal ein anderes: "Ich war mir total unsicher. Die Chancen habe ich genau bei 50:50 gesehen."

Entsprechend groß war die Erleichterung nach dem Abpfiff. "Da schreist du mit 55 noch mal so, als wärst du 20", sagt er. Beim Tor sei der ganze Block übereinander hergefallen. "Das war völlige Ekstase. Als endlich der Schlusspfiff ertönte, lagen mir wildfremde Menschen in den Armen." Gehüpft und gewippt bis Philipp Lahm den WM-Pokal in den Nachthimmel von Rio streckte, ist Hacky dieses Mal aber nicht. "Da macht sich das Alter dann doch bemerkbar", sagt er und lacht.

Doch eine Konstante gibt es bei Hacky noch – und die erstrahlt bei Länderspielen der deutschen Mannschaft in seinem Garten. Denn dann hisst er seit 1988 eine 5 Meter auf 2,40 Meter große Deutschland-Fahne, die ihm seine Tante eigenhändig genäht hat. Auch beim Länderspiel in Dortmund gegen Argentinien am Mittwoch (ab 20.45 Uhr, live bei RTL) wird sie für seine Nachbarschaft wieder gut zu sehen sein. Und während der Europameisterschaft im kommenden Jahr hoffentlich auch. "Am liebsten bis zum Finale", so Hacky. Ein EM-Titel live im Stadion fehlt ihm noch.

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