Corona-Krise: Deutschlands Amateure helfen

Solidarität zeigen! In den vergangenen Tagen war das ein großes Thema im vom Coronavirus getroffenen (Fußball-)Deutschland. Kreativ, wichtig und in schweren Zeiten hilfreich sind da besonders Aktionen der Amateurvereine. Wie die konkret aussehen? Das wollen wir hier veranschaulichen: Vom virtuellen Stadionerlebnis bei Fortuna Köln über Nachbarschaftshilfe der TSG Balingen bis hin zu Sportprogrammen für Zuhause: Unsere Amateure, echte Solidaritätsprofis!

Etwa 1000 virtuelle "Unterstützertickets" hat Fortuna Köln seit dem 16. März verkauft. Um ausbleibende Zuschauereinnahmen auszugleichen, konnten Sympathisanten des Traditionsvereins aus der Kölner Südstadt so viele Tickets ordern, wie sie wollten. Durch den Kauf qualifizierten sie sich für eine Verlosung von Fortuna-Fanartikeln: vom Trikot bis zur Dauerkarte für die kommende Saison alles dabei.

"Rundum-Paket" für den virtuellen Stadionbesuch

Und weil sie so gut ankam, erweiterte der Regionalligist die Aktion kurzerhand zum virtuellen Stadionerlebnis. So können Fans inzwischen auch die virtuelle Stadionwurst oder das virtuelle Stadionkölsch erwerben. Ein kreatives "Rundum-Paket" also, das in Zeiten von Social Distancing für Zusammengehörigkeit unter den Fortuna-Unterstützern sorgt.​ Hier geht es zur Meldung und dem virtuellen Stadionkiosk.

Etwa 40 Kilometer weiter nördlich macht sich die Welle der Hilfsbereitschaft ebenfalls breit. Die Fußballer des VfB Hilden haben sich via Facebook an die Öffentlichkeit gewandt - und bieten seit Kurzem Unterstützung bei "Erledigungen des alltäglichen Lebens" an. Speziell an diejenigen, die aktuell beim Arbeiten voll eingespannt sind und an Menschen, die zur Risikogruppe zählen, richtet sich das Hilfsangebot des Niederrhein-Oberligisten. Die Spieler übernehmen zum Beispiel Einkäufe oder helfen Eltern und Großeltern mit Abholungen in der Stadt.

Doch damit nicht genug: Seit Wochenbeginn bietet der VfB auch ein "Anti-Corona-Powerworkout" an. Spieler Gaspare Spinella führt dabei alle Interessierten für zehn Minuten durch ein Fitnessprogramm - zu sehen auf dem Instagram-Kanal der Itterstädter.

"Unterstützertickets" auch bei der TSG Balingen

Unter dem Stichwort "Nachbarschaftshilfe" leistet auch die TSG Balingen einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Idee hinter dem Engagement im Zollernalb-Kreis ist vergleichbar mit dem der Hildener: Vereinsmitarbeiter sowie Fans oder Freunde des Viertligisten führen Botengänge durch oder kaufen für kranke, bedürftige und ältere Menschen ein.

"Wir leben in Krisenzeiten, da ist es für die TSG Balingen selbstverständlich, Menschen in unserer Region zu helfen", sagt Geschäftsführer Jan Lindenmair zu der Aktion. Eine starke Aktion! Analog zur Kölner Fortuna vertreibt auch die TSG "Unterstützertickets". Die VIP-Version umfasst beispielsweise einen Fanschal und kostet, dem Gründungsjahr entsprechend, 184,80 Euro. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Auf gänzlich andere Art und Weise zeigte sich die zweite Mannschaft des Heisinger SV solidarisch. Der Essener B-Ligist rief eine "Challenge" - zwinker, zwinker - ins Leben, um eine lokale Brauerei zu unterstützen. Weil hierzulande häufig Klopapier und Seife gehamstert werden, aber verständlicherweise keine Feste mehr erlaubt sind, brach der Umsatz der Essener Brauerei ein. Kurzarbeit und Sparmaßnahmen waren die Folge. Das nahm die HSV-Zweite zum Anlass, um mit einer Videobotschaft auf das Problem aufmerksam zu machen: Beim Genuss eines Bieres wird zum Kauf animiert. Zitat: "Finger weg vom Klopapier, kauft doch lieber Stauder Bier!" Der Chef der Brauerei zeigte sich übrigens gerührt von der Aktion und lud die Heininger kurzerhand zu einer Besichtigung ein. Das Video und die Dankesbotschaft von Thomas Stauder findet ihr hier.

"Es ist wichtig, an die Mitmenschen zu denken"

Am anderen Ende der Stadt Essen zeigt sich auch Al-Arz Libanon solidarisch. Bereits vor über einer Woche startete der Fußballverein mehrere Hilfsaktionen. So stellte der Kreisligist zum Beispiel sein Vereinsheim kostenlos zur Verfügung. Nun können die Stadt, die Feuerwehr oder auch Krankenhäuser die etwa 60 Quadratmeter nutzen.

"Wir haben eine WhatsApp-Gruppe für den Vorstand und haben uns überlegt, wie wir die Gesellschaft in diesen Zeiten unterstützen können. Und da ist die Idee gekommen", sagte der erste Vorsitzende Nemr Fakhro der Sportzeitschrift RevierSport.

Und auch die Spieler des Kreisligisten engagieren sich: Sie kaufen für Hilfsbedürftige ein oder helfen, Videotelefonate mit den Liebsten zu ermöglichen. Weil die Aktion großen Anklang findet - auf Facebook gab es laut Fakhro über 5000 Aufrufe - überlegt Al-Arz inzwischen, eine Rufnummer zu schalten, unter der sich Leute melden können. Was ist die Motivation hinter diesen Aktionen? Ein gutes Beispiel wolle man sein. Vorstand Fakhro: "Alle Sportvereine sind in einer schwierigen Phase. Es ist wichtig, an die Mitmenschen zu denken, gerade die älteren Generationen."

TSV Brunnthal ruft FIFA-Liga ins Leben

In Bayern gilt schon seit elf Tagen der Katastrophenfall. Für Fußballer heißt das: keine Spiele und kein gemeinsames Training. Der TSV Brunnthal hat dennoch einen Weg gefunden, das Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten – und, quasi als Selbsthilfe-Gruppe, eine FIFA-Liga ins Leben gerufen. "Die Liga hilft vor allem, die Sehnsucht nach dem richtigen Fußball zu mildern", sagt Josef Diller merkur.de. Der 26-Jährige ist einer der Initiatoren und mittlerweile Spielleiter. 14 TSV-Akteure messen sich mit zugelosten Teams an der Konsole, was auch Trainer Raphael Schwarz befürwortet: "Ich finde es super, dass sich die Mannschaft auch abseits des Platzes und außerhalb des Trainings miteinander beschäftigt." Wie lange der virtuelle Wettbewerb in Brunnthal noch läuft, hängt ganz vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.

Bleiben wir im Freistaat: In Unterfranken hat der FC Schweinfurt 05 "Solidaritätstickets" im Angebot. Für 19,05 Euro gibt es die im Onlineshop der "Schnüdeln". Bislang ein voller Erfolg! Im Gegenzug für ihre Spende erhalten Unterstützer einen 10-Euro-Gutschein im Fanshop des Regionalligisten. Marketingleiter Vladimir Slintchenko erklärt: "Das symbolische Solidaritätsticket ist für alle gedacht, die den Verein im Herzen tragen und uns in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchten."

Mit Marco Fritscher hat der FC darüber hinaus einen Spieler in seinen Reihen, der auch unterstützen möchte – und zwar auf dem Feld. Nicht dem Fußball-Spielfeld, sondern auf dem Spargelfeld. Der 25-Jährige wird zusammen mit seiner Freundin als Erntehelfer auf Bauernhöfen in Unterfranken arbeiten. Solidarität zu zeigen, ist ihm wichtig: "Unsere Bundeskanzlerin hat es gesagt: Alle müssten jetzt ihren Beitrag leisten und alle müssten den Ernst der Lage erkennen."

"Hafenstraße voll machen"

Große Aufmerksamkeit erregen ähnliche Aktionen von großen Traditionsklubs. Rot-Weiss Essen und der 1. FC Lokomotive Leipzig haben bereits (zehn)tausende Tickets für virtuelle Spiele verkauft. Bei RWE läuft die Aktion "Hafenstraße voll machen" seit dem 20. März. Ziel ist es, ein virtuelles Heimspiel vor ausverkauftem Haus zu spielen. Neben den Tickets gibt es natürlich auch Bier und Bratwurst. Wird die Saison 2019/2020 doch noch mit Zuschauern fortgesetzt, können Tickets, Bratwurst und Co. sogar in reelle Äquivalente umgewandelt werden. Nach aktuellem Stand wurden bislang über 2600 Karten, fast 5000 Pils und über 2000 virtuelle Bratwürste verkauft. Fünf Prozent der Erlöse spendet RWE an die Stadt Essen.

Anhänger von Lok Leipzig können sich derweil mit beliebig vielen "Rekordjagd-Tickets" eindecken. "Leute, macht die Bude voll", so das Motto der Blau-Gelben. Das Konzept: Jeder zahlt, so viel er will, mindestens aber einen Euro pro Karte. Auf diese Weise verkaufte der Regionalligist bereits mehr als 68.600 imaginäre Tickets – Rekord.

Mit einem Zertifikat belohnt der Lüneburger SK Hansa all diejenigen, die ein "Geister-Ticket" erwerben. Auch beim Nord-Regionalligisten können sich Fans Bier und Bratwurst dazukaufen – "ab ins digitale Stadion" heißt es auf der Homepage.

Bonner SC lädt Weltauswahl in den Sportpark

Der Bonner SC hat indes keine Mühen gescheut und eine Weltauswahl in den heimischen Sportpark Nord eingeladen. Dem Ruf des Viertligisten folgten unter anderem Cristiano Ronaldo und Lionel Messi! Kurz nebenbei: Auch hier geht es natürlich um ein virtuelles Heimspiel. Eigens dafür angefertigte Spieltagsplakate und die Verkündung des Weltauswahlkaders auf Social-Media-Kanälen sorgten für den richtigen Rahmen. Wie viele Zuschauer die Partie am Mittwochabend letztendlich verfolgten und die Rheinlöwen damit finanziell unterstützten, blieb offen. Immerhin: Der SC schlug die Weltauswahl mit 3:2.

In allen Fällen hoffen die Klubs, durch die Einnahmen die ausbleibenden Zuschauereinnahmen bestmöglich zu kompensieren.

Als Alltagshelfer sind seit Beginn der Woche Spieler und Mitarbeiter des VfR Wormatia 08 Worms unterwegs. Damit zur Risikogruppe gehörende Personengruppen das Haus nicht verlassen müssen, helfen die Wormser bei Besorgungen das alltäglichen Lebens. Ihr Motto: Wormatia hilft! Hier gibt es weitere Informationen.

Spargelernten in Dresden

Der Leitspruch in der Anzeige lautet: "Viele Hände, schnelles Ende." Damit "warben" die Fußballer der SG Gebergrund Goppeln bei eBay-Kleinanzeigen. Ihr Angebot: Als Erntehelfer wollten sie an Wochenenden dazu beitragen, dass Obst und Gemüse auf den Feldern der Region Dresden nicht vergammelt. Und schon drei Tage nach der Veröffentlichung fanden sich die selbst berufstätigen Kicker auf einem Spargelfeld wieder.

Etwas anders sei es schon gewesen, statt den Ball am Fuß eine Hacke in der Hand gehabt zu haben, erklärt Dominique Jacob in einem Beitrag des MDR. Aber: "Zusammen mit den Jungs aus dem Verein hat es Spaß gemacht." Weil viele Helfer aus Polen oder Rumänien derzeit nicht einreisen können, fehlen im ganzen Land Arbeitskräfte. Ein schwerer Schlag, mitten in der Erntezeit. David Pochert, der die Anzeige geschaltet hatte, sagt dazu: "Jeder schaut gerade, wie er etwas Sinnvolles zur aktuellen Situation beisteuern kann. Das ist unser Ansatz."  

[dfb]

Solidarität zeigen! In den vergangenen Tagen war das ein großes Thema im vom Coronavirus getroffenen (Fußball-)Deutschland. Kreativ, wichtig und in schweren Zeiten hilfreich sind da besonders Aktionen der Amateurvereine. Wie die konkret aussehen? Das wollen wir hier veranschaulichen: Vom virtuellen Stadionerlebnis bei Fortuna Köln über Nachbarschaftshilfe der TSG Balingen bis hin zu Sportprogrammen für Zuhause: Unsere Amateure, echte Solidaritätsprofis!

Etwa 1000 virtuelle "Unterstützertickets" hat Fortuna Köln seit dem 16. März verkauft. Um ausbleibende Zuschauereinnahmen auszugleichen, konnten Sympathisanten des Traditionsvereins aus der Kölner Südstadt so viele Tickets ordern, wie sie wollten. Durch den Kauf qualifizierten sie sich für eine Verlosung von Fortuna-Fanartikeln: vom Trikot bis zur Dauerkarte für die kommende Saison alles dabei.

"Rundum-Paket" für den virtuellen Stadionbesuch

Und weil sie so gut ankam, erweiterte der Regionalligist die Aktion kurzerhand zum virtuellen Stadionerlebnis. So können Fans inzwischen auch die virtuelle Stadionwurst oder das virtuelle Stadionkölsch erwerben. Ein kreatives "Rundum-Paket" also, das in Zeiten von Social Distancing für Zusammengehörigkeit unter den Fortuna-Unterstützern sorgt.​ Hier geht es zur Meldung und dem virtuellen Stadionkiosk.

Etwa 40 Kilometer weiter nördlich macht sich die Welle der Hilfsbereitschaft ebenfalls breit. Die Fußballer des VfB Hilden haben sich via Facebook an die Öffentlichkeit gewandt - und bieten seit Kurzem Unterstützung bei "Erledigungen des alltäglichen Lebens" an. Speziell an diejenigen, die aktuell beim Arbeiten voll eingespannt sind und an Menschen, die zur Risikogruppe zählen, richtet sich das Hilfsangebot des Niederrhein-Oberligisten. Die Spieler übernehmen zum Beispiel Einkäufe oder helfen Eltern und Großeltern mit Abholungen in der Stadt.

Doch damit nicht genug: Seit Wochenbeginn bietet der VfB auch ein "Anti-Corona-Powerworkout" an. Spieler Gaspare Spinella führt dabei alle Interessierten für zehn Minuten durch ein Fitnessprogramm - zu sehen auf dem Instagram-Kanal der Itterstädter.

"Unterstützertickets" auch bei der TSG Balingen

Unter dem Stichwort "Nachbarschaftshilfe" leistet auch die TSG Balingen einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Idee hinter dem Engagement im Zollernalb-Kreis ist vergleichbar mit dem der Hildener: Vereinsmitarbeiter sowie Fans oder Freunde des Viertligisten führen Botengänge durch oder kaufen für kranke, bedürftige und ältere Menschen ein.

"Wir leben in Krisenzeiten, da ist es für die TSG Balingen selbstverständlich, Menschen in unserer Region zu helfen", sagt Geschäftsführer Jan Lindenmair zu der Aktion. Eine starke Aktion! Analog zur Kölner Fortuna vertreibt auch die TSG "Unterstützertickets". Die VIP-Version umfasst beispielsweise einen Fanschal und kostet, dem Gründungsjahr entsprechend, 184,80 Euro. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Auf gänzlich andere Art und Weise zeigte sich die zweite Mannschaft des Heisinger SV solidarisch. Der Essener B-Ligist rief eine "Challenge" - zwinker, zwinker - ins Leben, um eine lokale Brauerei zu unterstützen. Weil hierzulande häufig Klopapier und Seife gehamstert werden, aber verständlicherweise keine Feste mehr erlaubt sind, brach der Umsatz der Essener Brauerei ein. Kurzarbeit und Sparmaßnahmen waren die Folge. Das nahm die HSV-Zweite zum Anlass, um mit einer Videobotschaft auf das Problem aufmerksam zu machen: Beim Genuss eines Bieres wird zum Kauf animiert. Zitat: "Finger weg vom Klopapier, kauft doch lieber Stauder Bier!" Der Chef der Brauerei zeigte sich übrigens gerührt von der Aktion und lud die Heininger kurzerhand zu einer Besichtigung ein. Das Video und die Dankesbotschaft von Thomas Stauder findet ihr hier.

"Es ist wichtig, an die Mitmenschen zu denken"

Am anderen Ende der Stadt Essen zeigt sich auch Al-Arz Libanon solidarisch. Bereits vor über einer Woche startete der Fußballverein mehrere Hilfsaktionen. So stellte der Kreisligist zum Beispiel sein Vereinsheim kostenlos zur Verfügung. Nun können die Stadt, die Feuerwehr oder auch Krankenhäuser die etwa 60 Quadratmeter nutzen.

"Wir haben eine WhatsApp-Gruppe für den Vorstand und haben uns überlegt, wie wir die Gesellschaft in diesen Zeiten unterstützen können. Und da ist die Idee gekommen", sagte der erste Vorsitzende Nemr Fakhro der Sportzeitschrift RevierSport.

Und auch die Spieler des Kreisligisten engagieren sich: Sie kaufen für Hilfsbedürftige ein oder helfen, Videotelefonate mit den Liebsten zu ermöglichen. Weil die Aktion großen Anklang findet - auf Facebook gab es laut Fakhro über 5000 Aufrufe - überlegt Al-Arz inzwischen, eine Rufnummer zu schalten, unter der sich Leute melden können. Was ist die Motivation hinter diesen Aktionen? Ein gutes Beispiel wolle man sein. Vorstand Fakhro: "Alle Sportvereine sind in einer schwierigen Phase. Es ist wichtig, an die Mitmenschen zu denken, gerade die älteren Generationen."

TSV Brunnthal ruft FIFA-Liga ins Leben

In Bayern gilt schon seit elf Tagen der Katastrophenfall. Für Fußballer heißt das: keine Spiele und kein gemeinsames Training. Der TSV Brunnthal hat dennoch einen Weg gefunden, das Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten – und, quasi als Selbsthilfe-Gruppe, eine FIFA-Liga ins Leben gerufen. "Die Liga hilft vor allem, die Sehnsucht nach dem richtigen Fußball zu mildern", sagt Josef Diller merkur.de. Der 26-Jährige ist einer der Initiatoren und mittlerweile Spielleiter. 14 TSV-Akteure messen sich mit zugelosten Teams an der Konsole, was auch Trainer Raphael Schwarz befürwortet: "Ich finde es super, dass sich die Mannschaft auch abseits des Platzes und außerhalb des Trainings miteinander beschäftigt." Wie lange der virtuelle Wettbewerb in Brunnthal noch läuft, hängt ganz vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.

Bleiben wir im Freistaat: In Unterfranken hat der FC Schweinfurt 05 "Solidaritätstickets" im Angebot. Für 19,05 Euro gibt es die im Onlineshop der "Schnüdeln". Bislang ein voller Erfolg! Im Gegenzug für ihre Spende erhalten Unterstützer einen 10-Euro-Gutschein im Fanshop des Regionalligisten. Marketingleiter Vladimir Slintchenko erklärt: "Das symbolische Solidaritätsticket ist für alle gedacht, die den Verein im Herzen tragen und uns in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchten."

Mit Marco Fritscher hat der FC darüber hinaus einen Spieler in seinen Reihen, der auch unterstützen möchte – und zwar auf dem Feld. Nicht dem Fußball-Spielfeld, sondern auf dem Spargelfeld. Der 25-Jährige wird zusammen mit seiner Freundin als Erntehelfer auf Bauernhöfen in Unterfranken arbeiten. Solidarität zu zeigen, ist ihm wichtig: "Unsere Bundeskanzlerin hat es gesagt: Alle müssten jetzt ihren Beitrag leisten und alle müssten den Ernst der Lage erkennen."

"Hafenstraße voll machen"

Große Aufmerksamkeit erregen ähnliche Aktionen von großen Traditionsklubs. Rot-Weiss Essen und der 1. FC Lokomotive Leipzig haben bereits (zehn)tausende Tickets für virtuelle Spiele verkauft. Bei RWE läuft die Aktion "Hafenstraße voll machen" seit dem 20. März. Ziel ist es, ein virtuelles Heimspiel vor ausverkauftem Haus zu spielen. Neben den Tickets gibt es natürlich auch Bier und Bratwurst. Wird die Saison 2019/2020 doch noch mit Zuschauern fortgesetzt, können Tickets, Bratwurst und Co. sogar in reelle Äquivalente umgewandelt werden. Nach aktuellem Stand wurden bislang über 2600 Karten, fast 5000 Pils und über 2000 virtuelle Bratwürste verkauft. Fünf Prozent der Erlöse spendet RWE an die Stadt Essen.

Anhänger von Lok Leipzig können sich derweil mit beliebig vielen "Rekordjagd-Tickets" eindecken. "Leute, macht die Bude voll", so das Motto der Blau-Gelben. Das Konzept: Jeder zahlt, so viel er will, mindestens aber einen Euro pro Karte. Auf diese Weise verkaufte der Regionalligist bereits mehr als 68.600 imaginäre Tickets – Rekord.

Mit einem Zertifikat belohnt der Lüneburger SK Hansa all diejenigen, die ein "Geister-Ticket" erwerben. Auch beim Nord-Regionalligisten können sich Fans Bier und Bratwurst dazukaufen – "ab ins digitale Stadion" heißt es auf der Homepage.

Bonner SC lädt Weltauswahl in den Sportpark

Der Bonner SC hat indes keine Mühen gescheut und eine Weltauswahl in den heimischen Sportpark Nord eingeladen. Dem Ruf des Viertligisten folgten unter anderem Cristiano Ronaldo und Lionel Messi! Kurz nebenbei: Auch hier geht es natürlich um ein virtuelles Heimspiel. Eigens dafür angefertigte Spieltagsplakate und die Verkündung des Weltauswahlkaders auf Social-Media-Kanälen sorgten für den richtigen Rahmen. Wie viele Zuschauer die Partie am Mittwochabend letztendlich verfolgten und die Rheinlöwen damit finanziell unterstützten, blieb offen. Immerhin: Der SC schlug die Weltauswahl mit 3:2.

In allen Fällen hoffen die Klubs, durch die Einnahmen die ausbleibenden Zuschauereinnahmen bestmöglich zu kompensieren.

Als Alltagshelfer sind seit Beginn der Woche Spieler und Mitarbeiter des VfR Wormatia 08 Worms unterwegs. Damit zur Risikogruppe gehörende Personengruppen das Haus nicht verlassen müssen, helfen die Wormser bei Besorgungen das alltäglichen Lebens. Ihr Motto: Wormatia hilft! Hier gibt es weitere Informationen.

Spargelernten in Dresden

Der Leitspruch in der Anzeige lautet: "Viele Hände, schnelles Ende." Damit "warben" die Fußballer der SG Gebergrund Goppeln bei eBay-Kleinanzeigen. Ihr Angebot: Als Erntehelfer wollten sie an Wochenenden dazu beitragen, dass Obst und Gemüse auf den Feldern der Region Dresden nicht vergammelt. Und schon drei Tage nach der Veröffentlichung fanden sich die selbst berufstätigen Kicker auf einem Spargelfeld wieder.

Etwas anders sei es schon gewesen, statt den Ball am Fuß eine Hacke in der Hand gehabt zu haben, erklärt Dominique Jacob in einem Beitrag des MDR. Aber: "Zusammen mit den Jungs aus dem Verein hat es Spaß gemacht." Weil viele Helfer aus Polen oder Rumänien derzeit nicht einreisen können, fehlen im ganzen Land Arbeitskräfte. Ein schwerer Schlag, mitten in der Erntezeit. David Pochert, der die Anzeige geschaltet hatte, sagt dazu: "Jeder schaut gerade, wie er etwas Sinnvolles zur aktuellen Situation beisteuern kann. Das ist unser Ansatz."  

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