Achtes Pokalduell mit Schalke: Vorteil Köln

Zum siebten Mal hat das Los im DFB-Pokal die Bundesliga-Gründungsmitglieder 1. FC Köln und FC Schalke 04 zusammengeführt. Weil der Modus 1972 ein Rückspiel vorschrieb, ist es sogar schon die achte Partie. Die Gesamtbilanz spricht mit fünf Siegen und zwei Niederlagen klar für den aktuellen Zweitligisten aus der rheinischen Metropole. DFB.de wirft einen Blick zurück auf die bisherigen Duelle.

1971: "Overath riss das Steuer herum"

12. Mai 1971: Halbfinale, Schalke 04 - 1. FC Köln 2:3

An diesem Mittwochabend standen zwei Teams auf dem Platz, die dringend ein Erfolgserlebnis brauchten. Schalke hatte die letzten vier Ligaspiele verloren, Köln fünf der letzten sechs Pflichtspiele. Beide drohten aus den UEFA-Cup-Plätzen zu rutschen, der Pokal musste ihre Saison retten. Schalke, Fünfter der Bundesliga, war Favorit, denn Köln (Neunter) extrem auswärtsschwach (ein Sieg in der Saison 1970/1971). Und doch kam es anders in der Glückauf-Kampfbahn, wo 33.000 Zuschauer ein verrücktes Spiel sahen. Klaus Scheer (7.) und "Stan" Libuda (17.) sorgten für eine 2:0-Pausenführung der Gastgeber, aber die hielt nicht.

"Overath riss das Steuer herum", titelte der Kicker nach einem packenden Spiel. Kapitän Wolfgang Overath glückte der schnelle Anschlusstreffer (47.) mit einem herrlichen Volleyschuss und gab das Signal zur Aufholjagd. Karl-Heinz Thielen (70.) und Heinz Flohe (75.) krönten sie mit weiteren Toren.

1972: Aufholjagd und "Elfmeter-Gewitter" im Rückspiel

30. Mai 1972: Halbfinalhinspiel, 1. FC Köln - Schalke 04 4:1

Ein Jahr später traf man sich erneut im Halbfinale, das nach einer Modusänderung in Hin- und Rückspielen ausgetragen wurde. Wieder war es ein Mittwoch. Schalke steuerte noch auf Titelkurs und spielte seine bis dato beste Bundesligasaison. Im Pokal half das wenig, wieder brachen die "Knappen" nach einer Pausenführung ein. Klaus Fischers 0:1 (15.) erschien am Ende belanglos, entfesselte Kölner schossen in der ausverkauften Kölner Radrennbahn (28.000 Zuschauer) noch vier Tore durch den überragenden Bernd Cullmann (52.), Hannes Löhr (67., 85.) und Overath (72.). Die Kölner fühlten sich schon sicher. Torwart Gerd Welz: "Womit der Einzug ins Finale wohl geschafft wäre, denn vier Tore mehr als wir wird Schalke auch zuhause kaum schießen." Erwin Kremers glaubte noch an das Wunder, denn "so schlecht wie in Köln kann man nur einmal spielen."

10. Juni 1972: Halbfinalrückspiel, Schalke 04 - 1. FC Köln 6:5 i. E.

Auf Volksfesten und in deutschen Stadien wurde in jenem Sommer gern Katja Ebsteins Schlager "Wunder gibt es immer wieder" gespielt. Und daran schienen auch die Schalke-Fans zu glauben, die Glückauf-Kampfbahn füllten trotz Topspielzuschlags (25 Mark für die teuerste Karte) 35.000 Menschen. Niemand bereute sein Kommen, selbst die Kölner Fans nicht, denn sie alle wurden Teil von etwas ganz Besonderem. Die WAZ titelte am Montag danach: "Pokal-Halbfinale voller Superlativen". Drückende Hitze, Tore satt und "das Elfmeter-Gewitter des Jahres" (Kicker) prägten das epische Spiel.

Schon vor der Pause hatte Schalke den Rückstand zwischenzeitlich aufgeholt - durch Tore von Fischer (15.), Rolf Rüssmann (32.) und Scheer (41.). Dann verkürzte Löhr mit dem ersten Kölner Torschuss auf 3:1 (42.). Als derselbe Spieler per Elfmeter, dem ersten von 21 (!) an diesem Tag, auf 3:2 (59.) verkürzte, schien alles gelaufen zu sein. Erst recht, als Schalkes Klaus Beverungen mit seinem Elfmeter an Welz scheiterte (80.). Doch Schalke bekam noch zwei (!) Elfmeter in der regulären Spielzeit, beide von Jupp Kapellmann verursacht und von Helmut Kremers verwandelt (83., 90.+5).

So stand es 5:2, und da im Pokal die Auswärtstorregel nicht galt, ging es in die Verlängerung. Die blieb torlos, obwohl Schiedsrichter Heckeroth in der 105. Minute den fünften Elfmeter gab, nun wieder für Köln. Aber Werner Biskup scheiterte an Hexer Norbert Nigbur. Es kam also zum damals noch neuartigen Elfmeterschießen, das nichts für schwache Nerven war. 16-mal trat ein Spieler den schweren Weg zum Kreideweg an, fünf scheiterten. Am Ende feierten die Schalker, weil Nigbur, der sogar selbst ein Tor schoss, gegen Overath parierte, dann auch den Kölner "Matchball" von Jürgen Glowacz hielt und das Glück des Tüchtigen hatte, als Bernd Cullmann den letzten Elfmeter an den Pfosten setzte. Endstand nach Elfmetern: 6:5!

Kölns Trainer Rolf Herings fand, sein Team sei "der unglücklichste Verlierer gewesen, den wir je gesehen haben." Die Schalker feierten Nigbur, seine Frau Sandra erklärte den Reportern stolz: "Er ist schon immer ein Elfmetertöter gewesen. Am meisten hat ihn jedoch gefreut, dass er selbst einen verwandelt hat." Noch mehr freute er sich gewiss am 1. Juli 1972 nach dem Pokalsieg gegen Kaiserslautern (5:0).



Zum siebten Mal hat das Los im DFB-Pokal die Bundesliga-Gründungsmitglieder 1. FC Köln und FC Schalke 04 zusammengeführt. Weil der Modus 1972 ein Rückspiel vorschrieb, ist es sogar schon die achte Partie. Die Gesamtbilanz spricht mit fünf Siegen und zwei Niederlagen klar für den aktuellen Zweitligisten aus der rheinischen Metropole. DFB.de wirft einen Blick zurück auf die bisherigen Duelle.

1971: "Overath riss das Steuer herum"

12. Mai 1971: Halbfinale, Schalke 04 - 1. FC Köln 2:3

An diesem Mittwochabend standen zwei Teams auf dem Platz, die dringend ein Erfolgserlebnis brauchten. Schalke hatte die letzten vier Ligaspiele verloren, Köln fünf der letzten sechs Pflichtspiele. Beide drohten aus den UEFA-Cup-Plätzen zu rutschen, der Pokal musste ihre Saison retten. Schalke, Fünfter der Bundesliga, war Favorit, denn Köln (Neunter) extrem auswärtsschwach (ein Sieg in der Saison 1970/1971). Und doch kam es anders in der Glückauf-Kampfbahn, wo 33.000 Zuschauer ein verrücktes Spiel sahen. Klaus Scheer (7.) und "Stan" Libuda (17.) sorgten für eine 2:0-Pausenführung der Gastgeber, aber die hielt nicht.

"Overath riss das Steuer herum", titelte der Kicker nach einem packenden Spiel. Kapitän Wolfgang Overath glückte der schnelle Anschlusstreffer (47.) mit einem herrlichen Volleyschuss und gab das Signal zur Aufholjagd. Karl-Heinz Thielen (70.) und Heinz Flohe (75.) krönten sie mit weiteren Toren.

1972: Aufholjagd und "Elfmeter-Gewitter" im Rückspiel

30. Mai 1972: Halbfinalhinspiel, 1. FC Köln - Schalke 04 4:1

Ein Jahr später traf man sich erneut im Halbfinale, das nach einer Modusänderung in Hin- und Rückspielen ausgetragen wurde. Wieder war es ein Mittwoch. Schalke steuerte noch auf Titelkurs und spielte seine bis dato beste Bundesligasaison. Im Pokal half das wenig, wieder brachen die "Knappen" nach einer Pausenführung ein. Klaus Fischers 0:1 (15.) erschien am Ende belanglos, entfesselte Kölner schossen in der ausverkauften Kölner Radrennbahn (28.000 Zuschauer) noch vier Tore durch den überragenden Bernd Cullmann (52.), Hannes Löhr (67., 85.) und Overath (72.). Die Kölner fühlten sich schon sicher. Torwart Gerd Welz: "Womit der Einzug ins Finale wohl geschafft wäre, denn vier Tore mehr als wir wird Schalke auch zuhause kaum schießen." Erwin Kremers glaubte noch an das Wunder, denn "so schlecht wie in Köln kann man nur einmal spielen."

10. Juni 1972: Halbfinalrückspiel, Schalke 04 - 1. FC Köln 6:5 i. E.

Auf Volksfesten und in deutschen Stadien wurde in jenem Sommer gern Katja Ebsteins Schlager "Wunder gibt es immer wieder" gespielt. Und daran schienen auch die Schalke-Fans zu glauben, die Glückauf-Kampfbahn füllten trotz Topspielzuschlags (25 Mark für die teuerste Karte) 35.000 Menschen. Niemand bereute sein Kommen, selbst die Kölner Fans nicht, denn sie alle wurden Teil von etwas ganz Besonderem. Die WAZ titelte am Montag danach: "Pokal-Halbfinale voller Superlativen". Drückende Hitze, Tore satt und "das Elfmeter-Gewitter des Jahres" (Kicker) prägten das epische Spiel.

Schon vor der Pause hatte Schalke den Rückstand zwischenzeitlich aufgeholt - durch Tore von Fischer (15.), Rolf Rüssmann (32.) und Scheer (41.). Dann verkürzte Löhr mit dem ersten Kölner Torschuss auf 3:1 (42.). Als derselbe Spieler per Elfmeter, dem ersten von 21 (!) an diesem Tag, auf 3:2 (59.) verkürzte, schien alles gelaufen zu sein. Erst recht, als Schalkes Klaus Beverungen mit seinem Elfmeter an Welz scheiterte (80.). Doch Schalke bekam noch zwei (!) Elfmeter in der regulären Spielzeit, beide von Jupp Kapellmann verursacht und von Helmut Kremers verwandelt (83., 90.+5).

So stand es 5:2, und da im Pokal die Auswärtstorregel nicht galt, ging es in die Verlängerung. Die blieb torlos, obwohl Schiedsrichter Heckeroth in der 105. Minute den fünften Elfmeter gab, nun wieder für Köln. Aber Werner Biskup scheiterte an Hexer Norbert Nigbur. Es kam also zum damals noch neuartigen Elfmeterschießen, das nichts für schwache Nerven war. 16-mal trat ein Spieler den schweren Weg zum Kreideweg an, fünf scheiterten. Am Ende feierten die Schalker, weil Nigbur, der sogar selbst ein Tor schoss, gegen Overath parierte, dann auch den Kölner "Matchball" von Jürgen Glowacz hielt und das Glück des Tüchtigen hatte, als Bernd Cullmann den letzten Elfmeter an den Pfosten setzte. Endstand nach Elfmetern: 6:5!

Kölns Trainer Rolf Herings fand, sein Team sei "der unglücklichste Verlierer gewesen, den wir je gesehen haben." Die Schalker feierten Nigbur, seine Frau Sandra erklärte den Reportern stolz: "Er ist schon immer ein Elfmetertöter gewesen. Am meisten hat ihn jedoch gefreut, dass er selbst einen verwandelt hat." Noch mehr freute er sich gewiss am 1. Juli 1972 nach dem Pokalsieg gegen Kaiserslautern (5:0).

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1980: Litti, Tony und Toni - die Stars richten es für den FC

10. Mai 1980: Halbfinale, Schalke 04 - 1. FC Köln 0:2

Dieses Halbfinale stieg zur klassischen Bundesligazeit am Samstag um 15.30 Uhr, aber das Parkstadion war mit 36.000 Zuschauern nur halbvoll. Schalke hatte Lizenzsorgen und musste "unbedingt gewinnen", wie Verteidiger Rolf Rüssmann seine Kollegen beschwor. Die Kölner, die mit Karl-Heinz Heddergott gerade einen neuen Trainer bekommen hatten, machten einen Strich durch die Schalker Rechnung, sich über den Pokal zu entschulden. Pierre Littbarski (9.) und Millionentransfer Anthony Woodcock (68.) schossen die Tore, Toni Schumacher "rettete den Sieg" (Kicker) mit diversen Glanzparaden. Das Fachblatt wunderte sich: "Der 1. FC Köln war noch nie so leicht zu schlagen wie diesmal". Für den Pokalsieg sollte es auch nicht reichen, im Finale gewann Fortuna Düsseldorf (2:1).

1983: So einseitig wie nie

1. März 1983: Viertelfinale, 1. FC Köln - Schalke 04 5:0

Nie war es so einseitig wie in diesem Spiel, das erstmals kein Halbfinale war. Trotzdem kam der Sieger wieder ins Finale - und gewann es. Mit dem späteren Absteiger Schalke hatten die Kölner leichteres Spiel als mit Finalgegner Fortuna Köln aus der 2. Bundesliga. Mann des Tages war ausgerechnet der Ex-Schalker Klaus Fischer, dem gleich drei Tore gelangen (5., 18., 47.), auch Stefan Engels (36.) und Herbert Zimmermann (62.) überwanden Walter Junghans im Gästetor. Schalkes frustrierte Fans forderten die Entlassung von Manager Rudi Assauer, und Trainer Jürgen Sundermann kommentierte einsilbig: "Wir konzentrieren uns alle auf den Abstiegskampf." Nie gab es weniger Zuschauer bei diesem Duell, 13.000 Besucher kamen ins Müngersdorfer Stadion.

2006: Zweitligist Köln schafft Sensation

24. Oktober 2006: 2. Runde, 1. FC Köln - Schalke 04 4:2 n.V.

Ungleich spannender war das nächste Treffen nach 23-jähriger Pause. Zweitligist Köln warf den Zweiten der Bundesliga nach großem Kampf aus dem Pokal. Ein Eigentor von Dario Rodriguez (34.) und ein Novakovic-Treffer (36.) schockten den Favoriten. Trainer Mirko Slomka brachte nach dem Wechsel Peter Lövenkrands für Kevin Kuranyi, der beleidigt im Mannschaftsbus verschwand. Sein Vertreter traf prompt (54.), und da Rodriguez auch ins richtige Tor traf (75.), herrschte nun Gleichstand. Allerdings nur auf der Anzeigetafel, nicht auf dem Feld. Denn Schalkes Zlatan Bajramovic flog nach einer Tätlichkeit an Ricardo Cabanas vom Platz (69.). Dem Sünder drohte Sportdirektor Andreas Müller eine Geldstrafe an, denn "das ist unentschuldbar". In Unterzahl schleppte sich Schalke in die Verlängerung, in der die jede Scheu ablegenden Kölner den Sieg erzwangen. Thomas Broich (98.) und Joker Adel Chihi (111.) machten vor 50.000 Zuschauern die Überraschung perfekt.

2017: Meyer mit dem Kopf

19. Dezember 2017: Achtelfinale, Schalke 04 - 1. FC Köln 1:0

Die Vorzeichen standen eigentlich auf Schützenfest, denn der Zweite empfing den abgeschlagenen Letzten der Bundesliga. Die Kölner hatten die Vorrunde mit sechs Punkten beendet und waren zur Lachnummer geworden. Mit Stefan Ruthenbeck saß ein neuer Trainer auf der Gästebank, der am Tag vor dem Spiel erfuhr, dass er bis Saisonende bleiben soll. Die Leistung der "Geißböcke" unterstrich diese Entscheidung, Köln verlor nur durch ein eher unabsichtliches Kopfballtor des 1,70 Meter kleinen Max Meyer. Der gestand: "Eigentlich wollte ich den Ball nur verlängern." Weil er aber im Tor einschlug (63.), musste man wenigstens das mäßige Spiel nicht verlängern. 56.392 Zuschauer erlebten, dass auch dieses Duell mal einen schwachen Tag haben kann. Es war, wie gezeigt, die Ausnahme.

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