Von Isbert zu Angerer

Keine sieben Jahre existierte das DFB-Team der Frauen, da verewigte es sich zum ersten Mal in der Siegerliste eines renommierten Turniers. Völlig überraschend gewann die von Trainer Gero Bisanz betreute deutsche Nationalmannschaft 1989 die Europameisterschaft. Dabei gelang den Spielerinnen weit mehr, als die Trophäenschränke in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main zu bereichern, sie erreichten erstmals eine große öffentliche Wahrnehmung.

Das Halbfinale gegen Italien in Siegen war das erste Frauen-Länderspiel, das live im deutschen Fernsehen übertragen wurde. Ein packendes Duell, das Fußball-Freunde faszinierte. Wie sehr die Partie an den Nerven zerrte, verdeutlichte eine in Tränen aufgelöste Torfrau Marion Isbert, die im Elfmeterschießen zum Matchwinner avancierte.

Die Resonanz auf diesen Fußball-Krimi war überwältigend. Zum Finale war das Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück ausverkauft. Zahlreiche Fans erlebten das Endspiel nur vor den Kassenhäuschen mit, weil sie einfach keine Tickets mehr ergattern konnten. In einer furiosen Begegnung gewann die deutsche Mannschaft gegen die favorisierten Norwegerinnen mit 4:1.

Es war das erste Kapitel einer Fortsetzungsgeschichte. Über die Jahre entwickelte sich die Frauen- Nationalmannschaft zum dominierenden Team in Europa und holte insgesamt acht EM-Titel. Anerkennung drückt sich auch in der Wahl von Birgit Prinz zur „FIFA-Weltfußballerin des Jahres“ aus – dreimal erhielt sie diesen Titel. Nadine Angerer wurde 2013 zu „Europas Fußballerin des Jahres“ und 2014 zur "Weltfußballerin des Jahres" gewählt. Komplettiert wird die Erfolgsbilanz der deutschen Nationalmannschaft von drei Bronze- und einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen: 2000 in Sydney, 2004 in Athen, 2008 in Peking (jeweils Bronze) und 2016 in Rio de Janeiro.