Der kaiserliche Hattrick

Die Geschichte des deutschen Fußballs hat viele große Nationalmannschaften gesehen, die Helden von Bern (1954), München (1974), Rom (1990) oder Rio de Janeiro (2014) sind allgegenwärtig. Auch tragische Verlierer haben ihren Platz in den Ruhmeshallen des deutschen Fußballs. Die Niederlage gegen England im WM-Finale von 1966, untrennbar verbunden mit dem „Wembley-Tor“, und die 3:4-Niederlage gegen Italien im „Jahrhundertspiel“ beim Halbfinale der WM 1970 in Mexiko sind zudem Beispiele für das saubere und faire Auftreten des DFB-Teams im Umgang mit Enttäuschungen.

Exponiert und doch exemplarisch für Wirken und Einfluss der Nationalmannschaft steht die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Der 3:2-Endspielsieg gegen die für unschlagbar gehaltenen Ungarn löste einen Freudentaumel aus und gab einem Volk, das unter den Folgen der Nazi-Diktatur und eines schrecklichen Krieges litt, neues Lebens- und Selbstwertgefühl. Die „Helden von Bern“ wurden schon zu Lebzeiten Legenden. Und die Nationalmannschaft endgültig zum liebsten Kind der Deutschen.

Dies ist sie bis heute geblieben. Auch, weil die Nachfolger verschiedener Generationen das Erbe der Berner Helden glanzvoll verwalteten. Auf Fritz Walter folgte Uwe Seeler, auf „Uns Uwe“ folgte Franz Beckenbauer, auf den „Kaiser“ folgten Berti Vogts, Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Matthias Sammer.

2014 glänzten Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil und Manuel Neuer auf und neben dem Platz. Gemeinsam mit herausragenden Talenten wie Mario Götze haben die etablierten Spieler die Nationalmannschaft auf ein neues spielerisches Niveau gehoben und zurück an die Weltspitze geführt. Das DFB-Team rangiert in der FIFA-Weltrangliste beständig unter den Top 3. Und in Brasilien wurde dann auch Weltmeister Spanien enttrohnt. Wenn die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde einer Welt- oder Europameisterschaft antritt, gehört sie stets zu den Favoriten, der traditionelle Respekt der Gegner vor der Effizienz des deutschen Spiels wird nun mit Hochachtung vor der spielerischen Klasse der Mannschaft gepaart. Bei den vier letzten Großveranstaltungen (EM oder WM) vor der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien stand die Nationalmannschaft jeweils mindestens in der Runde der letzten vier. In Südamerika gelang nun der große Coup. 24 Jahre nach dem dritten WM-Erfolg der Nationalmannschaft wurde in Brasilien der "vierte Stern" klargemacht. Mario Götze erzielte gegen Argentinien in der Verlängerung den entscheidenden Treffer. Besonders beeindruckend war der 7:1-Sieg der Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien.

Eine der Stärken der Nationalmannschaft war immer die Kontinuität an den entscheidenden Stellen. Joachim Löw war ihr zehnter Chefcoach, Hansi Flick seit dem 1. August 2021 der elfte. Viele Spieler blicken auf lange Karrieren im DFB-Trikot zurück. Deutschlands Rekordspieler Lothar Matthäus führte mit 150 Einsätzen eine Zeit lang sogar die Weltrangliste an.

Lange Zeit unerreicht war die Quote, mit der Gerd Müller ins gegnerische Tor getroffen hat. In 62 Länderspielen erzielte der Stürmer des FC Bayern München 68 Tore. Im September 2013 wurde Müller an der Spitze der "Ewigen Torjägerliste" von Miroslav Klose eingeholt. Beim 3:0 gegen Österreich erzielte der Stürmer von Lazio Rom seinen 68. Länderspiel-Treffer. Doch "Miro" hat für die 68 Tore insgesamt 129 Länderspiele benötigt. Für den "Bomber der Nation" stehen weniger als die Hälfte der Spiele zu Buche. Nach der WM 2014 beendete Miro Klose seine Karriere in der Nationalmannschaft - mit einer einmaligen Bilanz. Letztlich erzielte er 71 Tore in 137 Spielen. Zudem ist er mit 16 Treffern der WM-REkordtorjäger.

Überragt werden sie alle von Franz Beckenbauer. Der Kaiser hat weder die meisten Länderspiele bestritten, noch hat er die meisten Tore erzielt. Beckenbauer hat aber seinen ganz eigenen Hattrick mit und für die Nationalmannschaft geschafft. Er wurde in Doppelfunktion Weltmeister: Als Kapitän des Teams von 1974 und als Teamchef der Mannschaft von 1990. Komplettiert hat er den Hattrick durch die Weltmeisterschaft 2006. Als Vorsitzender des Bewerbungskomitees hatte er entscheidenden Anteil, dass Deutschland den Zuschlag bekam, als Chef des Organisationskomitees hatte er entscheidenden Anteil, dass die Veranstaltung ein großer Erfolg und durch die Nationalmannschaft zum "Sommermärchen" werden konnte.