Verleihung der "Fair Play-Medaille"

Im Kampf um den Klassenverbleib auch zu unfairen Mitteln greifen? Keine Option für Matthias Leonhardt, Schiedsrichter und Funktionär beim SV Dresden-Pillnitz. Selbst in Zeiten größter sportlicher Not steht für ihn fest: Ohne Fair Play geht es nicht. Und deswegen wurde er in diesem Jahr vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fair-Play-Medaille ausgezeichnet.

Der 37-Jährige hatte einen krassen Regelverstoß seines Heimatvereins gemeldet, nachdem dessen erste Mannschaft einen Stürmer eines anderen Vereins unter falschem Namen eingesetzt hatte. Jener Spieler hatte im Entscheidungsspiel der Stadtliga B Dresden mit zwei Toren und einem Assist wesentlichen Anteil am zunächst sicher geglaubten Klassenverbleib.

Übergabe in feierlichem Rahmen

Die Nachricht über die "Selbstanzeige" stoppte die Feierlichkeiten nach dem Spiel. Die Mannschaft stieg nach Urteil des Sportgerichts später ab. Ein Schritt, mit dem Leonhardt bei seinen Vereinskollegen durchaus für Unmut sorgte. Im Nachhinein sei ihm jedoch keiner seiner Freunde im Verein mehr böse, ganz im Gegenteil. Sie sind ihm beinahe dankbar dafür, die Ungerechtigkeit ans Licht gebracht zu haben, berichtet Leonhardt.

Für sein entschlossenes Eintreten für sportliche Fairness wurde er in diesem Jahr vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fair Play-Medaille ausgezeichnet. Leonhardt nahm die Medaille in feierlichem Rahmen in Kaiserslautern entgegen. Zu den Gästen der Gala zählten unter anderem DFB-Präsident Reinhard Grindel, DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, DFB- Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge, die Weltmeister Miroslav Klose und Guido Buchwald sowie die ehemalige FIFA-Schiedsrichterin Inka Müller-Schmäh.

Auch Ex-Profi "Zecke" Neuendorf ausgezeichnet

Außerdem wurde Andreas "Zecke" Neuendorf ausgezeichnet, der ehemalige Bundesligaspieler von Hertha BSC. Als Jugendtrainer ist er auf den Berliner Sportplätzen aktiv. Sein breites soziales Wirken, zum Beispiel beim Thema Inklusion oder sein Engagement für die Jugendmannschaft in der Jugendstrafanstalt, ist immer am Fair Play-Gedanken orientiert, weshalb die Jury ihn mit der Fair Play-Medaille in der Kategorie "Profi" auszeichnete.

Zudem erhielten die Fans des TSV Havelse einen Sonderpreis. Als im Spiel gegen Norderstedt plötzlich strömender Regen einsetzte, luden die Fans des TSV die gegnerischen Anhänger zu sich auf die überdachte Tribüne ein, von der beide Fan-Gruppen die Mannschaften abwechselnd anfeuerten.

In der Saison 2016/2017 gingen mehr als 800 Meldungen in den Landesverbänden ein. Gemeldet wurden kleine und große Gesten, die jedoch ein Gedanke vereint: Fair Play. Seit der Premiere der Aktion "Fair ist mehr" vor 20 Jahren zählen die 21 Landesverbände mehr als 8000 Einsendungen.