Von Bern bis Magdeburg: Von WM-Siegen und der Wiedervereinigung

Als der Krieg das öffentliche Leben im Mai 1945 beinahe völlig lahmgelegt hatte und die Menschen um Brot und Unterkunft besorgt waren, war der Fußball ein Medikament gegen die Schmerzen des Alltags. Schon sechs Wochen nach Kriegsende spielte Bayern München wieder und prompt ließen die US-Militärbehörden den Präsidenten verhaften – das Spiel war nicht ordnungsgemäß genehmigt.

Aufzuhalten war es im Allgemeinen nicht, schon am 4. November 1945 fiel der Startschuss für die Oberliga Süd. Der Vereinsfußball rollte also wieder, und nach der Wiedergründung des DFB am 1. Juli 1949 mit einem Festakt in der Stuttgarter Oper und der vom FIFA-Exekutivkomitee am 22. September 1950 beschlossenen Rückkehr in den Weltverband gab es endlich wieder Länderspiele.

Der Tag von Stuttgart, jenes 1:0 gegen die Schweiz am 22. November 1950, hatte für die Zeitgenossen ungeheure Bedeutung. Das Neckarstadion konnte die Menschenmenge, es waren über 100.000, nicht alle fassen. Nur um ein Freundschaftsspiel zu sehen, rutschten sie in ihren Sonntagsanzügen die Schlammhügel hinunter. Einfach um dabei zu sein, als die Welt wieder mit Deutschland spielen wollte.

Was daraus geworden ist, wissen wir heute: vier Welt- und drei Europameister-Titel sowie viele Triumphe im Europapokal. Aber auch der Alltagsbetrieb festigte den Fußball-Sport in Deutschland im Inneren. Dank seiner Organisation. Nicht jeder kann Meister werden, Pokalsieger schon – zumindest theoretisch. Der 1935 eingeführte DFB-Pokalwettbewerb sorgt seit dem ersten Tag für Sensationen und zieht die Menschen in den Bann, besonders wenn Goliath zu David aufs Dorf muss.

Seit 1969 wird auch der Deutsche A-Jugend-Meister gekürt, mittlerweile im Rahmen einer eigenen Bundesliga. Die Frauen spielen seit 1973 ihren Deutschen Meister aus. Zum Wohle des deutschen Fußballs, zweimal wurden sie bisher Weltmeister und achtmal Europameister.

Wiedervereinigung der deutschen Verbände am 21.11.1990

1990 geschah etwas von noch größerer historischer Bedeutung. Im Zuge der Vereinigung der beiden deutschen Staaten trat am 21. November, ebenfalls in Leipzig, der Nordostdeutsche Fußballverband als neuer Regionalverband mit seinen sechs Landesverbänden dem DFB bei. Am Vortag war der Deutsche Fußball-Verband der DDR (DFV) aufgelöst worden.

Der DFV bleibt dennoch ein Stück deutscher Fußballgeschichte. Sie währte 38 Jahre und begann mit der 1952 erfolgten Aufnahme in die FIFA. In diesem Jahr fand das erste von 293 Länderspielen statt: Am 21. September 1952 unterlag die DFV-Auswahl in Warschau Polen 0:3. Nur einmal fuhr die DDR zu einer WM. Dort gelang ihr der sensationelle Sieg, datiert vom 22. Juni 1974: Im letzten Vorrundenspiel schlug sie den späteren Weltmeister (West-)Deutschland in Hamburg mit 1:0. Jürgen Sparwasser ging mit seinem Siegtreffer in die Fußballgeschichte ein.

Unvergessen ist in der DFV-Historie der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal durch ein 3:1 über Polen. Im Vereinsfußball steht für die ehemalige DDR der Triumph des 1. FC Magdeburg im Europapokal der Pokalsieger von 1974 an erster Stelle.

Dass der Fußball im Westen weit erfolgreicher war, lag auch daran, dass hier 1963 eine neue Zeitrechnung begonnen hatte. Mit der Einführung der Bundesliga wurde das Profitum im deutschen Fußball manifestiert. Übrigens eine uralte Idee, die schon 1908 kontrovers diskutiert wurde. Ihre Ablehnung auf diversen Bundestagen konnte den Gedanken nicht aus der Welt bringen, zumal er in den Nachbarländern längst umgesetzt worden war.

In Deutschland aber wurde weiter unter der Hand gezahlt, schwarze Kassen waren gang und gäbe, was zum Beispiel dazu führte, dass Schalke 04 1930 für eine Saison aus dem Westdeutschen Fußballverband ausgeschlossen wurde. Das Problem der schwarzen Kassen prägte auch die Oberliga-Zeit, in der 1950 dann als Zwischenlösung das Vertragsspielerstatut in Kraft trat.

Mit dem 24. August 1963, dem ersten Bundesliga-Spieltag, wurde dem Vollprofitum nach und nach Tor und Tür geöffnet, Gehaltsobergrenzen fielen schon bald. Heute regiert die freie Marktwirtschaft, und nicht nur die Spieler verdienen gut an dem Spiel, was einst als „Fußlümmelei“ begann. Die im Jubiläumsjahr erneut imposante Resonanz in den Stadien und der gesellschaftliche Stellenwert gibt den Pionieren auf eindrucksvolle Weise recht.