Erster DFB-Präsident: Professor Dr. Ferdinand Hueppe ©

Professor Dr. Ferdinand Hueppe

(1900-1904)

Der Wissenschaftler aus Prag

Ein gewaltiger Rauschebart zierte jenen Mann, den die Abgesandten aus deutschen Landen beim ersten "allgemeinen deutschen Fußballtag" zum Vorsitzenden eines elfköpfigen Ausschusses beriefen. Ferdinand Hueppe war als Vertreter eines der beiden Prager Großvereine erschienen, des Deutschen Fußball-Clubs (DFC) Prag. Der Wissenschaftler im Fachgebiet Hygiene stammte aus Neuwied und fiel in Leipzig durch seine ausgleichende Art auf. Als Herausgeber des Standardwerks "Hygiene der Leibesübungen" wird ihm Pionierarbeit zugeschrieben. Aber nicht nur das. Ein Zeitgenosse berichtet: "Schon 1881, als es in Deutschland noch keinerlei geordneten Spielbetrieb gab, betätigte er sich in allen sportlichen Disziplinen. Auch das in früheren Jahren übliche Beiseitestehen akademisch gebildeter Kreise in Sportfragen konnte ihn in seiner Betätigung nicht hemmen." Dazu Professor Walter Jens in seiner Rede über die Rolle des Fußballs in der Gesellschaft im Mai 1975: "Der Griechischlehrer war auf preußischen Gymnasien der angesehenste und der Turnpädagoge selbst dann der missachtetste, wenn er - so die Regel - über eine altphilologische Ausbildung verfügte."

Am 6./7. Oktober 1900 wurde Hueppe in Frankfurt am Main ordentlich mit dem Amt des Vorsitzenden des eigentlichen Bundesvorstandes betraut. Ab 1904 stand der DFB nach einem FIFA-Beschluss den beiden Prager Vereinen nicht mehr offen. Daraufhin gab der rechtschaffene Mann, der maßgeblich die Einigung betrieben und für einheitliche Spielregeln gesorgt hatte, seinen Auftrag zurück. Der DFB ernannte ihn wegen außerordentlicher Verdienste zum Ehrenmitglied. Hueppe starb 85-jährig 1938.