Guter Mittler: Hermann Neuberger ©

Ein Wegbereiter der Bundesliga

Als sie ihn in Hamburg 1975 als den neuen Spitzenreiter des DFB feierten, hatte Neuberger schon eine Menge schwierigster Aufträge erledigt. In seiner Heimat hatte er tatkräftig mitgeholfen, die Rückkehr des Saarlands nach Deutschland zu betreiben. Er zählte zu den Wegbereitern der Bundesliga. Er war es, der sofort die Tragweite jenes Skandals erkannte, der sich zu einer Zerreissprobe für die Liga auswuchs. Logisch, daß er sich nicht nur um Imagepolitur, sondern um eine gründliche Kurskorrektur kümmerte. Er hatte auch für eine Beilegung des aufsehenerregenden Streits um die WM-Prämien 1974 im Trainingslager Malente gesorgt. Vor allem aber hatte er als Organisationschef für dieses Turnier im Auftrag der FIFA derart gute Arbeit geleistet, dass ihm angesichts der nun hohen Maßstäbe neben dem Dank gleich die Fortsetzung seiner Tätigkeit sozusagen im Vier-Jahres-Rhythmus aufgetragen wurde. Rund um den Globus war er als "Hermann the German" zum Markenartikel unter dem Gütesiegel "Made in Germany" geworden.

Selbst wenn er geahnt hätte, welche Stürme ihm ins Haus wehen sollten, Hermann Neuberger war nicht der Typ, der gekniffen hätte, zumal er sich als Troubleshooter auf dem Krisenmarkt einen Namen gemacht hatte. Der DFB-Chef wehrte den Auswüchsen auf den Zuschauer-Rängen und in der Werbung. Letztere gipfelten in dem Ansinnen, auch Traditionsvereine nach Produkten umzubenennen. Er arbeitete die belastende Affäre jenes WM-Matches gegen Österreich 1982 in Spanien auf, die den deutschen Fußball in Verruf brachte. Er sah sich gezwungen, 1984 den Bundestrainer Jupp Derwall abzulösen und Franz Beckenbauer in einer Nacht- und Nebel-Aktion als Teamchef zu berufen. Sieben Jahre zuvor hatte er sich mit dem Fußball-"Kaiser" aus München überworfen. Er stand schwerste Attacken im Vorfeld der Europameisterschaft 1988 durch, als Leitartikler und Stimmungsmacher die Frage, ob in Berlin gespielt werden sollte oder nicht, zu einem politischen Glaubensbekenntnis hochstilisierten und Neubergers Glaubwürdigkeit zur Disposition stellten. Und schließlich seine größte Herausforderung - die Wiedervereinigung des deutschen Fußballs unter gerechter Berücksichtigung der Anliegen beider Seiten, des DFB und des DFV. Neuberger war ein guter Mittler. Er hat sich gestellt und verzehrt. Es war fast zuviel für ein einziges Menschenleben, wobei die hier aufgeführten Eckdaten keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Hermann Neuberger ist im September 1992 gestorben. Das EM-Turnier in Schweden hat er vom Krankenbett aus verfolgt. Er hat bis zum letzten Tag mit seinem geliebten Fußball gelebt.