Dr. Jürgen Scharhag und Prof. Dr. Tim Meyer (v.l.) © DFB
Dr. Jürgen Scharhag und Prof. Dr. Tim Meyer (v.l.)

Plötzlicher Tod und Herzstillstand im Fußball

Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) startete im Januar 2014 offiziell ein weltweites Register, das prospektiv plötzliche Todesfälle im Fußball erfasst. Der plötzliche Tod bei augenscheinlich gesunden und leistungsfähigen Sportlern ist ein seltenes, tragisches Ereignis, das – gerade bei Spitzenathleten – vermehrte mediale Aufmerksamkeit nach sich zieht.

Statistisch gesehen erhöht Wettkampfsport das Risiko eines plötzlichen Herztodes um das Drei- bis Vierfache, da extreme körperliche Belastung einen Trigger für gefährliche Herzrhythmusstörungen bei Menschen mit verborgenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt. Regelmäßiger sportlicher Aktivität ist jedoch selbst unter Berücksichtigung dieser vorübergehenden „Mehrgefährdung“ während der sportlichen Aktivität in der Summe eine schützende Wirkung zuzuschreiben.

Ziel des Registers ist es, die tatsächliche Größenordnung plötzlicher Todesfälle und überlebter Herzstillstände beim Fußball und deren Ursachen möglichst genau zu erfassen. So können bestehende Screening- und Präventionsmaßnahmen verbessert bzw. ergänzt werden, um eine Abnahme tragischer Einzelfälle zu erreichen. DFB.de hat zu diesem Thema mit Prof. Dr. Tim Meyer, Arzt der Nationalmannschaft, und U 21-Mannschaftsarzt PD Dr. Jürgen Scharhag, Kardiologe und federführend bei der praktischen Umsetzung des Registers, gesprochen.

DFB.de: Herr Meyer, im oben angegebenen Text sind zwei widersprüchliche Aussagen. Einerseits heißt es, dass regelmäßiger Sport eine schützende Wirkung hat. Andererseits steht dort auch, dass der Wettkampfsport das Risiko eines Herztodes um das Drei- bis Vierfache erhöht. Raten Sie nun dazu, Fußball zu spielen oder nicht?

Prof. Dr. Tim Meyer: Grundsätzlich natürlich ja. Der Fußballsport ist eine sehr gute Kombination aus unterschiedlichen Beanspruchungsformen, Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und Koordination, damit insgesamt sehr vielseitig. Außerdem hat Fußball einen hohen Motivationscharakter, der vielleicht bei monotoneren Disziplinen von manchen Sportlern vermisst wird. Das erleichtert längerfristiges regelmäßiges Sporttreiben.

DFB.de: Herr Scharhag, in welchem Fall raten Sie Menschen denn vom Fußballspielen ab?

PD Dr. Jürgen Scharhag: Wenn eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems vorliegt. Häufig äußern sich diese Erkrankungen „glücklicherweise“ mit typischen Symptomen, so dass der Sportler den einen oder anderen Warnhinweis seines Körpers erhält. Das sind zum Beispiel Beschwerden wie Atemnot, Enge oder Druck auf der Brust bei Belastung oder ungeklärte Bewusstlosigkeiten. Es gibt leider immer noch Menschen, die trotz dieser Beschwerden Fußball spielen. Für die damit verbundenen Gefahren wollen wir sensibilisieren. Die Menschen sollen Fußball zur Vorbeugung betreiben, sich dabei aber keinem Risiko aussetzen, wenn sie schon eine Erkrankung haben.

DFB.de: Wie oft kommt der plötzliche Herztod bei Fußballspielern vor?

Meyer: Das passiert glücklicherweise extrem selten. Obwohl jedes Wochenende Millionen von Menschen Fußball spielen, gibt es an den meisten Wochenenden in Deutschland keinen einzigen Todesfall beim Fußball. Aber selbst die wenigen Fälle sollten wir versuchen weiter zu verringern, da jeder einzelne sehr tragisch ist.

DFB.de: Was erhoffen Sie sich von dem Register, bei dem die User diese seltenen Fälle melden können?

Scharhag: Wir erhoffen uns ein vernünftiges, aussagekräftiges internationales Bild. Die Häufigkeit vieler Herzerkrankungen ist davon abhängig, wo man geboren ist und wie der genetische Hintergrund ist. So treten beispielsweise in bestimmten Gegenden Europas und Afrikas einzelne Erkrankungen überzufällig häufig auf. Jede Bevölkerung hat eine unterschiedliche ethnische Zusammensetzung und damit auch Erkrankungsmuster, die beispielsweise von Zuwanderung abhängig sind. Deshalb sind Befunde aus anderen Ländern für uns nicht immer direkt übertragbar. Je besser wir unser Erkrankungsspektrum im deutschen Raum kennen, desto besser können wir unsere Vorsorgeuntersuchungen steuern. Das hat auch finanzielle Aspekte, denn wir können nicht jeden Fußballer mit allen möglichen Untersuchungsmethoden durchleuchten. Insofern kommen die Ergebnisse den Sportlern dann wieder zugute.

Hier können Sie die Todesfälle melden.