Gudorf: "Wieder das Nationaltrikot zu tragen, wäre überragend"

Der 1. FC Köln hat eine durchwachsene erste Saisonhälfte in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga gespielt. Nach einem starken Start folgte vor Weihnachten eine schwache Phase. Eine Spielerin hat dennoch nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht: Alicia Gudorf. Ende des vergangenen Jahres stand die Mittelfeldspielern erstmals im erweiterten Kader der Frauen-Nationalmannschaft. Im DFB.de-Interview spricht die 21 Jahre alte Mittelfeldspielerin, die ihre elfte Saison in Köln absolviert, über ihren Weg in die Bundesliga, persönliche Perspektiven und Ziele mit dem FC.

DFB.de: Alicia Gudorf, das vergangene Jahr ist für Sie mit der Nachricht zu Ende gegangen, dass die FC-Fans Sie zur Spielerin des Jahres gewählt haben. Was bedeutet Ihnen das?

Alicia Gudorf: Ich bin insgesamt happy, wie das vergangene Jahr für mich gelaufen ist. Diese Auszeichnung ist aus zwei Gründen ganz besonders für mich. Einerseits weil sie von den Fans kommt und andererseits weil ich aus Köln komme und mich sehr mit der Stadt und dem Verein identifiziere. Es macht mich wirklich stolz und gibt mir viel Selbstvertrauen. Aber jetzt freue ich mich auch darauf, wieder Fußball spielen zu können. Ich kann es kaum erwarten, dass die Saison bald weitergeht. Ich bin gespannt, was für uns noch möglich ist.

DFB.de: Wie blicken Sie auf Ihre elf Jahre bisher beim FC zurück?

Gudorf: Ich bin stolz darauf, diesen Weg gegangen zu sein. Es gab einige Hochs und Tiefs, aber ich habe mich nicht von meinem Weg abbringen lassen. Es gab ja auch zwei, drei Jahre, in denen ich viel verletzt war. Ich habe allerdings hier immer das Vertrauen gespürt. Es ist einfach schön, die Entwicklung des Frauenfußballs beim FC mitzubekommen und sie auch etwas beeinflussen zu können. Ich fühle mich wohl hier und bin echt happy. Der FC ist mein Zuhause, und das wissen auch alle. Ich schätze die familiäre Atmosphäre am Geißbockheim. Ich mag es, täglich hier zu sein und zu wissen, dass man für seine Stadt Fußball spielt.

DFB.de: Das Jahr 2022 ist für Sie auch mit einer Nominierung für den erweiterten Kader der A-Nationalmannschaft zu Ende gegangen. Was bedeutet Ihnen das?

Gudorf: Wirklich unglaublich viel. Ich sehe es als weitere riesige Auszeichnung für mich. Mein Weg ging ja nicht immer nur aufwärts. Ich habe mit dem Verein auch den Schritt zurück in die 2. Bundesliga gemacht. Zwischendurch hat mich mein Weg auch mal zum Studium in die USA geführt. Das sind alles wichtige Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Bis jetzt hat immer alles seinen Sinn ergeben. Die Nominierung war für mich persönlich ein super Feedback für ein tolles Jahr.

DFB.de: Und der nächste Schritt ist nun die Nominierung für den endgültigen Kader?

Gudorf: Ich hoffe, dass mich Martina Voss-Tecklenburg im Blick hat. (lacht) Aber mein Ziel ist es, dass ich an die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte anknüpfen kann. Ich versuche, weiter auf dem Level Fußball zu spielen und meiner Mannschaft so zu helfen. Dann schaue ich, was sich ergibt. Klar würde ich mich riesig freuen, wenn ich mal wieder das Nationaltrikot tragen könnte - in der Jugend hatte ich ja schon die Ehre. Das wäre natürlich überragend.

DFB.de: Sie persönlich können auf eine starke Hinrunde zurückschauen. Wie blicken Sie mit der FC-Brille zurück?

Gudorf: Wir hatten einen guten Start, dann aber vor Weihnachten leider einen kleinen Durchhänger, der uns eine bessere Platzierung gekostet hat.

DFB.de: In den vergangenen fünf Spielen ist Ihnen kein Sieg gelungen, zudem haben Sie in den vergangenen vier Begegnungen kein Tor geschossen.

Gudorf: Besonders ärgerlich sind in diesem Zusammenhang die Niederlagen gegen die Aufsteiger MSV Duisburg und SV Meppen. Das darf uns einfach nicht passieren. Da hatten wir uns natürlich erhofft, den einen oder anderen Punkt zu holen. Dennoch sind wir nicht ganz unzufrieden mit der ersten Saisonhälfte. In der Rückrunde müssen wir konsequenter auftreten und in diesen Begegnungen die drei Punkte holen.

DFB.de: Mit zehn Zählern befinden Sie sich nun in der unteren Tabellenhälfte. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Duell bei der SGS Essen zum Start in die zweite Saisonhälfte am 3. Februar? Essen hat ebenfalls zehn Punkte auf dem Konto.

Gudorf: Sehr wichtig. Unser großes Ziel ist es, dort drei Punkte zu holen. Wir wollen am Ende der Saison nicht auf Rang acht stehen, wo wir uns gerade befinden. Wir wollen in der zweiten Saisonhälfte den einen oder anderen Platz nach oben klettern. Und dafür ist ein guter Start wichtig.

DFB.de: Viele haben den 1. FC Köln vor der Saison hoch eingeschätzt. Diese Erwartungshaltung konnten Sie bisher nur teilweise erfüllen. Ist es ein normaler Prozess, den Sie gerade als Team durchmachen?

Gudorf: Ja, das denke ich schon. Wir hatten im Sommer einen großen Umbruch im Kader. So etwas braucht einfach Zeit. Wir mussten uns als Team erst mal zusammenfinden. Dieser Prozess ist jetzt weitestgehend abgeschlossen. Hinzu kommt, dass wir viele Verletzte hatten. Und diese Qualität hat uns einfach gefehlt. Aber ich bin zuversichtlich, dass jetzt die meisten Spielerinnen zurückkommen werden.

DFB.de: Auch Nationalspielerin Selina Cerci wird nach ihrem Kreuzbandriss bald ihre Premiere im FC-Trikot feiern.

Gudorf: Darauf freuen wir uns, wann immer das auch der Fall sein wird. Mit ihr bekommen wir eine Spielerin, die weiß, wo das gegnerische Tor steht. Wir hoffen alle, dass sie so schnell wie möglich wieder das Potenzial erreichen kann, das sie bereits gezeigt hat. Sie ist eine Torjägerin, wie wir sie brauchen.

DFB.de: Welche Rolle nehmen Sie als Kölnerin im Team ein?

Gudorf: Ich bin momentan die einzige im Kader, die aus Köln kommt. Ich versuche schon, immer mehr auch Führungsaufgaben zu übernehmen. Ich kenne den Verein und die Stadt. Dieses Wissen möchte ich vor allem an die neuen Spielerinnen weitergeben. Hier sehe ich mich in der Verantwortung.

DFB.de: In der vergangenen Saison haben Sie 18 Spiele bestritten, in dieser waren es bereits zehn. Was fehlt noch?

Gudorf: Das erste Tor in der Bundesliga. Auch darauf arbeite ich hin, alles andere wäre eine Lüge. Ich hatte schon mehrmals die Gelegenheit dazu, leider hat es noch nicht geklappt. Aber das kommt noch, daran habe ich keinen Zweifel.

DFB.de: Wie sehen Sie mittelfristig die Perspektive beim FC? Ist es Ihrer Meinung nach möglich, auch um Platz drei und damit die Qualifikation für die Champions League mitzuspielen?

Gudorf: Ja, ich denke schon, dass das irgendwann in den nächsten Jahren möglich sein wird. Es hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Wie sieht die Mannschaft dann aus? Wer kommt dazu? Wer geht weg? Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der FC das Thema Frauenfußball sehr unterstützt - und das spürt man. Die Verantwortlichen stehen hinter uns. Das ist aus meiner Sicht entscheidend. 

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Der 1. FC Köln hat eine durchwachsene erste Saisonhälfte in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga gespielt. Nach einem starken Start folgte vor Weihnachten eine schwache Phase. Eine Spielerin hat dennoch nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht: Alicia Gudorf. Ende des vergangenen Jahres stand die Mittelfeldspielern erstmals im erweiterten Kader der Frauen-Nationalmannschaft. Im DFB.de-Interview spricht die 21 Jahre alte Mittelfeldspielerin, die ihre elfte Saison in Köln absolviert, über ihren Weg in die Bundesliga, persönliche Perspektiven und Ziele mit dem FC.

DFB.de: Alicia Gudorf, das vergangene Jahr ist für Sie mit der Nachricht zu Ende gegangen, dass die FC-Fans Sie zur Spielerin des Jahres gewählt haben. Was bedeutet Ihnen das?

Alicia Gudorf: Ich bin insgesamt happy, wie das vergangene Jahr für mich gelaufen ist. Diese Auszeichnung ist aus zwei Gründen ganz besonders für mich. Einerseits weil sie von den Fans kommt und andererseits weil ich aus Köln komme und mich sehr mit der Stadt und dem Verein identifiziere. Es macht mich wirklich stolz und gibt mir viel Selbstvertrauen. Aber jetzt freue ich mich auch darauf, wieder Fußball spielen zu können. Ich kann es kaum erwarten, dass die Saison bald weitergeht. Ich bin gespannt, was für uns noch möglich ist.

DFB.de: Wie blicken Sie auf Ihre elf Jahre bisher beim FC zurück?

Gudorf: Ich bin stolz darauf, diesen Weg gegangen zu sein. Es gab einige Hochs und Tiefs, aber ich habe mich nicht von meinem Weg abbringen lassen. Es gab ja auch zwei, drei Jahre, in denen ich viel verletzt war. Ich habe allerdings hier immer das Vertrauen gespürt. Es ist einfach schön, die Entwicklung des Frauenfußballs beim FC mitzubekommen und sie auch etwas beeinflussen zu können. Ich fühle mich wohl hier und bin echt happy. Der FC ist mein Zuhause, und das wissen auch alle. Ich schätze die familiäre Atmosphäre am Geißbockheim. Ich mag es, täglich hier zu sein und zu wissen, dass man für seine Stadt Fußball spielt.

DFB.de: Das Jahr 2022 ist für Sie auch mit einer Nominierung für den erweiterten Kader der A-Nationalmannschaft zu Ende gegangen. Was bedeutet Ihnen das?

Gudorf: Wirklich unglaublich viel. Ich sehe es als weitere riesige Auszeichnung für mich. Mein Weg ging ja nicht immer nur aufwärts. Ich habe mit dem Verein auch den Schritt zurück in die 2. Bundesliga gemacht. Zwischendurch hat mich mein Weg auch mal zum Studium in die USA geführt. Das sind alles wichtige Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Bis jetzt hat immer alles seinen Sinn ergeben. Die Nominierung war für mich persönlich ein super Feedback für ein tolles Jahr.

DFB.de: Und der nächste Schritt ist nun die Nominierung für den endgültigen Kader?

Gudorf: Ich hoffe, dass mich Martina Voss-Tecklenburg im Blick hat. (lacht) Aber mein Ziel ist es, dass ich an die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte anknüpfen kann. Ich versuche, weiter auf dem Level Fußball zu spielen und meiner Mannschaft so zu helfen. Dann schaue ich, was sich ergibt. Klar würde ich mich riesig freuen, wenn ich mal wieder das Nationaltrikot tragen könnte - in der Jugend hatte ich ja schon die Ehre. Das wäre natürlich überragend.

DFB.de: Sie persönlich können auf eine starke Hinrunde zurückschauen. Wie blicken Sie mit der FC-Brille zurück?

Gudorf: Wir hatten einen guten Start, dann aber vor Weihnachten leider einen kleinen Durchhänger, der uns eine bessere Platzierung gekostet hat.

DFB.de: In den vergangenen fünf Spielen ist Ihnen kein Sieg gelungen, zudem haben Sie in den vergangenen vier Begegnungen kein Tor geschossen.

Gudorf: Besonders ärgerlich sind in diesem Zusammenhang die Niederlagen gegen die Aufsteiger MSV Duisburg und SV Meppen. Das darf uns einfach nicht passieren. Da hatten wir uns natürlich erhofft, den einen oder anderen Punkt zu holen. Dennoch sind wir nicht ganz unzufrieden mit der ersten Saisonhälfte. In der Rückrunde müssen wir konsequenter auftreten und in diesen Begegnungen die drei Punkte holen.

DFB.de: Mit zehn Zählern befinden Sie sich nun in der unteren Tabellenhälfte. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Duell bei der SGS Essen zum Start in die zweite Saisonhälfte am 3. Februar? Essen hat ebenfalls zehn Punkte auf dem Konto.

Gudorf: Sehr wichtig. Unser großes Ziel ist es, dort drei Punkte zu holen. Wir wollen am Ende der Saison nicht auf Rang acht stehen, wo wir uns gerade befinden. Wir wollen in der zweiten Saisonhälfte den einen oder anderen Platz nach oben klettern. Und dafür ist ein guter Start wichtig.

DFB.de: Viele haben den 1. FC Köln vor der Saison hoch eingeschätzt. Diese Erwartungshaltung konnten Sie bisher nur teilweise erfüllen. Ist es ein normaler Prozess, den Sie gerade als Team durchmachen?

Gudorf: Ja, das denke ich schon. Wir hatten im Sommer einen großen Umbruch im Kader. So etwas braucht einfach Zeit. Wir mussten uns als Team erst mal zusammenfinden. Dieser Prozess ist jetzt weitestgehend abgeschlossen. Hinzu kommt, dass wir viele Verletzte hatten. Und diese Qualität hat uns einfach gefehlt. Aber ich bin zuversichtlich, dass jetzt die meisten Spielerinnen zurückkommen werden.

DFB.de: Auch Nationalspielerin Selina Cerci wird nach ihrem Kreuzbandriss bald ihre Premiere im FC-Trikot feiern.

Gudorf: Darauf freuen wir uns, wann immer das auch der Fall sein wird. Mit ihr bekommen wir eine Spielerin, die weiß, wo das gegnerische Tor steht. Wir hoffen alle, dass sie so schnell wie möglich wieder das Potenzial erreichen kann, das sie bereits gezeigt hat. Sie ist eine Torjägerin, wie wir sie brauchen.

DFB.de: Welche Rolle nehmen Sie als Kölnerin im Team ein?

Gudorf: Ich bin momentan die einzige im Kader, die aus Köln kommt. Ich versuche schon, immer mehr auch Führungsaufgaben zu übernehmen. Ich kenne den Verein und die Stadt. Dieses Wissen möchte ich vor allem an die neuen Spielerinnen weitergeben. Hier sehe ich mich in der Verantwortung.

DFB.de: In der vergangenen Saison haben Sie 18 Spiele bestritten, in dieser waren es bereits zehn. Was fehlt noch?

Gudorf: Das erste Tor in der Bundesliga. Auch darauf arbeite ich hin, alles andere wäre eine Lüge. Ich hatte schon mehrmals die Gelegenheit dazu, leider hat es noch nicht geklappt. Aber das kommt noch, daran habe ich keinen Zweifel.

DFB.de: Wie sehen Sie mittelfristig die Perspektive beim FC? Ist es Ihrer Meinung nach möglich, auch um Platz drei und damit die Qualifikation für die Champions League mitzuspielen?

Gudorf: Ja, ich denke schon, dass das irgendwann in den nächsten Jahren möglich sein wird. Es hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Wie sieht die Mannschaft dann aus? Wer kommt dazu? Wer geht weg? Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der FC das Thema Frauenfußball sehr unterstützt - und das spürt man. Die Verantwortlichen stehen hinter uns. Das ist aus meiner Sicht entscheidend. 

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