Jährliches Lagebild zu Gewalt- und Diskriminierungsvorfällen

Zur Umsetzung des Gewaltpräventionskonzepts „Fair ist mehr“ benötigen der DFB und seine Landesverbände belastbare Daten, die den Umfang und die Intensität von Gewaltvorfällen im Amateurfußball belegen. Hierfür erhebt der Verband seit der Saison 2014/2015 kontinuierlich ein bundesweites Lagebild über den Online-Spielbericht.

Jede*r Schiedsrichter*in muss im Online-Spielbericht angeben, ob sich ein Gewalt- oder Diskriminierungsvorfall zugetragen hat. Ohne diese Angabe kann der Spielbericht nicht freigegeben werden. Sofern etwas vorgefallen ist, gibt der*die Schiedsrichter*in zusätzlich an, ob es sich um einen Gewalt- oder Diskriminierungsvorfall oder beides handelt, wer (Spieler*in/ Schiedsrichter*in/ Zuschauer*in/ Betreuer*in) beschuldigt und wer geschädigt wurde und ob der Vorfall einen Spielabbruch zur Folge hatte. Auf Basis dieser Angaben werden flächendeckend wöchentlich aktualisierte Daten erfasst. Jeder Landesverband hat Zugang zu den Daten in seinem Gebiet, wertet diese aus und nutzt sie für die Arbeit gegen Gewalt und Diskriminierung. „Wir wissen heute besser, was sich auf den Fußballplätzen ereignet, als noch vor sechs Jahren“, sagte der 1. DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, als das Lagebild der Saison 2018/19 veröffentlicht wurde. „Es war eine gute Entscheidung, jährlich diese Erhebung zu erstellen. Die Erfahrung zeigt uns aber auch, dass wir zwar auf einem guten Weg sind, allerdings alle Beteiligten noch Hausaufgaben zu machen haben.“

Der DFB hat es sich zum Ziel gesetzt, vor allem die Schiedsrichter*innen stärker zu sensibilisieren und zu schulen, um sie vom Mehrwert eines bis ins Detail aussagekräftigen Lagebilds zu überzeugen. Dazu werden neben den Kurzdefinitionen im DFBnet-Spielbericht ein Merkblatt und seit 2016 ein E-Learning-Modul zum Erkennen von „Gewalt“ und „Diskriminierung“ zur Verfügung gestellt.

Zahlen der abgelaufenen Saison 2018/19

In der Saison 2018/19 fanden 1.497.385 Fußballspiele in Deutschland statt. 87,2 Prozent oder in Zahlen 1.305.136 Spiele konnten über die Spielberichte der Unparteiischen erfasst und ausgewertet werden. 0,05 Prozent (685) der Spiele wurden wegen eines Gewalt- oder Diskriminierungsvorfalls abgebrochen. Bei 0,31 Prozent (3.987) der Spiele kam es zu einer Gewalthandlung, bei 0,21 Prozent (2.725) der Spiele zu einer Diskriminierung. Prozentual entsprechen alle drei Werte den Zahlen der Spielzeiten 2016/17 und 2017/18.

In der Saison 2018/19 kam es beispielsweise zu 2.906 Angriffen auf Schiedsrichter*innen. Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident Schiedsrichter, sagt dazu: „Gewalt gegen Schiedsrichter, Spieler oder wen auch immer ist absolut inakzeptabel. Gegen jeden Täter muss konsequent gehandelt und im Schuldfall streng geurteilt werden. Und wir dürfen nicht nachlassen, gemeinsam mit Vereinen, Landesverbänden und Kreisen darüber nachzudenken, wie wir unsere Schiedsrichter noch besser schützen können.“

Schiedsrichter-Umfrage 2019

Im Sommer 2019 führte der DFB eine bundesweite Umfrage der Schiedsrichter-Obleute und Schiedsrichter-Lehrwarte durch, um besser zu verstehen, wie man Schiedsrichter*innen gerade in den unteren Klassen noch besser schützen kann. Der ehemalige Vorsitzende des DFB- Schiedsrichter-Ausschusses, Helmut Geyer, erläutert: „Der bessere Schutz unserer mehr als 57.000 Schiedsrichter*innen gehört zu den wichtigen Aufgaben des DFB und seiner Landesverbände. Auch mit Blick darauf, dass wir mehr Schiedsrichter*innen ausbilden müssen und gleichzeitig die aktuellen Unparteiischen schützen und motivieren, ihrem Hobby treu zu bleiben, wenn wir auch zukünftig den Spielbetrieb reibungslos abwickeln wollen.“

Die DFB-Projektgruppe gegen Gewalt gegen Schiedsrichter*innen bündelt die Ergebnisse. Auf der Grundlage dieser und weiterer Erkenntnisse erarbeitet sie gemeinsam mit den Landesverbänden zusätzliche Angebote zum Schutz und zur Nachsorge betroffener Schiedsrichter*innen.