Rudi Völler

  • Nationaltrainer von 2000 bis 2004
  • 53 Länderspiele - 29 Siege, 11 Unentschieden, 13 Niederlagen

Der Hoffnungsträger

Franz Beckenbauer war 39 Jahre alt, als er 1984 die Nachfolge von Jupp Derwall antrat. Ein Jahr älter war Rudi Völler, als er im Sommer 2000 zum Teamchef der Nationalmannschaft ernannt wurde. Eine zunächst sehr überraschende Entscheidung, die am 2. Juli in Köln bei einem Treffen der von Gerhard Mayer-Vorfelder angeführten DFB-Delegation mit Offiziellen der Bundesligisten Bayern München und Bayer Leverkusen zu Stande kam. Rudi Völler war als Sportdirektor von Bayer Leverkusen zu dem Treffen geladen und ging als Teamchef. "Der Entschluss ist zwar aus dem Bauch heraus gefallen, war aber dennoch gut überlegt", beschrieb Völler später die Situation.

Ursprünglich nur für ein Jahr als Teamchef angedacht, war Rudi Völler ein Glücksfall für die Nationalmannschaft. Bereits nach seiner Premiere am 16. August 2000 in Hannover gegen Spanien war das enttäuschende Abschneiden bei der EM in Belgien und den Niederlanden bei vielen Fans fast vergessen. Die Ouvertüre gegen Spanien geriet auf Anhieb zu einem Abend der großen Emotionen. 4:1 gewann die DFB-Auswahl, und "Ruuuudi" war der gefeierte Mann. "Er hat den Deutschen wieder Leben eingehaucht", sagte Spaniens Mittelfeldstar Raul nach dem Abpfiff. Und Franz Beckenbauer lobte: "Ein solcher Mann hat uns lange gefehlt."

Ein weiterer Höhepunkt in der Teamchef-Karriere war für Völler der 1:0-Sieg im WM-Qualifikationsspiel am 7. Oktober 2000 in London gegen England – die letzte Partie im legendären Wembley-Stadion. "Der Moment war einfach zu schön. In nur 100 Tagen als Teamchef ist es Völler gelungen, eine Begeisterung für die Nationalmannschaft zu wecken, wie dies in den letzten zehn Jahren nur bei der WM 1990 und der EM 1996 glückte", schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach diesem historischen Erfolg.

Noch immer glänzte die Mannschaft nicht in jedem Spiel, doch sie hatte allein dank der Popularität ihres Teamchefs viel Kredit in der Öffentlichkeit. Neue Spielertypen wie Sebastian Deisler, Oliver Neuville, Bernd Schneider, Miroslav Klose und vor allem Michael Ballack gaben dem Prügelkind der Nation (nach dem EM-Aus) ein sympathisches Gesicht. Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2002 gelang allerdings nur über die Relegation gegen die Ukraine. An seinem 500. Arbeitstag als Teamchef buchte Rudi Völlers Team durch ein 4:1 in Dortmund das Ticket nach Südkorea und Japan.

Dass sie Weltmeister werden müsste, verlangte jedoch keiner von dieser Mannschaft. Zwar war der deutsche Fußball im Frühjahr 2002 dabei, die Talsohle zu verlassen, aber dass Völlers Auswahl weiter kommen sollte als Berti Vogts’ erfahrene Mannschaften von 1994 und 1998 (zweimal Aus im Viertelfinale), das glaubte wohl niemand. Völler ahnte aber wohl schon voraus: „Wir werden für die eine oder andere Überraschung sorgen!“ Am Ende zog die Nationalmannschaft bis ins Finale ein und musste sich erst dort mit 0:2 gegen Brasilien geschlagen geben. Dennoch geriet der Empfang der deutschen Mannschaft am Frankfurter Römer zu einem Fest. „Was wäre eigentlich hier los gewesen, wenn wir Weltmeister geworden wären?“ fragte ein gerührter Rudi Völler. Es war das aus deutscher Sicht unerwartet schöne Ende einer WM, die in vielerlei Hinsicht einmalig war.

Seinen Rücktritt als Teamchef gab Völler am 24 Juni 2004, einen Tag nach dem vorzeitigen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Portugal, bekannt. In seinen vier Jahren beim DFB stand Völler bei 53 Partien als Teamchef an der Seitenlinie. Unter Völlers Führung kam die DFB-Auswahl zu 29 Siegen und 11 Unentschieden, 13 Partien gingen verloren.