Günter: "Wir hätten in Berlin noch eine Rechnung offen"

Christian Günter hat seine gesamte Profikarriere beim SC Freiburg verbracht und stand vergangene Saison im Finale um den DFB-Pokal. Vor dem DFB-Pokalachtelfinale beim SV Sandhausen am Dienstag, 7. Februar (ab 18 Uhr, live bei Sky), spricht der 29 Jahre alte Kapitän im DFB.de-Interview mit Mitarbeiter Oliver Jensen über das Pokalspiel, Vereinstreue und das Freiburger Erfolgsgeheimnis.

DFB.de: Herr Günter, in der vergangenen Saison standen Sie im DFB-Pokalfinale und scheiterten erst im Elfmeterschießen an RB Leipzig. Ist die Motivation daher besonders groß, noch einmal das Finale zu erreichen und für einen besseren Ausgang zu sorgen?

Günter: Wenn man dieses Erlebnis einmal mitmachen durfte, ist der Hunger tatsächlich noch größer, das Finale wieder zu erreichen. Wir hätten in Berlin noch eine Rechnung offen, indem wir ein erneutes Finale am Ende positiv gestalten. Dafür werden wir alles tun. Aber bis zum Finale ist es noch ein weiter Weg. Drei Spiele müssen wir gewinnen, um wieder dorthin zu kommen. 

DFB.de: Mit welchen Emotionen blicken Sie heute auf das Pokalspiel zurück?

Günter: Das Positive überwiegt, weil das Finale für uns alle eine außergewöhnliche Erfahrung gewesen ist. Das ganze Drumherum mit den Fans war einmalig. Auch das Spiel hat großen Spaß gemacht. Aber natürlich hat man auch das Ende im Kopf. Ich ganz besonders, weil ich leider einen Elfmeter verschossen habe. Trotzdem sind wir stolz, was wir in dieser Saison geleistet haben. 

DFB.de: Im Achtelfinale treffen Sie nun auf den Zweitligisten SV Sandhausen und sind dadurch der logische Favorit. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Günter: Bereits bei der Auslosung haben wir gesagt, dass das ein extrem unangenehmer Gegner ist. Sandhausen steht für eine gute Arbeit gegen den Ball, zudem können sie gefährlich nach vorne spielen. Es steht aber außer Frage, dass wir das Spiel gewinnen und die nächste Runde erreichen wollen.   

DFB.de: Im Oktober 2016 trafen Sie schon einmal im DFB-Pokal als Bundesligist auf den SV Sandhausen, lagen zwischenzeitlich mit 1:3 zurück und verloren schlussendlich im Elfmeterschießen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Günter: Das war das erste Spiel, in dem ich beim SC die Kapitänsbinde getragen habe. Wir haben damals sehr, sehr viel rotiert, weshalb ich dann als Kapitän die Mannschaft auf das Feld geführt habe. Leider sind wir im Elfmeterschießen ausgeschieden. Das war ein bitteres Ende für uns. Ich hoffe, dass wir das in diesem Jahr besser machen.

DFB.de: Sie wechselten bereits mit 13 Jahren in die Jugendabteilung des SC Freiburg und haben seitdem nie für einen anderen Verein gespielt. Was bedeutet Ihnen Vereinstreue?

Günter: Sehr viel. Das zeigt sich daran, dass ich nur für einen Profiverein gespielt habe. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl und identifiziere mich komplett mit der Arbeit im Verein. Das ist für mich Heimat. Für mich ist es ein großes Privileg, Profifußball und Heimat verbinden zu können. Deshalb gab es nie einen Grund, den Verein zu wechseln.

DFB.de: Gab es nie einen Zeitpunkt, an dem Sie ernsthaft über einen Vereinswechsel nachgedacht haben?

Günter: Den Gedanken gab es natürlich das eine oder andere Mal. Man wägt ab, ob dieser Schritt einem selber und der Karriere guttun würde. Aber bisher kam ich nie zu dem Entschluss, dass mir ein Wechsel guttun oder mich sportlich weiterbringen würde. Ich habe das Gefühl, dass ich mich hier im Verein noch immer weiterentwickeln kann. 

DFB.de: Sie unterhalten sich bestimmt auch mit anderen Spielern, die häufiger den Verein wechseln. Warum gibt es im Profifußball nur wenige Spieler wie Sie?

Günter: Ich glaube, die meisten Spieler können die Themen Heimat und Profifußball nicht miteinander verbinden, weil sie vielleicht bei einem anderen Verein Profi geworden sind oder in einem Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet wurden, das weit von der Heimat entfernt liegt. Zudem ist der Fußball relativ schnelllebig. Es gibt komplett unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten. Manche wechseln von einem kleineren zu einem größeren Verein, um mehr Geld zu verdienen, andere sehen sportlich bessere Möglichkeiten. Es kann also mehrere Gründe dafür geben. Aber all das war bei mir nie wirklich der Fall. Daher bin ich gemeinsam mit ein paar anderen Spielern in der Bundesliga, bei denen es genauso ist, die Ausnahme.

DFB.de: Christian Streich war bereits in der U 19 Ihr Trainer und blieb dies fast durchgehend bis heute. Wie groß ist sein Anteil daran, dass Sie den Verein nie verlassen haben?

Günter: Ja, das ist natürlich auch ein wichtiger Faktor. Gäbe es innerhalb von fünf Jahren vier Trainerwechsel, kann es passieren, dass ein Trainer nicht auf einen baut oder einfach andere Spielertypen bevorzugt. Dann ist es verständlich, wenn ein Spieler über einen Vereinswechsel nachdenkt. Zum Glück gab es bei uns keinen Trainerwechsel. Das macht es einfacher, sofern man sich unter dem Trainer wohlfühlt.

DFB.de: Können Sie sich vorstellen, überhaupt noch einmal für einen anderen Verein zu spielen?

Günter: Ich würde es nie ausschließen, weil ich schon viel erlebt habe und weiß, wie schnelllebig der Fußball sein kann. Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr so viel Spielzeit bekomme und daher noch einmal etwas Anderes probiere. Aber jeder, der mich kennt und meinen Werdegang verfolgt hat, dürfte wissen, dass ich mir gut vorstellen kann, hier in Freiburg auch meine Karriere zu beenden.

DFB.de: In der Saison 2015/2016 spielte der SC Freiburg noch in der 2. Bundesliga. Seitdem scheint es nur noch bergauf zu gehen. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Vereins?

Günter: Das sind einmal natürlich die Personen auf den entscheidenden Ebenen - ob nun der Vorstand oder der Trainer. Hier nimmt sich niemand selber zu wichtig. Jeder tut alles für den Erfolg des Vereins. Das zieht sich auch durch die komplette Mannschaft. Wir hatten wirklich jede Saison eine Truppe, die alles für die Mannschaft tut. Nie standen die Egos im Vordergrund. Wir haben ein ganz enges Teamgefüge und verstehen uns sehr gut, auch außerhalb vom Platz. Deshalb stehen wir auch als Einheit auf dem Platz. Zudem hat der gesamte Verein bereits über Jahrzehnte eine super Arbeit geleistet.  

DFB.de: Abschließend noch eine Frage zur Nationalmannschaft: Sie standen bei der letzten Welt- und Europameisterschaft im Kader von Deutschland, kamen aber noch nie bei einem Großturnier zum Einsatz. Wie groß ist Ihre Motivation, dies bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land zu ändern?

Günter: Natürlich ist es ein Traum, noch einmal ein großes Turnier mitzuerleben. Aber für mich geht es eher kurz- und mittelfristig darum, dass ich hoffentlich gute Leistung im Verein bringe und weiterhin im Kreis der Nationalmannschaft dabei bin. Wenn ich das schaffe, ist es natürlich mein Ziel, noch mehr Spielzeit zu bekommen. Ich habe aber auch bei den vergangenen beiden Turnieren meine Rolle voll angenommen, im Training voll Gas gegeben und auf Spielzeit gehofft. Leider hat das nicht funktioniert. Trotzdem waren das große Erfahrungen, die ich nie vergessen werde. Es wäre toll, so etwas noch einmal zu erleben. Und eine Heim-EM ist ein absoluter Traum. 

[oj]

Christian Günter hat seine gesamte Profikarriere beim SC Freiburg verbracht und stand vergangene Saison im Finale um den DFB-Pokal. Vor dem DFB-Pokalachtelfinale beim SV Sandhausen am Dienstag, 7. Februar (ab 18 Uhr, live bei Sky), spricht der 29 Jahre alte Kapitän im DFB.de-Interview mit Mitarbeiter Oliver Jensen über das Pokalspiel, Vereinstreue und das Freiburger Erfolgsgeheimnis.

DFB.de: Herr Günter, in der vergangenen Saison standen Sie im DFB-Pokalfinale und scheiterten erst im Elfmeterschießen an RB Leipzig. Ist die Motivation daher besonders groß, noch einmal das Finale zu erreichen und für einen besseren Ausgang zu sorgen?

Günter: Wenn man dieses Erlebnis einmal mitmachen durfte, ist der Hunger tatsächlich noch größer, das Finale wieder zu erreichen. Wir hätten in Berlin noch eine Rechnung offen, indem wir ein erneutes Finale am Ende positiv gestalten. Dafür werden wir alles tun. Aber bis zum Finale ist es noch ein weiter Weg. Drei Spiele müssen wir gewinnen, um wieder dorthin zu kommen. 

DFB.de: Mit welchen Emotionen blicken Sie heute auf das Pokalspiel zurück?

Günter: Das Positive überwiegt, weil das Finale für uns alle eine außergewöhnliche Erfahrung gewesen ist. Das ganze Drumherum mit den Fans war einmalig. Auch das Spiel hat großen Spaß gemacht. Aber natürlich hat man auch das Ende im Kopf. Ich ganz besonders, weil ich leider einen Elfmeter verschossen habe. Trotzdem sind wir stolz, was wir in dieser Saison geleistet haben. 

DFB.de: Im Achtelfinale treffen Sie nun auf den Zweitligisten SV Sandhausen und sind dadurch der logische Favorit. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Günter: Bereits bei der Auslosung haben wir gesagt, dass das ein extrem unangenehmer Gegner ist. Sandhausen steht für eine gute Arbeit gegen den Ball, zudem können sie gefährlich nach vorne spielen. Es steht aber außer Frage, dass wir das Spiel gewinnen und die nächste Runde erreichen wollen.   

DFB.de: Im Oktober 2016 trafen Sie schon einmal im DFB-Pokal als Bundesligist auf den SV Sandhausen, lagen zwischenzeitlich mit 1:3 zurück und verloren schlussendlich im Elfmeterschießen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Günter: Das war das erste Spiel, in dem ich beim SC die Kapitänsbinde getragen habe. Wir haben damals sehr, sehr viel rotiert, weshalb ich dann als Kapitän die Mannschaft auf das Feld geführt habe. Leider sind wir im Elfmeterschießen ausgeschieden. Das war ein bitteres Ende für uns. Ich hoffe, dass wir das in diesem Jahr besser machen.

DFB.de: Sie wechselten bereits mit 13 Jahren in die Jugendabteilung des SC Freiburg und haben seitdem nie für einen anderen Verein gespielt. Was bedeutet Ihnen Vereinstreue?

Günter: Sehr viel. Das zeigt sich daran, dass ich nur für einen Profiverein gespielt habe. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl und identifiziere mich komplett mit der Arbeit im Verein. Das ist für mich Heimat. Für mich ist es ein großes Privileg, Profifußball und Heimat verbinden zu können. Deshalb gab es nie einen Grund, den Verein zu wechseln.

DFB.de: Gab es nie einen Zeitpunkt, an dem Sie ernsthaft über einen Vereinswechsel nachgedacht haben?

Günter: Den Gedanken gab es natürlich das eine oder andere Mal. Man wägt ab, ob dieser Schritt einem selber und der Karriere guttun würde. Aber bisher kam ich nie zu dem Entschluss, dass mir ein Wechsel guttun oder mich sportlich weiterbringen würde. Ich habe das Gefühl, dass ich mich hier im Verein noch immer weiterentwickeln kann. 

DFB.de: Sie unterhalten sich bestimmt auch mit anderen Spielern, die häufiger den Verein wechseln. Warum gibt es im Profifußball nur wenige Spieler wie Sie?

Günter: Ich glaube, die meisten Spieler können die Themen Heimat und Profifußball nicht miteinander verbinden, weil sie vielleicht bei einem anderen Verein Profi geworden sind oder in einem Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet wurden, das weit von der Heimat entfernt liegt. Zudem ist der Fußball relativ schnelllebig. Es gibt komplett unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten. Manche wechseln von einem kleineren zu einem größeren Verein, um mehr Geld zu verdienen, andere sehen sportlich bessere Möglichkeiten. Es kann also mehrere Gründe dafür geben. Aber all das war bei mir nie wirklich der Fall. Daher bin ich gemeinsam mit ein paar anderen Spielern in der Bundesliga, bei denen es genauso ist, die Ausnahme.

DFB.de: Christian Streich war bereits in der U 19 Ihr Trainer und blieb dies fast durchgehend bis heute. Wie groß ist sein Anteil daran, dass Sie den Verein nie verlassen haben?

Günter: Ja, das ist natürlich auch ein wichtiger Faktor. Gäbe es innerhalb von fünf Jahren vier Trainerwechsel, kann es passieren, dass ein Trainer nicht auf einen baut oder einfach andere Spielertypen bevorzugt. Dann ist es verständlich, wenn ein Spieler über einen Vereinswechsel nachdenkt. Zum Glück gab es bei uns keinen Trainerwechsel. Das macht es einfacher, sofern man sich unter dem Trainer wohlfühlt.

DFB.de: Können Sie sich vorstellen, überhaupt noch einmal für einen anderen Verein zu spielen?

Günter: Ich würde es nie ausschließen, weil ich schon viel erlebt habe und weiß, wie schnelllebig der Fußball sein kann. Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr so viel Spielzeit bekomme und daher noch einmal etwas Anderes probiere. Aber jeder, der mich kennt und meinen Werdegang verfolgt hat, dürfte wissen, dass ich mir gut vorstellen kann, hier in Freiburg auch meine Karriere zu beenden.

DFB.de: In der Saison 2015/2016 spielte der SC Freiburg noch in der 2. Bundesliga. Seitdem scheint es nur noch bergauf zu gehen. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Vereins?

Günter: Das sind einmal natürlich die Personen auf den entscheidenden Ebenen - ob nun der Vorstand oder der Trainer. Hier nimmt sich niemand selber zu wichtig. Jeder tut alles für den Erfolg des Vereins. Das zieht sich auch durch die komplette Mannschaft. Wir hatten wirklich jede Saison eine Truppe, die alles für die Mannschaft tut. Nie standen die Egos im Vordergrund. Wir haben ein ganz enges Teamgefüge und verstehen uns sehr gut, auch außerhalb vom Platz. Deshalb stehen wir auch als Einheit auf dem Platz. Zudem hat der gesamte Verein bereits über Jahrzehnte eine super Arbeit geleistet.  

DFB.de: Abschließend noch eine Frage zur Nationalmannschaft: Sie standen bei der letzten Welt- und Europameisterschaft im Kader von Deutschland, kamen aber noch nie bei einem Großturnier zum Einsatz. Wie groß ist Ihre Motivation, dies bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land zu ändern?

Günter: Natürlich ist es ein Traum, noch einmal ein großes Turnier mitzuerleben. Aber für mich geht es eher kurz- und mittelfristig darum, dass ich hoffentlich gute Leistung im Verein bringe und weiterhin im Kreis der Nationalmannschaft dabei bin. Wenn ich das schaffe, ist es natürlich mein Ziel, noch mehr Spielzeit zu bekommen. Ich habe aber auch bei den vergangenen beiden Turnieren meine Rolle voll angenommen, im Training voll Gas gegeben und auf Spielzeit gehofft. Leider hat das nicht funktioniert. Trotzdem waren das große Erfahrungen, die ich nie vergessen werde. Es wäre toll, so etwas noch einmal zu erleben. Und eine Heim-EM ist ein absoluter Traum. 

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