Förderprogramm

Mit der Unterstützung von lokalen und überregionalen Projekten und Initiativen schafft das Förderprogramm der Stiftung bundesweit Räume für die Diskussion über die soziale und gesellschaftliche Rolle des Fußballs in Vergangenheit und Gegenwart. Unterstützt werden künstlerische und kulturelle Projekte, Bildungsangebote, fußballhistorische und wissenschaftliche Initiativen sowie Maßnahmen, die sich im und mit dem Fußball für Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen. Beispielhaft für mehr als 100 geförderte Initiativen stehen die folgenden:

Kicker, Kämpfer und Legenden – Juden im deutschen Fußball

Die 2006 vom Berliner Centrum Judaicum kuratierte Wanderausstellung portraitiert mit Förderung der DFB-Kulturstiftung die herausragenden jüdischen Fußballpioniere: Walther Bensemann, Mitgründer und Namensgeber des DFB, Gründer des <i>kicker</i>. Kurt Landauer, langjähriger Präsident und Vater des modernen FC Bayern München. Julius Hirsch und Gottfried Fuchs, Karlsruher Nationalspieler und Rekordtorjäger der 1910er Jahre. Die Wanderausstellung, die seit mehreren Jahren unter Federführung der Evangelischen Gedächtniskirche in der Gedenkstätte des KZ Dachau ununterbrochen durch Vereinsheime, Rat- und Gewerkschaftshäuser tourt, hält diese Erinnerung wach.

DYNAAAMO!

DYNAAAMO! ist ein Theaterstück am Staatsschauspiel Dresden mit und für Fußballfans, das in Kooperation mit Dynamo Dresden in der Spielzeit 2015/2016 erfolgreich aufgeführt wurde. 20 leidenschaftliche Fußballfans stehen als Laienschauspieler zwischen 6 und 54 Jahren auf der Bürgerbühne. Wie jede fesselnde Liebesgeschichte handelt auch "DYNAAAMO!" von unfassbarem Glück und herben Enttäuschungen. Deshalb kommen die glanzvollen Auftritte in der DDR-Oberliga oder der Sieg über Bayer Leverkusen im DFB-Pokal vor vier Jahren ebenso zur Sprache wie das verlorene Europapokal-Viertelfinale gegen Bayer 05 Uerdingen 1986 oder der Abstieg in die 3. Liga 2014. Die Geschichten der Fans hat der Dramatiker Thomas Freyer zu einem Theatertext verdichtet. Sie fügen sich zu einem vielstimmigen Stadt- und Gesellschaftsporträt, in dem sich die Emotionen der Menschen entladen wie sonst nur im Fußballstadion.

Lotta kann Fußball spielen

Jungs spielen Fußball, Mädchen lesen. Dass diese Stereotype nicht immer zutreffen, zeigte das Kinder- und Jugendliteraturhaus Aachen unter dem Titel "Na klar, kann Lotta Fußball spielen" anlässlich der Frauenfußball-Europameisterschaft 2013. In Anlehnung als Astrid Lindgrens Lotta und die schwedische Nationalstürmerin Lotta Schelin fand ein buntes Sommerprogramm mit Figuren- und Märchentheater, Basteln, Filzen, Malen, mit Lesungen und Filmvorführungen und einem Mädchenfußballcamp statt. "Zu einer gelingenden Kindheit gehört der Besuch von Theaterstücken und das Lesen von Büchern ebenso wie das Kräftemessen und Austoben auf dem Fußballplatz", so Projektleiterin Alexandra Lünskens. Abschluss und Höhepunkt des Camps war ein Spiel der Mädchenmannschaft, Real Machmit, gegen die eigens zu diesem Zweck gegründete deutsche Jugendbuchautoren-Nationalmannschaft, den FC Bullerbüh.

Zwei Gesichter

Jonathan ist ein hoffnungsvolles Talent in der Junioren-Bundesliga und er ist schwul. Aus Angst, dass jemand hinter seine Fassade blicken könnte, führt er eine Scheinbeziehung mit seiner Ex-Freundin Hannah. Es kommt zum Eklat. Hannah outet ihn vor der gesamten Mannschaft. Der Film "Zwei Gesichter", das aus einer studentischen Initiative der Macromedia Hochschule Köln entwickelte Projekt des schwul-lesbischen Jugendzentrums "Anyway", hat sich mit Unterstützung der DFB-Kulturstiftung zu einer respektablen Produktion mit zahlreichen Laien, aber auch bekannten TV-Schauspieler wie Klaus Nierhoff ("Lindenstraße") entwickelt. Seine Realitätsnähe macht den Kurzfilm zu einer ehrlichen Situationsbeschreibung von Schwulen und Lesben im Vereinsalltag und einem Instrument der Aufklärung. Nach seiner Premiere im Sport & Olympiamuseum Köln im November 2014 wurde er auf youtube schon mehr als 100.000 Mal abgerufen.

Die andere Fußball-Nationalmannschaft

Nur die wenigsten Fußballinteressierten wissen, dass es in den 20er Jahren neben der Nationalmannschaft des DFB noch eine zweite Auswahl gab. Rolf Frommhagen hat sich auf eine jahrelange Spurensuche begeben und erzählt die Geschichte der Bundesauswahl der deutschen Arbeitersportler seit 1924, die mit der Zerschlagung der Arbeitersportbewegung durch die Nationalsozialisten 1933 endete. In Kontext ihrer gesellschaftspolitischen Verhältnisse wird die Chronik von mehr als 70 Länderspielen einer Mannschaft erzählt, in der auch Erwin Seeler, Vater des späteren DFB-Ehrenspielführers Uwe Seeler, spielte.

Schuhgröße 37 – Frauenfußball in Ägypten, Palästina, der Türkei und Deutschland

Für Frauen im Nahen Osten ist Fußball noch heute mehr als Sport, nämlich Ausdruck von Selbstbewusstsein und Emanzipation. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg beschäftigte sich anlässlich der FIFA Frauen-WM 2011 in der Foto-Ausstellung "Schuhgröße 37" im Kreuzberg- Museum mit diesem Thema. Im Mittelpunkt standen die Portraits von Claudia Wiens, die Fußballerinnen in Ägypten, Palästina und der Türkei getroffen hat. Ergänzt wurde die Ausstellung um "Berliner-Portaits" von jungen fußballbegeisterten Migrantinnen in der Hauptstadt. Sie war zeitgleich auch in den Goethe-Instituten in Kairo, Oberägypten, Khartoum, Algier, Beirut, Damaskus, Ramallah und Amman zu sehen.

Verlorene Helden

"Verlorene Helden" lautet der Titel einer Sonderbeilage des Fußballmagazins „11 Freunde“ in Zusammenarbeit mit der DFB-Kulturstiftung, die im Frühjahr 2014 in einer Auflage von 230.000 Exemplaren erschien. Sie widmete sich den Spielern, Trainern, Schiedsrichtern, Funktionären oder Mäzenen jüdischer Herkunft, die nach 1933 Opfer der NS-Verfolgung wurden. Nachdem engagierte Forscher und Fan-Initiativen die Lebensläufe von Nationalspielern wie Julius Hirsch oder Gottfried Fuchs inzwischen wieder ins öffentliche Bewusstsein getragen haben, widmet sich die Publikation nun erstmals auch weniger bekannten Namen der Fußballgeschichte. 192 Biografien zeigen beispielhaft nicht nur die Verdienste, sondern auch die Verbrechen, die Juden im deutschen Fußball nach 1933 angetan wurden - durch Entrechtung, Enteignung, Vertreibung und Mord. Die Sporthistoriker Lorenz Peiffer und Henry Wahlig von der Universität Hannover haben auf Basis eigener Forschungen und dank der Vorarbeit und Unterstützung vieler anderer diese Biografien zusammengetragen.

Frankfurter Fußballfrauen

Immer wieder macht das Eintracht Frankfurt Museum durch innovative Konzepte auf sich aufmerksam, die weit über die Geschichte des Traditionsvereins hinausgehen. Die Ausstellung "Frankfurter Fußballfrauen" beleuchtet die lange Geschichte dieses Sports in der selbsternannten "Hauptstadt des Frauenfußballs". Das Besondere: Konzeption, Recherche und Gestaltung wurden von 15 Schülerinnen der Anne-Frank-Schule im Rahmen einer Geschichtswerkstatt selbst durchgeführt. Das Projekt mündete während der FIFA Frauen-WM 2011 in die Ausstellung "20 Köpfe, 11 Geschichten" in der Frankfurter Paulskirche.