Bayern München Jahr für Jahr als Top-Favorit

Stolz können DFB und DFL, der im Dezember 2000 installierte Zusammenschluss der Bundesliga-Klubs, verkünden: In Europa ist die Bundesliga die klare Nummer 1 nach Zuschauern, weshalb sie auch für die Stars aus dem Ausland, denen seit dem Bosman-Urteil alle Türen offenstehen, große Anziehungskraft hat. Zumal keine Liga gesünder ist. Ein strenges Lizenzierungs-Verfahren lässt Hasardeuren und Scharlatanen, die in den ersten Jahrzehnten zuweilen ihr Unwesen treiben konnten, erst gar keinen Raum. Einen Lizenz-Entzug hat es seitdem nicht mehr gegeben.

Die Gesamtzahl von rund 430 Millionen Zuschauern seit 1963 macht sie zum führenden Unterhaltungsbetrieb des Landes. Kein Opernhaus, kein Musical, kein Filmpalast und auch keine TV-Show kann eine solche kontinuierliche Anziehungskraft vorweisen. Die Bundesliga ist ihr eigenes Theater, ein Theater der Leidenschaften. Schauspieler hat sie auch; manchmal ein paar zu viel, aber für Unterhaltung ist immer gesorgt. Ihr unschlagbarer Vorzug gegenüber dem Theater- oder Kinobesuch liegt in der Weisheit Sepp Herbergers: „Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“

Mancher mag einwenden, dass es so ungewiss nicht mehr ist, weil Bayern München Jahr für Jahr als Top-Favorit ins Rennen geht und zwei, drei andere Klubs durch die regelmäßig verdienten Gelder aus der Champions League in ihrer eigenen Liga spielen würden. Wenn sich auch die Dominanz des Rekordmeisters, der 21 der 50 Bundesliga-Saisons gewann, nicht von der Hand weisen lässt, macht es doch stets den Reiz aus, ihn zu schlagen. Und dass „in der Bundesliga jeder jeden schlagen kann“ (Rehhagel), erleben wir an jedem zweiten oder dritten Spieltag.

Fakt ist jedenfalls, dass in den vergangenen zehn Jahren fünf verschiedene Klubs Meister geworden sind; mehr als in allen anderen europäischen Super-Ligen, wo die Meisterschaft ein allmählich ermüdender Kampf der immer gleichen Giganten ist. Die Bundesliga hingegen hat viele Supermächte gesehen. Der 1. FC Köln war die erste, er hatte das beste Konzept und war 1963 am besten vorbereitet auf das Abenteuer.

Der Orientierungsphase in den Gründerjahren mit fünf verschiedenen Meistern (1. FC Köln, Werder Bremen, 1860 München, Eintracht Braunschweig und 1. FC Nürnberg) in den ersten fünf Spielzeiten folgte die „Machtübernahme“ durch Bayern München und Borussia Mönchengladbach, die von 1969 bis 1977 die Meisterschaft unter sich ausmachten. Die Gladbacher gewannen ihre fünf Titel unter schwierigen Voraussetzungen wegen des kleinen Stadions und entsprechender finanzieller Möglichkeiten. Die Bayern, begünstigt durch das für Olympia 1972 fertiggestellte Großstadion, profitierten von professionellem Management und schon damals stark entwickeltem Selbstbewusstsein, das mit jedem Erfolg wuchs. Die Achse Maier-Beckenbauer-Müller stand fast 15 Jahre für Erfolg – und Effizienz.