Thomas Hitzlsperger ist DFB-Botschafter für Vielfalt

Thomas Hitzlsperger übernimmt ab sofort die Aufgabe als Botschafter für Vielfalt beim Deutschen Fußball-Bund. "Vielfalt ist eine Bereicherung des Fußballs", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel bei der Vorstellung des 52-maligen Nationalspielers am heutigen Dienstag in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main. "Thomas Hitzlsperger soll den DFB bei der Förderung der Vielfalt und dem Engagement gegen Diskriminierung unterstützen. Wir wollen keinen Botschafter für das Schaufenster. Wir wollen, dass er sich mit seiner ganzen Erfahrung einbringt."

Hitzlsperger selbst erklärte: "Der DFB meint es ernst mit dem Thema. Ich sehe es als große und ehrenvolle Aufgabe an, den DFB dabei zu unterstützen. Seit der U 15 habe ich bereits für den DFB gespielt - dass es jetzt weitergeht, erfüllt mich mit Stolz." Der WM-Teilnehmer von 2006 wird den DFB-Präsidenten bereits im Juni auf einer Reise nach Russland begleiten. Bei den "Petersburger Dialogen" in Moskau am 17. Juni wird Reinhard Grindel eine Rede halten.

Vizeeuropameister 2008, Deutscher Meister 2007

Hitzlsperger, Vizeeuropameister von 2008 und in der Saison 2006/2007 Deutsche Meister mit dem VfB Stuttgart, will sich für mehr Vielfalt in den Gremien, für eine Stärkung der Demokratie durch die Mittel des Fußballs, gegen homophobische Diskriminierungen und für einen zeitgemäßen und unverkrampften Umgang mit sexueller Identität im Fußball einsetzen. Der 35-Jährige wird den Deutschen Fußball-Bund künftig repräsentativ bei Terminen zur Vielfalt im Fußball vertreten.

Während der Europameisterschaft 2008 setzte Bundestrainer Joachim Löw den Mittelfeldspieler in fünf von sechs Spielen ein, inklusive des 0:1 verlorenen Endspiels gegen Spanien und des Halbfinales gegen die Türkei, in dem er Philipp Lahms 3:2-Siegtreffer in der 90. Minute vorbereitete. Hitzlspergers wichtigste Stationen im Verein waren der englische Premier-League-Klub Aston Villa (2001 bis 2005) und der VfB Stuttgart (2005 bis 2010). In der VfB-Meistersaison erzielte er in den abschließenden Spielen gegen den VfL Bochum und Energie Cottbus jeweils das wichtige 1:1 - gegen Cottbus per Direktabnahme aus rund 20 Metern. Wegen seiner Schusskraft hatten ihm die englischen Fans den Spitznamen "The Hammer" verliehen.

Im Januar 2014 sprach Hitzlsperger in einem Interview über seine Homosexualität. "Ich möchte gern eine öffentliche Diskussion voranbringen - die Diskussion über Homosexualität im Profisport", sagte er damals im Gespräch mit der Wochenzeitschrift Die Zeit. Seit vielen Jahren engagiert er sich für ein weltoffenes Deutschland. Unter anderem wegen seiner journalistischen Beiträge für den Onlineblog "Störungsmelder" wurde er 2011 mit dem Julius Hirsch Preis ausgezeichnet.

"Kampf gegen Diskriminierung begleitet mich seit vielen Jahren"

Befragt, ob neben seiner Tätigkeit beim VfB Stuttgart und dem Trainerlehrgang, den er gerade absolviert, noch Zeit für die neue Botschafterrolle bleibe, sagte Thomas Hitzlsperger: "Wir haben einen Zeitrahmen abgestimmt. Ich werde sicher nicht jeden Termin wahrnehmen können, aber ich spüre viel Kraft in mir. Wenn ich mich jetzt nicht für meine Überzeugungen engagiere, wann dann? Der Sport kann sehr viel dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Der Kampf gegen Diskriminierung begleitet mich schon seit vielen Jahren."

Geliebt von fast allen, die Spiele verfolgt von den meisten, aktiv gespielt von Millionen, findet sich gerade im Fußball gesellschaftliche Vielfalt wieder. Rund 1,1 Millionen von knapp sieben Millionen DFB-Mitgliedern haben einen Migrationshintergrund. Der Fußball begeistert alle - und dabei sind das Lebensalter oder die Zugehörigkeit zu einer Schicht oder einem Milieu längst gleichgültig.

Der DFB fördert diese Vielfalt immer schon aktiv. Ein Meilenstein auf diesem Weg war der DFB-Bundestag 2013, als die Gründung der "AG Vielfalt" bekanntgegeben wurde, die seitdem etwa einmal pro Quartal tagt. Maßnahmen des DFB sind hier etwa das "Leadership Programm für Frauen" oder die Entwicklung von Schulungsangeboten mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

DFB-Stiftungen unterstützen Vielfalt des Fußballs

Auch die DFB-Stiftungen fördern und unterstützen die Vielfalt des Fußballs. So organisiert die DFB-Stiftung Sepp Herberger etwa die Deutsche Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen. Die DFB-Kulturstiftung co-finanzierte den Kurzspielfilm "Zwei Gesichter", der die fiktive Geschichte des Junioren-Bundesligaspielers Jonathan erzählt, der sich aufgrund seiner sexuellen Neigung gezwungen sieht, ein Doppelleben zu führen. Im November 2014 wurde "Zwei Gesichter" in Köln uraufgeführt und hat seitdem online 175.000 Zuschauer erreicht.

Auch die Vergabe des renommierten Julius Hirsch Preises und das jährliche Erstellen eines Lagebildes für den Amateurfußball gehören zum umfangreichen Maßnahmenkatalog für Vielfalt und gegen Diskriminierung.