Footbonaut: "Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt"

Frage: Stimmt es, dass Spieler nach Verletzungen schneller wieder auf den Platz zurückkehren, wenn sie im Footbonauten trainiert haben?

Mislintat: Ob sie schneller zurückkommen, weiß ich nicht. Aber sie kommen definitiv besser zurück. Wir bauen den Footbonauten zwischen Reha und Wiedereingliederung ins Mannschaftstraining als Zwischenstufe ein. Er bietet uns hier Individualtraining mit verschiedenen Schwerpunkten - und eine optimale Belastungssteuerung. Wir wollen ja auch nicht übertreiben, nichts kaputt machen. Fest steht: Viele Ballkontakte und Start-Stopp-Bewegungen sind in dieser Phase Gold wert. Und je mehr Ballkontaktzahlen ein Spieler hat, desto besser ist grundsätzlich seine technische Entwicklung.

Frage: Wenn das alles so ist, warum trainieren dann nicht mehr Klubs im Footbonauten? Bislang verfügen Borussia Dortmund und die 1899 Hoffenheim über dieses Trainingsgerät.

Mislintat: Das müssen Sie im Prinzip die anderen fragen. Ich kann nur sagen: Der Einsatz des Footbonauten ist für mich inhaltlich komplett sinnvoll, da viele Schulungselemente permanent Eingang ins große Spiel finden. Wenn ein Spieler durch das Training im Footbonauten für eine Aktion statt der bisherigen 600 Millisekunden nur noch 300 braucht und sich das dann über drei, vier Stationen kumuliert, dann entsteht dadurch ein ziemlicher Gewinn für die ganze Mannschaft. Ehrlich gesagt: Ich würde noch einen bauen, am besten für Ballgröße 4 - und dann sollen die Maschinen laufen und laufen und laufen.

Frage: Herr Mislintat, also ist der Footbonaut doch eine Wundermaschine?

Mislintat: Man sollte bei alledem zumindest eine weitere Komponente nicht unbeachtet lassen: Im Zeitalter der Medienkompetenz hat der Footbonaut einen riesigen Aufforderungs- und Motivationscharakter. Du kriegst die Jungs da ja gar nicht mehr raus. Die können gucken, was ein Shinji Kagawa spielt, oder jetzt ein Christian Pulisic oder Felix Passlack. Das sind starke Anreize.

Das ist ein Footbonaut

  • 14 mal 14 Meter großes Feld, Kunstrasen.

  • 200 Bälle in 8 Wurfmaschinen, jeweils 2 in der Mitte jeder Seite.

  • 64 Zielfelder, 16 auf jeder Seite, 1,40 mal 1,40 Meter groß.

  • 7 Meter Entfernung des Spielers zur Wurfmaschine.

  • Etliche Variationen zur Einstellung.

  • Grundprinzip: Der Ball kommt nach einem Signal aus einer Wurfmaschine und muss in ein gekennzeichnetes Zielfeld.

  • Erfinder Christian Güttler aus Berlin hat einmal über seinen Footbonauten gesagt: "Diese Maschine kreiert den Zufall."

[nh]


Googelt man "Footbonaut", spuckt die Online-Suchmaschine Treffer zu einer "Wundermaschine" aus. Diese wiederum spuckt vor allem Bälle aus, bis zu 100 in nicht mal sieben Minuten. Sie kreiert den Zufall, simuliert dadurch das Spiel. Sie macht gute Fußballer noch besser. Bei Borussia Dortmund haben sie die Fähigkeiten dieser Wundermaschine als erste erkannt. Derzeit ist der BVB neben 1899 Hoffenheim der einzige Bundesligist, der den Footbonauten nutzt. Sven Mislintat sagt: "Ich würde noch einen bauen." Im DFB.de-Interview spricht der BVB-Chefscout mit Mitarbeiter Nils Hotze über die "Wundermaschine". Bilder dazu gibt's auch als Galerie.

Frage: Herr Mislintat, warum ist der Footbonaut eine Wundermaschine?

Sven Mislintat: In erster Linie ist der Footbonaut ein Trainingsgerät, eine Ballmaschine für Fußballer, vergleichbar mit einem Käfig. Die erste Assoziation ist sicherlich eine Halle wie die Soccerworld. 14 mal 14 Meter Innenmaß, 64 Zielfelder, 16 auf jeder Seite, jeweils in der Mitte, also quasi auf 3, 6, 9 und 12 Uhr zwei Türme mit Bällen. Der Spieler steht in der Mitte des Feldes und wird in jeder denkbaren Variante angespielt - flach, hoch, halbhoch, mit Drall, ohne, mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h oder mit 100.

Frage: Was kann die Maschine, was Menschen auf dem Platz nicht vermögen?

Mislintat: Im Footbonauten kann ich in kürzester Zeit und unterschiedlichsten Trainingsformen wahnsinnig viele Situationen simulieren. Unsere Jungs spielen in sechseinhalb bis siebeneinhalb Minuten 100 Bälle - das sind 200 Ballkontakte. Das kann ich schon auch auf dem Platz herstellen - brauche dafür aber extrem viele Menschen, die mir immer noch nicht diese Zuverlässigkeit, diese Beständigkeit garantieren. Im Footbonauten gehen keine Bälle verloren, da er zugleich mit einem ausgeklügelten Auffangsystem ausgestattet ist. Diese Gesamtsituation ist so anders nur schwer darstellbar. Dazu kommen viel komplexere Auswertungsmöglichkeiten. Vom Austritt des Balles aus der Maschine bis zum Übertritt der Lichtschranke im Zielfeld erhalten wir unglaublich viele Daten für unsere Leistungsdiagnostik. Wir können Rankings erstellen, Profile anlegen und nachvollziehen, wie schnell der schwächere Fuß wie gut wird. Wir können jeden Fort- und jeden Rückschritt festhalten und überprüfen.

Frage: Welche Trainingseffekte werden konkret erzielt? Ballan- und -weitergabe. Handlungsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit unter körperlicher Belastung. Geschwindigkeit und Präzision im Passspiel. Adaptionsfähigkeit auf eine zufällig entstehende Situation.

Mislintat: Damit sind die wesentlichen Effekte benannt. Der erste Kontakt ist im heutigen Fußball ein elementarer Faktor. Dabei geht es nicht mehr nur um die Ballannahme, sondern gleichzeitig schon um die Richtung, in die das Spiel im nächsten Moment erst noch gehen wird. Der Footbonaut bietet uns die Gelegenheit, hier sehr zentriert zu arbeiten, es wird beispielsweise auch alles auf Video aufgenommen und im Nachgang dann daran gecoacht. Das kann brutal ins Detail gehen. Wie ist die Lage meines Körperschwerpunktes? Wie weit sind die Füße auseinander? Zwei wesentliche Aspekte bei der Ballannahme. Im Footbonaut schulst du also Präzision.

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Frage: Durch Wiederholung.

Mislintat: Auch. Aber wir erlangen beispielsweise auch Kenntnis darüber, wie viel Zeit zwischen erstem und zweitem Ballkontakt vergeht - und können dann genau an diesem Punkt coachen. Wir können ganz spezifisch am schlechten "falschen" Fuß arbeiten. Wir trainieren und verbessern extrem das periphere Sehen, indem wir mit verschiedenen Signalen arbeiten; erst mit akustischen, dann mit optischen. Im weiteren Verlauf sind die Ziele dann beweglich, und wir schalten die Ampelfarben Rot und Grün hinzu. Das heißt: Ich muss mein Ziel nicht nur finden, sondern auch entscheiden, ob ich es in dem Moment überhaupt anspielen kann. Dadurch fördern wir Schulterblick und Vororientierung. Laufwege werden adaptiert.

Frage: Um eine Vergleichsgröße zu bekommen: Über welche Geschwindigkeiten im Ablauf reden wir hier?

Mislintat: Bei den Besten vergehen zwischen Austritt des Balles aus der Maschine und Übertritt der Lichtschranke im Zielfeld keine zwei Sekunden - natürlich je nach Übungsform, Geschwindigkeit und Art des Zuspiels. Unter zwei ist richtig gut, zwischen zwei und drei ist okay, zwischen drei und vier schon schlechter und ab vier Sekunden ist es grenzwertig. Bei den Profis braucht eigentlich auch in komplexeren Übungsformen mit zwei Kontakten keiner länger als Zwei-Komma-wenig Sekunden.

Frage: Das müsste doch auch in der Langzeitanalyse mit Blick auf die Entwicklung eines einzelnen Spielers spannend sein.

Mislintat: Das ist es! Wir wissen beispielsweise, was U 17-Nationalspieler Felix Passlack mit 15 gespielt hat,was er jetzt mit 17 spielt und was im Vergleich dazu wiederum ein heute 15-Jähriger spielt. Diese Kennzahlen verwenden wir leistungsdiagnostisch. Spannend wäre sicherlich der Vergleich zwischen früher und heute bei einem Nuri Sahin - wenn wir damals schon einen Footbonauten gehabt hätten.

Frage: Wer trainiert überhaupt wie oft im Footbonaut?

Mislintat: Ganz unterschiedlich. Bei uns ist jeder Spieler drin, der mit Ballgröße 5 spielt. Für alle gilt: Je häufiger, desto besser. Für alle gilt aber auch: Die Belastung darf nicht zu groß werden; bei den Nachwuchsspielern mit Blick auf die Ganztagsschule und bei den Profis mit Blick auf die starke Wettkampfbelastung.

Frage: Trainiert ein Spieler im Footbonaut immer allein? Oder bietet es sich gar an, zu zweit trainieren zu lassen, um auch Kenntnis darüber zu erlangen, wer unter Geschwindigkeitsaspekten am besten mit wem harmoniert?

Mislintat: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Zu Beginn haben wir die Spieler viel allein trainieren lassen. Mittlerweile gibt es viele Interaktionsmöglichkeiten, da haben sich wunderschöne Übungsformen entwickelt. Ob Zwei gegen Zwei mit zwei Kontakten oder Fußballtennis zu dritt mit einem gelupften Startball - da haben wir völlige Freiheitsgrade. Wir geben von außen nur Ideen ein, beschränken aber nichts und niemanden in seiner Weiterentwicklung.

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Frage: Stimmt es, dass Spieler nach Verletzungen schneller wieder auf den Platz zurückkehren, wenn sie im Footbonauten trainiert haben?

Mislintat: Ob sie schneller zurückkommen, weiß ich nicht. Aber sie kommen definitiv besser zurück. Wir bauen den Footbonauten zwischen Reha und Wiedereingliederung ins Mannschaftstraining als Zwischenstufe ein. Er bietet uns hier Individualtraining mit verschiedenen Schwerpunkten - und eine optimale Belastungssteuerung. Wir wollen ja auch nicht übertreiben, nichts kaputt machen. Fest steht: Viele Ballkontakte und Start-Stopp-Bewegungen sind in dieser Phase Gold wert. Und je mehr Ballkontaktzahlen ein Spieler hat, desto besser ist grundsätzlich seine technische Entwicklung.

Frage: Wenn das alles so ist, warum trainieren dann nicht mehr Klubs im Footbonauten? Bislang verfügen Borussia Dortmund und die 1899 Hoffenheim über dieses Trainingsgerät.

Mislintat: Das müssen Sie im Prinzip die anderen fragen. Ich kann nur sagen: Der Einsatz des Footbonauten ist für mich inhaltlich komplett sinnvoll, da viele Schulungselemente permanent Eingang ins große Spiel finden. Wenn ein Spieler durch das Training im Footbonauten für eine Aktion statt der bisherigen 600 Millisekunden nur noch 300 braucht und sich das dann über drei, vier Stationen kumuliert, dann entsteht dadurch ein ziemlicher Gewinn für die ganze Mannschaft. Ehrlich gesagt: Ich würde noch einen bauen, am besten für Ballgröße 4 - und dann sollen die Maschinen laufen und laufen und laufen.

Frage: Herr Mislintat, also ist der Footbonaut doch eine Wundermaschine?

Mislintat: Man sollte bei alledem zumindest eine weitere Komponente nicht unbeachtet lassen: Im Zeitalter der Medienkompetenz hat der Footbonaut einen riesigen Aufforderungs- und Motivationscharakter. Du kriegst die Jungs da ja gar nicht mehr raus. Die können gucken, was ein Shinji Kagawa spielt, oder jetzt ein Christian Pulisic oder Felix Passlack. Das sind starke Anreize.

Das ist ein Footbonaut

  • 14 mal 14 Meter großes Feld, Kunstrasen.

  • 200 Bälle in 8 Wurfmaschinen, jeweils 2 in der Mitte jeder Seite.

  • 64 Zielfelder, 16 auf jeder Seite, 1,40 mal 1,40 Meter groß.

  • 7 Meter Entfernung des Spielers zur Wurfmaschine.

  • Etliche Variationen zur Einstellung.

  • Grundprinzip: Der Ball kommt nach einem Signal aus einer Wurfmaschine und muss in ein gekennzeichnetes Zielfeld.

  • Erfinder Christian Güttler aus Berlin hat einmal über seinen Footbonauten gesagt: "Diese Maschine kreiert den Zufall."

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