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04.07.2014·13:15·Jugendnationalteams

Deutsch-Französisches Jugendwerk: Von Götze bis Pogba

Seit mehr als 50 Jahren aktiv: Das Deutsch-Französische Jugendwerk ist engagiert  © dfb
Seit mehr als 50 Jahren aktiv: Das Deutsch-Französische Jugendwerk ist engagiert

Ein "Fußballereignis der herausragenden Art" soll es werden. Ein "deutsch-französisches Fußballfest". Wenn Deutschland heute (ab 18 Uhr MESZ, live in der ARD) im WM-Viertelfinale gegen Frankreich spielt, wird im Kinosaal des Centre Français de Berlin deutsch-französisches Ambiente herrschen. Schwarz-rot-gold gemischt mit der Tricolore. Auf Einladung des Deutsch-Französischen Jugendwerks werden Deutsche und Franzosen gemeinsam das Spiel schauen und mit ihren Nationalmannschaft fiebern.

Deutschland gegen Frankreich, das ist ein ganz besonderes Duell. Eine Mischung aus Rivalität und Freundschaft, begründet in dem speziellen deutsch-französischen Verhältnis. Als Konrad Adenauer und Charles de Gaulle im Januar 1963 den Élysée-Vertrag unterzeichneten, begründeten sie nach einer wechselhaften Historie die deutsch-französische Freundschaft.

Nur ein paar Monate später wurde das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gegründet. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden hier akademische, kulturelle und sportliche Angebote geschaffen. Das verbindet. Schafft Nähe. Und dient zur Völkerverständigung. Mehr als acht Millionen Menschen im Alter zwischen 3 und 30 Jahren haben in über 50 Jahren an Veranstaltungen des DFJW teilgenommen.

Fußball spielt prägende Rolle in Aktivitäten des Jugendwerks

Eine prägende Rolle bei den Aktivitäten des Jugendwerks spielt der Fußball. Ob es ein deutsch-französisches Fußballturnier ist, bei dem 80 Jugendliche untereinander gemischt gegeneinander spielen, oder der Wettbewerbsaufruf nach einer Collage der deutsch-französischen Spitzen-Elf. Die Ergebnisse waren Mannschaften, in denen von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, über Franz Beckenbauer und Zinedine Zidane, bis hin zu Patricia Kaas und Nena alles vertreten war. Miteinander, kreativ, interkulturell. Die Philosophie der DFJW-Sportprogramme ist ausgerichtet auf die Entdeckung der anderen Kultur und das Lernen der anderen Sprache.

Jedes Jahr unterstützt der DFJW etwa 250 deutsch-französische Sportprojekte im Bereich des Breitensports. 30 Prozent davon finden im Fußball größtenteils zwischen Amateurvereinen beider Länder statt – in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Diese Maßnahmen sind weniger wettkampforientiert, sondern auf das Kennenlernen von Land und Leuten ausgelegt. Zur Fußball-WM 2006 in Deutschland hat das DFJW ein deutsch-französisches Fußball-Glossar herausgegeben, mit den wichtigsten Fußballvokabeln beider Sprachen und Betrachtungen der jeweiligen Fußballkultur.

Gemeinsames Volunteer-Programm 2006, 2011 und 2016

Ein wichtiger Bestandteil der letzten beiden Weltmeisterschaften der Männer 2006 und der Frauen 2011 in Deutschland war das deutsch-französische Volunteer-Programm. Das Prinzip ist einfach: Junge Französinnen und Franzosen, die sehr gut deutsch sprechen, erhalten die Möglichkeit, auf bevorzugten Volunteer-Positionen zu arbeiten – dort, wo ihre Sprach- und Landeskenntnisse am meisten gebraucht werden. Auf deutscher Seite konnten sich deutsch-französische Tandems bewerben – deutsche Jugendliche kandidierten gemeinsam mit französischen Freunden oder Austauschpartnern. Nach den guten Erfahrungen soll es zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich wieder ein Volunteer-Programm geben, welches dieses Mal junge Deutsche mit sehr guten Französisch-Kenntnissen in das Volunteer-Team integrieren soll.

Auch im Bereich Gewaltprävention und Fan-Betreuung arbeiten Deutschland und Frankreich dank des DFJW eng zusammen. Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer spielen hierbei eine Rolle, ebenso wie das Zusammenbringen von deutschen und französischen Fans. Derzeit gibt es dazu eine deutsch-französische Gruppe von Wissenschaftlern, die sich mit dieser Thematik – auch im Hinblick auf die EM 2016 in Frankreich – auseinander setzt. Gunter A. Pilz, Beauftragter des DFB für Prävention und Anti-Diskriminierung, ist Mitglied dieser Forschergruppe.

Kommuniqué von DFB und FFF: "Viele gemeinsame Ziele und Interessen"

Nicht nur durch das Deutsch-Französische Jugendwerk sind der französische und der deutsche Fußballverband miteinander verbunden. 2007 unterzeichneten die Präsidenten der Fédération Française de Football (FFF) und des DFB ein Kommuniqué zur gemeinsamen Zusammenarbeit. In der Präambel heißt es: "In dem Bewusstsein, dass sie im europäischen Fußball viele gemeinsame Ziele und Interessen miteinander teilen, und mit dem Wunsch, ihre freundschaftliche Beziehung und ihre Kooperation durch neue Impulse zu intensivieren, vereinbaren der Deutsche Fußball-Bund und die Fédération Francaise de Football eine enge Partnerschaft."

Im technischen Zentrum Fernand Sastre in Clairefontaine wurde ein Seminar der Trainerstäbe aus Deutschland und Frankreich veranstaltet. Für die Schiedsrichter soll ebenfalls eine regelmäßige gemeinsame Schulungsmaßnahme geschaffen werden. Zudem organisieren DFB und FFF gemeinsame Trainingslager und Lehrgänge für ihre Mädchen-Auswahlmannschaften. Zentraler Bestandteil der Partnerschaft der Verbände ist zudem das Versprechen, mit allen Teams, von den A-Nationalmannschaften der Männer und Frauen bis zu den Schüler-Mannschaften, häufiger gegeneinander anzutreten.

Schüler-Länderspiel der U 16: Frankreichs heutiger A-Spieler Paul Pogba (l.) in Aktion  © Bongarts/GettyImages
Schüler-Länderspiel der U 16: Frankreichs heutiger A-Spieler Paul Pogba (l.) in Aktion

Auch Götze und Pogba waren dabei

Zu einer festen Tradition hat sich seither das Schüler-Länderspiel entwickelt. Schon seit den Fünfziger Jahren waren Spiele zwischen Deutschland und England im Berliner Olympiastadion oder im Londoner Wembley-Stadion ein Publikumsmagnet. Seit 2007 messen sich die deutsche und französische U 16-Nationalmannschaft mindestens einmal im Jahr. Die Partie erzielt traditionell große Resonanz beim Publikum.

Durchaus zu Recht, die Fans durften dabei schon einige spätere Nationalspieler bestaunen. 2008 traf Mario Götze doppelt beim deutschen 3:0-Auswärtserfolg. 2009 standen die aktuellen französischen WM-Teilnehmer Paul Pogba und Lucas Digne im Aufgebot der Franzosen, die vor 25.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 1:2 unterlagen. Mit demselben Ergebnis siegte das DFB-Team 2011, bei dem Leon Goretzka und Serge Gnabry mitspielten.

Überhaupt ist die Bilanz der deutsch-französischen Schüler-Länderspiele ein gutes Omen für das WM-Viertelfinale am Freitag. Seit 2007 gab es neun Duelle. Deutschland feierte dabei sechs Siege, dreimal trennten sich die Teams unentschieden, noch keine Partie ging verloren.

[na]

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