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04.02.2013·14:00·Nationalmannschaft

WM-Größen von Sevilla 1982 Ehrengäste in Paris

"Begegnung bleibt mit allen Einzelheiten immer in meiner Erinnerung": Förster  © Bongarts/GettyImages
"Begegnung bleibt mit allen Einzelheiten immer in meiner Erinnerung": Förster

Jubiläumsstimmung ist angesagt am Mittwoch im "Stade de France" in Paris. Goldenes Jubiläum für die deutsch-französische Freundschaft, die vor 50 Jahren besiegelt wurde. Und silbernes Jubiläum in der deutsch-französischen Länderspielhistorie, wenn um 21 Uhr (live in der ARD) das 25. A-Länderspiel der beiden Teams angepfiffen wird.

In diesem Zusammenhang machte der Französische Fußballverband einen Vorschlag, der beim DFB sofort große Zustimmung fand: Aus Anlass des deutsch-französischen Freundschaftsjubiläums sollten im Rahmen des Jubiläumsländerspiels jene beiden Mannschaften als Ehrengäste eingeladen werden, die nach Meinung vieler Zeitzeugen und Chronisten einst für den bisherigen Höhepunkt der nachbarlichen Länderspielbeziehungen gesorgt hatten. Die Teams, die 1982 im Halbfinale der WM 1982 in Spanien einander gegenübergestanden waren. DFB-Redakteur Wolfgang Tobien berichtet.

Beitrag zum Jubiläum der deutsch-französischen Freundschaft

So machen sich an diesem Dienstag ein knappes Dutzend ehemaliger deutscher Nationalspieler auf den Weg nach Paris, wo sie mit mehr als einem Dutzend französischer Ex-Internationaler zusammentreffen werden , um jenes Ereignis noch einmal in gemeinsamen Gesprächen und Erinnerungen aufleben zu lassen, das als das "Drama von Sevilla" in die Annalen der Fußball-Weltmeisterschaft Eingang gefunden hat. "Dass die beiden damaligen Teams jetzt vor dem Länderspiel in Paris zusammenkommen, sehe ich als schönen Beitrag zum Jubiläum der deutsch-französischen Freundschaft", bewertet DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dieses Meeting der Größen und Helden von Sevilla.

Karlheinz Förster, der nach 1982 auch 1986 das (siegreiche) WM-Halbfinale gegen Frankreich bestritt und danach als Profi zu Olympique Marseille wechselte, bedauert, dass er diesem Zusammentreffen fern bleiben muss: "Ich habe einige große Spiele in meiner Karriere absolvieren können. Vom Ablauf aber war das in Sevilla das tollste. Auch weil eine Topmannschaft auf der anderen Seite stand. Diese Begegnung bleibt mit allen Einzelheiten immer in meiner Erinnerung. Leider musste ich jetzt aber absagen, weil ich kürzlich zum vierten Mal an meinem linken Fuß operiert wurde und mich nur mit Krücken in Paris hätte bewegen können", sagt der einstige Weltklasse-Vorstopper im Rückblick auf seine 81 Länderspiele.

Stelldichein der großen Namen

Dagegen haben Toni Schumacher, Hans-Peter Briegel, Uli Stielike, Klaus Fischer, Felix Magath, Hansi Müller, Lothar Matthäus, Uwe Reinders und Wilfried Hannes aus dem damaligen 19-köpfigen WM-Aufgebot dem DFB ihr Kommen zusagen können. Als "special guest" ist zudem Dieter Müller, der Vizeeuropameister von 1978 mit ebenfalls großer Profi-Erfahrung, in Frankreich, dabei, der sich von einem schweren Herzinfarkt inzwischen wieder bestens erholt hat. Auf sie wartet ein buntes Programm mit Eiffelturm-Besichtigung, Lido-Besuch und Seine-Bootsfahrt.

Auf französischer Seite werden sie in Torwart Jean Ettori, Maxime Bossis, Gerard Janvion, Marius Tresor, Bernard Genghini, Alain Giresse und Dominique Rocheteau gleich auf sieben Spieler der damaligen Anfangself treffen, und dazu auf Michel Hidalgo, den Trainer, der dann zwei Jahre später mit Frankreich Europameister wurde.

Für L'Equipe, die große französischen Sportzeitung, war und ist dieses Halbfinale "der heißeste Abend der französischen Fußballgeschichte". Ein großartiges Spiel. Ein mitreißendes Spektakel, geprägt von einer einzigartigen Dramaturgie. Vom Unterhaltungswert, aber auch spielerisch die beste Begegnung der WM 1982. Kein Sieger nach 90 Minuten. Keine Entscheidung nach 120 Minuten. Auch als jeweils fünf Schützen ihre Elfmeter geschossen hatten, stand der Teilnehmer am Finale noch nicht fest. Erst als die für das Elfmeterschießen vorgesehenen Reservisten ihre Arbeit aufnahmen, fiel die Entscheidung, als Horst Hrubesch mit dem 12. Schuss in diesem Shoot-Out der alles klärende Volltreffer gelang. "Ein Wahnsinnswechselbad auf allerhöchstem Niveau", so Karlheinz Förster.

Niersbach: "Highlight der gemeinsamen Länderspielgeschichte"

Für Gesprächsstoff wird reichlich gesorgt sein. Wie konnte sich die deutsche Mannschaft nach etlichen Schwächen in diesem Turnier zu einer solch imposanten Leistung aufschwingen? Weshalb schafften es die ungemein spielstarken Franzosen um ihr magisches Dreieck Platini, Giresse und Tigana nicht, den scheinbar so sicheren 3:1-Vorsprung über die letzten 20 Minuten der Verlängerung zu bringen? "Michel Platini, mit dem ich inzwischen seit langem befreundet bin, ist manchmal heute noch fassungslos, dass er mit seinen Franzosen dieses Spiel damals verloren hat", sagt Wolfgang Niersbach.

Legendäres Tor: Klaus Fischer trifft im WM-Halbfinale 1982 mit einem Fallrückzieher  © imago
Legendäres Tor: Klaus Fischer trifft im WM-Halbfinale 1982 mit einem Fallrückzieher

Wie gelang es Toni Schumacher, der nach einem schweren Foul an dem frei auf ihn zulaufenden Patrick Battiston von der 58. Minute an zum Buhmann in der mit 63.000 Zuschauern ausverkauften Arena von Sevilla geworden war, im Elfmeterschießen die Versuche von Didier Six und Maxime Bossis abzuwehren? Oder wie brachte Klaus Fischer seinen legendären Fallrückzieher zum 3:3-Ausgleich zustande? Wolfgang Niersbach: "Dieses packende WM-Halbfinale voller Leidenschaft und Emotionen ist wegen der kämpferischen Intensität und der hohen spielerischen Klasse sicherlich ein absolutes Highlight unserer gemeinsamen deutsch-französischen Länderspielgeschichte."

Welch hohen Stellenwert dieses WM-Halbfinale im internationalen Fußballgeschehen besitzt, brachte L'Equipe Ende der 90er-Jahre zum Ausdruck. In einer weltweiten Umfrage nach dem "Spiel des Jahrhunderts" unter 50 globalen Fußballikonen von Beckenbauer, Cruyff, Didi und Bobby Charlton über Eusebio, Gullit, Lineker, Lato, Maldini, Pele, Platini und Puskas bis hin zu Riva, Romario, van Basten, Weah, Zico und Zoff belegte dieses Spiel in einem Classement von 38 WM-Spielen den herausragenden vierten Platz. Hinter dem WM-Halbfinale 1970 Deutschland-Italien auf Rang eins sowie dem Finale 1970 Brasilien-Italien und dem WM-Gruppenspiel zwischen Italien und Brasilien 1982.

[wt]

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