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26.12.2012·08:30·Regionalliga

Leipzig: Das RB-Imperium schlägt zurück

Architekt bei RB Leipzig: Ralf Rangnick  © Bongarts/GettyImages
Architekt bei RB Leipzig: Ralf Rangnick

Schon seit längerer Zeit im Fußball und Eishockey, seit einigen Jahren in der Formel 1 mit dem dreifachen Weltmeister Sebastian Vettel sowie zuletzt durch den Sensationssprung des Extremsportlers Felix Baumgartner aus über 39 Kilometern Höhe: Der österreichische Getränkehersteller "Red Bull" um seinen Gründer und Chef Dietrich Mateschitz (68) macht seinem Leitspruch ("Red Bull verleiht Flügel") alle Ehre. Zu Höhenflügen setzt nun auch Nordost-Regionalligist RB Leipzig an, der als einzige von insgesamt 149 Mannschaften in den ersten vier deutschen Fußball-Ligen ungeschlagen ist und mit großen Schritten in Richtung 3. Liga marschiert. Wenn auch mit ein wenig "Verspätung".

Kurzer Rückblick: Im Mai 2009 war das milliardenschwere Unternehmen mit Hauptsitz in Fuschl am See (bei Salzburg) beim Klub aus der Sachsenmetropole (zuvor SSV Markranstädt) eingestiegen. Die Ziele von Marketing-Experte Mateschitz waren schon damals klar: Bundesliga, internationales Geschäft - und das alles so schnell wie möglich.

Auf dem Weg nach oben war die Regionalliga für die "Roten Bullen" als einjährige "Durchgangsstation" vorgesehen. Doch trotz hochkarätiger Verstärkungen wurde der angepeilte Drittliga-Aufstieg in den vergangenen beiden Spielzeiten mit den Trainern Tomas Oral und Peter Pacult jeweils verpasst.

Ziel ist die Bundesliga - 1899 Hoffenheim als Vorbild

Das Projekt "Profi-Fußball in Leipzig" geriet dadurch ins Stocken, der Tenor "Geld schießt keine Tore" wurde lauter. Doch das RB-Imperium schlug zurück. Mateschitz installierte Ralf Rangnick - knapp acht Monate nach dessen Rücktritt als Trainer beim Bundesligisten FC Schalke 04 wegen eines Erschöpfungs-Syndroms - als neuen Sportdirektor. Nach dem Vorbild seines Ex-Klubs 1899 Hoffenheim, den Rangnick von der Regionalliga bis zur Bundesliga-Herbstmeisterschaft geführt hatte, soll der "Professor" nun auch in Leipzig den Durchmarsch einleiten.

Dafür holte Ralf Rangnick einige ehemalige Weggefährten aus seiner Zeit in Hoffenheim und zuvor beim VfB Stuttgart mit ins Boot. Die Zahlen sprechen ein halbes Jahr später für sich: Elf Siege und drei Unentschieden ergeben 36 von 42 möglichen Punkten. "Wir stehen da, wo wir auch am Ende der Saison stehen wollen und müssen nicht das Haar in der Suppe suchen", sagt Rangnick im Gespräch mit DFB.de, sieht aber trotzdem noch "Luft nach oben".

Sportdirektor Rangnick: "Unbedingter Wille ist zu spüren"

RB dominiert die neue Liga und überwintert mit einem Vorsprung von sechs Zählern vor dem Tabellenzweiten FC Carl Zeiss Jena, der außerdem noch eine Partie mehr absolviert hat. Doch warum wirken die "Roten Bullen" nach zwei gescheiterten Anläufen nun gefestigter? Ralf Rangnick hat die Antwort: "Es ist in jedem Training und in jedem Spiel ganz deutlich zu spüren, dass die Mannschaft gemeinsam Erfolg haben und unbedingt aufsteigen will. Darüber hinaus ist die Handschrift unseres Trainers Alexander Zorniger klar erkennbar und auch die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen."

Zorniger war vor Saisonbeginn von der SG Sonnenhof Großaspach, ganz in der Nähe von Rangnicks Heimat Backnang gelegen, verpflichtet worden. In der vergangenen Saison hatte Zorniger die SGS in der damaligen Regionalliga Süd überraschend auf Platz zwei hinter Meister und Drittliga-Aufsteiger Stuttgarter Kickers geführt. "Der Trainer ist die wichtigste Person und hat ganz großen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der Mannschaft. Das Verhältnis zwischen Alexander Zorniger und der Mannschaft stimmt. Nicht zuletzt deshalb sind wir auf einem richtig guten Weg", sagt RB-Sportdirektor Rangnick über den 45-Jährigen, der unter anderem von Co-Trainer Tamás Bódog (früher Spieler unter Rangnick beim SSV Ulm 1846), Mentaltrainer Philipp Laux (FC Bayern München/zuvor 1899 Hoffenheim) und dem früheren Weltklasse-Stabhochspringer Tim Lobinger (Athletiktrainer) unterstützt wird.

Offensive Spielweise unter "Bullen-Torero" Zorniger

Bundesweit bekannt wurde Alexander Zorniger, als er die Ausbildung zum Fußball-Lehrer in der vergangenen Saison als Jahrgangsbester abgeschlossen hatte - unter anderem vor den ehemaligen Nationalspielern Stefan Effenberg oder Mehmet Scholl. Zorniger, der im Jahr 2009 Co-Trainer unter Markus Babbel beim VfB Stuttgart war, gilt - ähnlich wie Rangnick - als Verfechter des Offensivfußballs und legt großen Wert auf die Laufleistung jedes einzelnen Spielers sowie auf das schnelle Umschalten von Defensive auf Offensive.

Toptorschütze der "Roten Bullen": Daniel Frahn  © Bongarts/GettyImages
Toptorschütze der "Roten Bullen": Daniel Frahn

Bis zur Winterpause erzielte Leipzig um Torjäger Daniel Frahn (13 Treffer in 14 Partien) mit großem Abstand die meisten Tore der Liga (36) vor dem starken Aufsteiger FSV Zwickau (22). "Man kann sich darauf verlassen, dass wir in jedem Spiel ein Tor machen", so Zorniger.

Dafür hatten Trainer und Sportdirektor den mit Ex-Profis gespickten RB-Kader im Sommer nachträglich umgekrempelt. Routiniers wie Pekka Lagerblom oder Timo Rost mussten gehen. Dafür kamen mit dem technisch beschlagenen "Sechser" Dominik Kaiser (24/1899 Hoffenheim) oder Juri Judt (25/1. FC Nürnberg) hungrige Spieler, die in Nachwuchsleistungszentren von Bundesligisten ausgebildet wurden und nun Stammkräfte bei RB sind. "Wir haben einige personelle Veränderungen vorgenommen, die aus meiner Sicht unbedingt notwendig waren. All das benötigt aber noch Zeit, um sich zu entwickeln und zu wachsen", ist sich Rangnick sicher.

Umfeld schon auf Bundesliga ausgerichtet

Auch nach der starken Hinrunde sieht der Leipziger Sportdirektor den Sprung in die 3. Liga von allen angestrebten Aufstiegen nach wie vor am schwierigsten an. "Wir sind derzeit noch Viertligist. Von daher macht es keinen Sinn, sich über die Bundesliga und das internationale Geschäft Gedanken zu machen. Zunächst müssen wir den schwierigen ersten Schritt meistern und in die 3. Liga aufsteigen", sagt der "Professor" und verweist dabei auch auf die Relegationsspiele, die nach dem Saisonende ebenfalls noch erfolgreich zu bestreiten sind.

Das Umfeld und die Infrastruktur in der elftgrößten Stadt Deutschlands sind freilich längst auf Profifußball programmiert. So entstanden in den vergangenen Monaten vier Rasen- und zwei Kunstrasenplätze mit Flutlicht und Rasenheizung. Ein modernes Trainingszentrum mit Fußball-Internat für den Nachwuchs ist in Planung. Als Geschäftsführer wurde Ulrich Wolter verpflichtet. Der studierte Jurist war bei der Weltmeisterschaft 2006 als DFB-Beauftragter für den Standort in Leipzig tätig, wo die "Roten Bullen" ihre Heimspiele in der 44.345 Zuschauer fassenden WM-Arena austragen.

Allerdings kann Ralf Rangnick nicht bei jedem Heimspiel der Leipziger im Stadion sein. Der 54-Jährige ist schließlich auch für Österreichs Meister und Pokalsieger RB Salzburg verantwortlich. In der Liga belegt die Mannschaft des neuen Trainers Roger Schmidt, im Sommer vom SC Paderborn 07 gekommen, zur Winterpause den zweiten Platz. "Ich versuche immer, für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen zu planen, an welchem Standort ich wann sein werde. Das klappt ganz gut, wobei sich das bei tagesaktuellen Themen auch mal verschieben kann", sagt Rangnick.

Weltweite Standorte - Nachhaltigkeit im Konzept

Neben Deutschland und Österreich gehören auch die Fußball-Standorte USA (New York Red Bulls), São Paulo (Red Bull Brasil) und Ghana, wo der Getränkehersteller sogar mit einer eigenen Fußballschule vertreten ist, zum RB-Konzern. Vom Gesamtkonzept ist Ralf Rangnick überzeugt: "Gerade bei Sebastian Vettel in der Formel 1 ist das langfristige Engagement sichtbar. Das Team hat sich im Laufe der Jahre den Erfolg hart erarbeitet und steht verdient zum dritten Mal in Folge ganz oben. Das zeugt auch von Nachhaltigkeit. Für uns sind die Erfolge ein zusätzlicher Ansporn. Wir wollen mit unseren Mannschaften einen erfrischenden und erfolgreichen Fußball spielen und unsere Ziele verwirklichen."

Eine genaue Prognose, wann RB Leipzig im deutschen Oberhaus ankommen wird, möchte der ehemalige Bundesligatrainer (noch) nicht abgeben. "Dass RB Leipzig eines Tages in der Bundesliga spielen wird, davon bin ich überzeugt. Wann, weiß ich nicht", so Rangnick. Wenn es nach seinem Chef Dietrich Mateschitz geht, dessen Leidenschaft den Flugzeugen ("Red Bull Air Race") gehört, dann am liebsten in Überschallgeschwindigkeit.

[mspw]

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