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26.12.2012·09:00·Nationalmannschaft

DFB-Team: Brasilien im Blick

WM 2014 und Gastgeberland im Blick: Götze, Podolski und Khedira  © DFB
WM 2014 und Gastgeberland im Blick: Götze, Podolski und Khedira

Das Land ist bekannt: Brasilien. Die Stadt ist bekannt: Rio de Janeiro. Auch das Stadion: Maracanã. Und das Datum: 13. Juli 2014, WM-Finale. Doch der Weg ist weit, nicht nur geografisch. 2013 will sich die Nationalmannschaft für 2014 qualifizieren. Und weiter an der Perfektionierung ihres Spiels arbeiten.

Von wegen Brasilien ist noch nicht erreicht! Stimmt nicht, die Nationalmannschaft war schon da. Im November 2012, eineinhalb Jahre vor Beginn des Turniers. Angeführt von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, Assistenztrainer Hansi Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke hat eine Delegation des DFB eine Vorreise in das Land des fünfmaligen Weltmeisters und nächsten WM-Gastgebers unternommen. Es galt, mögliche Quartiere für das Team-Basecamp zu inspizieren und sich einen ersten Eindruck der Bedingungen vor Ort zu machen.

26.000 Kilometer in acht Tagen

In acht Tagen haben Bierhoff und Co. innerhalb Brasiliens mit Bus, Hubschrauber und Flugzeug eine Reisestrecke von 26.000 Kilometern zurückgelegt und von Salvador da Bahia bis Porto Alegre sechs Städte und Regionen besichtigt, Leguane und Wildpferde inklusive. "Wir haben das Land bereist, von Norden nach Süden und von Osten nach Westen", sagt Andreas Köpke. "So haben wir uns einen guten Überblick verschaffen können. Wir werden die Eindrücke jetzt sacken lassen, um in Ruhe und gemeinsam mit Joachim Löw die richtige Entscheidung treffen zu können, in welcher Region wir bei der WM 2014 sein wollen."

Und, nein, es zeugt nicht von Überheblichkeit, sich früh und ohne bereits erfolgte Qualifikation um perfekte Bedingungen bei der Endrunde zu kümmern – es ist schlichte Notwendigkeit. Wer zu spät kommt, wohnt schlecht, wer schlecht wohnt, hat einen Nachteil. Dieser Prolog läuft vor jedem Turnier: Wer bekommt das beste Quartier? "Man kann es sich nicht mehr erlauben, erst ein halbes Jahr vor Beginn des Turniers sein Team-Basecamp zu wählen", sagt Bierhoff. Auch andere Nationalverbände schlafen schließlich nicht. Bierhoff zieht ein positives Fazit der ersten Reise nach Südamerika: "Wir haben uns viele Hotels angeschaut und Brasilien ein wenig besser kennengelernt. Wir kommen mit guten Erkenntnissen zurück."

Ticket noch nicht gelöst

Natürlich weiß auch er, dass das Team das Ticket für Brasilien noch nicht gebucht hat. Aber wie der Bundestrainer hat der Manager keinen Zweifel am Erreichen dieses Ziels. Die sportlichen Erkenntnisse des vergangenen Jahres haben ihn in seinem Vertrauen in die Fähigkeiten der Mannschaft bestärkt, denn diese Mannschaft entwickelt sich. 2012 war ein torreiches Jahr, ein lehrreiches Jahr, ein Jahr, in dem sich Philipp Lahm und Kollegen weltweit weiter Respekt erworben haben. Aber auch ein Jahr, in dem es Enttäuschungen gab. Doch 2012 war nicht nur das EM-Halbfinale gegen Italien. Das Fußball-Gütesiegel "Made in Germany" hat seinen Glanz nicht verloren.

Als Beleg dient ein Wechsel der Perspektive. Es schätzt ein: Zlatan Ibrahimovic, eine der schillerndsten Figuren des Fußballs. Vier Tore hatte seine Mannschaft binnen 28 Minuten erzielt, in Berlin, gegen Deutschland. Er hatte in der 62. Minute den Torreigen eröffnet. Im Olympiastadion hatte die schwedische Nationalmannschaft den Zuschauern eine spektakuläre Show geboten. Der Superstar des Teams war entsprechend euphorisch. "Heute haben wir den Weltmeister von 2014 gesehen", sagte Ibrahimovic. Kein Wunder, wer den deutschen Torhüter in dieser Taktung bezwingt, darf selbstbewusst sein. Der Haken aus Sicht der Skandinavier: Der Schwede hat nicht Schweden gemeint.

Erfreuliche Bilanz 2012 trotz vier Niederlagen

Zahlen lügen nicht, dennoch verzerrt die Bilanz 2012 das eigentlich erfreuliche Bild ein wenig. 14 Länderspiele hat die deutsche Auswahl in den vergangenen zwölf Monaten absolviert, davon wurden acht gewonnen, zweimal stand nach 90 Minuten ein Remis. Es gab aber auch vier Niederlagen: gleich zum Auftakt im Februar in Bremen gegen Frankreich, dann im Rahmen der EM-Vorbereitung gegen die Schweiz, schließlich das viel diskutierte EM-Halbfinale gegen Italien und Spiel eins nach der EURO in Frankfurt am Main gegen Argentinien.

Löw mag diese Perspektive nicht, den Blick zurück. Nicht mehr. Was war, ist abgehakt. Die 90 Minuten gegen Italien hat der Bundestrainer gemeinsam mit Hansi Flick, Andreas Köpke und Oliver Bierhoff analysiert. Dass die Sportliche Leitung die richtigen Schlüsse gezogen hat, zeigt der Blick in die WM-Qualifikation, in der das DFB-Team die Tabelle der Gruppe C mit zehn Punkten vor Schweden (sieben) anführt und mehrfach sein großes Potenzial in der Offensive demonstriert hat. So wie beim 6:1 gegen Irland, so wie bei den vier Toren in den ersten 60 Minuten gegen Schweden.

Viel Applaus für die DFB-Elf

Der Fußball der deutschen Nationalmannschaft hat international viel Applaus bekommen. Die offensive, attraktive Spielweise des Teams, ebenso die herausragenden individuellen Fähigkeiten seiner Spieler. Wenn die FIFA am 7. Januar 2013 in Zürich ihre Weltauswahl benennt, dürfen sich einige deutsche Nationalspieler Hoffnungen machen: Manuel Neuer, Philipp Lahm, Mats Hummels, Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez. Sechs Auswahlspieler des DFB wurden vom Weltverband nominiert – so viele wie noch nie.

Eines hat 2012 auch gezeigt: Das Team ist fähig, in kurzer Zeit zu lernen. Nach den vier Gegentoren gegen Schweden war das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft als Problem erkannt. Im darauffolgenden Spiel stand die "Null", in Amsterdam gegen die Niederlande. "Ich bin zufrieden mit der Entwicklung meiner Mannschaft", sagt Löw. "Wir haben wieder einen Schritt nach vorne gemacht."

Erster Prüfstein Frankreich

Auf ein Neues, auf ins Jahr 2013. Das neue Jahr beginnt für die Nationalmannschaft wie das alte: mit einem Länderspiel gegen Frankreich. Am 6. Februar spielt das Team von Bundestrainer Joachim Löw in Paris. Deutschland gegen Frankreich, ein Klassiker des Fußballs. Philipp Lahm trifft auf Franck Ribéry, Sami Khedira auf Karim Benzema, Lukas Podolski auf Laurent Koscielny. Weltklasse auf der einen Seite, Weltklasse auf der anderen. Das Spiel gegen die Équipe Tricolore ist eine frühe Gelegenheit, Nationalspieler im Trikot der Nationalmannschaft agieren zu sehen.

Im Trikot ihrer Vereine wird es im Frühjahr 2013 dazu häufig kommen. Eines ist sicher: So viel Nationalmannschaft war zu Beginn eines neuen Jahres selten. Denn: So viel deutscher Fußball war nach dem Jahreswechsel selten international vertreten. Dortmund, Bayern und Schalke haben in der Gruppenphase der Champions League geglänzt und ihre Gruppen gewonnen. Dreimal Platz eins für die deutschen Vertreter – das gab es noch nie. Ähnlich erfreulich ist das Abschneiden in der Europa League. Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, Hannover 96 und der VfB Stuttgart sind allesamt weiter europäisch vertreten. Und für fast alle gilt: nicht ohne deutsche Nationalspieler! Hinzu kommen die Erfolge der Legionäre. Als Regel kann gelten: Wer einen Spieler aus dem Team von Joachim Löw in seinem Kader hat, überwintert europäisch, Lazio Rom genauso wie Real Madrid oder der FC Arsenal.

Der deutsche Klubfußball profitiert von den deutschen Nationalspielern, umgekehrt gilt dies auch. Für Joachim Löw haben die europäischen Erfolge der Bundesliga-Vereine gleich zwei Vorteile: Seine Spieler sammeln internationale Erfahrung, einerseits. Andererseits lernen sie mit der Doppelbelastung umzugehen und erwerben damit die Wettkampfhärte für die Spielzeiten, an deren Ende ein großes Turnier mit der Nationalmannschaft ansteht.

Jahr ohne großes Turnier

Das Jahr 2013 ist ein Jahr ohne großes Turnier. Für die Nationalmannschaft gilt es zunächst, die Qualifikation für ein großes Turnier sicherzustellen. Zum ersten Mal ernst wird es Ende März, wenn das DFB-Team im Rahmen der WM-Qualifikation zunächst in Astana (22. März) und danach in Nürnberg (26. März) gegen Kasachstan antritt. Im September folgen die Qualifikationsspiele in München gegen Österreich (6. September) und auf den Färöer (10. September), bevor die Qualifikation im Oktober abgeschlossen wird. Am 11. Oktober in Köln gegen Irland; das Finale, das kein Endspiel werden soll, steigt am 15. Oktober in Solna gegen Schweden. "Wir wollen natürlich vermeiden, dass wir dann noch unter Druck stehen", sagt Löw. Aber selbst wenn, ihm wäre nicht bange. Seine Mannschaft hat oft genug bewiesen, dass sie mit der Aufgabe wachsen kann. "Ich habe absolutes Vertrauen in meine Spieler", sagt Löw.

Gerüst gefunden: Bundestrainer Löw  © Bongarts/GettyImages
Gerüst gefunden: Bundestrainer Löw

Das Jahr 2012 hat auch gezeigt, dass die Tür in beide Richtungen offen ist. Spieler wie die Hamburger Heiko Westermann und René Adler haben nach längerer Abstinenz den Weg zurück in den Kader gefunden, mit Roman Neustädter von Schalke 04 und Sebastian Jung von Eintracht Franfurt waren gegen die Niederlande zwei frische Gesichter erstmals im Kreis der Mannschaft. Diese Entwicklung wird weitergehen. Löw hat sein Gerüst gefunden, die Nationalmannschaft ihren Spielstil. Offensiv, kreativ, spielstark. Und doch ist die Entwicklung des Teams noch nicht abgeschlossen. "Natürlich können und müssen wir uns noch verbessern. Wir müssen taktisch noch flexibler sein und an den Automatismen in unserem Spiel feilen", sagt Löw.

Dazu dient auch die Reise nach Amerika. Das DFB-Team wird Ende Mai in die USA fliegen und dort zwei Testspiele bestreiten. "Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass solch eine Reise für die Entwicklung einer Mannschaft sinnvoll ist", sagt Bierhoff. Die Reise nach Nordamerika steht also bereits unter dem Zeichen der Mission 2014 – die sich erfüllen soll, wenn es ein Jahr später nach Südamerika geht.

[sl]

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