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13.12.2012·09:00·Junioren-Bundesliga

Pellegrino Matarazzo: "Ich habe das Abenteuer gesucht"

Matarazzo: "Bin überrascht, wie gut alles funktioniert"  © 1. FC Nürnberg
Matarazzo: "Bin überrascht, wie gut alles funktioniert"

Ein studierter Mathematiker, der Gitarre und Schach spielt, kommt als Trainer einer Fußballmannschaft eher selten vor. Pellegrino Matarazzo, U 17-Trainer des 1. FC Nürnberg, ist erst 35 Jahre alt. Er war vor gut zwölf Jahren für eine Sportlerkarriere allein und ohne Sprachkenntnisse aus den USA ausgewandert und brachte es in Deutschland immerhin auf 142 Regionalliga-Partien für den SV Wehen Wiesbaden, den SC Preußen Münster, die SG Wattenscheid 09 und den 1. FC Nürnberg II.

Beim "Club" blieb der US-Boy mit italienischen Wurzeln auch nach seiner aktiven Laufbahn hängen und füllt bei der Nürnberger U 17 die großen Fußstapfen seines Vorgängers Tobias Zölle, der den FCN in der vergangenen Saison zur Süd/Südwest-Staffelmeisterschaft geführt hatte und jetzt die U 19 trainiert, bisher voll aus. Matarazzos Bilanz ist eindrucksvoll: In allen neun Partien ungeschlagen, davon acht Siege und eine Torbilanz von 20:4.

Im DFB.de-Interview spricht Pellegrino Matarazzo mit dem Journalisten Daniel Sobolewski über die Gründe des Nürnberger Erfolges, seine Arbeit als Jugendtrainer und den Weg eines amerikanischen Auswanderers.

DFB.de: Herr Matarazzo, hätten Sie gedacht, dass es sportlich nach Ihrer Beförderung zum U 17-Trainer beim 1. FC Nürnberg so reibungslos läuft?

Pellegrino Matarazzo: Es war schwer einzuschätzen. B-Jugendliche sind wesentlich unberechenbarer als Spieler der U 23, bei der ich zuvor vier Jahre als Co-Trainer tätig war. Ich bin positiv überrascht, wie gut alles bisher funktioniert.

DFB.de: Sie sind mit dem FCN auf dem besten Weg, den Staffelmeister-Titel in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest zu verteidigen. Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Matarazzo: Wir verfügen über ein paar außergewöhnliche Talente. Das Herausragende an unserem Team sind aber die mannschaftliche Geschlossenheit und die Lernfähigkeit meiner Spieler.

DFB.de: Wie halten Sie Ihre Spieler auf dem Teppich, obwohl sie fast jedes Spiel gewinnen?

Matarazzo: Man muss viel mit den Jungs reden. Ich betone immer wieder, dass wir nicht auf die Tabelle, sondern nur auf unsere Entwicklung schauen. Erst wenn es auf das Saisonende zugeht, ist eine Tabellenführung interessant.

DFB.de: Was war die wichtigste Lektion in Ihrer aktiven Laufbahn, die Sie jetzt ihren Spielern vermitteln?

Matarazzo: Ich will die Tugenden, die auch mich als Spieler ausgezeichnet hatten und die ich als elementar ansehe, meinen Spielern vermitteln. Sie sollen mit demselben Ehrgeiz wie ich arbeiten. Sie sollen die Leidenschaft und vor allem den Willen zeigen, sich stetig zu verbessern. Fehler sind erlaubt. Die Reaktion darauf muss aber stimmen.

DFB.de: Wie kam es zum plötzlichen Wechsel von der U 23 zur U 17?

Matarazzo: Mein Vorgänger Tobias Zölle bekam nach dem Weggang von René van Eck zu Alemannia Aachen die Chance, die A-Junioren zu trainieren. Ich hatte vorher bereits einige Male durchklingen lassen, dass ich mir einen Cheftrainer-Posten sehr gut vorstellen könnte. Als Rainer Zietsch, der Leiter unseres Nachwuchsleistungszentrums, auf mich zukam, musste ich nicht lange überlegen.

DFB.de: Sie sind gleichzeitig auch so genannter "Übergangskoordinator". Was bedeutet das?

Matarazzo: Ich bin durch diese Tätigkeit für die individuelle Förderung der größten Talente in der U 19 und der U 23 verantwortlich. Wir tun alles dafür, dass die Spieler die bestmögliche Chance haben, den Sprung zu den Profis zu schaffen.

DFB.de: Wie sehr hilft Ihnen diese Erfahrung heute als U 17-Trainer?

Matarazzo: Ich habe viel über individuelle Förderung gelernt und versuche, es auf jeden einzelnen Spieler anzuwenden. Wir führen für jeden eine detaillierte Stärken-Schwächen-Analyse durch und wir betreiben wöchentliches individuelles Fördertraining.

DFB.de: Was hatte Sie damals nach Deutschland verschlagen?

Matarazzo: Nachdem ich in den USA an der Columbia University mein Studium abgeschlossen hatte, wollte ich keinen Bürojob und habe das Abenteuer gesucht. Deshalb habe ich meine Familie zurückgelassen, bin alleine und ohne Deutsch-Kenntnisse hierher gekommen, um Fußballprofi zu werden. Hier habe ich mein berufliches und privates Glück gefunden. Ich habe meine Frau Daniela kennengelernt, mit der ich jetzt einen dreijährigen Sohn habe. Er heißt Leopoldo.

DFB.de: Hilft Ihnen Ihr Abschluss in Mathematik in Ihrem heutigen Beruf weiter?

Matarazzo: Mein jetziger Beruf hat wenig mit Zahlen zu tun, aber ich glaube, dass mir dadurch logisches Denken und Strukturieren leichter fällt. Möglicherweise habe ich an der Columbia das akribische Arbeiten gelernt.

DFB.de: Warum gingen Sie zunächst ausgerechnet nach Bad Kreuznach?

Matarazzo: Italien, Deutschland und England kamen für mich damals in Frage. In New York besuchte mich ein Vertreter von Eintracht Bad Kreuznach, der mich spielen gesehen hatte. Er bot mir an, in der damals vierten deutschen Liga den Versuch einer Profikarriere zu starten.

Einsatz im Dress der SG Wattenschied: Matarazzo (r.)  © Bongarts/GettyImages
Einsatz im Dress der SG Wattenschied: Matarazzo (r.)

DFB.de: Was ist der größte Unterschied zwischen dem Fußball in den USA und in Deutschland?

Matarazzo: Der Unterschied zwischen der deutschen und amerikanischen Kultur zeigt sich auch im Fußball. Die deutsche Mentalität ist hier tief verankert und so gibt es auch auf dem Platz einen 'deutschen Stil'. In den USA treffen so viele unterschiedliche Kulturen aufeinander. Deshalb gibt es auch beim Fußball noch keinen typisch amerikanischen Stil.

DFB.de: Woher kommt Ihr italienischer Name?

Matarazzo: Meine italienischen Großeltern, die aus der Nähe von Neapel stammen, waren in die USA ausgewandert, weil es dort Arbeit gab. In der großen italo-amerikanischen Gemeinschaft lernten sich meine Eltern kennen.

DFB.de: Pellegrino heißt auf Deutsch 'Pilger'. Passt das zu Ihnen?

Matarazzo: Ein Pilger hat zwar eher einen religiösen Hintergrund. Trotzdem kann man es vergleichen. Ich bin gepilgert, um meinen Lebensweg zu finden und meine Ziele zu verfolgen.

DFB.de: Was sind Ihre Hobbys außerhalb des Fußballs?

Matarazzo: Ich höre gerne Musik, spiele ab und zu Gitarre und Schach. Aber dafür bleibt momentan leider nicht viel Zeit.

DFB.de: Wie sehr juckt es Sie, mit 35 Jahren noch selbst mitzuspielen?

Matarazzo: Auch nach drei Operationen wegen Knorpelschäden im Knie immer noch sehr. Das wird aber dadurch besänftigt, dass ich durch meinen Job auch so jeden Tag auf dem Rasen stehe. Trotzdem fehlen mir die 90 Minuten auf dem Platz, in denen man sich komplett verausgaben und jedes Mal neu entdecken kann.

[mspw]

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