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05.12.2012·13:00·Nachhaltigkeit

"Danke ans Ehrenamt": Die Spielmacher im Hintergrund

Auch die Bundesliga sagt "Danke" an die Ehrenamtler  © Bongarts/GettyImages
Auch die Bundesliga sagt "Danke" an die Ehrenamtler

Am vergangenen Wochenende haben DFB und DFL mit einem "Danke ans Ehrenamt" in den Topligen den ehrenamtlichen Einsatz an der Basis gewürdigt. Die Aktion wird jetzt, am 16. Spieltag der Bundesliga, fortgesetzt. Neben den 36 Bundesligisten sind wieder die 3. Liga und die Bundesliga der Frauen dabei – alle überbringen sie ihren Dank auf Bannern, über die Videowände, in den Magazinen und mittels Stadiondurchsagen.

Die Aktion umrahmt den heutigen "Internationalen Tag des Ehrenamtes", der jährlich am 5. Dezember als Gedenk- und Aktionstag zur Förderung ehrenamtlichen Engagements abgehalten wird. Er wurde durch die Vereinten Nationen 1986 eingeführt.

Niersbach: "Ihr Einsatz ist keine Selbstverständlichkeit"

Ölgemälde der 52 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs hingen dort über ihren Köpfen. Tragende Personen, gewiss, sicher oft große Persönlichkeiten, auf alle Fälle Menschen mit einer wichtigen gesellschaftlichen Rolle – wer wollte, konnte Parallelen ziehen zwischen den gekrönten Häuptern, die an der Wand hingen, und den versammelten 100 Frauen und Männern. Die Auszeichnung der im Fußball tätigen Ehrenamtler fand 2012 im Frankfurter Kaisersaal statt. Wolfgang Niersbach ehrte an diesem Augusttag 100 Frauen und Männer aus ganz Deutschland, sie alle exemplarisch für 1,7 Millionen Menschen.

"Ihr Einsatz ist keine Selbstverständlichkeit", sagte der DFB-Präsident und sprach anschließend über die Aufgabe des Verbandes: "Der DFB denkt nicht nur an die Spitze. Es gibt das klare Bekenntnis für die gesamte Bewegung Fußball – und das sind 26.000 Vereine und 80.000 Spiele pro Wochenende." Sportdirektor Robin Dutt bedankte sich dort im Frankfurter Römer, auch die Weltmeister Bernd Hölzenbein und Andreas Möller sagten ganz persönlich "Gut gemacht". Anschließend lud der DFB alle Mitglieder des "Club 100" zum Länderspiel gegen Argentinien ein, danach zum späten Dinner in ein Frankfurter Hotel.

Zurecht lässt sich der Verband die Ehrung der Ehrenamtler ein paar Euro kosten, und dass nicht nur, weil sie den Laden am laufen halten, den Ball ins Rollen bringen. 40 Prozent der Befragten einer Umfrage fiel zum Stichwort "Amateurfußball" als erstes das Ehrenamt ein. Der Platz nicht gekreidet, die Trikots schmutzig, die Vereinsbuchhaltung chaotisch, das Klubhaus nie gebaut – so wäre der Fußball, wenn es sie nicht gäbe. Wichtiger noch: Das Ehrenamt selbst transportiert einen Wert.

Keine Sportorganisation bewegt mehr Menschen als der Deutsche Fußball-Bund, mit seinen 6,7 Millionen Mitgliedern und fast 180.000 Mannschaften. Ganz klar, hinter den Zahlen steckt jede Menge Arbeit. In Deutschlands Fußballvereinen bekleiden 385.000 Menschen eine ehrenamtliche Position, dazu halten weitere 1,3 Millionen Menschen als Helfer und Helferinnen den Spielbetrieb am Laufen. Ohne sie ginge nichts. Die addierte Arbeitsleistung entspricht einer Wertschöpfung von 1,8 Milliarden Euro.

Joachim Löw: "Die Spielmacher im Hintergrund darf man nie vergessen"  © Bongarts/GettyImages
Joachim Löw: "Die Spielmacher im Hintergrund darf man nie vergessen"

Auch Bundestrainer Löw sagt "Danke"

Bekanntlich gibt es in Deutschland mehrere Millionen Bundestrainer, ob uns das wirklich weiterbringt? Aber es gibt eben auch Hunderttausende, die aktiv anpacken, und weil Joachim Löw weiß, dass die Spitze nur scharf wird, wenn Talente an der Basis geschmiedet werden, sagt auch er "Dankeschön". "Die Spieler, die später einmal in der Nationalmannschaft im internationalen Rampenlicht stehen, beginnen als Kinder mit dem Fußball in Vereinen, in denen ausschließlich Ehrenamtliche die Verantwortung tragen. Gerade diese 'Spielmacher im Hintergrund' darf man nie vergessen: Ohne sie hätten auch wir in der Nationalmannschaft letztlich keinen Erfolg", so der Bundestrainer.

Der "Tag des Ehrenamtes" und die Aktionen in den Stadien stehen im Schatten dieser unbegreiflichen Tat in den Niederlanden. Der KNVB hat den kompletten Spielbetrieb abgesagt. Mehr als 32.000 Spiele werden an diesem Wochenende in den Niederlanden nicht angepfiffen. Die Plätze bleiben leer – man will zurecht innehalten. Doch der Fußball darf den Schlägen und Tritten nicht weichen und die Tat von Almere ist sicher kein Rückschlag für das Ehrenamt oder das Schiedsrichterwesen. Denn beides schafft Gemeinsamkeit, ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und vermittelt Werte wie Fairplay und Teamgeist – und ist damit eine wichtige gesellschaftliche Präventivkraft.

Das Ehrenamt befindet sich im Wandel

Dabei ist auch das Ehrenamt im Wandel. Ein munteres "Weiter so" greift zu kurz. Dem Sport in Deutschland insgesamt ist zwischen 2004 und 2009 die Mitarbeit von rund 650.000 Ehrenamtlern verloren gegangen. 1999 engagierte sich in der Altersgruppe der 30 bis 39-Jährigen noch jeder Vierte ehrenamtlich. Heute ist es noch jeder Zehnte. Gut, wenn Verbände und Vereine verstehen, dass ein neues Ehrenamt gefördert und gepflegt werden muss. Früher, das war eine dauerhafte Bindung (an den Verein, an eine Mannschaft), heute bevorzugen potenzielle Ehrenamtler ein zeitlich befristetes und pragmatisch ausgewähltes Engagement. Früher handelten Ehrenamtler ungeschult und selbstlos, manche opferten sich schier auf, heute wird vom Ehrenamt durchaus Persönlichkeitsschulung, Kompetenzerweiterung und Semi-Professionalität erwartet.

Und gut ist auch, dass das Bundeskabinett im Oktober den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Gemeinnützigkeit beschlossen und damit steuerrechtliche Pauschalen angehoben hat. Übungsleiter können künftig jährlich bis zu 2400 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei verdienen. Aber auch andere ehrenamtlich Tätige wie etwa Platzwarte werden durch eine erhöhte Ehrenamtspauschale begünstigt. Denn lobende Worte sind wichtig, zählbare Anerkennung eben auch.

Und ausgewählte 100 Ehrenamtler werden 2013 wieder vom DFB zu einem Länderspiel eingeladen. Am 6. September empfängt Deutschland den Nachbarn Österreich in München zum WM-Qualifikationsspiel. Marienplatz und Glockenspiel – das wäre doch auch eine schöne Kulisse für die Ehrung der "Spielmacher im Hintergrund".

[th]

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