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Borchers: "Wir stehen noch am Anfang"
Ronald Borchers spielte 215-mal in der Bundesliga, die meisten Partien absolvierte er für Eintracht Frankfurt. Mit der Eintracht gewann er 1980 den UEFA-Cup und ein Jahr später den DFB-Pokal.
Seit September 2010 trainiert der sechsmalige Nationalspieler Wormatia Worms. Vor dem Start der Regionalliga Südwest am Freitag spricht der 54 Jahre alte Borchers im DFB.de-Interview mit Mitarbeiter Sebastian Schlichting über die Entwicklung bei der Wormatia, den Spagat zwischen Trainerjob und Werbeagentur sowie erstaunte Blicke seines Sohnes.
DFB.de: Herr Borchers, Platz vier in der abgelaufenen Saison, dazu den Südwest-Pokal gewonnen. Träumen die ersten in Worms schon vom Aufstieg?
Ronald Borchers: Mir ist es lieber, die Fans freuen sich auf einen Platz in der Spitzengruppe, als wenn sie vor dem Abstieg zittern. Wir sprechen hier natürlich nicht vom Aufstieg, doch es gibt schon Dinge, die uns in unserer Arbeit bestätigen.
DFB.de: Nennen Sie uns bitte ein Beispiel!
Borchers: In den Jugendmannschaften in Worms, in der U 10, U 12 oder U 14 tragen die Kinder wieder Wormatia-Trikots. Aber insgesamt stehen wir noch am Anfang. Die Entwicklung muss Schritt für Schritt gehen. Es ist schon ein großer Fortschritt, dass wir jetzt immer einen Physiotherapeuten beim Training haben. Als ich hier vor 21 Monaten angefangen habe, konnten verletzte Spieler nicht gleich behandelt werden.
DFB.de: Sie sprechen von einer schrittweisen Entwicklung. Wo soll diese hinführen?
Borchers: Wir wollen Richtung 3. Liga, das ist auch die Vorgabe des Präsidiums. Aber das geht nicht von jetzt auf gleich. In Sachen Infrastruktur müssen wir noch einiges tun. Oder nehmen Sie unser Testspiel am Wochenende gegen Fortuna Köln…
DFB.de: … das 0:1 verloren ging.
Borchers: Die Fortuna hatte elf Mann auf der Bank und sechs auf der Tribüne. Ein 28-Mann-Kader. Wir haben zurzeit 16 Spieler und zwei Nachwuchsakteure.
DFB.de: Sind Sie neidisch auf die Bedingungen mancher Konkurrenten?
Borchers: Nein, ich weiß doch, wo ich unterschrieben habe. Wir haben auch für sehr gute Ergebnisse gesorgt. Platz vier in der vergangenen Saison war für uns überragend. Das zu wiederholen, wird richtig schwer. Wenn wir nach Mainz oder Kaiserslautern gucken, tun wir das mit großer Hochachtung. Wir freuen uns, dass wir gegen diese Klubs spielen, auch wenn es die zweiten Mannschaften sind. Wobei bei unseren Fans eher die Vorfreude auf Gegner wie Eintracht Trier da ist.
DFB.de: Wie bewerten Sie die neue Regionalliga?
Borchers: Als äußerst attraktiv durch die vielen Spiele gegen Mannschaften aus der näheren oder etwas weiteren Umgebung.
DFB.de: Sie sind Chef einer Werbeagentur. Wie lässt sich das mit dem zeitlich aufwändigen Job eines Regionalliga-Trainers vereinbaren?
Borchers: Es ist ja eine ganz kleine Agentur, da wollen wir mal nicht übertreiben. (lacht) Und ich habe Glück, dass mir meine beiden Mitarbeiterinnen viel Arbeit abnehmen. Außerdem habe ich mein Büro zu Hause. Ich falle quasi aus der Haustür direkt rein.
DFB.de: Aber jetzt erwischen wir Sie gerade auf der Autobahn.
Borchers: Ja, ein Tag in der Woche ist bei uns trainingsfrei, da lege ich immer meine beruflichen Termine hin. Daher kenne ich die A3 inzwischen ganz gut.
DFB.de: Sie haben von 1976 insgesamt 215-mal in der Bundesliga gespielt, waren Nationalspieler. Was sind die größten Unterschiede im Fußballgeschäft zwischen 2012 und den späten 70ern?
Borchers: Heute muss man schon in der Regionalliga viel mehr auf seinen Körper achten, um mithalten zu können. Dass sich da jemand im Urlaub auf die faule Haut legt oder bei einer Verletzung sagt: "Ich mache mal zehn Tage nichts, dann geht es wieder", das ist heute nicht mehr möglich. Aber natürlich sind auch die Behandlungsmöglichkeiten und das ganze Drumherum besser als früher. Eine andere Sache ist die Präsenz im TV, die Köpfe sind viel bekannter. Früher konnte man in Ruhe in der Lokalität an der Ecke ein Bier trinken. Das ist heute problematischer.
DFB.de: Ihnen eilte früher der Ruf voraus, auch das Leben abseits des Platzes zu genießen.
Borchers: Ach wissen Sie, wenn heute einer 18 ist, geht er auch mal was trinken. Wir sind früher auch losgezogen, zumeist nach den Spielen, mit dem Großteil der Mannschaft. Bei mir war es halt so, dass ich recht früh Erfolg hatte und schon mit 20 in der Nationalmannschaft gespielt habe. Da hat die Presse dann genauer hingeschaut.
DFB.de: Sie hatten schnell den Spitznamen "Disco-Ronny" weg...
Borchers: Klar, ich bin auch in Diskotheken gegangen. So wie andere auch. Als mein Sohn, der heute 26 ist, diesen Spitznamen zum ersten Mal gehört hat, musste er schmunzeln. Er hat mich oft gefragt: "Wie geht denn so was?" Er kann sich mich nur schwer als "Disco-Ronny" vorstellen.
DFB.de: Die meisten Ihrer heutigen Spieler sind im Alter Ihres Sohnes oder jünger. Kennen die noch den Nationalspieler Ronny Borchers?
Borchers: Das sind dann eher die Eltern oder Großeltern.
DFB.de: Na, so alt sind Sie nun auch noch nicht.
Borchers: Okay, dann bleiben wir bei den Eltern, Onkels oder Tanten. Für meine Spieler bin ich nicht der ehemalige Profi, und das soll auch so sein.


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