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Im Blickpunkt: Italienisches Genie trifft spanische Klasse
Holt der vierfache Weltmeister seinen zweiten EM-Titel? Oder zieht der Titelverteidiger mit Rekordeuropameister Deutschland gleich? Heute (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) greifen Italien und Spanien nach der europäischen Fußballkrone. DFB.de blickt auf das große Finale.
Bilanz:
Italien gegen Spanien – das war bei Turnieren immer eine enge Angelegenheit, ob beim 1:1 in der Vorrunde der laufenden EURO oder schon 1934. Damals trennten sich beide Teams in Florenz im WM-Viertelfinale 1:1. Im Wiederholungsspiel einen Tag später setzten sich die Italiener an gleicher Stelle durch ein Tor von Giuseppe Meazza mit 1:0 durch und holten anschließend den Titel.
46 Jahre später war EM in Italien, und wieder hieß einer der Gegner Spanien. Die Begegnung in der Vorrunde endete 0:0. Bei der EM 1988 in Deutschland hatten wieder die Italiener das bessere Ende, Viallis Treffer bescherte im Frankfurter Waldstadion einen 1:0-Vorrundenerfolg. Bei der WM 1994 war es ein Doppelpack von Roberto Baggio, der für lange Gesichter im spanischen Lager und das 1:2-Aus im Viertelfinale sorgte. Erst 2008 durften die Iberer jubeln, wieder ein Viertelfinale, diesmal eine Europameisterschaft. Der Sieg im Elfmeterschießen (4:2, 0:0) ermöglichte es der Mannschaft um Torwart Iker Casillas, wenige Tage später im Endspiel gegen Deutschland (1:0) einen Schlussstrich unter 44 titellose Jahre zu ziehen.
Seit der WM 2006 sind die Spanier mit Ausnahme der Niederlage bei der WM 2010 gegen die Schweiz in Turnierspielen ungeschlagen, trotzdem ist Vorsicht geboten. In regulärer Spielzeit haben sie Italien bei Welt- und Europameisterschaften noch nie geschlagen. In der Gesamtbilanz aller Länderspielduelle stehen zehn italienische Siege, acht spanische Erfolge und zwölf Unentschieden zu Buche.
Für Spanien ist es die vierte EM-Finalteilnahme. Gegen die UdSSR (2:1, 1964) und Deutschland (1:0, 2008) gab es ein Happy End, 1984 in Frankreich gegen den Gastgeber um Michel Platini eine 0:2-Niederlage. Italien steht zum dritten Mal im Endspiel. 1968 bezwang die Squadra Azzurra Jugoslawien im Wiederholungsspiel mit 2:0, weil die erste Partie 1:1 geendet hatte und das Elfmeterschießen noch nicht eingeführt war. 2000 unterlagen Paolo Maldini, Alessandro Nesta, Francesco Totti und Kollegen den Franzosen unglücklich mit 1:2. Sylvain Wiltord hatte die italienische Führung von Marco Delvecchio in der Schlussminute egalisiert, David Trezeguet versetzte dem angeschlagenen Gegner in der Verlängerung per Golden Goal den Knock-out.
Turnierverlauf:
Die Eindrücke aus dem ersten Spiel der Gruppe C lassen auf ein attraktives Finale hoffen. Das 1:1 zwischen den Spaniern und Italienern war eine der hochklassigsten, spannendsten und abwechslungsreichsten Partien dieser EURO. Der eingewechselte Antonio di Natale hatte Italien in Front gebracht, Cesc Fabregas glich aus. Spanien hat seitdem keinen Treffer mehr kassiert, weder in der Gruppe gegen Irland (4:0) und Kroatien (1:0) noch in den K.o.-Spielen gegen Frankreich (2:0) und Portugal (0:0, 4:2 nach Elfmeterschießen). Auch Italien benötigte einmal das Elfmeterschießen, im Viertelfinale gegen England. Das überzeugende 2:1 im Halbfinale zementierte anschließend die aus DFB-Sicht unerfreuliche Tradition deutsch-italienischer Turnierbegegnungen.
Personal:
Nach der flachen Vier nun also die falsche Neun. Spaniens taktische Spielereien haben einen neuen Begriff im Fußballgedächtnis verankert. Welche Entscheidung trifft Trainer Vicente del Bosque im Finale: Echter Stürmer oder verkappter Stürmer? Torres? Negredo? Oder Fabregas? Der Rest ist bekannt: Iker Casillas im Tor, Sergio Ramos und Piqué in der Innenverteidigung, dazu links der aufstrebende Jordi Alba, der nach der EM vom FC Valencia zum FC Barcelona wechselt. Im Mittelfeld tritt die geballte spielerische Klasse von Iniesta, Xavi, Xabi Alonso und David Silva in Wettbewerb mit dem Genie eines Andrea Pirlo und der Wucht von Daniele de Rossi. Im Angriff setzt Italien mit zwei Stürmern auf den Gegenentwurf zum spanischen Modell. Mario Balotelli und Antonio Cassano stehen für das Unberechenbare. Mit bisher drei Turniertoren schickt sich Balotelli an, alleiniger EM-Torschützenkönig zu werden. "Die Achse Italiens heißt Pirlo und Balotelli", meint der spanische Trainer Vicente del Bosque.
Ansichten:
Cesare Prandelli (Italien): "Das Spiel gegen Deutschland war das schönste meiner Trainerkarriere. Meine Mannschaft lebt von Herz und Hingabe, wir werden bereit sein für das Finale. Aber Spanien ist Favorit."
Vicente del Bosque (Spanien): "Italien war die Mannschaft, die uns am meisten Ärger gemacht hat. Sie sind viermaliger Weltmeister, wir müssen also nicht von uns als Favoriten sprechen. Die Chancen stehen 50:50. Die Italiener haben eine Mannschaft, die sehr gut arbeitet. Wir müssen die bestmögliche Leistung zeigen, um sie zu besiegen."
Und sonst?
Die Saison fing für Pedro Proenca schlecht an. Im August 2011 verpasste ihm ein Fan von Benfica Lissabon einen Faustschlag, der Proenca zwei Zähne kostete. Seinen Saisonstart musste der portugiesische Schiedsrichter verschieben. Wer konnte da ahnen, welche sportlichen Weihen der 41-Jährige im folgenden Sommer erfahren sollte. Am Sonntag pfeift Proenca das Endspiel der Europameisterschaft, rund eineinhalb Monate, nachdem er schon das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und dem FC Chelsea leitete. Es ist sein vierter Einsatz bei dieser EURO. Er hatte es bereits mit beiden Finalteams zu tun, mit den Spaniern in der Vorrunde gegen Irland, mit den Italienern im Viertelfinale gegen England. Proenca ist der erste Portugiese, der ein EM-Finale leitet.


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