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Mazzola: "Italien fehlt ein Stürmer wie Gomez"
Sein Duell mit Franz Beckenbauer im Jahrhundertspiel bei der WM 1970 ist ein Stück Fußball-Geschichte. Die Augen von Sandro Mazzola glänzen, wenn er von der Schlacht im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt berichtet, von der besten Verlängerung, die es je gegeben hat, vom 4:3 seiner Italiener.
Das Spiel hat die sportliche Laufbahn des damaligen Inter-Stars geprägt. Mazzola (69) stürmte in 70 Länderspielen für die Azzurri und erzielte 22 Tore. Der gebürtige Turiner, mit Inter 1964/65 Europacup- und Weltpokalsieger sowie Teilnehmer an drei WM-Endrunden, fiebert nun dem EM-Halbfinale am Donnerstag entgegen. Deutschland geht laut Mazzola als Favorit in das Duell.
Frage: Sandro Mazzola, warum hat die DFB-Auswahl Ihrer Ansicht nach bessere Chancen als Italien?
Sandro Mazzola: Deutschland ist eine kompaktere Mannschaft. Sie hat einen kräftigen Stürmer wie Mario Gomez, der ein wahrer Eckpfeiler des Teams ist. Auch Spieler wie Lahm und Özil sind beeindruckend. Viel wird auch von Bastian Schweinsteiger abhängen, der ein absolut entscheidendes Element der Mannschaft ist. Deutschland darf jedoch nicht zu siegessicher sein. Oft war die DFB-Auswahl Favorit und ist dann Italien erlegen.
Frage: Wie hat sich die deutsche Nationalmannschaft seit der Heim-WM 2006 verändert?
Mazzola: Die Nationalmannschaft hat sich vom technischen Standpunkt sehr gebessert. Das Spiel ist fantasievoller und innovativer als in der Vergangenheit geworden. Dazu haben meiner Ansicht nach auch die Spieler mit ausländischen Wurzeln beigetragen.
Frage: Was unterscheidet Bundestrainer Joachim Löw von Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli?
Mazzola: Es sind zwei verschiedene Persönlichkeiten. Ich habe Prandelli als Kicker kennengelernt, als er noch bei Cremonese spielte. Er war immer ein sehr talentierter Fußballer, diese Fähigkeiten zeigt er auch als Coach. Er bereitet die Spieler nur technischen und taktisch gut vor, sondern er motiviert sie auch bestens. Er ist ein sehr guter Psychologe, das ist für einen Trainer wichtig.
Frage: Was fehlt den Italienern, um die EM gewinnen zu können?
Mazzola: Uns fehlt ein kräftiger Stürmer wie Gomez. Wir haben jedoch zwei Stars, Andrea Pirlo und Daniele De Rossi. Sie können für Deutschland gefährlich werden.
Frage: Sie standen beim angeblich besten Spiel der Fußballgeschichte auf dem Platz. Welche Erinnerungen haben sie an das Jahrhundertspiel gegen Deutschland im Halbfinale der WM 1970?
Mazzola: Ich duellierte direkt gegen Beckenbauer. Er war ein großartiger Fußballer, nicht nur wegen seiner technischen Fähigkeiten, sondern auch wegen seines korrekten Verhaltens. Ich habe Beckenbauer später mehrmals getroffen. Er ist ein intelligenter Fußball-Manager, der großen Respekt für seine Mitmenschen hat. Beeindruckend war für mich auch Wolfgang Overaths linker Fuß. Er war einfach fantastisch.
Frage: Was halten Sie von Italiens Hitzköpfen Mario Balotelli und Antonio Cassano?
Mazzola: Balotelli hat großes Talent. Früher oder später wird er reifen und vernünftiger werden. Cassano spielt gut, vor allem, wenn man seine lange Pause berücksichtigt.
Frage: Welche italienischen Spieler haben bisher noch nicht ihr volles Potenzial abgerufen?
Mazzola: Claudio Marchisio könnte meiner Ansicht nach mehr leisten. Er glänzt in dieser EM nicht, wie er könnte. In seiner Position könnte er sogar einige Tore erzielen.



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