News-Meldung
Seiteninhalt drucken
Die Trainer der Gruppe D: Der Floh und der Löwenbändiger
Sie stehen bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine in der Verantwortung. Sie träumen vom Titel, sie wollen ihre Mannschaften zum großen Erfolg führen. Die Trainer der EURO-Teilnehmer im Porträt. Heute: Gruppe D.
Oleg Blochin (Ukraine)
Er ist so etwas wie der "Beckenbauer der Ukraine". Und deshalb konnte auch nur er würdig sein, die Ukraine zu einer Heim-EM zu führen: Oleg Blochin. Seinen Namen kennt in der Ukraine jedes Kind, er ist selbst in der ukrainischen Fußball-Hymne verankert. "Auf geht's Burschen, stürzen wir's runter - wir trinken auf Blochin", heißt es dort.
Also ist "La Blocha" (der Floh) auch der größte Hoffnungsträger dafür, dass es auch während der EM-Endrunde im eigenen Land etwas zu feiern geben wird. Sein Ruf im Lande ist vom Abschneiden nicht wirklich abhängig, schon im Februar wurde sein Vertrag bis zur WM 2014 verlängert. Doch mehr noch als Stürmerstar Andrej Schewtschenko in jüngerer Vergangenheit verbinden die Ukrainer mit Blochin Erfolg. Zwei Europapokale gewann er, in beiden Finals traf er, 1975 wurde er Europas Fußballer des Jahres. Und auch wenn er als Spieler immer das russische Nationaltrikot trug, er war immer einer von ihnen. Schließlich hielt er Dynamo Kiew 19 Jahre die Treue.
Auch bei der einzigen Turnierteilnahme, der WM 2006, war Blochin Trainer der Ukraine. 2007 war er zurückgetreten. Im April 2011 kehrte der Fußball-Volksheld zurück. Schließlich ist er nur würdig, die "Mission Heim-EM" zu leiten.
Roy Hodgson (England)
Norwegisch, Schwedisch, Japanisch, Deutsch und Italienisch - außerdem ein bisschen Koreanisch, Dänisch, Französisch und Finnisch: Die Sprachkenntnisse von Roy Hodgson sind bemerkenswert. Jetzt muss der 64-Jährige nur noch die richtige (An)Sprache für die englischen Nationalspieler finden.
Keine leichte Aufgabe. Denn als Wunschkandidat galt Hodgson nach dem Rücktritt des Italieners Fabio Capello nicht unbedingt. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde Harry Redknapp den Posten übernehmen.
Die notwendige Erfahrung für ein großes Turnier bringt Hodgson aber mit. Seine Trainerkarriere dauert bereits über 35 Jahre. Hodgson arbeitete unter anderem in Schweden und in Dänemark, in Italien bei Inter Mailand und Udinese Calcio, er war Nationaltrainer der Schweiz, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Finnland. Jetzt steht er allerdings vor seiner größten Aufgabe.
Laurent Blanc (Frankreich)
Das Bild des Kapitäns, der vor jedem Spiel Torhüter Fabien Barthez die Glatze küsste, ist noch jedem in Erinnerung. Dass Laurent Blanc, "le Président" der französischen Weltmeistermannschaft von 1998, im Achtelfinale gegen Paraguay auch das erste Golden Goal der WM-Geschichte erzielte, wissen nicht mehr ganz so viele.
Als 97-maliger Nationalspieler hat der einstige Abwehrchef maßgeblich zu den großen Erfolgen der Équipe Tricolore rund um die Jahrtausendwende beigetragen. Als Trainer muss sich der mittlerweile 46-Jährige dagegen noch beweisen. Zwar trat er mit der Empfehlung des Titelgewinns in Frankreich 2009 mit Girondins Bordeaux die schwierige Nachfolge des umstrittenen Nationaltrainers Raymond Domenech an. Doch die große Frage ist, ob er die Zeit für einen Neuaufbau bekommt.
Nach zwei Niederlagen zum Amtsantritt ist Blanc mit Frankreich seit 18 Spielen ungeschlagen, musste bei der EM-Qualifikation allerdings bis zum letzten Spieltag zittern, sorgte mit dem 2:1-Sieg in Bremen gegen Titelanwärter Deutschland aber für einen Paukenschlag. Blanc mahnte immer wieder Geduld an: "Du kannst die Qualität des Spiels oder der Mannschaft nicht im Supermarkt kaufen."
Erik Hamrén (Schweden)
Es ist eine vertrauenerweckende Ausstrahlung, die Erik Hamrén anhaftet. Das gutmütige Lächeln trägt dazu ebenso bei wie die positive Grundhaltung. Es sind Eigenschaften, die dem 54 Jahre alten Trainer der Schweden zweifelsohne geholfen haben, eine verunsicherte schwedische Mannschaft nach der verpassten WM-Qualifikation 2010 wieder aufzurichten und mit jungen Spielern und offensiver Ausrichtung zur EURO 2012 zu führen.
Eine Stärke und ein Erfolgsgeheimnis ist wohl die Tatsache, dass Hamrén versucht, auf jeden Spieler einzeln einzugehen und anders zu behandeln. Dies sei seine Philosophie, "um so viel wie möglich aus jedem Spieler herauszuholen".
Hamren übernahm das Amt 2009 nach der neunjährigen Ära von Trainer Lars Lagerbäck und hatte zuvor auf Vereinsebene unter anderem den dänischen mit Aalborg BK (2008) sowie den norwegischen Meistertitel mit Rosenborg Trondheim (2009) gewonnen. Seine aktive Karriere beendete Hamrén dagegen bereits im Alter von 18 Jahren.



Artikel kommentieren