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Die Trainer der Gruppe A: Taktiker, Träumer, Titelsammler
Sie stehen bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine in der Verantwortung. Sie träumen vom Titel, sie wollen ihre Mannschaften zum großen Erfolg führen. Die Trainer der EURO-Teilnehmer im Porträt. Heute: Gruppe A.
Franciszek Smuda (Polen)
In seiner aktiven Laufbahn gehört er nicht zu den ganz großen Fußballern seines Landes. Doch bei der EM in eigenen Land möchte Franciszek Smuda Geschichte schreiben und sich ein Denkmal setzen. Seit dem 29. Oktober 2009 ist der gebürtige Oberschlesier Trainer der polnischen Nationalmannschaft. Smuda sprach von der Erfüllung eines Traumes, den er bei der EM vollenden will.
Sein Amtsantritt stand unter keinem günstigen Stern. Polen hatte gerade die Qualifikation für die WM 2010 verpasst. Inzwischen jedoch hat der EM-Gastgeber wieder eine schlagkräftige, junge Mannschaft, die erstmals in der Historie die K.o.-Phase erreichen kann. Mit akribischer Arbeit hat Smuda seinen Kader getestet und besonders die Defensivprobleme weitgehend korrigiert.
Seine Erfahrungen als Trainer resultieren aus insgesamt 20 Engagements bei Klubs in Deutschland, in der Türkei auf Zypern und in Polen, ehe er den Niederländer Leo Beenhakker beim Nationalteam ablöste. Die größten Erfolg auf der Trainerbank feierte Smuda mit insgesamt drei Meisterschaften mit Widzew Lodz und Wisla Krakau.
Fernando Santos (Griechenland)
Fernando wer? Der Nachfolger von Otto Rehhagel sorgte bei seiner Vorstellung im Juli 2010 durchaus für Stirnrunzeln. Zwei Jahre später hat sich der international eher unbekannte Fernando Santos längst einen Namen gemacht. Der Portugiese marschierte mit Griechenland ungeschlagen durch die EM-Qualifikation und wurde schon vor dem Turnier mit einer Vertragsverlängerung bis zur WM 2014 belohnt.
Dabei hatte der 57-Jährige zuvor nur Vereinsmannschaften trainiert. Das allerdings mit Erfolg, nicht zuletzt in seiner zweiten Heimat Griechenland: Mit AEK Athen holte Santos 2002 den Pokal, zudem trainierte er die griechischen Traditionsklubs Panathinaikos Athen (2002-2003) und PAOK Thessaloniki (2007-2010). In seiner Heimat Portugal hatte er zuvor den FC Porto 1999 zur Meisterschaft sowie 2000 und 2001 zum Pokalsieg geführt. Bei der EM ist Santos neben dem Niederländer Dick Advocaat (Russland) und dem Italiener Giovanni Trapattoni (Irland) einer von nur drei Trainer-Legionären. Der erhoffte Umbruch beim Titelträger von 2004 ist dem Taktiker, der seine aktive Karriere schon mit 21 Jahren beendete, allerdings nur zum Teil gelungen.
Viel vorgenommen hat sich Santos dennoch: "Wir müssen uns zu 100 Prozent auf die Endrunde konzentrieren und unseren Prinzipien treu bleiben: Leidenschaft, Organisation, klaren Kopf bewahren und immer auf Sieg spielen."
Michal Bilek (Tschechien)
Mit der Rolle des Außenseiters kann Michal BÃlek gut leben. "Wir wissen, dass wir nicht zu den Top-Favoriten zählen", sagt der 47-Jährige vor dem Turnier in Polen und der Ukraine. Kein Wunder, denn von der goldenen Generation, die 1996 im EM-Finale in England mit 1:2 nach Golden Goal durch Oliver Bierhoff gegen Deutschland verloren hatte, ist niemand mehr übrig.
BÃlek selbst hat eine erfolgreiche Karriere als Spieler vorzuweisen. 1989 wurde er zu Tschechiens Fußballer des Jahres gewählt, gewann unter anderem vier tschechoslowakische Meisterschaften und viermal den Pokalwettbewerb in seiner Heimat. Nach dem Wechsel auf die Trainerbank feierte der frühere Nationalspieler in seiner Geburtsstadt mit Sparta Prag 2007 den Gewinn des Doubles. Zuvor hatte er übrigens im Jahr 2000 beim Prager Siebtligisten Haje Jizni Mesto erstmals als Trainer gearbeitet. Im Juli 2009 folgte schließlich der Wechsel zum Nationalteam - zunächst aber nur als Co-Trainer. Erst nachdem sich Ivan Hasek als Cheftrainer im Oktober zurückgezogen hatte und sich auf die Position des Verbandspräsidenten konzentrierte, konnte BÃlek seine Chance als neuer Chef nutzen.
Bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Südafrika fehlte BÃlek mit den Tschechen nach der verpassten Qualifikation - umso mehr will er sein erstes großes Turnier nun zur Wiedergutmachung nutzen.
Dick Advocaat (Russland)
Dick Advocaat war lange Zeit Russlands Fußball-Liebling. Doch nach der EURO 2012 in Polen und der Ukraine macht der 64-Jährige als Nationalcoach der Sbornaja Schluss; er kehrt zu seinem Ex-Klub PSV Eindhoven zurück. Bei der EM wird allerdings der Ex-Coach von Borussia Mönchengladbach nochmals die Verantwortung tragen und will mit seiner Mannschaft an die Erfolge seines Vorgängers Guus Hiddink anknüpfen. Dieser hatte Russland 2008 in Österreich und der Schweiz immerhin ins EM-Halbfinale geführt. Seit 2010 trägt Advocaat die Verantwortung, schaffte mit seinem Team die EM-Qualifikation und wird als Russland-Kenner geschätzt.
Schließlich führte er 2008 Zenit St. Petersburg zum UEFA-Cup-Triumph. Er weiß um die Befindlichkeiten der russischen Spieler, die immer schon technisch sehr gut ausgebildet waren, aber häufig taktisch gravierende Fehler machten und im entscheidenden Moment scheiterten. Advocaat hat dies geändert.
Dabei lässt der Oranje-Coach seine Spieler auch schon mal an der langen Leine laufe. Nach geglückter EM-Teilnahme kündigte er an, er ihnen auch mal einen kräftigen Schluck Alkohol und eine Zigarette genehmigen zu wollen. Ansonsten gilt Advocaat als Disziplinfanatiker, der die PSV Eindhoven wieder zu alten Erfolgen ab der neuen Saison führen soll. Dafür verzichtete er sogar auf seine noch zweijährige Vertragsoption mit dem russischen Verband RFU bis 2014.



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